Wann beginnt Sterben?

  • Gestern war die Beerdigung meines Onkels. Sehr seltsame Sache, das. Also, klar ist es normal, jemanden zu beerdigen, aber wie diese Beerdigung war, wird mir wohl noch eine Weile in Erinnerung sein - und zwar nicht in angenehmer. Selten so eine Atmosphäre erlebt, egal wo. Es war so ... leer, aber auf unangenehme Art.
    Da warn ein paar Sachen, die warn einfach nur ... seltsam. Aber nun gut. Vielleicht verstehe ich das irgendwann - und wenn nicht, dann nicht.
    Steinadler

  • Liebe Kirsten :knuddeln:
    diese seltsame unangenehme Leere, die im Raum da war. Meinst Du damit, das die Trauergäste "förmlich" zur Beerdigung da waren und die Herzensenergie, die fehlte diese Leere Dich spüren liess? Oder, dass Dein Onkel nicht mehr präsent war, weil er vor seinem Beerdigungstag schon ins Licht gegangen ist, und deshalb die Leere?
    Heidi

  • Die Leere die einem Bewusst macht das der Geliebte Mensch nicht an-zufassen ist? Oder das nicht mehr gefragt werden kann was noch offen ist? Ein Mensch der einen großen Teil des Lebens einen Begleitet hat gibt einem eine Leere, die Bewusst macht das von nun an das Leben ohne diesen Menschen weiter geht.


    Meine Erfahrung ist, das durch jedem von mir geliebten Menschen der ging mich Selbstständiger und Unabhängiger gemacht hat. Als wenn jemand Erwachsen wird. Auch wenn am Anfang die Leere und Trauer vorangestellt war, ist mit der Zeit Heilung mit diesen Menschen in mir gekommen. Jedes Sterben ist ein Neubeginn für die Hinterbliebenen. Es wird erst später einem bewusst.


    Gib dir die Zeit der Trauer und des Loslassen.

  • Ich meine nicht die Leere, die durch eine Lücke entsteht, weil jemand stirbt. Das kenne ich, darauf war ich vorbereitet.
    Ich meine die Leere einer Zeremonie, die entsteht, wenn jemand (in dem Fall ein Pfarrer) über jemanden redet, den er nie gesehen oder gesprochen hat. Das war Bla - und sonst nichts.
    Es gibt sehr gute Rituale und Gottesdienste - auch im christlichen Kontext. Das da war leer, da war nichts, einfach nur nichts.
    Und es gab auch einige Begleiterscheinungen hinterher, die mich zukünftig eher Abstand suchen lassen zu einigen Menschen. Das war schon in verschiedener Hinsicht ziemlich aufschlußreich.
    Manche Menschen "entpuppen" sich, wenn sie unter Druck stehen - was herauskommt, sind allerdings nicht immer Schmetterlinge.
    Steinadler

  • Hallo ihr Lieben


    Wann beginnt Sterben?


    Mit der Zeugung...leider.


    je nach dem früher oder später. Aber definitiv mit der Zeugung.


    Herzgruss


    scharlaman

  • Adrian, grad von Dir hätte ich gedacht, dass Du liest, was da steht, ehe Du antwortest.
    Um Philosophie ging/geht es in diesem Thread ausdrücklich NICHT. Sonst hätte er im Philosopha gestanden.
    Gruß,
    Adlerin


    themenbezogener Nachtrag: Meine Großeltern leben beide noch, allerdings mit zum Teil deutlichen Verschlechterungen des Gesamtzustands. Mein Großvater kann sich durch seine Parkinson immer schlechter bewegen, ist fast taub, hatte Depressionen (hat er auch noch), nur merkt man die jetzt weniger als früher, da sich eine beginnende Demenz darüberzulegen beginnt.
    Meine Oma, da ist es im Moment schwierig, was zu sagen. Sie ist gestürzt (ohne Bruch), aber mit dem Kopf aufgeschlagen. Sie ist vordergründig "wie immer", aber sie schläft seitdem sehr, sehr viel (manchmal schläft sie mitten im Satz ein), isst relativ wenig und "schrumpft" immer mehr, irgendwie. Allerdings (noch?) mit klarem Kopf. Ich habe das Gefühl, beide ziehen sich langsam, sehr langsam, aus der Physis zurück, auf unterschiedliche Arten und Weisen.
    Ich beobachte und versuche, emotional dazusein, wobei das, im Sinne eines emotionalen Kontakts, mit meinem Opa immer schwieriger wird. Pflege kann ich weder körperlich leisten, noch bin ich vor Ort. Noch macht es meine Mutter, aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis das nicht mehr reicht, bzw. nicht mehr geht.
    Und spätestens, wenn "Fremde" ins Haus gelassen werden (müssen), wirds Zinnober geben, denn dagegen wehren sich alle beide mit Händen und Füßen. Ich steh da und sehe, was so ist und denk mitunter nur (auch wenn ich die Psyche meiner Mutter sehe) : "Mein Gott, mach es bitte für alle Beteiligten erträglich." Aber das steht nicht in meiner Macht. Ich kann nur beten. Das aber tue ich mit dem Herzen.
    Adlerin

  • Ich bitte die Spirits um Segen für meine Großeltern und den Rest meiner Familie.
    Meine Oma sagte gestern weinend: "Wie soll das nur weitergehen?" und ich bekenne: Ich weiß es nicht.
    Meine Mutter ist kurz vor dem psychischen Zusammenbruch.
    Mein Großvater hat die Schlüssel (für Haus, Hof, Remise, Fahrzeuge) gestern von selbst aus der Hand gegeben (an meinen Vater).
    Es gibt enorme Spannungen zwischen meiner Mutter und ihren beiden Geschwistern, die daher rühren, dass meine Mutter sich allein gelassen und überlastet fühlt und Angst hat, sich selbst aufopfern zu müssen.
    Sie hat mir Egoismus vorgeworfen, weil ich jetzt mehrere Wochen weg bin "Du siehst nur Dich".
    Kann sein, dass ich wirklich so ein egoistisches A........h bin, das auf die Bedürfnisse anderer keine Rücksicht nimmt. Aber eigentlich glaube ich das nicht. Eigentlich glaube ich, dass jetzt nur alte, unausgesprochene Sachen der Geschwister mit den Eltern, der beiden Alten untereinander und der Geschwister untereinander hochkommen.
    Ich empfinde es als Wirbelsturm. Und ich erachte es im Augenblick als DRINGEND, mich um mich selbst zu kümmern. Wenn das Egoismus ist, dann bin ich jetzt egoistisch.
    Jemand muß mit dem Aufopfern aufhören. Dann eben ich.
    Ich weiß es vom Kopf und komme mir wie ein Monster vor, gleichzeitig. Ich habe ein scheußlich schlechtes Gewissen und kann und darf mir selbst gegenüber doch nur so handeln.
    Irgendeine Frau MUSS in dieser Familie beginnen, sich ZUERST um sich selbst zu kümmern - zur Not eben ich. Ich werde das lernen, wiewohl momentan mit schlechtem Gewissen.
    Ich bitte den Ursprung des Lebens, die Kraft, die Werden und Vergehen schenkt, um Kraft, Unterstützung und Heilung für meine Familie und für mich. Für jeden einzelnen von uns.
    Und da ich von den vier Enkeln mit Abstand die Älteste bin, bitte ich um die Kraft, voranzuschreiten, damit meine Cousinen und mein Cousin und jene, die vielleicht noch nach uns kommen, nicht mehr meinen, sich für andere aufopfern zu müssen.
    Hilf mir, neue Gedanken zu denken, neue "Wahrheiten" in meine Seele zu pflanzen. Schenke mir den Mut, die Kraft und die Ausdauer dazu, Opfer- und Schutzgedanken , bzw. - muster loszulassen und durch neue zu ersetzen. Genug geopfert - genug sich selbst das eigene So-Sein schuldig geblieben. Gerade von den Frauen, aber nicht nur.
    Ich bete um Kraft, Schutz und Mitgefühl für und mit jedem von uns. Führe uns - als einzelne und als Familie - hin zu Neuem.
    Dies sind meine Worte. Dies ist mein Gebet.
    Adlerin

  • Hallo Adlerin!


    Und wenn du versuchst deine Mama zu unterstützen indem du sie auf Wege aufmerksam machst welche sie gehen könnte um sich und die Situation zu entlasten? Also z.b. beim Roten Kreuz anfragen oder bei der Krankenkasse ob sie Hilfe stellen können.


    Liebe Grüße
    Ruhe

  • Kann sein, dass ich wirklich so ein egoistisches A........h bin, das auf die Bedürfnisse anderer keine Rücksicht nimmt.


    dann sei endlich das egoistische A...h.... und denk an dich.


    deine mutter ist alt genug, sie weis das sie sich hilfe holen kann. deine mutter oder eltern zu betreuen kommt noch... aber jetzt ist deine zeit und da mußt du an dich selbst denken..... und tu es bitte auch....


    L.G. Stachelturm

    manchmal wünsche ich mir die Gelassenheit eines Stuhles
    den der muss auch mit jedem Arsch klar kommen


    Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, ich habe noch mehr davon

  • Liebe Ruhe,
    den Vorschlag, sich Hilfe zu holen, mache ich. Aber für einen Pflegegeldantrag müßten meine Großeltern sich zwischen 6 oder 7 Möglichkeiten entscheiden - und selbst unterschreiben. Das tun sie seit mehreren Wochen nicht. Ohne Wertung, die Formulare sind seit Wochen im Haus und es geschieht damit nichts weiter.
    Vogel-Strauß-Politik. "Wenn ich es ignoriere, erledigt sich das Problem irgendwann von selbst.
    Und da beide noch als voll geschäftsfähig gelten (ob mein Großvater es noch 100% ist, bin ich mir nicht ganz sicher), kann auch niemand über ihren Kopf hinweg entscheiden. Was ich prinzipiekll gut so finde.
    Aber für dieses Problem ignorieren zahlen andere drauf. In dem Fall meine Mutter - aber das muß sie klären, nicht ich.
    Selbst ohne uns Enkel gibt es da 8 Erwachsene: meine Großeltern, meine Mutter, Onkel, Tante, plus hjeweilige Ehepartner. Die müssen das selber hinkriegen und wenn nicht, muß es wer von außen machen. Ich kann das nicht, bloß weil ich Psychologin bin. Da würde ich meine Rolle im System total verdrehen. Die Rollen sind eh verdreht, komplett ohnehin.
    Aber ich KANN mich nicht über Eltern und Großeltern stellen. Ich bin nicht am Kopf der Pyramide, das steht mir nicht zu.


    Liebe Stachelturm,
    ich arbeite dran. Ehrlich, ich arbeite dran, an mich zu denken und die Co-Abhängigkeit aus dem Fenster zu schmeißen.
    WEnn es für meine Eltern Zeit wird, werde ich dasein, so gut ich es kabnn. Aber körperliche Pflege eines anderen Menschen kann ich nicht - und das ist auch allen bekannt. Meine Mutter spricht ziemlich offen darüber, was sie wie will und nicht. Mein Vater schweigt sich eher aus, aber durch das, was er mit seinem "kleinen" Bruder erlebt hat (mein Onkel starb im März an einem Hirntumor, wie hier ja zu lesen ist) und durch das, was er jetzt mitkriegt bei seinen Schwiegereltern, sieht er, wie es auch werxden kann. Ich denke, das braucht noch etwas Zeit - aber auch da bewegt sich was...
    Und ja, ich üb', an mich zu denken. Ehrlich. Versprochen.
    Adlerin

  • Irgendwie kann ich mich damit nicht anfreunden Adlerin. Ich denke mir, sicher hast du recht deine Grenzen zu wahren aber ich sehe auch in dir die Kraft zu führen, welche deine Familie nicht zu haben scheint. :denk:


    Liebe Grüße
    Ruhe

  • liebe kirsten,


    als ich deinen beitrag las , hatte ich den eindruck , dass in deiner familie auf seelischer ebene ein mangelgefühl/eine not existiert.
    in angesicht der handlung deines grossvaters zeigt es sich verstärkt.
    dein vater scheint nicht gut für sich stehen zu können.
    deine mutter hat angst vor überlastung .
    ...
    sollte ich recht haben mit meiner vermutung und sie sind im mangel und können selbst nicht gut für sich stehen, ist es naheliegend dass sie zum einen dir die unterstützung nicht geben können, die du selbst gerade brauchen könntest , - wohl gar nicht sehen können wie es ind dir aussieht und was für dich wichtig ist - und eben sogar von dir unterstützung für sich einfordern.


    nun, sie haben eine eigene verantwortung in mehrerlei hinsicht und du kannst diese lücken und mängel nicht ausstopfen.
    du brauchst selbst zuwendung um für dich weiterzukommen .
    mangel und mangel gibt keine fülle.


    der vorwurf an dich, du seist egoistisch - in deiner aktuellen situation, wo du gerade eine grosse chance hast !- lässt mich denken , dass da eben dieses mangelempfinden ist.
    die liebe die bestimmt für dich da ist, scheint überlagert zu sein davon. liebe ist gross und weit , nicht eng und fordernd.


    dein grossvater scheint stand zu haben. oder ? zumindest ist es eine selbstbestimmte, bewusste tat, deinem vater die schlüssel zu überreichen.


    wie stehst du zu deinem grossvater ? bist du im reinen mit ihm ?
    kannst /willst du ihn noch einmal sehen bevor du 4 wochen weg gehst ? hast du seinen segen ? das kann sehr stärkend für dich sein in den turbulenzen und natürlich auch so !


    liebe kirsten, du hast klarheit in mehrerlei hinsicht.
    ich würde dir gerne einige deiner selbst geschriebenen sätze kopieren diesbezüglich, das klappt aber gerade computertechnisch nicht.
    aber ich denke , es geht darum, dass du dir nun selbst vertraust. deinen wahrnehmungen. dass du deinen weg vor augen behältst und dich nicht in diese muster deiner familie hineinziehen lässt.


    ich wünsche dir, dass du dir selbst so sehr vertrauen kannst, dass du gar nicht das gefühl hast dich wehren oder verteidigen zu müssen, sondern dass dir deine klarheit und dein vertrauen in dich die nötige ruhe geben, selbstbestimmt zu handeln. nicht gegen die anderen , sondern für dich.


    ...das sind so meine gedanken. lieber gruss, toshka



    ps : ich glaube ich habe die schlüsselgeschichte deines grossvaters falsch aufgefasst ? ich dachte erst er wäre sehr krank und würde vielleicht bald sterben.
    warum gibt er ab ?

    * remember to walk in beauty *

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  • guten abend,


    es scheint mir häufigenorts, dass den nachkommen die verantwortung für den schmerz und das leiden der älteren generation aufgedrungen wird, bzw. die nachkommen sie sich aufdrängen lassen.
    insofern glaube ich adlerin zu verstehen, wenn sie sagt, einer müsse den anfang machen, damit aufzuhören, sich zu opfern, um anderen angehörigen zu zeigen,
    wie die kette durchbrochen wird.
    konsequent hieße dies für erwachsene kinder, ihre eltern mit ihrem wahnsinn, der vermeidung, der verleugnung, der übertragung stehen zu lassen und sich
    nicht mehr als puffer anzubieten. das bedeutet, die konditioniertheit des eigenen gewissens ganz stark zu spüren.
    aber ich erlebe das auch in bestimmten situationen, dann bekenne ich mich zu meinen schuldgefühlen und gleichzeitig sage ich 'Gott, ich kann nicht mehr, mach du für mich..'
    zu einem generationen (fürsorge-)vertrag gehören die BEWUSST gesetzten unterschriften der alten wie der jungen.
    vorbei sollte es sein, wo man ungeschrieben und aus angst zur stange hält.
    aber das ist alles eine schwierige sache.
    die vergebung kommt zu einem, wann sie will, man kann nur um sie bitten.
    aber wenn man die kette, wie du es, Adlerin, geschildert hast, nicht durchbricht, kann keine vergebung geschehen.
    dabei geht es um die beziehung des einzelnen zu gott und sekundär um diejenige innerhalb der ahnenreihen.


    ich wünsche euch frieden für heute
    LG
    windhund

    Einmal editiert, zuletzt von Windhund ()

  • Interessant, hier die Antworten zu sehen.
    Falls es übrigens noch nicht aufgefallen sein sollte ;) : Ich habe die Spirits um Segen für mich und meine Familie gebeten. Ich habe meine Familie nicht vorher gefragt - und ich stehe dennoch voll dazu, dieses Gebet nicht nur geschrieben, sondern auch gesprochen zu haben. Aber dies nur am Rande...


    Ruhe: Danke für Deine Sichtweise. es mag sein, dass in mir tatsächlich eine Anlage liegt, die man "Führungsstärke" nennen könnte.
    Dazu gehört allerdings zunächst einmal, mich selbst zu führen auf unbekanntem Gebiet. Wenn ich nicht selbst vorangehe, kann ich nicht zeigen, dass es Wege gibt - und
    welche. Das aber wäre gelebte Führung in meinen Augen, denn um "bestimmen, wo's langgeht", geht es hierbei nicht. Das wäre einfacher, aber auch Bevormundung.


    Toshka: Eine gute Analyse, wie so oft... Mangel und Mangel ergibt keine Fülle. Wie wahr.


    Mein Großvater... ein pater familias, der seine Kraft verliert. Er hat Stand, ja, Mangel an Rückgrat wäre nicht das, wo Mangel herrscht.
    Bin ich im Reinen mit ihm? Falsche Frage. Frage wäre: Kenne ich ihn überhaupt? Er ist durch seine so gut wie Taubheit sehr isoliert, was Kommunikation angeht, zieht sich auch sehr zurück.
    Ich kenne ihn kaum, weiß schon lange nicht mehr, was ihn bewegt. Habe ich seinen Segen? Puhhhh.... hat den überhaupt jemand von uns? Er hat nichts gegen mich, das sicher nicht. Aber was er wirklich von mir hält... :denk: keine Ahnung. Ich bin da außen vor, bei ihm, nicht nur, weil ich seit 1997 nicht mehr vor Ort bin, sondern, weil er, glaube ich, mich nicht gut einschätzen kann. Meinen Partner behandelt er mit reichlich Respekt, siezt ihn sogar noch immer (meine Oma macht das nicht), da ist immer so ein Unterton von: "Ich versteh nicht, wie das Mädchen lebt." Das ist es auch. Er versteht nicht, wie eine behinderte Frau, in einer Großstadt, mit Partner, aber nicht in einer Wohnung, mit einem Beruf unter dem er sich nichts vorstellen kann, lebt. Er staunt mich immer so ein bißchen an, wie so ein Kuriositätenwunder.
    Aber wir sind nicht im Unreinen miteinander. Mehr so ein erstauntes: "Wer ist die fremde Frau da am Küchentisch? Gehört die wirklich zu uns?" Also, er erkennt mich schon, so meine ich "fremd" nicht, aber... er hat keine Kategorie für mich. Sowas gibt's eigentlich gar nicht, in seinem Weltbild.
    Nein, ich hab keinen Segen oder Einverständnis von ihm (wüßte er überhaupt, wozu er es geben könnte?). Es ist mehr so ein : "Ich kann Dir keinen Rat geben, weil ich die Welt, in der Du lebst, nicht kenne. Aber ich hoffe, dass das, was wir Dir mitgeben konnten, ausreicht, um zu bestehen." Das sind jetzt MEINE Worte. Er ist kein Mann, der Worte macht. Aber das, was ich wahrnehme, wenn ich ihn sehe,übersetze ich so.
    Gute Nacht , miteinander, morgen mehr...

  • Hallo!



    Ich bin der Meinung das man auf die Segenszustimmung lange warten kann, wenn ein Mensch, bedingt durch Krankheit, Bildungsstand oder einfach nur durch das Leben selbst, seine eigene Seele nicht mehr, nur schwer oder nur Facetten davon wahrnimmt was er eigentlich ist und wohin er eigentlich will. So sollte man eher auf die Zustimmung seiner Seele achten als auf das was aus seinem Munde kommt. Wie man diese Zustimmung wahrnimmt ist eine andere Geschichte aber auf jeden Fall eindeutig.


    Liebe Grüße
    Ruhe :kuss2:

  • Hi Adlerin,
    mein Mann hat noch 5 Geschwister ... und das, was du beschreibst ist
    wohl oft der Fall, dass sich nur "eine/r" findet, um sich aufzuopfern
    (das war in dem Fall mein Mann+ich), die anderen ziehen sich zurück und
    melden sich nur, wenn es etwas zu meckern gibt.


    Meine Erfahrung bezüglich der Begleitung der Eltern (bei mir war es die
    Mutter), was ging wurde getan, was nicht mehr ging, mußte ich abgeben ....
    hier ist mir heute klar, wenn abgeben/durchbrechen, dann aber ohne
    schlechtes Gewissen, sondern mit allem was dich ausmacht, dahinterzustehen.


    Ich glaub, ich hab heute keinen guten Tag, um das auszudrücken, was ich
    eigentlich rüberbringen will.
    ate :peinlich:

    ~~~> "pure awareness" <~~~

  • Liebe Kirsten,


    Familie ist für mich ein Mysterium, jede mit eigenen Regeln und Ritualen. :hexe:


    Damals als meine Eltern zu Pflegefällen wurden,
    zog mein Vater gleich nach seinem Krankenhaus Aufenthalt bei dem er eigentlich sterben wollte, ins Pflegeheim.
    Nicht aus eigenem Antrieb, sondern er war soooo verwirrt, dass es aus meiner Sicht das beste für ihn war.


    Unsere Mutter (damals waren wir noch 4 Geschwister) zog für vierzehn Tage zu uns ins Haus.
    Das hatte zu Konsequenz, dass die Kinder nicht mehr im garten oder sonst wie um oder im Haus spielen spielen durften,
    da es der Mutter zu laut war. Unser Haus ist sehr hellhörig, durch seine Bauweise und das war fast unerträglich für sie.


    Dann ging sie in die Kur, in der Zeit besorgte ich ihr eine Wohnung im Betreuten Wohnen (Juli),
    aber schon im November sass sie so im Rolli, dass sie da nicht mehr optimal versorgt war.
    Dann die Frage: Pflegeheim oder zu mir


    Sie meinte: 'zu Dir' und ich erwiderte "Da war es Dir aber zu laut, willst Du das wirklich?"
    Sie schüttelte den Kopf. So lebte sie noch ein wenig mehr als ein halbes Jahr im Pflegeheim, bevor sie endgültig ging.


    So lange es meinen Eltern gut ging, sahen wir uns nur zu den Geburtstagen oder Weihnachten.
    Und wenn wir telefonierten, sprach ich dann und wann das leidige Thema an:
    "Wo willst Du Deinen Lebensabend verbringen, wenn Du Dich nicht mehr selbst versorgen kannst?"


    Die Antwort war immer die gleiche, "Das ist egal ... aber wenn ich tot bin will ich nur in das Onkel Grab, ja nicht zur Tante."
    Na wenn das keine genauen Anweisungen sind. :zwinker:


    Okay es ist Vergangenheit und der alte Herr wird dieses Jahr 91 ... wen er es erlebt.


    Meinen Brüdern war es recht, dass ich mich kümmerte ... tja und ich habe delegiert :werwolf:


    Lieber Gruß
    Kerstin

    ... alles hat seine Zeit ...

  • liebe kirsten,


    so wie du von deinem grossvater schreibst klingt da etwas liebevolles durch. auch achtung. auf beiden seiten. rein zwischenmenschlich.
    würde mich direkt wundern, wenn du seinen segen nicht schon - hast. der ist nicht abhängig von äusserlichkeiten.


    oft sind wir auf die zeichen und aüsserungen der *äusseren peripherie* fixiert und gar nicht in der lage wahrzunehmen, dass da *mehr* da ist.
    teilweise auch aus rückschlüssen heraus die wir irgendwann einmal aus bestimmten situationen heraus geschlossen haben - und für *ewig* gültig hielten. - aber eigentlich ist da immer : so viel mehr....


    ps :freut mich, dass du dir gerade die zeit gibst , dass sich dinge in dir *neu* ordnen können.


    ein lieber gruss, toshka

    * remember to walk in beauty *

  • Innerhalb der letzten 5 Tage ist mein Großvater zum bettlägerigen Vollpflegefall geworden.


    Erstaunlich.


    Nicht, dass das passiert, das ist bei Parkinson irgendwann dran. Aber erstaunlich, wie schnell auf einmal.
    Am Freitag ist er noch mit dem Rollator gelaufen- und jetzt das?! Ähm...
    Die Phase, einen Rollstuhl zu benötigen, überspringt er gleich mal ganz.



    Und wie befürchtet: JETZT ist die Situation so, dass schnell gehandelt werden muß, jetzt kommt das berühmte "hätten wir doch..." Es kann 6-8 Wochen dauern, bis der Medizinische Dienst rauskommt um die Pflegebedürftigkeit festzustellen - und dann kommt noch die Bearbeitungszeit bis zur Bewilligung dazu. Im Moment geht es aber ganz schnell bergab, wie gesagt, zwischen Freitag und jetzt liegen nur fünf Tage.


    Im Moment bleiben nur Nachtstuhl und Wohnzimmercouch übrig, weil Treppen unmöglich geworden sind- um Pflegebett oder Hausumbau hätte sich denn schon früher gekümmert werden müssen.


    Möge es erträglich sein- für uns alle. Und möge es dazu beitragen, dass wir alle in dieser Sippe endlich lernen, die Zeichen zu achten und wenn wri sie bekommen, nicht zu lange zu warten...

    2 Mal editiert, zuletzt von Adlerin ()