Wann beginnt Sterben?

  • Hapüüüüüühhhh, viel, was hier steht. Ich werd Stück für Stück drauf eingehen, weil es so viel ist, weil mich so viel berührt (Tränen in den Augen hab) und weil es zusammen so ein vielfältiges Bild ergibt... puzzeln wir mal ein wenig, ja? *lächel* Das hab ich als Kind immer gern gemacht, am Küchentisch meiner Großeltern, wo die Oma jetzt den Schlaganfall an. Also, Omama (so hab ich früher gesagt) ich puzzel dann jetzt wieder... wenns recht ist? Aber es ist dir recht, glaube ich...


    Heidi: Ich hatte Dein "Deine Traurigkeit, Deine Einsamkeit, die schiebe ich jetzt mal weg" als "Gefühle wegnehmen" interpretiert. Die Traurigkeit, die Einsamkeit, die gehören da dazu... auch... neben anderem... und sie waren nur zum Teil meine, glaube ich. Ein Teil davon waren (sind? keine Ahnung...) ihre. Ich habe ein Stück mitempfunden, ohne zu wissen, von wem.
    Das hat es ja so verflixt schwer gemacht. Ich saß da beim Treffen und fühlte mich "eigentlich" wohl, dann kam diese komische Welle von Trauer und mitten in der Gruppe einsam sein- und dann plötzlich der Gedanke "lass mich doch sterben" im Kopf. Dabei wollte ICH überhaupt nicht sterben in dem Moment. Das wußte ich auch ganz genau. Deshalb hab ich mich ja gefragt, ob ich verrückt werde oder depressiv. Das war doch mein Problem... obwohl es nicht "meins" war. Aber das hab ich doch nicht gewusst, da.
    Kapitulation? Weiß ich nicht. Vielleicht. Vielleicht nicht. Soll ich eine fast 80 jährige festhalten, jetzt, hier? Bloß weil ich sie gut und gern noch 30 Jahre weiter in meinem Leben haben möchte? Das wäre egoistisch, nein? Einem Teil von mir wird es immer zu früh sein, wenn sie fortgeht. Aber um mich geht es hier erst in zweiter Linie, nein dritter. Meine Mutter steht noch in der Linie zwischen uns. Und auch um meine Mutter oder meinen Opa (der auch noch lebt) geht es nur am Rande. Es geht um sie, jetzt.
    Kapitulation? Nein. Ich will Akzeptanz. Ich möchte, dass sie entscheidet und dass sie ENDLICH EINMAL ihre Bedürfnisse welche auch immer das sein mögen zur Grundlage dieser Entscheidung macht, nicht die der Familie. Nein, auch nicht meine. GERADE nicht. und mein "ich will aber nicht, dass sie weggeht" Teil steht dieser Akzeptanz im Weg gerade.
    Und Heidi? Ich weiß, was Du meinst, glaube ich... Ich neige nicht zum Aufgeben... aber ein Dareinfinden *könnte* (ich weiß es nicht) hier mehr am Platz sein als Durchhalten zu wünschen...
    Und wenn Du mich liebst, Heidi, wenn Du das große Wort wirklich ernstmeinst, dann laß mich sein jetzt... mit ALLEN Gefühlen, den leichten und den schweren, bitte - lass mich SEIN. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin... doch das Er- und Durchleben bleibt dennoch meins... also will ich es annehmen und durchgehen, damit es ganz meins werden kann... eine Erfahrung des Anheimgebens... auch des ihr und dem Göttlichen anheim gebens, wann sie geht.
    Mehr später.

  • Ich möchte, dass sie entscheidet und dass sie ENDLICH EINMAL ihre Bedürfnisse welche auch immer das sein mögen zur Grundlage dieser Entscheidung macht, .


    Du sagst es liebe Steinadler,


    ja dann wär vieles ausgeglichener (gesünder) und man spürt kein Mangelbedürfnis.


    Hat was dieser Satz, ja dem stimme ich zu.


    Hat aber nen kleinen Haken, man solte sich seiner Bedürfnisse bewusst sein und diese annehmen oder daran arbeiten,
    um Entscheidungen dahingehend treffen zu können.



    Liebe Grüße
    Sunshine

  • Hallo liebe Kirsten,


    Zitat

    Zitat Steinadler
    Ich will Akzeptanz. Ich möchte, dass sie entscheidet und dass sie ENDLICH EINMAL ihre Bedürfnisse welche auch immer das sein mögen zur Grundlage dieser Entscheidung macht, nicht die der Familie.


    Du willst Akzeptanz.... soweit okay... du willst das sie entscheidet... gut.
    In wie weit akzeptierst du ihren Entschluß die Bedürfnisse der Familie zur Grundlage ihrer Entscheidungen zu machen?
    In wie weit akzeptierst du ihr Bedürfniss, das zu tun was sie ihr leben lang augenscheinlich gemacht hat.
    Sie tat es aus freien Stücken, es war und ist ihr Entschluß, aus welchen Gründen auch immer.



    Das sind ihre Bedrüfnisse, das ist ihr Leben, sie sah es als ihren Weg...
    Auch wenn sie dabei den Überredungen, Forderungen usw. anderer Familienmitglieder nachkommt... es ist ihre Wahl.
    Magst du sie lassen... auch wenn sie sich für die Erfülllung der Bedürfnisse anderer entscheidet?


    Liebe geht manchmal seltsame Wege...
    Akzeptanz beinhaltet alles, auch unverständliche Entschlüße und die Achtung, der Respekt vor diesen Entschlüßen ... auch das ist Liebe.


    Ich wünsche dir die Kraft dazu.


    Liebe Grüße


    Anita

    [align=center]Es ist nicht die Aufgabe eines anderen Menschen mich zu lieben wie ich bin... es ist meine.

  • Hallo Anita,
    das ist eine sehr interssante Aussage und absolut beachtenswert.
    Manchmal leben Menschen genau auf diese Weise, nämlich Selbst-los.
    Was bewirkt eine solche Selbst-losigkeit?........Ist es innere Härte gegen sich selbst?........ Ist es Selbs-lose Liebe für Andere? ..........Ist es Verlust des Selbst?
    Ja und vielleicht geht es um Akzeptanz von allem.
    Danke für Deinen Beitrag, ich empfinde ihn als äußerst wichtig.
    L.G.
    Elke

  • zu Gabriele: "Sterben beginnt, wenn man sich selbst aufgibt." Ja, da ist was dran - und das kann lange vor dem physischen Tod so sein, wie auch Ingrid (DANKE!) sehr anschaulich den Weg ins Aufgeben (und den Weg heraus) beschrieben hat.
    Also, meine Oma hat definitiv Wünsche, Träume, etc. für "die Familie", bzw. für die Erwartungen anderer, wie sie leben sollte (und dem Wunsch nach Anerkennung anderer?) aufgegeben. Ob das so viel war, dass man davon sprechen kann, sie habe SICH SELBST aufgegeben, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ja, vielleicht nein. Aber "Aufopferung" spielt definitiv eine Rolle in ihrem Leben und auch in der weiblichen Ahnenlinie an sich.


    Anja: Hab ich darüber geredet? Ansatzweise. Mit meinem Partner und Markus, ja. Da sogar recht offen. Sonst nicht. Wobei, doch: den Gedanken mit dem "Lass mich doch sterben" und dass der in meinem Kopf ist /war und ich nicht weiß, von wem, den habe ich auch nochmal jemandem gegenüber erwähnt, ja.
    Wobei... was hätt ich denn sagen sollen? Ich bin ja selber "bescheuert" vorgekommen, in dem Moment. "Entschuldigung, so ernst und neben der Kappe wie heut bin ich sonst nicht." ? Oder was?
    Ich hätt ja nix erklären können...wie soll ich denn was verständlich machen, was ich selber net versteh, in dem Moment?
    Du hast sicher recht, dass es für mich wichtig ist, zu lernen, zu unterscheiden, was/wann ich von jemandem übernehme. Don? Ja, vielleicht eine Alternative. Bin nicht sicher, was wer wie in dem Kontext. Wird sich finden.


    Babas Herz (Baba Yaga?) : Vom Abstrakten ist mir das klar. Kopf sagt: Selbstverständlich ist das alles ein großer Wandel und ich sterbe ständig und erneuere mich ständig. Aber wie Du selbst anmerkst: Ich meine das Konkrete, das Verschwinden eines Menschen, der irgendwie "immer" da war. Ist schwer zu erklären. Oma war eben da. Auch Entfernung spielt(e) da nicht so wirklich eine Rolle.
    Sie war sehr jung, als meine Mutter (ihr ältestes Kind) zur Welt kam. Mit Mitte 40 wurde sie Großmutter - meine. Und es sollte 8 Jahre dauern, bis das nächste Enkelkind kam.
    Mich hat sie groß gezogen- alle 2 Stunde die Flasche am Anfang. Meine Mutter war ja arbeiten, mußte auch. Das war halt so.
    Oma? Das war Geborgenheit, das war Wärme, das war Überleben. Ganz physisch, ganz, ganz nah. Was ich an mütterlicher, nährender Energie erlebt habe, kam mehr von ihr als meiner Mutter. Obwohl ich immer wußte, wer Mama und wer Oma ist. Also das schon. Abends und am WE waren die Eltern ja auch da. Aber so über Tag? Das war schon sie, ganz klar Hauptbezugsperson.


    Sunshine: Zu wem oder was wünsche ich mir Liebe? Zu einem Abschied, der das Leben würdigt. Der sich, ihr und mir Muße lassen und das Leben noch einmal betrachten und auf stille Weise feiern kann. Das Leben feiern - auch und gerade da. Ja. Ich möchte es feiern, dass sie da ist und dass sie für mich ist, was sie für mich ist. Falls sich das irgendwie unverständlich anhört: Kann ich nicht ändern, kriegs grad nicht anders formuliert. Und ich wünsche mir Liebe genug, nicht kontrollieren zu müssen, was passiert. Nicht wissen zu müssen, was passieren soll. Nicht mich über ihren Weg zu stellen.
    Eine Form von Hochmut, der ich manches Mal verfallen kann, wenn ich nicht wirklich zuhöre, weil ich die Antworten zu kennen meine - den ich mir hier aber nicht leisten will. (eigentlich am liebsten gar nicht - aber hier so wirklich ÜBERHAUPT nicht....)


    Iffi:

    Zitat

    erlaube dir traurig zu sein, dich an die gemeinsamen Tage der Vergangenheit zu erinnern, dir noch etwas Zukunft zu wünschen und im Jetzt die Verbundenheit zu fühlen.


    Ja. Genau das. Genau so. Die Karten von Freitag, Du erinnerst Dich? Familienthemen und Heilungsprozess und so? *undichlächlestillundleise* Die Umarmung ist angekommen, danke.


    Elke: Hab Dank für die Schilderung Deines Erlebnisses. Es hat mich sehr berührt. Die Tränen zum Fließen gebracht. Heilsam.


    Stachelturm: Ich mußte echt lachen, als ich Deine Antwort las. Weißt Du was? Du bist einfach unnachahmlich! Und weißt Du noch was? Du hast recht damit, was Du schreibst. Nicht immer, aber diesmal schon. Danke. Für die heilsam- bissig- liebevolle Außensicht. Will ja schließlich nicht in Selbstmitleid absaufen, nech? ;)
    Es hat aber noch was auf sich mit dem, wieso mich das nicht-benachrichtigen so ärgert. Wenn ichs in Worte bringen kann, schreib's ich's. Es gärt noch. ;) Gibt'n guude Ebbelwoi, wenn's fertig is.
    Rest folgt, Beitrag sonst zu lang.

  • Elke und Färberin: Lieben Dank, ich habe mich allerdings von Stachelturm nicht am Ausdrücken meiner Gefühle gehindert gefühlt. Und der Dank, den sie anmahnt, ist schon da, allerduings gegenüber meiner Oma, nicht dafür, dass ich es erst so spät erfuhr. :denk: Ich komm noch drauf, WAS mich daran so fuchst.


    Elisabeth: Danke. Das eben meine ich ja, damit, dass ich sage, ich will mich nicht durchsetzen, wenn sie etwas anderes braucht, als was ich gerne hätte. Und dass ich es eben nicht weiß... was sie wirklich braucht.


    Brigitta: Möglich, dass es eine Intuition gewesen ist, ja. Wir sind uns nah, waren es schon immer. Zwischen uns reichjt oft ein Blick oder eine Geste. Das hast Du zutreffend erkannt.
    Ich wollte kommendes WE sowieso hin (Geburtstag vom Opa), nun wird es wohl ein Besuch im Krankenhaus werden. Das Doofe ist halt, es hätte schon letztes WE am Weg gelegen. Hätte ich was gewusst, hätte ich auf Hin- oder Rückfahrt (sie kam schon am Do ins Krankenhaus) Station machen können.
    Enger als manch anderer in der Familie? Mag sein... enger als mancher, ja. Enger als alle, nein. Wir "sprechen" im Augenkontakt. Mag sein, wir werden es brauchen... auch jetzt. Meine Mutter sagte was davon, dass das Sprachzentrum was abbekommen hätte.
    Danke für Deine /Eure Umarmungen, Grüße, für die Worte und PNs. Im Augenblick solls das einmal gewesen sein. Mehr folgt - ich möchte jetzt aber ruhen.
    Danke, für den Beweis, dass es nicht weh tun muß, mich zu zeigen.
    KIrsten (Steinadler)

  • liebe steinadler,


    danke für deinen fred. so konnte ich noch einmal reflektieren und ganz viel grundleges aus einer neuen perspektive erkennen.
    es war mir nie klarer wie heute wer mir den anstoß und die kraft gab, ins leben zurückzukehren.
    nun beginnt sich bei mir eine andere form von "nähren" zu modellieren.

  • Hallo Steinadler,


    ja, es ist die Alte aus dem Wald. Dass es sich um deine Oma handelt, berührt mich ganz besonders. Meine starb, als ich 14 war, und ich vermisse sie noch heute manchmal. Sie war es auch, die mich schon als Baby hütete, während meine Mutter arbeiten ging. Sie war es, von der ich Zärtlichkeit und Verständnis erfuhr, meine Mutter konnte das nicht. Ich träume noch heute von ihr, und seit etlichen Jahren ist sie meine Führerin im Totenreich der Anderswelt. Und sie hat mir irgendwann mal versprochen, dass sie da sein würde, wenn ich hinüber gehe. Letztens kaufte ich eine Operetten CD, die spiele ich manchmal für sie, weil sie damals häufig Passagen aus Operettenmelodien gesungen hat, die ich heute noch immer nachsingen kann.


    Baba

  • Hallo Steinadler,
    nun hab ich erst heute hier gelesen .. und dann auch nur deinen ersten Beitrag, bin ein wenig betroffen.
    Ich wollte erst noch weiter nach "unten" sehen, aber mein Gefühl verbietet es mir, drum schreib ich jetzt mal was mir spontan in den Sinn kommt.
    Wenn du gefühlt hast: "Lass mich doch sterben." ... ich kenne es ähnlich, glaube es kam von meiner Mutter, es gab vor Zeiten .. Momente in denen
    ich überlegte, ob ich nicht vielleicht schon längst tot bin, und nur denke dass ich lebe, denn ich glaube, so etwas gibt es....


    Deine Sehnsucht, es klingt so, als wolle ein nahe stehender Angehöriger gehen .... oder meintest du deine eigene Seele, der du nicht zwischengreifen
    möchtest in ihre wichtigen Entscheidungen? ..
    Es ist jetzt ein Thema, das du für dich nutzen kannst, innere Trauer wirken lassen, in ihr liegt eine große Kraft.
    Ich schrieb dass ich Sterbesehnsucht hatte, und zugleich ging auch alles um mich herum, Trauer Trauer Trauer ....
    Es ist die Sehnsucht nach etwas in dir, etwas das sich tief in dieser Trauer verbirgt.


    :herz:

  • Gerade keine Kraft zu schreiben. Müde, ein wenig traurig... und sehr sehr sehr nachdenklich...
    Danke, dass es ist, wie es ist.
    K.

  • Liebe Steinadler,
    am gestrigen Abend bekam ich einen Anruf von einer lieben
    alten Freundin, dass ihr Mann verstorben ist (ich spürte am
    Vortag auch einen Schmerz, den ich nicht einordnen konnte).


    Seit Jahren wollten wir wieder mal einen Besuch abstatten,
    nun wird es zu einer letzten Ehre.
    Bei Dir besteht die Möglichkeit des Verabschiedens, und
    vergib denen, die Dich schützen wollten.


    LG ate

    ~~~> "pure awareness" <~~~

  • Hallo :) was mir heute auffällt ...


    Gestern also schrieb ich hier ..nur auf den ersten Beitrag.
    Heute morgen nun hab ich alles genau durchgelesen.
    Also als erstes, dieses hier steht im Bereich "Schamanismus", nicht im "Kummerkasten" ....
    Die Überschrift lautete nicht: "Ich bin traurig.", sondern "Wann beginnt Sterben?" ... was mich dieses hier eine ganze Weile für eine wissenschaftliche Thesensuche halten ließ,
    und daher auch verhinderte, dass ich "frühzeitig" hineinsah ... :)


    Im "Schamanismus" gibt es diese "Momente" wenn altes stirbt, eine Art "Zerstückelung" (hab ich mal gelesen) ... wenn es nun ausgerechnet die "Kraft" ist, die im Leben nährende Mutter war, die scheinbar geht ....


    Zitat von Steinadler:

    Zitat

    Oma war eben da. Auch Entfernung spielt(e) da nicht so wirklich eine
    Rolle.

    So wird es bleiben.



    Ich grüße Dich, und danke für diese "Geschichte" ... :winke:

  • So, ich habe noch mehr Gedanken. (Zusammenschieben konnte ich es nicht mehr ..)..


    Also ein "Schlaganfall" ist im Grundmuster ähnlich wie eine "fehlende" Information z.B. über dieses Geschehen deiner Großmutter.
    Also, gewisse Teile im Gehirn werden nicht mehr durchblutet, es kommt zu einem fehlerhaften Informationsaustausch, genaugenommen
    gibt es manche Informationen dann überhaupt nicht. Das ist so beim Schlaganfall genauso wie wenn einem nicht "rechtzeitig" gesagt
    wird, das dieses geschehen ist ...
    Klar, dass man da zornig sein kann. Sterben ja, aber dann richtig, und nicht in einer Form von "Behinderung" also Unvollständigkeit.
    Dann stimmt also etwas nicht. Welche Informationen können nicht übermittelt werden, weil dort kein "Blut" hinfließt, was wird im Eigenen
    unterdrückt (an Informationen) weil sie vielleicht Angst machen würden, die "Lebensqualität" verändern, es ist Hadern mit sich selbst,
    der eine Teil will es, der andere Teil findet es so "bequemer". Der Zorn richtet sich gegen das Selbst. Ich kenne es in einer anderen Form.
    Regelmäßig jetzt schon eine ganze Weile, tue ich etwas, das mir im Moment immer sehr richtig und schlüssig erscheint, mich aber dann
    wieder in große Handikaps führt, so schlimm, dass ich mich jetzt inzwischen schon fürchterlich über mich geärgert habe. Aber das nützt
    nichts, fange gerade jetzt an, Frieden zwischen mir selbst zu stiften, und die eine Seite immer näher an die andere zu bringen.
    Das ist eigentlich etwas kleines körperliches, jedoch mit einer ziemlich großen Wirkung und Einfluss. Ich sehe es als Metapher für auch größere
    mich betreffende Ereignisse oder Zustände meines Lebens. :)

  • Hallo Steinadler,


    das Sterben beginnt in dem Moment wo Du geboren wurdest.


    Gruss Anthego

  • Hallo ihr Mitsuchenden.


    Was ich ab und an erleben darf ist die loslösung der Seele ,die ein paar stunden(das ist unterschiedlich), vor dem eigntlichen gehen beginnt.


    Beim gehen meiner Mutter wurde ich morgens um 3.30 wach. ein Stillstand war zu erspüren.


    Die Besinnung der Seele? wer weis, für mich war es das annehmen des vogezeichneten Weges.


    Sie gab uns einen Wissensvorsprung, weil wir wir es ertragen und mitragen konnten.

  • Am Tag als meine Mutter starb, blieb morgens mein Wecker stehen, der offizielle Todeszeitpunkt war aber erst abends.
    Ja so kann ich das vielleicht besser verstehen, lieber Dieter.


    Als vor gut zwei Jahren eine Nachbarin von mir sich das Leben nahm, schwebte des Nachts (es war Sommer und alle Balkontüren standen auf) eine kleine Lichtkugel zu mir auf den Balkon ...



    Meine Mutter, der wahre Abschied zwischen uns fand bereits mindestens ein Jahr vorher statt, wir umarmten uns, danach hab ich sie nie wieder gesehen.
    Ihr Körper war noch eine Weile da, um von meinem Bruder gepflegt zu werden, sie war eigentlich für ihn da, sie hatten noch große Innigkeit miteinander (und wohl einiges "gutgemacht" vom Anfang des Lebens meines Bruders). Das war nur für ihn ...... Frieden und Licht

  • Hallo zusammen,
    also den Satz, dass das Sterben mit der Geburt beginnt, den kenne ich natürlich auch. Den kannste Dir aber als Mensch ans Knie nageln. Der ist philosophisch. Wenn ich mir den sag', kann ich mich wunderbar aus der Metaperspektive über den Tod oder den Prozess des Sterbens unterhalten, ohne mich auch nur eine Sekunde lang mit den Gefühlen dazu befassen zu müssen.
    Quadratisch, praktisch, gut. Sauber und steril. Nicht zu widerlegen. Trotzdem in der Situation nichts-sagend (Schreibweise Absicht) und für den Angehörigen, der daneben steht und sich gleichzeitig seiner Machtlosigkeit und der Verbundenheit bewusst wird, völlig irrelevant.
    Aber weise und esoterisch von oben herunter... so wirkt jedenfalls an der Stelle auf mich, was in der Absicht vermutlich als Trost gemeint war.
    Weisheit ohne Mitgefühl ist nutzlos.


    Aber zum Faktischen: Sie hat überlebt. Sogar die Sprache ist wieder da. Aber es hat sich etwas verändert. Sie. Und ich. Und unser Miteinander. Sie ist schnell müde. Nicht mehr so konzentriert. Ich war bei ihr. Wir haben gesprochen, mehrfach. Allein, ohne andere. Einmal war noch mein Partner dabei, das war okayund gut. Aber wir mussten reden. Auch darüber, DASS ich etwas wahrgenommen habe an dem Wochenende. Und sie sagte, dass sie das kennt. Dass sie das Fühlen von Dingen bevor sie passierten, in ein paar wichtigen Situationen ihres Lebens gekannt hat. Es aber verleugnet hat. Aus Angst- und weil zum drüber reden niemand da war. Dass sie sich bis heute fragt, wozu so etwas eigentlich dient. Dass sie es eher als etwas das man hinnehmen muß erlebt hat, als Belastung, denn als Gabe.
    Dass sie sich schon gedacht hat, dass ich das auch haben könnte. Aber sie wollt mich nie ansprechen drauf, um mich nicht zu erschrecken. Hm, ja.
    Was noch? Ach so, ja, sie hat kürzlich, als sie tagsüber "gedöst" hat, wie sie sagt, eine Freundin (von mir) Gespürt. Diese Freundin starb, da war ich 11 und sie 13.Ich weiß nicht, ob das "stimmt". Aber ich glaube ihr. Die beiden verstanden sich immer gut. Und wenn diese Freundin jetzt meine Oma auf den Übergang vorbereiten sollte, dann find ich das gut und bin dankbar.
    Also noch lebt sie und vom Gefühl her (meinem) mag es auch noch eine Weile so sein, aber da läuft ein Prozess.
    Meine Oma hat mich auch gefragt, wie ICH denn das Ganze sehe, so mit dem Tod und dem Danach. Auch darüber haben wir geredet
    Unsere Gespräche werden anders. Ja, so ist es jetzt.
    Gruß,
    Steinadler

  • Hallo Kirsten,


    das, was Du im zweiten Absatz schreibst, liest sich, als wenn sich ein schamanisch Praktizierender auf sein Sterben vorbereitet.
    Da reise ich bewusst "den Weg, welchen meine Seele geht", wenn ich meinen Körper eines Tages hier in der alltäglichen Wirklichkeit zurücklassen muss.
    Deine schon voraus gegangene Freundin kann da den Part des "Fährmannes" übernehmen - denn wenn Beide eine Seelenverbindung gehabt haben ist das aus meiner persönlichen Sicht gut denkbar.


    Ich wünsche Dir noch viele Gespräche mit Deiner Großmutter!


    :knuddeln: Eli

  • Lieber Wolfgang,
    ob die zwei eine Seelenverbindung haben, weiß ich nicht, halte es aber für gut möglich. Sehr gemocht haben sie einander jedenfalls immer, das weiß ich. Und ich kann es mir auch vorstellen - also, dass diese Freundin so etwas tut. Das gehört durchaus zu den Sachen, wo ich sag: "Ja, das kann sehr gut sein."
    Ich fand es jedenfalls schön, dass meine Oma das erlebt und mir davon erzählt. Ich hatte das Gefühl, es macht sie ruhig. Sie sagte: "Das war schön, da war so viel Freude!"
    Und die gönn ich ihr! Nee, die gönn ich beiden!
    Von Herzen,
    Kirsten