Wann beginnt Sterben?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Was für ein schmerzhaftes, trauriges, friedloses "Weihnachten". Ich war dort - und ich finde (noch?) keine Worte, für das, wie es mir damit geht und wie ich es erlebt habe.
      Sprachlos, still und stumm,
      Adlerin
    • Was mich Weihnachten so... so... ich weiß immer noch nicht wie sagen... "erschreckt" trifft es nicht, "erschüttert" eher, also, was mich Weihnachten so erschüttert hat,
      das war nicht der Zustand meiner Großeltern, nicht die Erkenntnis dessen, wie sehr sie gealtert sind, wieviel sich verändert hat. Nein, das wußte ich ja.
      Was mich so "aus den Schuhen geworfen" hat, war, wie wenig dem Rechnung getragen wurde.
      Wie sehr (und wie krampfhaft!) so getan wurde (und werden sollte) als sei grad alles wie immer. Wo es das doch überhaupt nicht war. Und jeder Versuch, ehrlich zu sagen, was ich wirklich wahrnahm, scheiterte. Ich hätte schreien können, laut schreien vor Schmerz. Nicht, weil der Gesundheitszustand so war, wie es war (das könnte man ja teilen und - gemeinsam?- tragen, wenn man denn darüber sich mitteilt), sondern dieses gottverdammte (Entschuldigung!, aber "gottgesegnet" kann ich da wirklich nicht sagen!- und "giottgewollt" kann ich mirr da nicht vorstellen) Vertuschen. Dieses :pfeif: und so tun als wenn nichts wär. Das hat unglaublich Kraft gekostet (zumindest mich, für andere will und kann ich nicht reden), es hat die ganze Atmosphäre, schwer, resignativ und ja, irgendwo auch morbide gemacht. Ich für mich habe Tage gebraucht, um aus dieser "schweren Glocke" wieder rauszukommen. Das war keine Akzeptanz, da war nicht die Spur von Bejahung darinnen.
      Das war schweigende, bleischwere Resignation, fatalistisch, aber keinesfalls ergeben im Sinne von "sich vertrauensvoll unter ein Größeres stellen", egal, wie man dieses "Größere" auch nennen mag - bei gleichzeitiger Beschwörung oder Herbeibittung genau dieses "Gottes" oder "Schöpfers" oder dieser "Macht".
      Es war... bizarr. In diesem für mich messerscharf gefühlten Widerspruch und dem Verschweigen, dem nicht Ausdrücken des Grolls und der Angst, die doch (zumindest für mich) fühlbar bis unter die Decke waren... bizarr. (Mir fällt immer noch kein Wort ein dafür...)
      Und ich merke: Ich KANN sowas nicht mehr und ich WILL sowas nicht mehr. Und doch bin ich - mit und in genau diesen Mustern- aufgewachsen. Auch ich trage Teile davon in mir. Die Scham, die Schuldgefühle, den grollenden, umso bittereren Widerstand gegen not-wendige Veränderung - wie gut kenne ich das von mir selbst.
      Und was will ich? Vielleicht ist dieses "so tun als wenn nix wär" für meine Oma tatsächlich der Weg, damit umzugehen. Wer will und kann das schon beurteilen...?
      Nur mich, mich kostet allein das ein paar Stunden Dortsein Kraft, immense Kraft. Meine Kraft, Lebenskraft. Ich bin da zu sensibel für, anscheinend. Oder einfach zu empfindsam. Ich kann mit dem Thema des "Sterbens" umgehen, aber nicht mit dieser "Vertuscherei".
      Meine Kraft, die dort gezogen und geprägt wurde, kann mit dem, womit sie geprägt wurde, kaum mehr umgehen...
      Eine Menge Druck, da für mich selbst herauszuwachsen...
      Ich komm mir vor wie in "DesKaisers neue Kleider", wie das Kind, das sagt: "Aber der hat ja gar nix an." Aber ist das wirklich mein Part, meine Rolle? Steht mir das zu? Ich bin eine der Jüngsten, wer bin ich, dort alles ins Wackeln zu bringen?
      Und wer bin ich, es nicht zu tun? Stehe ich, wenn ich es nicht tue, weiter unter dem Zwang derselben Muster? Fragen über Fragen und derzeit keine Antworten.

      Jedenfalls weiß man jetzt, dass mein Großvater eine (zunächst unerkannte) bakterielle Infektion hatte und dass die Erreger das Immunsystem ziemlich lahmgelegt und die Wirkung der Parkinson-Medikation verändert haben. Das hat dann wohl den schnellen Schub verursacht. Soviel scheint klar zu sein und die Infektion ist per Antibiotika jetzt weg.
      Die körperliche Beweglichkeit ist auch wieder besser - er läuft wieder, zumindest innerhalb des Hauses und des (Innen)hofs, der vor dem Haus liegt, aber von "draußen" getrennt ist.
      Der Geist scheint gelitten zu haben. Wochentage, Jahreszeiten, Uhrzeiten sind bunt durcheinander. Dass wir Weihnachten hatten, hat er, glaub ich, nicht verstanden, bin mir aber nicht ganz sicher. Aber Menschen erkennt er noch und spricht sie auch korrekt an.
      Alles nicht so ganz klar mehr, aber auch noch nicht komplett "weg". Meine Oma leidet darunter, dass es bei ihm so ist, (glaub ich) grad mehr als er. Wobei er, wenn er ganz klare Momente hat (gibt es noch, wird aber zunehmend seltener) auch ziemlich erschrocken ist "Meine Güte, ich kann ja gar nichts mehr selber..."
      Pflegesrtufe 2 ist bewilligt (für ihn), der Bescheid für die Oma steht noch aus.
      Seit kurzem ist jetzt auch eine Frau im Haus, die hilft. Meine Oma hat damit, so kommt es mir vor, ein Problem (weil fremd und von außen), meine Mutter ist entlasteter und mein Opa kommt mit ihr ganz gut klar, denk ich. Er kann sich zwar ihren Namen nicht merken (Neues lernen geht halt nicht mehr so), aber was ich mitbekomme, geht sie sehr ruhig und gelassen mit ihm um- und ich denke, das merkt er.
      Meine Oma schämt sich (dass er krank ist und sie auch) und meine Mutter hat glaub ich mit der Rollenvertauschung (großer starker Vater wird schwach und hilflos) ziemlich zu tun. Aber sie hat einen Blick von außen und eine herzerfrischend zupackende Art, das tut mal gut.
      Dieses ganzes System braucht Schub von außen, weil nur das die Trägheit der Masse (physikalisch gesehen) überwinden und Veränderung bewirken kann. Und ich BIN zwar draußen (weil als einzige nicht vor Ort, bzw. im direkten Zugriff durch Aufenthalt im Umkreis), aber ich bin mitten in diesen ganzen Mustern und systemerhaltenden Sätzen aufgewachsen. Was nicht zu unterschätzen ist... es wirkt. Noch immer.
      Adlerin
    • Liebe Adlerin,
      mir sagte vor ....zig Jahren eine Person, als ich körperlich &
      seelisch ziemlich nieder war, da ich in der Pflege aufging:
      Schau auf dich, deine (setz ein, was beliebt), haben den
      Großteil ihres Lebens gelebt!

      Deine Groß´is werden ihre Situation einschätzen können, was
      immer ankommt, liebevoller Umgang, Zuwendung & Aufmerksamkeit.
      Selbst freue ich mich über Zeit, welche meine Enkel, Urenkel
      mir schenken (aber sie wohnen auch vor Ort).

      Andere kannst du nicht ändern, aber deine Einstellung zum Thema.
      Selbst aus den Muster aussteigen, nicht weiterführen und d e i n
      Leben leben, wie du es bei dem jetzigen Erkenntnissen für richtig
      hälst und wie es dir gut tut.

      :herz: ate
      ~~~> "pure awareness" <~~~
    • Was Ate schon erwähnt hat, kann ich dir aus nächster Erfahrung bestätigen.

      Wie du weißt pflege ich meine Mutter.
      Lange habe ich gebraucht um vollständig zu akzeptieren, das sie, selbst für sie hilfreiche Maßnahmen und Aktionen ablehnt.

      Adlerin schrieb:

      Das war schweigende, bleischwere Resignation, fatalistisch,


      Diese Resignation kenne ich bei meiner Mutter, oh nein, ich wollte sie nicht haben... ich kannte sie in verschiedensten Varianten schon mein Leben lang und ja, sie war bleischwer.

      Bleischwer für mich, solange ich mich im Widerstand damit befand, sie nicht annehmen konnte.
      Wußte ich doch aus meinen medizinischen Kenntnissen und Erfahrungen das anders möglich war.
      Und doch, ich habe gelernt meine Mutter so anzunehmen wie sie ist, in genau dieser Art der Resignation.
      Seitdem ist es nicht mehr bleischwer.
      Im Aussen hat sich nichts anderes geändert als mein Blickwinkel.
      Ich pflege sie genauso wie vorher, doch mein Fokkus liegt nicht mehr auf die Möglichkeiten der Veränderung bei ihr, sondern auf mein Leben und dessen Gestaltung mit ihr, so wie sie ist.
      Das macht uns beiden das Leben leichter.

      Liebe Grüße

      Arthemesia
      Es ist nicht die Aufgabe eines anderen Menschen mich zu lieben wie ich bin... es ist meine.
    • Oder, um es anders auszudrücken:
      ja, es stimmt, von einem bestimmten Standpunkt fehlt der Schub der Veränderung und es wäre mehr und Besseres möglich,
      muss mich selber mit nicht dem Gleichen aber einem ähnlichen Thema auseinandersetzen.
      Doch es liegt nicht an uns, in die Seelenleben anderer einzugreifen zu zwangszuverändern.
      Daher der Weg: nicht mehr den Körper sehen und den Geist (Verstand) welcher nicht mehr so klar ist.
      Die Seele dahinter wahrnehmen.
      Jener Aspekt, welcher unberührt und unverändert konstant bleibt/ist, mit oder ohne klarer Erinnerung bzw. frei vom alternden Körper

      lG
      Christoph

      Bewusstheit schafft Heilung


      "Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen"
      Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835)
    • Lieber Christoph,
      dass die Seele den Tod überdauert, da stimm ich Dir wohl zu.
      Dass sie unverändert- unberührt- konstant bleibt, bzw. ist, glaube ich persönlich nicht. Es widerspricht meinen - auf schamanischen Reisen und medial gemachten- Wahrnehmungen, aber das theoretisch auszuführen und an praktischen Beispielen zu zeigen, greift mir hier zu weit. (neuer Thread im Philosopha? Oder im Schamanismus zu den unterschiedlichen Teilen der Seele? whatever... wäre jedenfalls vielleicht einen eigenen Thread wert...für mich allerdings erst nach dem 4. Februar vorher werd ich keine Zeit dazu haben, das zu eröffnen oder mich zu beteiligen- dann gerne).

      Liebe Ate, liebe Arthemesia,

      Ja, der Blickwinkel.... das zu akzeptieren, die Ablehnung von Hilfen und Möglichkeiten
      als Freiwilligkeit der Seele zu akzeptieren,
      ... da kann ich mich nur in Respekt IHRER derzeitigen Grenzen üben. Und ich tu's... üben, mein ich...wenn ich auch von Akzeptanz (im Sinne von Bejahung ohne Zustimmung) in diesem Punkt weit entfernt bin. (Der Kämpfer FÜR..., der aktiv handeln - und das neurologische Wissen einsetzen möchte).
      LG,
      Adlerin
    • Liebe Adlerin

      Darum schrieb ich wörtlich von "jenem Aspket". Diesen Seelenanteil gibt es sehr wohl in jedem Menschen.

      Wir kommen auf/in diese Welt, um etwas zu erfahren,
      um unsere Seele zu schulen, zu lernen, existentiell wichtige Erfahrungen beispielsweise,
      oder tiefe Emotionen, inspirierende Erkenntnisse, auch das Normalniveau dazwischen usw. zu erleben und vieles mehr.

      Dies erzeugt natürlich innere Veränderungen und Wandel, ansonsten wäre es kein wirkliches Lernen und kein echtes Erfahren,
      sondern nur Oberfläche.

      Doch muss es einen Aspekt geben in uns, der hinter all dem Veränderlichen steht,
      egal welche Prozesse und Neuerkenntnisse alle das Leben gebracht hat.
      Sonst hätte all das, was manche Inkarnationsvertrag nennen, keinen Sinn.
      Die Veränderungen können auch in unsichtbaren Ebenen stattfinden.
      Sie sind im alltäglichen Bereich manchmal an der Oberfläche,
      können sehr in die Tiefe gehen,
      nur da gibt es etwas noch Tieferes, das all dies erfährt.

      Sich in solchen Situationen sich zu befinden, wie du es heute beschrieben hattest,
      finde ich einen Hinweis, diesen Aspekt in anderen wahrzunehmen.

      Ja. so ein Thread wäre sicher einmal interessant.
      Er wird in den Antworten je nach Glaubenssystem ausfallen, aber sicher sehr interessant.

      lG
      Christoph

      Bewusstheit schafft Heilung


      "Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen"
      Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835)
    • Adlerin schrieb:

      Dass sie unverändert- unberührt- konstant bleibt, bzw. ist, glaube ich persönlich nicht

      Ich denke das es an den Teilen der Seele liegt die wir nicht mitnehmen. Den Teil wo wir mit den Irdischen verbunden sind lassen wir hier. Auch denke ich das es jeden Menschen schwer fällt zu Akzeptieren das es ohne Hilfe nicht mehr geht. Es ist mit dem der Gefühl der Freiheit verbunden. Und wer will Abhängig sein?
    • Das Wissen, Hilfe zu brauchen, ist das eine. Dass das für viele schwierig ist, auch, gerade, wenn das vorher anders war, also, wenn jemand früher alles selber gekonnt hat und das dann wegen Krankheit im Alter nicht mehr geht.
      Mit dem Abhängigsein und Unabhängigsein habe ich ein paar Gedanken dazu (mal sehen, ob ich das formuliert kriege... nicht als Widerspruch oder als "So ist es" sondern als Gedanken gerade...ins Unreine denken mal sozusagen, nicht fix...)

      "Wer will schon abhängig sein?" fragst Du, Roti. Und ich glaube, Du denkst, das sei eine rhetorische Frage und Die Antwort wäre eindeutig: "Niemand." Aber... so ist das nicht, gerade bei den zweien nicht. Herrje, wie sage ich das jetzt, wie ich das meine?
      Also, okay, vorsichtig... Hm.
      Wenn mit "Abhängigkeit" die ÄU?SSERE Abhängigkeit gemeint ist, dann stimmt das wohl, was Du meinst. Aber innerlich stimmt es - glaube ich- nicht. Da haben sich innerhalb der letzten 61 Jahre (so lange sind die zwei verheiratet) schon Abhängigkeiten entwickelt, doch. Nicht nur Gewohnheiten und Abläufe (die auch, klar), sondern wirklich auch Abhängigkeiten. Von Rollen, Verhaltensmustern und ähnlichem. Vielleicht auch von bestimmten Gedanken und Gefühlen, Bildern und Vorstellungen von sich selbst und vom jeweiligen Partner. Also, das denk ich schon. Also, wenn Du jetzt von daher fragst, wäre die Frage schon gar nicht mehr so klar zu beantworten, jedenfalls nicht rhetorisch mit einem eindeutigen Nein. Da müßt' mer schon sagen: "Wer will schon abhängig sein?" Und dann wär, glaub ich, die ehrliche Antwort: Beide.
      Gar nicht als Wertung gemeint, sondern einfach als Faktum. Meine Oma z.B. hat ihr Lebtag keine Überweisung ausgefüllt. Klingt vielleicht banal, war aber so.
      Meine Oma war in äußeren Dingen absolut davon abhängig, dass mein Opa das regelt. Das war jetzt kein Problem, mein Opa war durchaus jemand, auf den mensch sich verlassen konnte, der hat ihr da nicht geschadet oder so, aber er war für die ganzen äußeren Belange (verpachtetes Land, vermietetes Immobilieneigentum) zuständig.
      Und das kann er nicht mehr jetzt. Und sie steht da - und hat keine Ahnung. Klar kriegt sie Unterstützung jetzt - auch da wird sie wder im Stich gelassen, noch geprellt- aber abhängig war und ist sie da schon. Das hat sie aber nicht gestört, im Gegenteil, ich glaub, sie fand das normal und hat das auch erwartet von einem (bzw. ihrem) Mann.
      Wenn Du es so willst, WOLLTE sie abhängig sein und bleiben (ich denke nicht, dass er ihr die Sachen nicht gezeigt und erklärt hätte, wenn sie gefragt hätte, wie das geht.) Und ja, sie hat an mindestens zwei Stellen ihrer Lebensgeschichte, von denen ich weiß, sich dazu entschieden, von anderen (ihren Eltern, bzw. ihrem Mann) abhängig zu bleiben, wo sie - rein sachlich gesehen- andere Möglichkeiten gehabt hätte. Dazu hätte sie aber einen (bzw. zwei) Konflikt(e) durchfechten müssen - und das wollte sie nicht. Also, ja, man kann denk ich, ohne Übertreibung und ohne ihr zu nahe zu treten, sagen: Sie wollte abhängig sein- weil sie nämlich versorgt werden wollte. Weil sie ) davon überzeugt war, dass sie sich nicht selbst mit dem hätte versorgen können, was sie braucht.
      Ob das zugetroffen hätte oder nicht, ist fraglich, ich persönlich glaub's nicht, dass der Glaubenssatz gestimmt hätte, aber das ist egal, was ich da glaub.
      Also hat sie sich gegen ihren persönlichen (auch beruflichen) Traum und für den traditionellen Weg entschieden. Sie selbst spricht da durchaus von einem Opfer, das sie gebracht hat.
      Das Dumme ist nur, dass sie, weil sie so gehandelt hat, jetzt zum Teil von uns als nachfolgender Generation erwartet, das eigene Leben für sie und den Opa (sprich wiederum "für die Familie) hinten anzustellen. Und diese Erwartungen gibt es. Teilweise offen ausgesprochen, teilweise nur in Anspielungen erahnbar.
      Einer der Gründe, weshalb ich nächstes Jahr, wenn mein Vertrag hier vorbei ist, NICHT wieder in die Gegend ziehen werde.

      Mein Großvater hingegen hat sich in allen hm, ich sag mal, sozialen und emotionalen Bereichen durchaus von ihr abhängig gemacht und ihr da auch vieles überlassen. Das ist nur nicht so erkennbar, wie diese äußeren Dinge.
      Also wenn man mich da jetzt fragt: Wer will schon abhängig sein und wenn ich das mal nicht rhetorisch nehm und es nicht nur auf die Pflege und den Haushalt und so beziehe, dann wär wohl zu sagen: Beide.
      Und ich denk auch: Viele machen's so, auch heut noch. Da verlieben wir uns halt in wen, der oder die genau das gut kann, was uns fehlt und statt sich dann in die eigene Individualität und Ganzheit hineinzuentwickeln (wobei zu fragen wäre, ob das ein Ziel oder eine Aufgabe aller Menschen ist oder nicht) wird dann das, was jeder nicht so kann, an den anderen abgegeben. Ich glaub, so entstehen Rollen. Und ich glaub, beide haben zumindest einen Teil von sich selber für diese Rolle, für die Familie und wie sie dachten, dass es sein muß, aufgegeben. Ich glaub, dass diese strikt geteilten Rollen ein Grund sind, weshalb die Ehe so lange hielt.
      Nur jetzt funktionieren diese Rollen nicht mehr... Sterben und Sterbeprozesse sind schon was extrem Individuelles. Denn einem anderen das Gehen abnehmen, das kann halt keiner...
      Und für mich oder für uns ist es - einerseits - das Dasein und Begleiten, da, wo wir es jeder individuell können. Für mich (ob Mutter, Onkel, Tante, Cousin und Cousinen das auch so erleben, weiß ich nicht, darüber reden wir kaum bis nicht, je nach Person) ist es aber auch (schon jetzt, nicht erst nach dem Tod) ein Prozess des Sichtens und Siebens, ein Betrachten dessen, was ich aus dieser Wurzel (die stark und kräftig ist) bekommen habe, was ich davon behalten und mitnehmen und zum Wachsen und Blühen bringen will und was aber auch ich nicht weitertragen möchte. Man könnte meinen (und ich hatte es auch so vermutet) dass dieser Prozess erst nach dem Tod einsetzt - aber zumindest für mich ist es nicht so und beginnt bereits jetzt.
      LG,
      Adlerin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Adlerin ()

    • Mit Abhängig meine ich von Kindern, Verwandte oder Dritte. Sich selbst gestehen das es ohne dessen Hilfe nicht mehr geht. Das ist schwer. Ich kenne das aus Erfahrung zu meiner schon gegangen Mutter. Für sie war schon Peinlich, das ich ihr das Badezimmer putzte. Was früher mit Selbstverständlichkeit ging, geht plötzlich nicht mehr.
    • Verdacht auf Leberkrebs bei meiner Oma. Die heute durchgeführte Biopsie wird die nächsten Tage wohl Klarheit bringen. Die anzeichen (Blutwerte, Ultraschall, MRT) deuten alle darauf hin.
      Ich bin (noch?) relativ ruhig, irgendwie hilft mir gerade die Metaperspektive, das Ganze sachlich zu sehen.
      Nicht, dass ich keine Gefühle hätte... aber in mir ist gerade so ein: "Wir müssen's nehmen, wie es kommt." und ein Gefühl, dass die Diagnose stimmt. Auch der Gewichtsverlust würde gut passen...
      Nun, wir werden sehen.
      Und wieder bleibt mir nichts weiter, als um Kraft zu bitten und darum, dass es für alle so sanft wie möglich werden möge.
    • *fdvx5khbüf6äöbhgvbC /pöl gb* *arrrrggghhhhh* *grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr* *fauch* :attacke: :kopfhau: :traurig: :attacke: :pfeif: :traurig: :attacke:

      Das ist die momentane Lage, so ungefähr jedenfalls.
      Ich verstehe diese Familie nicht, auch- oder gerade weil?- 's meine eigene ist.
      Ich kann den Kopf gar nicht so sehr schütteln, wie mir grad danach wär...

      Egal, die Fakten: Meine Oma ist noch immer in der Klinik. Ihr Zustand ist nicht gut, weil sie sich dort jetzt auch noch einen Keim eingefangen hat. Welcher das genau ist, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, dass sie im Isolierzimmer liegt und dass mensch nur mit Überschuhen, Handschuhen und Mundschutz in den Raum darf.
      Da ich selbst mi und do mit Durchfall zu tun hatte, bin ich jetzt dieses Wochenende nicht zu ihr gefahren. (Das wärs jetzt noch, dass ich damit ungewollt noch alles schlimmer machen würde... :nein: ) Ich werd nachher nochmal mit ihr telefonieren, mal sehen, was sich dann ergibt.
      Die Ärzte reden davon, dass das, was in der Leber ist "Tochtergeschwulste" seien. Mehrere, Operation ausgeschlossen, weil dann nicht mehr genug gesundes Gewebe bliebe. Also Metastasen. Das Verrückte ist: Wenn das Metastasen sind, wo, bitte, sitzt dann der Ursprungstumor? Das ist unklar, immer noch.
      Nach dem Motto: Metastasen haben wir gefunden, woher die kommen, wissen wir nicht. Und ja, ich weiß, was Lebermetastasen bedeuten: nicht mehr viel Zeit.
      Was mich kirre macht, ist mal wieder die "Informationspolitik".
      Da wird von "Tochtergeschwulsten" gesprochen, das Wort "Krebs" als solches aber nicht verwandt. Ich hab meine Mutter erstaunt gefragt, wie das denn geht, aber offenbar geht's. Meine Oma war gestern, als ich mit ihr sprach, noch der Ansicht, die Ärzte hätten nichts gefunden. Ich war etwas sprachlos, weil das entweder heißt, dass die Ärzte nicht mit ihr, sondern nur ihren Kindern gesprochen hätten- oder dass meine Oma (aus welchen Gründen auch immer) mich schonen wollte.
      Und ich sitze - mal wieder- im üblichen Dilemma, dass ich mich frag, was hier eigentlich gespielt wird.
      Warum nur ist es in dieser Familie so unmöglich, offen zu reden? Geht das nicht mal im Angesicht des Todes, nicht einmal dann? Das kann doch nicht wahr sein!
      Und eine andere Stimme ist einfach nur noch kühl und sagt: "Was regst Du Dich auf? Du weißt es doch."
      Ja, ich weiß es. Ich weiß ja, dass es so ist, nicht nur bei diesem Thema. Ich weiß es ja, ich weiß doch, ich bin ja mittendrin aufgewachsen.
      Müßte ich es dann nicht "normal" finden? Oder es - wenigstens- mit einem Achselzucken (Marke "Ist halt so") quittieren können?
      Warum kann ich das nicht? Warum stoß ich mir immer wieder Kopf und Herz an dieser Mauer?
      Lass gut sein, sei still, sag nur was, wenn Du explizit gefragt wirst- und ansonsten schweig und leb Dein eigenes Leben.
      Das ist, was ich mir selbst sagen und wie ich selbst handeln MÜSSTE.
      Warum kann ich's dann nicht?
      Adlerin
    • Weil es möglicherweise das ist, was Deine Seele in diesem Leben lernen möchte liebe Adlerin. Und das soll sich bitte nicht kalt oder unempathisch lesen. Denn ich kann mir denken, dass das schmerzhaft, groß und heftig ist - ohne mitten drin zu stecken. Und ohne es selbst zu haben. Alleine nur vom Mitbekommen.

      Wenig Worte habe ich, um Dir Mut zu machen. Aber Dir sagen möchte ich, dass ich finde, Du machst es alles richtig gut - auch wenn es sich vielleicht manchmal so für Dich anfühlt, als würdest Du auf der Stelle treten. Ich weiß nicht, ob ich das alles so könnte und schaffen würde.

      :knuddeln:

      Möge es gut für Dich und Deine Lieben sein. Ähnliches habe ich bei unserer Mutter auch erlebt - die Info-Politik in den Kliniken ist teilweise echt hahnebüchend.

      Lieber Gruß

      Ursus
    • Hallo liebe Adlerin,
      isoliert und Keime bedeutet meist entweder Noroviren oder MSRA.Ersteres ist Magen/Darm und letzteres multiresistente Keime
      Der Ursprung der Lebermetastasen könnte der Darm sein oder andere Stelle ,gerade auch nicht so wichtig denke ich.Vielleicht vermeidet deine Mutter das Wort Krebs weil es so endgültig klingt?
      Mit Krebs wird ja häufig oder fast immer Tod verbunden und nicht jeder kann damit umgehen oder möchte es.
      Gerade scheint es dein Lernprozess zu sein.Ich bin sicher du schaffst es deinen inneren Frieden zu finden ganz unabhängig von dem Außen.Bist auf dem besten Weg,kannst es vielleicht nur selbst noch nicht erkennen.
      Kopf hoch!!!


      LG Flocke
      ALLES WAS WIR ERLEBEN,DIENT DEM LERNEN !
    • Den "inneren Frieden unabhängig vom Außen finden" da klingelt was ganz gewaltig in mir, danke liebe Flocke.
      Liebe Ursus, dass das Ganze auch mit meiner Art, anders kommunizieren zu lernen, zu tun hat, dessen bin ich mir gewiß.
      Danke Euch beiden,
      Adlerin
    • Liebe Adlerin,

      vorhin als ich es niedergeschrieben hatte, da war noch ein Gedanke in mir. Es ist die Frage nach dem Warum - die wir Menschen oft stellen. Warum kann ich es nicht. Warum ist es noch nicht soweit.

      Mir kam in dem Moment in den Sinn, dass das Warum doch mehr oder weniger egal ist. Warum es noch nicht geht. Bzw. was ist anders, wenn es klar ist, WARUM es noch nicht geht? Der Umstand an sich ändert sich doch nicht. Ich kann etwas nicht - oder noch nicht -und dann ist das Warum doch letztlich so etwas wie "gar nicht wichtig".

      Ich hatte irgendwie den Gedanken, dass die Frage nach dem Warum das ist, was mir mal als Kind eingetrichtert wurde. Warum kannst Du etwas nicht. Letztlich ist es doch voll wurscht. Ich kann es nicht. Noch nicht - jetzt nicht. Egal warum ...

      Klar - der Verstand will Klarheit - Verstehen - und all sowas. Aber wenn ich etwas nicht kann - dann kann ich es jetzt nicht. Und dann ist das irgendwie gut so. Weil es ist, wie es ist. Jetzt. Du bist voll okay - mehr als das - wenn Du es nicht kannst. :heart:

      Ich hoffe, dass diese Worte nicht zu verworren rüberkommen - vielleicht kannst Du erlesen, um was es mir ging.

      Alles Liebe

      Ursus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ursus ()

    • liebe kirsten,

      in bezug auf deine familie nehme ich dich so wahr, dass du darunter leidest, dass die familie oder bestimmte menschen deiner familie nicht so sind oder sich so verhalten, wie du es nach deinem *werte*kodex für richtig oder erstrebenswert hältst. du siehst vor dir das bild *was sein könnte* anstelle dessen *was ist*, fühlst die diskrepanz und leidest.
      da ist das *ideal* , das für dich existiert und da ist *was (nicht) ist*.
      aus meiner eigenen erfahrung ist es so, dass das leiden aufhört, wenn ich erkenne, dass mein ideal nicht vereinbar ist mit dem menschen den ich vor mir habe. wenn ich akzeptiere , dass dieser mensch seine *eigene* geschichte hat und seinen *eigenen* charakter und seine *eigenen* handlungsweisen . - in dem moment, wo ich das ideal fallen lasse ( das ist gewissermassen höher angesetzt) und mich quasi auf die ebene begebe, wo sich dieser mensch befindet, ist es mir überhaupt erst möglich den menschen mit einem *weiteren* oder auch *sanfteren* blick wahrzunehmen.ich war in vielerelei hinsicht sogar blind für qualitäten und fähigkeiten des anderen, weil mein fokus auf die diskrepanz ausgerichtet war. auf das was fehlt...

      :denk: innerer frieden entsteht, wenn ich das aussen so sein lassen kann....erst einmal - und auch wenn es schwer fällt...und dabei gleichzeitig weiss, worum es dabei für mich geht , wo ich stehe .

      ich weiss nicht, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte ? ich bin müde vom draussen sein in der kalten winterluft :)

      :winke:

      ps . so wie eltern gerne ihre kinder in ein ideal hüllen und das wahre kind dabei gar nicht wirklich wahrnehmen (können) , geschieht dies auch umgekehrt. auch kinder haben ein ideal bild, wie die eltern doch bitte gerne sein mögen ;)
      * remember to walk in beauty *

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von toshka ()

    • Liebe Toshka,

      ja und nein. Einerseits ja - es bleibt mir ja auch gar nichts anderes, als es so zu nehmen, wie es gelaufen ist.
      Andererseits gibt es Dinge und Verhaltensweisen, die gehen nicht. Da gibt's nichts zu diskutieren, stehen zu lassen, nichts zu akzeptieren. Da gilt es nur noch, aufzustehen, ruhig, aber vernehmlich: "Nein, so nicht." zu sagen und zu gehen und sich nicht mehr vom Schweigen manipulieren zu lassen.

      Genausowenig, wie ich andere durch die Aufforderung, Farbe zu bekennen, manipulieren darf. Aber Schweigen als Waffe, um den Status Quo (und vermeintlich sich selbst) zu "schützen", davon habe ich gründlich genug!
      "Nein, so nicht."
      Adlerin

      Edit: Falls das jetzt kryptisch war, sorry: Aber die Sache ist, dass tatsächlich niemand mit meiner Oma gesprochen hat. "Du weißt doch am besten, dass sie sehr sensibel ist." (Ja, dass sie sensibel ist, weiß ich...- deswegen kriegt sie wahrscheinlich auch mit, dass sie stirbt, ohne dass jemand was sagt.
      Ich kann das nicht. Ich kann nicht so tun, als onb nix wär, bzw. als ob ich nicht wüßte, dass was ist. Ich kanns nicht- und wills nicht.
      Nicht dabei. Ich kann doch nicht meine Oma belügen.
      Natürlich komm ich auch nicht mit der Schöpfkelle : "Ach, übrigens, Du hast Krebs und stirbst grad." so auch nicht.
      Aber wie kann man das einem Menschen verschweigen, den man angeblich liebt? Wie kann man nur? Was hat das mit Liebe zu tun?
      Und was sind das für Ärzte, die die Menschen, die sich ihnen anvertrauen, noch immer nicht ernst genug nehmen, sie wie erwachsenene Gegenüber zu behandeln?
      Hat sich denn da immer noch nix geändert, die letzten Jahrzehnte?
      Ich bin fassungslos - und unsagbar wütend! Ich hab grad keine Worte dafür, WIE zornig ich bin.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Adlerin ()

    • Meine Oma hat vorhin den Hörer nicht abgenommen, als ich versucht habe, sie anzurufen. Insofern, nein, ich habe noch nicht mit ihr geredet. Was angesichts meiner Wut vielleicht auch besser war.
      Nebenbei bemerkt ist mir relativ deutlich gesagt worden (Mutter), dass ich meiner Oma NICHTS sagen soll. Weiß schon, ist meine Verantwortung, was ich sag und was nicht. Aber falls sie wirklich eine heftige Reaktion zeigen sollte (was sein kann, aber auch verständlich wäre), wäre ich ja auch nicht vor Ort, um sie aufzufagen. Sondern im Moment das Krankenhauspersonal- oder morgen meine Mutter.
      Das kann ich also auch nicht bringen.
      Und somit hab ich das Gefühl, dass sich hier gerade der Grundkonflikt meiner Familie (und ein Lebensthema von mir) heftig zuspitzt: Was sagt wer wann wem wie und wozu? Oder aus welchen Gründen wird geschwiegen, wenn nichts gesagt wird. Das ist ganz ganz ganz alt und reicht tief... a in meiner Familie und b in meiner Seele.
      Meine Stimme zu finden und vernehmbar zu machen, da komm ich nicht drum herum, wiewohl ich mich gern drücken würde.