Wann beginnt Sterben?

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    • Ich hab den Film jetzt auch gesehen, fand den allerdings aus verschiedenen Gründen an verschiedenen Stellen relativ "heftig". Also, emotional für mich persönlich jetzt.
      Das ist ganz sicher ein Film, der zeigt, wie es auch laufen kann - und als Annäherung ans THema auch gut- zum Anpirschen, sozusagen.
      Für mich persönlich waren Stellen dabei, die mir jetzt gerade zu "dicht" sind. Ich hab da grad zu wenig Metaperspektive für, als dass ich mir das so ungefiltert antun will.
      Wie sagte sie doch: "Angehörige sind in dieser Phase sehr verletzlich, sehr dünnhäutig." Ja.
      Also, ein guter Film, für mich allerdings nicht der stimmigste Zeitpunkt dafür grad.
      Grüße,
      Kirsten
    • So ganz auf den Punkt habe ich hier keine Nachricht absetzen können, da ich selbst im KH lag, aber:

      in der Nacht zum ersten Mai, kalendarisch zu Beltane (der Vollmond ist ja noch hin) hat meine Oma sich auf den Weg gemacht. Merkwürdig, so dirrekt gegenüber von Samhain... fast die Antithese...

      Nun... ich selbst war verkabelt mit einem Langzeit-EKG, schlief, träumte und sah sie im Traum über eine Wiese laufen und dachte selbst im Traum : "Aber sie kann doch gar nicht mehr laufen und so jung ist sie auch nicht mehr..." Dann hörte ich eine, nicht ihre, Stimme im Traum: "Hier kann jeder laufen." und da wußte ich, was geschehen war.
      Ich wurde wach, sah auf die Uhr (kurz vor fünf), klingelte dem Pfleger, weil ich mal mußte, und schlief danach nochmal ein.
      Als meine Mutter morgens anrief, merkte ich, wie sie mit den Tränen kämpfte und sagte nur: "Ich weiß es schon. Sie hat sich verabschiedet." Meine Mutter war wieder ziemlich entsetzt: "Woher weißt Du das? Du warst doch gar nicht da!" (Irgendwann sollte ich lernen, dass es für meine Mutter immer noch jedes Mal ein Schreck ist, warum auch immer - ich finde es so normal mittlerweile) und so ging sie also.
      Ich habe mich unten in der Kapelle des Krankenhauses, wo eh keiner war, eine knappe Stunde von ihr verabschiedet. Sagen wir, es war ein "Gottesdienst" der anderen Art. *lächel* Aber für mich war es stimmig so.
      Morgen nachmittag ist dann die offizielle Beerdigung- aber sei es drum. Wir hatten unsere Abschied.
      Und das finde ich wichtig so, für mich. Abschiede gehören dazu, wollen und müssen begangen werden, wenn sie dran sind.
      Adlerin
    • Ich finde es immer wieder schön und berührend zu gleich wenn Menschen solche "magischen" Momente erleben dürfe, enthalten sie doch soviel mehr von allem was wir im "realen" nicht wahrnehmen (können)....ich finde es so schön für dich das du dies mit deiner Oma erleben durftest und wünsche dir ganz viel schöne Erinnerungen an eure gemeinsame Zeit....
      Fritz Reuter schrieb dazu einmal:
      Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.

      Ich bin ich, ihr seid ihr.

      Das, was ich für dich war, bin ich immer noch.

      Gib mir den Namen, den du mir immer gegeben hast.

      Sprich mit mir, wie du es immer getan hast.

      Gebrauche nicht eine andere Lebensweise.

      Sei nicht feierlich oder traurig.

      Lache weiterhin über das,

      worüber wir gemeinsam gelacht haben.

      Ich bin nicht weit weg,

      ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.

      Ganz liebe Grüße :knuddeln:

    • Liebe Adlerin,

      mich berührt es sehr, dass sie sich auf diesem Weg bei Dir verabschiedet hat und der Gottesdienst macht mich im Herzen froh.

      Ich zünde eine Kerze an.

      Lieber Gruß

      Ursus
    • Wir waren uns nah. Wirklich nicht immer einer Meinung, nein, aber immer nah. Das war nie kaputt zu kriegen, ist es auch jetzt nicht. Ja, ich habe geweint, werde es wohl auch ab und zu noch, aber... ich habe auch gelächelt und gedankt. nein, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, das Band bleibt. Wir haben uns immer geliebt. Die Form... je nun. 's ist halt so - 's ändert nix. Dank für die Kerze, eine weiße brennt bei mir auch.
      Kirsten
    • So... heute war also nun die Beerdigung.
      Was für ein Gegensatz zu der meines Onkels im letzten Jahr. Hier war deutlich zu spüren, dass der Pfarrer von einer Frau spricht, die er kannte, dass hier ein Mensch geht, der in seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, sehr verwurzelt war. Was mich berührt hat, war, wieviele Menschen unterschiedlichen Alters mit uns gebetet, gedankt, gesprochen und gesungen haben. Ein runder Abschluß, das war fein so, das tat und tut gut.
      Zwei alte Klassenkameradinnen von mir, die noch vor Ort sind, die ich aber seit Jahren kaum mehr sehe und wo auch kein enger Kontakt besteht, waren ebenfalls da und die eine hat mir noch eine sehr persönliche Geschichte erzählt, die sie gemeinsam mit einem ihrer beiden Kinder vor zwei Jahren mit meiner Oma erlebt hat. Etwas, das ich auch überhaupt noch nicht wußte.
      Es war schön, zu sehen, dass sie, die nie "an den großen Rädern" gedreht hat und das auch nie wollte, doch im Kleinen vielen Menschen einiges bedeutet hat. Das macht mir Mut, dahingehend, dass es nicht immer die großen Dinge sind und sein müssen, etwas zu verändern.
      Auf der rückfahrt vorhin sah ich einen doppelten Regenbogen. Das letzte Mal davor war lange her. Mag sein, dass es Zufall ist und ich überinterpretiere, aber... für mich war es ein letzter Gruß.
      Kirsten
    • Vorhin hatte ich lange und intensiv auch Dich/Euch gedacht. Schön, das mit dem Regenbogen. Möge es Zufall gewesen sein - es war schön - also wenn dann ein schöner Zufall.

      Ja - wenn wir darüber diskutieren, was was bringt. Es bringt ALLES etwas. Die kleinsten Dinge und die großen zudem.

      Danke liebe Adlerin fürs Teilen ... :knuddeln:
    • Liebe Ursus,
      danke hier für die Möglichkeit des Teilens und auf diese Art auch Wachsens.
      Dieser Thread begann im Juli 2010, nachdem ich während eines Forentreffens mich "komisch" fühlte und die mir dort durch den Kopf sausenden Gedanken erst später als Gedanken meiner Oma erkennen konnte, die einen Schlaganfall erlitten hatte.
      Nun haben wir Mai 2012 und sie ist gestorben. Diese knapp zwei Jahre waren für mich was das Thema "Tod, Sterben und Abschied" angeht, sehr intensiv und wenn ich so durch den Thread gehe, (was ich heute spät nachts noch einmal tat, da dies alles eh in mir kreiste), dann kann ich diese Intensität auch im Faden spüren. Immer wieder gab es Reflexion und auch die Gelegenheit, zu teilen, was mich hier mit dem Thema wann, wie, warum und wozu bewegt hat.
      Das ist ein Prozess und ich danke allen, die sich schreibend und/oder lesend daran beteiligt haben, seien sie nun noch im Forum begleitet. Von den Spirits und auch von Euch. Dafür bin ich dankbar.
      Dieser Prozesss ist nicht abgeschlossen (nicht nur weil mein Opa noch lebt), sondern auch, weil dieses ganze Thema Abschied, Wandel, Tod, Geburt... sich immer wieder durch mein Leben zieht. Sicher, alle Menschen betrifft das - und auch bei mir gibt es Phasen wo es mal mehr und mal weniger stark spürbar ist.
      Insgesamt ist dieses Thema aber eins, das mich sehr stark begleitet. In immer neuen Variationen. Es ist mit Sicherheit ein Lebensthema von mir, eins, mit dem ich mich diesmal ganz grundlegend befasse.
      Und dabei hilft mir unter anderem auch dieser Thread.
      Adlerin
    • Liebe Adlerin..

      Mein Vater ist gestern Nacht um 3.30 Uhr ganz unerwartet von uns gegangen..

      Sterben ist nicht jetzt - nicht hier.. Sterben ist ein Prozess der früher eintritt als wir es bewusst erleben..
      Der Sterbeprozess - der des Ablösens beginnt unbewusst und früh..

      So schenkte mir mein Vater Versöhnung... - nach all den Jahren..
      vor etwa einem Jahr fanden wir uns wieder - emotional- und ich glaube, unbewusst beginnt das Sterben mit solchen Entscheidungen..
      Die Dinge zu tun, die zu tun sind... loszulassen.. unbewusst

      und das weitaus früher als vor dem "eigentlichen" Sterben..

      Alles alles Liebe für Dich :knuddeln:

      Melanie
    • Liebe Melanie,

      das Unerwartete, ja... das ist nochmal anders. Weil es diese Vorbereitung in dem Sinne nicht gibt, dieses Wissen um einen (den) bevorstehenden Abschied.
      Aber... wie Du es beschreibst, gibt es diesen Abschied eben doch... unbewusst, wie Du ja selbst auch sagst.
      Ich glaube, es gibt viele Ebenen (der Kommunikation), auf denen Begegnung und eben auch (Los)-Lösung stattfinden kann...
      Es ist gut, dass das, was zwischen Euch stand, ausgeräumt werden konnte (so liest es sich für mich).
      Ansonsten... ist nicht viel sagbar.
      Daher nur dies noch: Ich denk an Dich/Euch, wünsche ihm eine gute Reise und Dir Luft, Platz, Raum, zum Be-Greifen, Trauern und Er-Innern (damit das, was Du von ihm und Eurer Zeit bewahren willst, sich in Dir und für Dich verinnerlichen kann)
      Liebe Grüße und eine Umarmung :knuddeln:
      Kirsten
    • Ich zünde eine Kerze für Deinen Vater an, liebe Seelenflügel :heart: . Und mag mich gerne zu Euren Worten dazugesellen.

      Durch das, was hier steht, verstehe ich jetzt, warum meine Mutter mich damals - bevor sie operiert wurde - eben so unbedingt sehen wollte. Der Sterbeprozess - er begann. Und ich weiß nun, dass ich unglaublich glücklich bin, dass ich sowohl damals bei ihr war, als auch später, als es dann dem Ende zuging. Es waren alles Teile dieses Aussöhnungs-Prozess, der dann in 2009 in Träumen seinen Abschluss fand.

      Danke für diesen Thread liebe Adlerin - und danke Seelenflügel für diesen gerade so wichtigen Input. Gefühlt war es längst - aber so klar, war es vorher nicht.

      Und heute weiß ich, dass wir ihnen allen - auch über ihr Ableben hinaus - nahe sein können.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ursus ()

    • Heute hatte ich das Gefühl, dass sie (meine Oma) mir ganz nahe ist. Ob es ihr gut geht, bin ich mir nicht sicher. Es scheint da ein Problem zu geben...
      Ich werds anreisen- und handeln, falls ich darf.
      Möge Frieden sein.
      Kirsten
    • Ursus schrieb:

      Vielleicht könnte es auch "Wenn Menschen zu Hause sterben dürfen" heißen ...


      dann mach doch einen eigenen Thread auf.... den der Film hat mit "wann beginnt Sterben?" nichts zu tun.

      wann beginnt den sterben? es wurden viele kluge worte geschrieben.... und dem will ich nichts hinzu fügen. Dein Film, Ursus ist für hmmmm hinterbliebene Eltern. Dieser Thread hat eher einen "Normalen" werde gang. Die Jüngeren klagen über das Sterben der Älteren.

      gruß
      manchmal wünsche ich mir die Gelassenheit eines Stuhles
      den der muss auch mit jedem Arsch klar kommen


      Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, ich habe noch mehr davon
    • Liebe Stachelturm,

      komisch - denn es scheint mir Du hast den Film nicht gesehen.

      Ich habe ihn gesehen - und dort wird ausdrücklich davon gesprochen, dass Sterben möglicherweise viel früher beginnt, als uns das unterdessen heute - wo Menschen eben nicht mehr zu Hause sterben - bewusst ist. Es wird auch näher beschrieben, mit was der mögliche Sterbeprozess einsetzt ... Und ich habe Parallelen zum Sterbeprozess meiner Mutter erkennen können.

      Lieber Gruß

      Ursus

      P.S.: Ich hatte bis gerade nicht das Empfinden, dass hier eine Wertung "über wessen Sterben" hier geschrieben wird und über wessen nicht, vorgenommen wird. So verschieden sind die Wahrnehmungen, gell ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Ursus ()

    • Ursus schrieb:

      komisch - denn es scheint mir Du hast den Film nicht gesehen.


      tja was Dir erscheint ist nicht mein Problem.....

      es wurde da gesprochen vom Sterben das wohl früher beginnt. aber das ist ja die Frage..... "wann beginnt das Sterben?" und trotzdem ist es eine begleidung einers jungen Menschen der in der Familie sterben will und meinetwegen auch soll. Hat aber nichts mit der Thematik hier zu tun. sondern ist "Sterben in der Familie"

      Ursus schrieb:

      Und ich habe Parallelen zum Sterbeprozess meiner Mutter erkennen können.


      tja auch hier ist es der "normale" weg.... das alte stirbt vor dem jungen.

      gruß


      Ursus schrieb:

      So verschieden sind die Wahrnehmungen, gell ...


      auch hier, was Du für eine Wahrnehmung hat, ist ebenfall nicht mein problem.

      noch einmal gruß
      manchmal wünsche ich mir die Gelassenheit eines Stuhles
      den der muss auch mit jedem Arsch klar kommen


      Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, ich habe noch mehr davon
    • Leute, ich warte auf Untersuchungsergebnisse, die zeigen werden, ob ich den nächsten Sterbeprozess innerhalb meiner Familie zu begleiten habe.
      Deswegen habe ich am 14. Okt. diesen thread reaktiviert und auch das Gedicht im Selbstverfassten geschrieben.
      Ich habe im Moment weder den Artikel gelesen, den Markus hier verlinkt hat, noch den von Ursus verlinkten Film angeschaut- und ich gestehe: Ich werde es auch jetzt nicht tun.
      Mir hängt das Thema "Tod" "Abschied" und "Sterben" grad sowas von zum Hals raus, das kann ich gar nicht mit Worten sagen, wie! Ich bin es so leid!!!!
      Und wenn es ein Elternteil betrifft, ist nochmal anders. Dann geht die letzte Generation, die zwischen der Schwarzen Alten und einem selber steht. Und sie hat das letzte Wort, nicht wir, auch was Zeitpunkte u.ä. betrifft.
      Von daher: Wenn's dran ist, ist's dran- aber die Warterei, auf was jetzt ist, die Unklarheit, die völlig unterschiedlichen Meinungen von angeblichen Fachleuten... das alles kostet Nerven- und Kraft.
      Und ich habe im Augenblick genug Bereiche, die Kraft brauchen. Also seids so freundlich, verschont mich mit Debatten, was hier OT ist und was nicht.Ich kanns (weil nicht gelesen/gesehen) nicht beurteilen. Und ich kümmere mich erstmal um MICH, meine FAMILIE, meine Beziehung, meine Job-wechsel-situation und mein Unterforum. In genau dieser Reihenfolge. Und der Rest ist mir grad wurscht- da hab ich jetzt keinen Nerv für.
      Kirsten