begleitung bei dem letzten weg

  • ihr lieben,


    warum ich hierher kam war dies als eigentliches thema. folgendes: schon lange jahre befasse ich mich mit seelen, verstorbenen, dem tod und dem leben danach.


    nun bin ich im begriff mit meinem schatz zu seiner mutter (75) zu ziehen. in gutem glauben sie wird uralt werden, ist dennoch klar, dass ich wohl bis zum letzten moment bei ihr sein will und werde.


    dies ist nun ein ganz neuer weg für mich und ich möchte keine fehler machen. ich möchte es gut machen. somit bin ich offen für alle tipps die ihr mir geben könnt. vorausgesetzt, ihr habt erfahrungen dahingehend gemacht.


    wahrscheinlich mache ich mir nur einen kopf, weil es neu für mich ist und ich nichts wieder gut machen kann, anschließend. dennoch... wenn ich meinen letzten weg antrete, wünsche ich mir auch jemand der auf so eine situation vorbereitet ist und nicht nervös wird.


    vorerst mal danke fürs lesen. vielleicht möchte ja jemand seine erfahrung mit mir teilen.


    ganz lieben gruß petra

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  • Hallo petra!
    1) Herzlich willkommen im Forum! :freunde:
    2) Lass mich etwas unkonventionell antworten.
    Ich begleite jetzt über 30 Jahre hauptberuflich Menschen.
    Aus dieser Erfahrung heraus würde ich an Deiner Stelle folgende Vorgangsweise wählen:


    Bevor ich ich mir die Frage nach einer "Begleitung auf dem letzten Weg" stellen würde, würde ich ganz sauber, ganz genau, so emotionslos wie möglich die Hintergründe für diesen Schritt anschauen:

    nun bin ich im begriff mit meinem schatz zu seiner mutter (75) zu ziehen


    Warum?


    Punkt1)
    Die Mutter ist die erste und wichtigste Frau im Leben jedes Kindes, besonders jedes Mannes.
    Da baut sich eine Beziehung auf, die an Stärke, Einfluss und Intensität kaum ihresgleichen hat.


    Zu ziehst jetzt freiwillig in das Haus der 1. Geliebten Deines Mannes.
    Du wirst erleben: So alt kann Mutter gar nicht sein, dass Dein Mann nicht zum "Kind" regrediert und sich unbewusst auf ihre Seite stellt: Weil sie so alt ist, weil sie seine Mutter ist, weil man sie verstehen muss, weil man einen alten Baum nicht mehr umpflanzen kann.


    Punkt2)
    Auch wenn wir immer von Gleichberechtigung reden - wir sind noch lange nicht so weit.
    Pflege verbleibt zum großen Teil den Frauen über.
    Sprich: Du wirst die 1. Geliebte Deines Mannes, der er unbewusst immer noch zu tiefst verbunden ist, "pflegen" müssen.
    Man kann sich das recht berührend und ideal vorstellen.
    Mein Vorschlag:
    Suche Konkakt zu Frauen, die bereits jetzt in Deiner zukünftigen Situation sind:
    Frauen, die in das Haus der 1. Geliebten gezogen sind, erleben müssen, wie sich ihr Partner auf tiefgreifende Weise verändert, unbewusst Stellung bezieht, wie ein kleines Kind auf kleinste Impulse seiner 1. Frau reagiert und selbstverständlich erwartet, dass Du Mama umfassend wohlwollend und jederzeit zur Verfügung stehend pflegst.


    Dir kann jetzt meine persönliche Stellungnahme extrem scharf, extrem einseitig, extrem unpassend vorkommen.
    Aus meiner Erfahrung ist es überaus ratsam, solche weitreichenden und tiefgehenden Veränderungen wie die, die Du und Dein Partner dabei sind, zu verwirklichen, aus möglichst vielen Facetten anzuschauen auf das man wenigstens in Teilbereichen vorbereitet ist, was einen erwartet.


    Dir für Deinen Weg alles Gute.
    LG
    Advaita

  • Liebe Petra,

    in gutem glauben sie wird uralt werden, ist dennoch klar, dass ich wohl bis zum letzten moment bei ihr sein will und werde.


    dies ist nun ein ganz neuer weg für mich und ich möchte keine fehler machen. ich möchte es gut machen. somit bin ich offen für alle tipps die ihr mir geben könnt. vorausgesetzt, ihr habt erfahrungen dahingehend gemacht.

    Sterbeprozesse kann man nicht planen.
    Sicher kannst Du/könnt Ihr Euch vorbereiten darauf, was es bedseutet, mit der (Schwieger)-Mutter in einem Haus zu leben. Dazu hat Advaita schon manches gesagt.
    Aber eine Sterbebegleitung planen, die noch gar nicht ansteht? Sorry, das funktioniert einfach nicht, denn: Erstens kommt es anders... und zweitens, als man denkt. Wenn es soweit ist, wird es da sein und dann wird es auch klar sein.
    Lebt erstmal - und zerdenk Dir das nicht.
    Viele Grüße,
    Kirsten

  • Hallo Petra,


    :) von mir auch herzlich willkommen hier im Forum :)


    Ich begleite nun keine Menschen "professionell" auf ihrem letzten Weg, habe aber in meiner eigenen
    Familie und im engsten Bekanntenkreis mehrfach diesen "letzten Weg" und dessen Begleitung hautnah miterlebt
    oder selbst "begleitet".


    Nach meiner persönlichen Erfahrung ist das Allerwichtigste zunächst einmal, dass man hinterfragt, welcche Einstellung zur gesamten
    Thematik die betreffende Person hat.


    Das kann sich sehr von den eigenen Vorstellungen dessen, was man selbst denkt, was richtig ist, unterscheiden.


    Der "letzte Weg" ist ja nicht nur der letzte Tag, oder die letzten Stunden, sondern in so einem Fall, wie von Dir geschildert
    kann es noch ein ganzer Lebensabschnitt sein, den man zusammen verbringt.


    ich versuche das mal an einem Beispiel deutlich zu machen:


    Stell Dir vor, bei dem betreffenden Menschen wird plötzlich ein Tumor festgestellt.
    Die Mediziner sagen: OP, Chemo und/oder Bestrahlung.


    Als Entscheider, weil der Betroffene sich vielleicht dazu nicht mehr genügend äußern oder durchsetzen kann,
    würdest Du jetzt ggf. aufgrund Deiner eigenen Einstellung sagen: "genau das halte ich für den besten Weg - genau
    so würde ich es bei mir auch machen"


    Eventuell sieht der Betroffene es aber ganz anders und würde soetwas niemals wollen, sondern einfach
    mit entssprechender, schmerztherapeutischer Unterstützung "den Weg gehen wollen" und nicht auf biegen und brechen
    alles versuchen wollen, was das Leben in irgendeiner Form verlängert.


    Für den einen wäre eventuell die Lebensverlängerung "erhöhte Lebensqualität" und für den anderen ggf. genau das Gegenteil.


    Als diejeneige, die unter Umständen irgendwann Entscheidungen treffen muss, was gemacht werden solll und was nicht,
    ist es m.E. also sehr, sehr sinnvoll, wenn man wirklich im Sinne des Betroffenen handeln will, dessen Position zu diesen
    Fragen genau zu kennen.


    Das bedeutet, gerade solange es geht, über diese Themen zu sprechen und später bei ENtscheidungsfragen nicht die
    eigene ANsicht darüber, was "das Beste" ist, heranzuziehen, sondern im Sinne des Betroffenen zu handeln und zu sprechen.


    Sehr schwer zu erklären.


    Mal ganz vereinfach: müsste ich in meiner Familie entscheiden, ob man den grippalen Infekt mit Antibiotika oder mit
    Tee und Homöopathie behandeln soll, würde ich bei meinem einen Familienmitglied klar die Variante 1 entscheiden (weil
    ich genau weiss, dass dieses Familienmitglied genau diese Entscheidung für sich treffen würde), während ich bei dem
    anderen Familienmitglied auf Variante 2 setzen würde - weil ich genau weiss, dass sie Variante 1 ablehnen würde.


    Meine persönliche Entscheidung wäre auch Variante 2.
    Trotzdem würde ich bei dem 1. Familienmitglied in so einem Moment gegen meine eigene Überzeugung handeln,
    weil dessen Überzeugung nicht meiner entspricht.


    Ich hoffe, es war einigermaßen verständlich, was ich ausdrücken möchte.......


    "Begleitung" sollte einfach keine "Bevormundung" werden.....


    Liebe Grüße
    Sunny

    2 Mal editiert, zuletzt von Sunny ()

  • liebe petra,


    triffst du diese entscheidung aus freien stücken und aus freiem herzen ?
    ( was ist deine persönliche grundlage für diese entscheidung?)


    ...falls nicht , fände ich es wichtig , da ehrlich zu sein und das auch zu kommunizieren .... dass du zwar bereit bist, das zu tun, dass das aber durchaus mit *opfer* ( man könnte auch sagen : einschränkungen) verbunden ist.
    diese/s opfer gehört dann meines erachtens gewürdigt. von dir selbst und den anderen betroffenen.


    durchaus kannst du aber auf diesem weg auch sehr viel *zurückerhalten* .einen älter werdenden menschen zu begleiten , kann auch sehr bereichernd sein.


    wichtig finde ich, dass die sache etwas umgedreht ist/wird.
    du solltest nicht ( grundsätzlich !) die ängstliche sein, die etwas richtig und gut zu machen hat !
    Was steht da bei dir hinter dieser haltung ? wo kommt sie her ? .
    du bist diejenige die sehr viel gibt. das gehört gewürdigt ! von DIR ! - UND den anderen.- und das ist dann eine umdrehung. du kommst in eine andere , stärkere position. du musst nicht etwas erfüllen sondern du gibst aus deinem vermögen heraus und du darfst da auch grenzen setzen, inwieweit es dir damit gut geht.


    trotzdem darfst du natürlich auch ängstlich sein :), immer wieder. so vieles ist dann neu und du weisst nicht, wie es wird.
    sich unterstützung zu holen, wenn es notwendig werden sollte, ist da auch eine gute sache.
    es geht nicht darum, dabei perfekt zu sein, sondern menschlich. das ist das beste und wertvollste dabei überhaupt .



    es ist eine mutige entscheidung.


    liebe grüsse, toshka


    * i believe there's a magic .... *

    3 Mal editiert, zuletzt von toshka ()

  • ich möchte mich zuerst mal ganz, ganz dicke bedanken für diese äußerst wertvollen antworten die an verschiedenen gedankengängen kaum zu übertreffen sind. das ist suuupertoll!!! ich könnte einen roman schreiben um dies alles zu beantworten. ich versuche mich kurz zu fassen.


    liebe advaida. du hast das so toll gesagt. und so treffend auf den punkt gebracht! aber auch ohne seine mama ist mein schatz manchmal ein "bub" ich mag das an ihm, denn ich weiß ja es ist immer nur kurz, wenn er sich so benimmt. :hach:


    ich bin ja nun keine 20 mehr. mit meinen 45 jahren denke ich schon eine gewisse reife zu haben mich bei der ganzen sache nicht ganz zu vergessen. daher hab ich "mutti" auch schon einen strich durch die rechnung gemacht, als sie meinte ihr haus würde aufgestockt werden und wir ziehen über sie in ihr haus. so! 1. ist es mir wichtig MEIN leben auch ein stückweit zu haben und zu behalten. das bedeutet für mich auch am abend MEINE bzw unsere türe hinter uns zumachen zu können. dann möchte ich ihr nicht auf dem kopf herumtrampeln, denn das haus ist hellhörig und zudem würde mir der platz im oberen stockwerk nicht reichen.


    wir haben das leerstehende haus neben ihr gekauft :hüpfen:


    Weil sie so alt ist, weil sie seine Mutter ist, weil man sie verstehen muss, weil man einen alten Baum nicht mehr umpflanzen kann.



    das passt so herrlich, weil ich das genauso sehe =) mutti weigert sich in ein altenheim zu gehen. sie möchte absolut nicht aus ihrem haus heraus. und da ich (wie sunny schreibt) viel mit ihr gesprochen habe und mir wichtig ist zu wissen was sie will, ich sie nicht bevormunden möchte und es auch so geschehen soll wie es ihr gut tut, haben wir uns auch viele gedanken gemacht. es tat mir am anfang sehr weh mein haus zu verkaufen indem ich meine kinder groß zog. der punkt war bei mir erreicht ein klares "stop" zu sagen, als ich über ihr einziehen sollte. eine wohnung in der mein schatz und ich alle persönlichen dinge unterbringen sollen? ja wo denn???? in meinem haus sind 2 häuser vereint. und das soll ich in einer kleinen wohnung unterbringen? mein haus verkaufen - ok - denn ich werde ja mit einem neuen und gemeinsamen mit meinem schatz "entschädigt" aber unsere persönlichen sachen wegwerfen, weil man sie nirgends unterbringen kann - da war bei mir die grenze erreicht! das war zuviel, ich habe das auch gesagt und daraufhin haben wir uns entschlossen das haus nebenan zu kaufen. auch wenn es viel zum ausbauen gibt. aber genau das macht es auch so spannend und wunderschön :heart:


    im gespräch mit mutti, welches sie äußerst ungerne führt, denn sie möchte sich mit eventueller krankheit oder tod garnicht auseinandersetzen, fand ich nun zumindest heraus wie sie sich die zukunft vorstellt und das war für mich absolut ok. von meiner seite aus war auch ganz klar, dass sie solange nicht in ein altenheim oder ähnliches kommen wird, solange es zuhause vertretbar ist. sollte sie also eine pflegestufe erreichen die von mir selbst mit hilfe professioneller pflege von außen nicht mehr zu bewältigen ist, wird es nicht anders gehen und sie wird wohl leider müssen. wir hoffen alle, dass dies niemals der fall sein wird! dennoch war mir wichtig, sie das wissen zu lassen. sie ist eine offene, direkte und ehrliche frau. das liebe ich so an ihr. :knuddeln:
    liebe sunny ich glaube also ganz genau zu verstehen was du meinst und solange es für alle beteiligten vertretbar ist, wird das auch so gemacht wie mutti das will.


    für mich war das motto als ausgangsbasis für dies alles: "es muss sich JEDER dabei wohl fühlen" und genau das möchten wir nun auch gemeinsam erreichen.


    ja toshka. ich habe diese entscheidung aus freien stücken und aus freiem herzen entschieden und ich freue mich auf unser neues zuhause und auf mutti nebenan :) sie ist wirklich eine tolle frau und so gott will wird sie das hoffentlich auch noch lange bleiben.


    du solltest nicht ( grundsätzlich !) die ängstliche sein, die etwas richtig und gut zu machen hat !
    Was steht da bei dir hinter dieser haltung ? wo kommt sie her ? .


    ich mache fehler! ich mache sogar jede menge fehler! und das ist alles halb so wild, denn es gibt kaum etwas nicht-wieder-gutzumachendes. aber wenn man jemand auf seinem letzten weg begleitet und macht dann einen dummen fehler, toska wie macht man das wieder gut? ich meine bei wem entschuldigt man sich dann? da hab ich bisschen bammel davor.


    liebe kirsten (panther-adler) ich versuch es nicht zu zerdenken. ich möchte mich nur darauf vorbereiten. ein wenig. soweit es eben - so 25 jahre vor dem fall möglich ist ;)


    aber es stimmt schon. ich denke schon viel darüber nacht. überhaupt über die situation. ich möchte nicht wie ein überraschtes kind beim dreck stehen und mich wundern, dass da was kam was ich üüüüberhaupt nicht habe kommen sehen. damit meine ich nicht den moment am sterbebett, sondern die ganze situation auch vorher. daher war das extrem klasse für mich was advaita schrieb!


    es gingen auch schon gedanken voraus bevor ich mich entschied da mitzuziehen. er ist ein einzelkind. nunja - ich aber auch. was ist, wenn meine mama mal nicht mehr so gut kann? ich sprach sie darauf an. sie möchte in ihrem heimatort in ein altenheim. da ist es lustig, da gehen alle ihre freundinnen hin, meinte sie, (und sie hat einen großen freundeskreis) ich kann mir das lebhaft vorstellen. mama mit ihren "weibern" mischt das altenheim auf. lebhaft wirds werden :brueller:


    eine frage noch. speziell an advaita, da du ja bereits seit 30 jahren diese arbeit professionell machst, worauf habe ich am sterbebett zu achten? was geht da vor sich? meine hochachtung hast du für diesen job!


    ganz liebe grüße petra






    [team]@petra:
    Edit Ilaya - Zitate als solche kenntlich gemacht.
    Bitte benutze zum Zitieren die Zitieren - Funktion.
    Hier findest du eine gute Anleitung und in diesem Thema kannst du üben (Hast du ja auch schon :zwinker: )
    :winke: [/team]

  • Guten Morgen Petra,
    ganz ehrlich ,hätte ein komisches Gefühl wenn jemand sich solche Gedanken über meinen Tod machen würde.
    Ich denke da lieber erst darüber nach wenn es auch Anlass dazu gibt.


    "Schwiegermutter spricht nicht gerne darüber"


    Wenn sie es nicht gerne tut, sollte man sie auch nicht damit belasten.
    Sie ist 75 und und kann noch viele wundervolle Jahre vor sich haben.


    Lieben Gruß,Flocke

    ALLES WAS WIR ERLEBEN,DIENT DEM LERNEN !

  • Liebe Petra,


    ...wenn ich Deinen Beitrag so lese, bin ich ganz sicher, dass Du das richtig angehst :)


    Du hast Dir Gedanken gemacht, Du hast Deine Grenzen gesetzt und Du scheinst Deine Schwiegermutter gut genug zu kennen, um zu
    wissen, dass Du sie magst und worauf Du Dich mit ihr einlässt.....


    ...ich würde denken: Beste Voraussetzungen.

    ber wenn man jemand auf seinem letzten weg begleitet und macht dann einen dummen fehler, toska wie macht man das wieder gut?

    ...ich bin zwar nicht Toska, teile Dir aber einfach mal meine Einstellung dazu auch mit.


    Ich denke, solange man aus tiefstem Herzen und guten Gewissens wohlmeinend für den anderen handelt,
    solange kann das, was man tut nicht falsch sein.


    Und ich würde genau aus diesem Grunde mir darüber an Deiner Stelle auch gar nicht den Kopf zerbrechen.


    Du wirst es richtig machen, wenn es soweit ist, weil Du nicht aus unehrlichen Motiven heraus handelst.


    Liebe Grüße
    Sunny

    Einmal editiert, zuletzt von Sunny ()

  • Liebe petra!
    Vielen Dank für Dein aufmerksames Feedback.
    Manchmal ist der Seele eine bestimmte Perspektive so nahe und so vertraut, dass es hilfreich sein kann, die "Perspektive" zu wechseln.
    Man geht dann einfach eine Stufe rauf oder runter.
    Wir gehen eine Stufe "runter".
    Lass Deine Seele die Flügel ausbreiten, erlaube Deiner Vorstellungskraft, umfassend tätig zu werden.
    Du gehst mit mir gemeinsam in meine Praxis.
    Eine junge Frau hat sich angemeldet, 28 Jahre, glücklich verheiratet, hoch schwanger.
    In wenigen Wochen ist die Geburt.
    Sie hat eine Frage und hat sich deshalb einen Termin geben lassen.
    Die Frau macht einen sehr reifen, selbst-reflektiven Eindruck.
    Sie freut sich auf die Geburt, hat sich so gut wie irgend möglich, darauf vorbereitet.
    Eine großer Fragen-Komplex beschäftigt sie aber, lässt sie nicht mehr los, ist der Grund, warum sie da sitzt.
    Sie hat gehört und gelesen, dass die Pubertät, die Loslösung vom Elternhaus eine ganz entscheidende Phase im Leben des Menschen ist.
    Sie möchte jetzt wissen, was sie machen kann, dass für ihr - noch ungeborenes Kind - die Pubertät und die Loslösung vom Elternhaus so optimal wie möglich verläuft.


    Man spürt die Ernsthaftigkeit ihrer Frage, man fühlt ihr Engagement, ihren Eifer.
    Gleichzeitig flashen Bilder aus der Beratungspraxis ein.
    Fälle, wo die Mutter überraschend gestorben ist, jung, viel zu jung, und nicht die Mutter musste sich ablösen, sondern die Kinder, die zurück blieben.


    Kinder und Jugendliche, die überraschend einen Verkehrsunfall hatten, und quasi über Nacht zu schweren Pflegefällen wurden.
    Da ist dann keine oder nur mehr eine sehr eingeschränkte Loslösung, Ablösung möglich - da ist 24 Stunden Pflege angesagt, jeden Tag, sieben Tage die Woche, jeden Monat, alle Jahre, bis ans Ende des Lebens.
    Da ist dann eine andere Form von Loslösung angesagt: Die Loslösung von ganz wesentlichen eigenen Träumen, eigenen Bedürfnissen, eigenen Vorstellungen vom Leben.


    So viel kann geschehen, so viel kann passieren.
    Was würdest Du dieser hochschwangeren, hoch motivierten Frau sagen, die so dringend und drängend eine Antwort darauf haben will, wie sie sich in der Pubertät, in der Loslösung ihres noch nicht geborenen Kindes einmal verhalten soll?


    Dir für Deinen Weg alles Gute.
    LG
    Advaita


  • advaita@: -lächel- meine Standardantwort dazu in solch Situationen ist: >Kommt Zeit, kommt Rat< ist so irgendeine Redewendung, keine Ahnung woher.


    hallo Petra,
    gerade erst eingestiegen in diesen thread, -ja -ich habe Ahnung bei Sterbebegleitung-.


    Ich erlebte viele Sterbende als perfekte Schauspieler gegenüber Angehörigen. Fremden neutralen Personen vertrauen sich die Dimensionswechselnden viel eher an, ist auch einfacher. Das ist manchmal sehr schokierend für die Angehörigen.


    >Kommt Zeit, kommt Rat< ist meine Botschaft auch an Dich Petra, denn in der Zeit wo Du ja nun etwas mehr Dein Leben mit der Schwiegermutter teilst, habt Ihr beiden die Chance Eurer beiden Ängste zu verstärken oder ab zu bauen. Vielleicht gibt das Leben die Chance dass Ihr lernt Euch zu vertrauen.

    Sammle Eindrücke und Erfahrungen, dann kommt auch innere Kraft.
    Was wann wo und wie passieren wird ist schnurzegal. Das Sterben ist nicht getrennt vom Leben.


    Rosenwetter

  • Hallo Petra,


    ich pflege meine Mutter seit nun mehr 10 Jahren... über ihre Sterbebegleitung habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
    Klar, ich habe schon viele Menschen in den Tod begleitet (20 Jahre Nachtschwester im Krankenhaus) und ehrlich, jedes Mal war es anderes... wie auch jede Geburt anders ist, jedes Schicksal verschieden.
    So mancher hat sich z.B: dafür entschieden hinüber zu gleiten, wenn die Verwandten den Raum verlassen haben um einen Kaffee zu trinken, andere wiederum mochten genau das Gegenteil, oder, oder, oder.
    So vertraue ich darauf, das meine Liebe mir genau das zeigt was sie in dieser Phase ihres Lebens braucht und wie sie sich meine Begleitung wünscht und wohl fühlt.
    Das Einzige was ich brauche ist liebevolle Offenheit für ihrem Weg... wie immer sie ihn auch gehen mag - es ist ihrer.
    Sterben ist ein sehr individueller Prozess.
    Du kannst keine "Fehler" machen, denn es gibt nicht "die perfekte Sterbebegleitung".


    Es ist müssig sich darüber so viele Gedanken zu machen, genießt das gemeinsame Leben und Erleben und du wirst fühlen und wissen völlig ohne den Plan.



    Liebe Grüße


    Arthemesia

    [align=center]Es ist nicht die Aufgabe eines anderen Menschen mich zu lieben wie ich bin... es ist meine.

  • Hallo Petra,
    nur eine kurzen Denkanstoß von mir (ansonsten steht schon
    alles geschrieben).
    Heimgehen ist ein gefühlvolleres Wort für sterben, ist es nicht
    so, dass "dorthingegangen" wird, woher wir kamen?
    Das ist für mich ein tröstlicher Gedanke und auch für viele,
    die sich gerade in einer Abnablungsphase befinden.


    Ansonsten noch viele schöne Jahre im Kreise eurer Familie,
    lenke deine Gedanken auf das Jetzt und was ihr noch alles
    erleben könnt.


    Alles Liebe ate :busch:

  • oh, nun war ich etwas enttäuscht, von advaita. ich hatte eine präzise frage gestellt und bekam eine situation einer jungen frau vorgesetzt, anstatt einer antwort. nun gut.


    ich möchte gerne darauf eingehen. wenn diese glückliche frau ihren kopf voll hat mit fragen zur pupertät ihres noch ungeborenen kindes, dann würde ich sie darin tatsächlich ernst nehmen. natürlich läuft noch viel wasser den rhein hinunter bis das kind soweit ist aber dennoch macht sich diese frau HEUTE einen kopf darüber und den würde es für mich gelten zu entspannen. dies wird nicht mit "kommt zeit kommt rat" gelingen und auch nicht mit einem lapidaren "machen sie sich keinen kopf darüber, sie werden reinwachsen", sondern mit einem ernsthaften austausch über pubertierende jugendliche. auch wenn eine antwort für sie spezifisch unmöglich ist, da man ihr kind und sein wesen noch garnicht kennt, geht es ja zum heutigen zeitpunkt um diese frau die mit einem kopf voller gedanken zu dir kam.
    in der tat würde ich mir zeit für diese frau nehmen. mir ihre gedanken bis zu ende anhören und da ich bisher einige pubertierende vandalen im haus hatte, bestimmt auch gesprächsstoff mit ihr finden der ihr bei ihren ängsten und (vor)sorgen ihr vielleicht ein wenig helfen könnten sie auf irgendwann einmal vorzubereiten, denn heute geht es ja nicht um ihr kind, sondern ganz alleine darum worum sie sich gedanken macht. oder sehe ich das verkehrt?


    Ich erlebte viele Sterbende als perfekte Schauspieler gegenüber Angehörigen. Fremden neutralen Personen vertrauen sich die Dimensionswechselnden viel eher an, ist auch einfacher. Das ist manchmal sehr schokierend für die Angehörigen.

    DAS ist etwas so wertvolles für mich zu wissen. ich danke dir sehr für diesen satz!


    glaube was mir fehlt ist einfach der austausch von erfahrungen. wie es letztendlich sein wird, da muss ich euch allen recht geben. das wird sowieso ganz anders sein. überhaupt, weil ich selbst dann mittendrin stecke und nicht nur davon höre. so ist es immer anders. wichtig sind für mich einfach informationen und der austausch darüber. ich fürchte ich bekomme angst, wenn ich nicht innerlich vorbereitet bin. wenn ich rein garnichts darüber weiß. daher frage und bitte ich um erfahrungen.


    arthemesia, ich glaube dir aufs wort, dass du dir darüber nie gedanken gemacht hast, wenn du jahrelang als nachtschwester mit solchen situationen konfrontiert wurdest.


    natürlich möchte ich noch lange das leben mit mutti genießen. alles was ich möchte ist, mich ein wenig darüber auszutauschen und auch aus dem wissen anderer evtl zu profitieren , denn ich bin keine krankenschwester. auf advaita zurückzukommen fühle ich mich tatsächlich schwanger und es ist als hätten die meisten kinder nur ich nie eins gesehen und wüsste nun nicht damit umzugehen. hätte nur von kindern gehört. das ist so vergleichbar mit dem prozess mutti zu begleiten.


    wenn es nicht zuviel wird, möchte ich gerne auf meinen bammel dahingehend eingehen. meine mama begleitete 3 menschen auf ihrem letzten weg. der erste war ihr vater. opa schlief friedlich ein. es war entspannt. der 2. war ihr langjähriger lebensgefährte welcher an bauchspeicheldrüsenkrebs starb. das war schon etwas heftiger wie sie erzählte. er starb nicht leicht. der 3. den sie begleitete war ihre große liebe mit dem sie danach zusammenkam. seine krankengeschichte ist etwas konfus. in jedem fall wollen sie noch in urlaub fahren und 2 wochen später starb er. es ging so rapide bergab und mama war die ganze zeit bei ihm. er bekam keine luft und sie sagte es dem pfleger, worauf dieser nur meinte "ja, genau DAS ist das problem" er fiel ins koma und mama saß neben ihm am bett. einige tage, denn sehr lange dauerte das ganze ja nicht. er hatte große panik vorm sterben und schaffte es aus dem koma nochmal aufzuwachen. obwohl er eigentlich nicht mehr laufen konnte, riss er sich in todesangst und seiner panik die schläuche ab und rannte auf den krankenhausflur hinaus. meine mama (ebenfalls keine krankenschwester) sah hilflos seinen qualen zu bis er zusammenbrach und seinen letzten atemzug tat. meine mama war und ist immer eine sehr starke frau gewesen. sehr selten sah ich sie verzweifelt aber wenn sie über dieses erlebnis erzählt, treten ihr die tränen in die augen.


    daher mein bammel und nochmal die bitte - auch wenn ich nicht glaube, dass es bei mutti so werden wird - ich bin um jede erfahrung dankbar.


    ansonsten habe ich nicht vor unsere gemeinsame zeit nicht zu genießen :) ich möchte mir nur etwas mehr wissen aneignen. das ist alles.



    vielen dank euch allen!


    oh und ilaya. ich hoffe das mit dem zitieren hat jetzt geklappt. falls nicht, bitte nicht sauer sein und bitte nochmal korrigieren. ich werd mich dransetzen das zu verinnerlichen. war ein harter abend gestern und letztendlich fast 10 std hinterm herd bei den temperaturen. ich mag meinen kopf nicht mehr mit zitieren anstrengen jetzt. aber ich werds tun sobald ich wieder fit bin. versprochen!!


    lieben gruß petra

  • Guten Morgen Petra,
    schau dir mal die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross an,sie könnten dir vielleicht eine Hilfe sein.


    Falsch machen kannst du nichts,laß dich einfach von deinem Herzen leiten und du wirst wissen,spüren was zu tun ist.


    Du kannst demjenigen auch nicht das Sterben abnehmen,sondern ihm nur zur Seite stehen.
    Begleitung kann also nur Fürsorge sein,die sich an dem Sterbenden orientiert ,wie Wünsche und Bedürfnisse während dieser Zeit.
    Gehen muß jeder diesen Weg alleine.



    Lieben Gruß,Rita

    ALLES WAS WIR ERLEBEN,DIENT DEM LERNEN !

  • Liebe petra,

    oh, nun war ich etwas enttäuscht, von advaita. ich hatte eine präzise frage gestellt und bekam eine situation einer jungen frau vorgesetzt, anstatt einer antwort. nun gut.

    Es wurde dir ein Bild vorgesetzt, die junge Frau existiert ja nicht wirklich.
    Wenn du dieses Bild seinem Hinweis, den Blick bewusst in die Gegenwart zu lenken,
    statt in eine Zukunft, die keiner genau kennt, nicht annehmen kannst oder nicht verstehen willst,
    ist das deine freie Entscheidung, es liegt an niemand anderen.


    viele Grüße


    Christoph


    Bewusstheit schafft Heilung



    "Der wahre Zweck des Menschen ist die höchste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen"
    Wilhelm von Humboldt (1767 - 1835)

  • Liebe Petra,


    natürlich gehe ich davon aus das du mit der Mutti die nächsten Jahre genießen möchtest.
    Meine Anregung diente dazu dich etwas mehr auf das hier und jetzt zu fokussieren.


    Das Trauma, welches deine Mutter erlebt hat ist schwer für Angehörige zu ertragen.
    Das du dich davor schützen möchtest ein solches Trauma zu erleben ist verständlich.


    Wir glauben das wir durch intellektuelles Wissen dafür schützen können, uns quasi auf den Fall der Fälle vorbereiten.
    Das gilt nur sehr bedingt in diesem so sensiblen, persönlichen Bereich.
    Es gibt Bücher über die Sterbephasen... wie oben schon von Flocke beschrieben, es gibt Ausbildungen zum Sterbebegleiter und es gibt viele Menschen die andere begleitet haben... und doch... es bleibt Theorie, die dich niemals vor deinen Gefühlen, vor deinen spontanen Reaktionen abhält... es gibt dir keine Sicherheit, kein Vertrauen ... nur eine kurzzeitige Befriedigung deines Verstandes (bis er einen neuen Bericht hört, der wieder andere Fakten auf deckt, ein anderes Erleben schildert).
    Folge diesem Pfad solange er dir wichtig ist und du ihn brauchst.


    Aus meiner Sicht ist das Anschauen der eigenen Ängste (nicht unbedingt vor dem Tod... sondern vor Hilflosigkeit, Loslassen, Schmerz, Schuldgefühle),
    das Bearbeiten des Traumas (deine Mutter so verzweifelt gesehen zu haben) und auch das Annehmen der eigenen Grenzen eine wichtige Voraussetzungen,
    um im vertrauensvollen Frieden einen Menschen bis zu seinem Übertritt zu begleiten.
    Wir können anderen Menschen die Ängste nicht nehmen, in der Situation deiner Mutter hätte auch eine Krankenschwester nicht helfen können.
    Wir können einander Begleitung und Unterstützung sein, jedoch niemals den Weg eines anderen gehen.



    Ich wünsche dir von Herzen eine wunderbare Zeit im hier und jetzt... die beste Vorbereitung auf das Sterben ist ein lebendiges Leben.


    Liebe Grüße


    Arthemesia

    [align=center]Es ist nicht die Aufgabe eines anderen Menschen mich zu lieben wie ich bin... es ist meine.

  • Hallo Petra,


    ich nochmal... hier mit ein paar praktischen Tipps.
    Vielleicht ist es das was du dir als Antwort wünscht.


    Wenn die Mutti es erlaubt, sie bei ihrem Übergang zu begleiten ist es dienlich ihre Umgebung so zu gestalten wie sie es zu Lebzeiten gemocht hat...
    mit ihrem Lieblingsduft, ihren Lieblingsblumen neben ihr, die Farbe, die sie mag in ihrer Umgebung.
    Wenn sie eine Musik hat, die sie sehr berührt kann auch diese beruhigend und hilfreich sein.
    Eine Kerze, Segen ihrer Religion.


    Gestalte ihre Umgebung liebevoll und achtsam, sorge bei deiner Anwesenheit dafür das es DIR dabei gut geht.
    Aufopferung hält hier.
    Bitte sie um ihren Segen für euer weiteres Leben.


    Sollte sie kämpfen, öffne dich ihrem Kampf ... begegne ihm mit Liebe, Verständnis, Anteilnahme und Frieden.
    Erkläre keinem der sich im Kampf befindet er bräuchte nicht kämpfen (dann würde er es nicht tun) ... eine solche Aussage dient nicht.
    Achte auf dich und die, die dich in dieser Phase begleiten, sorgt gut für euch... damit die Seele der Mutti sich nicht um euch sorgt.


    Es gibt so viele wenn dies, wenn das, wenn jenes ....
    Entscheidend ist und bleibt, wie in jeder Phase des Lebens, die innere Haltung.
    So ist es nicht so entscheidend "was" du tust sondern "wie".


    Je lebendiger das Leben ist, desto leichter fällt der Abschied, weil alles gesagt, alles getan ist...



    Liebe Grüße und nun ab in den Sonnenschein


    Arthemesia

    [align=center]Es ist nicht die Aufgabe eines anderen Menschen mich zu lieben wie ich bin... es ist meine.

  • natürlich möchte ich noch lange das leben mit mutti genießen. alles was ich möchte ist, mich ein wenig darüber auszutauschen und auch aus dem wissen anderer evtl zu profitieren ,

    Genau das solltest du tun. Statt daran zudenken das die Dame stirbt. Hört sich an als wenn das zusammen ziehen, eine Notwendigkeit ist um den Gedanken: Ich bin ja verpflichtet meiner Mutter gegenüber mich um sie zu Kümmern. Und du deinen Mann dabei Gerecht zu werden, und damit deinen Mann von Schuldgefühlen sich frei zusprechen.
    Wenn du mit Ihr zusammen Leben willst, dann werde ihr eine Freundin und Tochter und nicht mehr. Alles andere liegt nicht in deiner Macht und Hand. Das Loslassen und den Trost geben während des Sterbe Prozess liegt in jedem Einzelnen wie damit Umgegangen wird! Ich denke das es auf sich zukommen zu lassen besser ist, als sich in der Seele zu zerreißen wie damit mit umzugehen ist. Denn wie schon geschrieben wurde es kommt anders als man( sie ) denkt........

    Einmal editiert, zuletzt von Roti ()

  • Liebe Petra,
    danke für Deine Schilderung, woher Deine Angst kommt. Du fragst nach Erfahrungen... Nun, drei von vier Großeltern von mir sind tot, ein Onkel von mir ebenfalls. Bis auf einen plötzlichen Tod war das je ein längerer Prozess.
    Ich habe da keine körperliche, pflegerische Begleitung gemacht (das kann ich aus Gesundheitsgründen nicht), für die emotionale Seite von Begleitung war ich da, so gut ich es zum jeweilgen Zeitpunkt konnte.
    Mit meinen Omas habe ich lange Gespräche gewollt, wenn sie es wollten und über das, worüber sie wollten. Das war nicht immer einfach, aber es hat viele Erinnerungen geschaffen, von denen ich heute noch zehre und die mir viel gegeben und meinen Omas vielleicht (so hoffe ich) das Sterben auch erleichtert haben.
    Nun muß man sagen, die sind beide nicht im Krankenhaus gestorben. Das bedutet, da war Tod und Sterben in der vertrauten Umgebung durch- und erlebbar.
    Bei meinem verstorbenen Großvater gab es keinen Sterbeprozess, der ist mit einem Herzschlag umgefallen und war tot. Da gab es keine Vorbereitung, keinen Prozess, keinen Abschied, zumindest keinen Abschied vor dem Tod.
    Mein Onkel ist der einzige, der im Krankenhaus gestorben ist (während er auf der Warteliste für einen Hospizplatz stand). Das war eher schwieriger als bei den anderen, die Umgebung, die Abläufe... das alles war sehr viel weniger individuell als bei den Großmüttern. Krankenhaus ist eben... ja, ein Betrieb mit betrieblichen Abläufen, starren Besuchszeiten, etc. Das alles ist kein Vorwurf an das Pflegepersonal (die haben sich gut gekümmert, zumindest so gut, wie es in dem Umfeld halt geht), aber ein dreibettzimmer, dessen Fenster man nicht aufmachen kann, ist einfach was anderes als Sterben daheim. Dennoch war es ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr möglich, ihn zu Hause zu versorgen. Gut wäre halt gewesen, er hätte von daheim ins Hospiz gehen können, aber es war halt kein Platz frei.
    Was ich damit sagen will: Ich finde es gut, wenn Du Deine schwiegermutter so individuell wie möglich versorgen möchtest. Dennoch kann es Zeitpunkte geben, wo man auf größere Strukturen zugreifen muß, selbst, wenn dabei einiges an Individualität und Privatsphäre verloren geht.


    Ich kann auch nicht sagen, meine Verwandten hätten da alle gleich reagiert: So individuell wie sie im Leben waren, so sind sie auch gestorben. Meine Oma väterlicherseits war sehr klar, sehr sachlich, sehr offen und sie hat selbst entschieden, ab einem gewissen Punkt bestimmte Behandlungen abzubrechen. Drei Tage später war sie tot. Und sie war vollkommen bei Verstand, das heißt, sie wusste, dass sie stirbt, wenn sie diese Entscheidung trifft. Das tun zu können, hat sie sich offen gehalten und wir haben es alle akzeptiert.


    Meine Oma mütterlicherseits war wesentlich indirekter, verklausulierter. So offen wie mit der anderen Oma hat sie nie darüber gesprochen. Aber da ging viel über Bilder, Metaphern, gemeinsam sitzen, gemeinsam schweigen. Mit mehr Emotion (weniger sachlich), aber trotzdem stiller.


    Mein Onkel nun... der hat sich damit auseinandergesetzt, (das war die Zeit des Redens) die Chemo abgebrochen (das war die Hoch- und Runter- Zeit, wie so eine Wippe) und dann hat er sich zurückgezogen. Der hat sich in sich selbst zurückgezogen und dann ging es schnell zu Ende. Wie so ein "Ich dimm mich runter und zieh mich in mich zusammen und schalt mich von innen heraus selber ab." Er hat nicht gekämpft- und auch er ist so gegangen, wie er gelebt hat.


    Was ich Dir raten würde (für Dich, nicht für Deine Schwiegermutter, sondern explizit für Dich): Gib das Trauma zurück. Was ich lese, klingt für mich, als wäre (in etwa) folgendes passiert:


    1) Deine Mutter hat einen Meenschen verloren, den sie sehr gelebt hat. Sie hat sich dabei hilflos gefühlt und (seitens des Pflegers) nicht die Unterstützung bekommen, die sie gebraucht hätte. Auch andere haben hier schon das Wort Trauma (das griechische Wort für Wunde)
    eingebracht.
    2) Du erlebst nun zweierlei : a) Die Angst, es könnte wieder passieren (jemand stirbt, du kannst nichts tun und wirst nicht gut unterstützt)
    b) Du möchtest Deiner Mutter helfen, dass sie überwinden kann, was geschehen ist


    Dazu gehört für mein Empfinden: Löse Deine eigene Angst von der Deiner Mutter ab. Das Bild von Advaita ist nicht schlecht gewählt, Du bist bloß beides: Du bist nicht ausschließlich die Mutter, die jetzt schon mit der Pubertät ihres ungeborenen Kindes umgehen möchte- Du bist auch das ungeborene Kind, das die Angst der zutiefst erschrockenen Mutter zu seiner macht.


    Daran kann man aber was tun:
    Deiner Mutter würde möglicherweise ein Verstorbenenkontakt mit ihrem Lebensgefährten helfen, um zu klären, was da noch offen ist, und wozu dieser Tod so kam, wie er kam.
    Und Du? Bei Dir würde es darum gehen, die Abgrenzung klarer zu machen, damit Du die Gefühle anderer nicht mehr sooo stark übernimmst (spüren kannst Du dann immer noch, aber es wird weniger aufreibend) und die vertauschten Gefühle zwischen Deiner Mutter und Dir wieder jeweils den Personen und Situationen zuzuordnen und zurückzugeben. Ist Arbeit, geht aber.
    LG,
    Panther-Adler

  • nun kommen wir der sache schon näher. mit rasenden schritten für mich :)


    liebe rita, (flocke)


    hab wenig zeit für bücher. denke dennoch es wird sich lohnen. vielleicht finde ich ja ein buch welches nicht in einem text durchverfasst ist, sondern aufgeteilt in rubriken.

    Es wurde dir ein Bild vorgesetzt, die junge Frau existiert ja nicht wirklich.

    nicht? ich weiß ja, dass ich hin und wieder naiv bin und auch gutgläubig aber ich ging doch tatsächlich davon aus, dass wenn auf meine frage nicht geantwortet wurde, wenigstens ein realer fall geschildert und nix aus den fingern gesaugt wurde. ich habe das jedenfalls ernst genommen und darauf auch genau so ernst geantwortet. hoffe ich habe den hinweis verstanden. hätte mir dennoch eine antwort gewünscht.


    Wir glauben das wir durch intellektuelles Wissen dafür schützen können, uns quasi auf den Fall der Fälle vorbereiten.

    ERWISCHT :top2: und ich glaube trotzdem, dass es ein wenig möglich ist. nur ein wenig. am ende kommt eh alles anders aber man steht dann nicht da wie kleinkind beim dreck und hat von nix gewusst. DAS ist der punkt.


    es gibt dir keine Sicherheit, kein Vertrauen ... nur eine kurzzeitige Befriedigung deines Verstandes (bis er einen neuen Bericht hört, der wieder andere Fakten auf deckt, ein anderes Erleben schildert).
    Folge diesem Pfad solange er dir wichtig ist und du ihn brauchst.

    mehr möchte ich im moment doch auch garnicht. nur eine kurzzeitige befriedigung, damit ich dahingehend in der seele ruhe habe und sonstweitig weitermachen kann. wie die junge schwangere frau die sich vorzeitig gedanken über die pubertät ihres ungeborenen kindes machte. es ist doch wichtig jemanden nicht stehen zu lassen und zu vertrösten. wenn die fragen jetzt akut sind, dann sind sie es jetzt. aktuell werden sie später. ich möchte mich auch nicht rechtfertigen müssen warum ich mir darüber jetzt gedanken mache. es wäre schön, wenn einfach so darauf eingegangen würde :kiss:
    arthemesia, diese tipps die du aufgezählt hast sind mehr als gold wert!!! vielleicht können sich einige nicht denken, dass jemand damit noch keine erfahrung hat und an manches garnicht denkt was für erfahrene selbstverständlich ist. und wenn noch 25 jahre vergehen, arthemesia, werde ich ganz sicher an musik denken und abwägen. immer abwägen. der moment wird es dann zeigen. aber ehrlich. da ich selbst musik nicht so dolle mag, wäre es wohl das letzte gewesen an was ich gedacht hätte. das war ALLES in allem so höchst wertvoll für mich. ich hoffe den segen müssen wir uns nicht geben lassen. wenn alles gut läuft, wissen wir alle, dass wir ihn haben werden.


    arthemesia lass dich mal umarmen :knuddeln: ich danke dir von herzen!!!!

    eine Notwendigkeit ist um den Gedanken: Ich bin ja verpflichtet meiner Mutter gegenüber mich um sie zu Kümmern. Und du deinen Mann dabei Gerecht zu werden, und damit deinen Mann von Schuldgefühlen sich frei zusprechen.

    abgesehen davon, dass er nicht mein mann ist und sie nicht meine mutter und ich keine schuldgefühle habe - laaaaach. also quasi nichts davon stimmt, ist es auf den punkt getroffen. wir ziehen nicht zum spaß um. wir ziehen definitiv um, damit mutti hilfe hat und wir freuen uns ihr das leben etwas erleichtern zu können. ich sehe daran nichts falsches. als ich meinen schatz kennenlernte, sagte er mir er würde nie umziehen. er würde an seinem wohnort bleiben wegen seiner mama. er als einzelkind, hat ihr versprochen, sie müsse nicht in ein altenheim. so!!! da ist schon eine verpflichtung dabei. ob er schuldgefühle hat weiß ich nicht. ich habe sie jedenfalls nicht! und ich wusste von anfang an auf was ich mich bei ihm einlasse. ich habe seine mama kennen und lieben gelernt. sie ist eine tolle frau! und da ich meine schatz liebe, werden wir das hand in hand durchziehen und unsere zukunft in diese, seine der mama versprochene richtung orientieren. es tut niemandem weh. also warum sollten wir das nicht tun?! das zusammenziehen ist eine notwendigkeit. JA. irgendwann gehts halt nimmer so gut ab einem gewissen alter. ist das nicht schön, wenn dann die familie zu einem hält?!


    liebe panther-adler,


    von gaaaaaanzem herzen ein dickes dankeschön für deine eindrücke und erzählungen. mir kam der gedanken ob ich nicht zu viel verlange, weil du von deinen angehörigen gesprochen hast. also dir das auch emotional und persönlich nahe geht. mir ging ganz nahe, dass im hospiz kein platz frei war. wusste garnicht, dass es sowas gibt. das ist furchtbar. 3 bett-zimmer ohne luftzufuhr, weil keiner zeit und ein bett frei hat. das ist sehr, sehr traurig. das sollte so nicht sein.


    durch deinen beitrag wurde mir auch einiges näher gebracht. der tod integriert daheim zum beispiel. früher versammelten sich alle nochmal um das totenbett. von alt bis jung und nahm abschied. das ist doch heute kaum noch so, sonst würde ich mehr wissen darüber.


    als wir zum ersten mal bei ihr zu besuch waren, lud sie uns ein in ihrem schlafzimmer zu schlafen, da sie sowieso immer im wohnzimmer nächtigt. sie behauptet dort am besten zu schlafen. mein schatz schlug sich permanent am überbau des bettes den kopf an und ich hatte jedes mal beim liegen das gefühl mich zieht es ganz tief in unendliche tiefen. ich wusste nicht warum. kann es auch kaum beschreiben. ich träumte heftig in ihrem bett. bis ich sie mal fragte wo ihr manm starb.... jaaaaa in "meinem" bett also dort wo ich schlief. nun wundert es mich nicht mehr. hab viele zwiegespräche mit ihm geführt. dachte am anfang er mag mich nicht. egal was ich ihr half hatte ich ständig sätze im ohr wie "wir wollen keine hilfe, wir schaffen das alleine" hab mich tagelang nicht getraut darüber zu sprechen aber genau so war er wie sich dann herausstellte. hab mich dann der "unterhaltung" gestellt und ihm geantwortet. kam mir bissl dämlich bei vor aber hat ja sonst niemand gehört. und man könnte sagen wir beide sind freunde geworden.


    dann geschah noch sowas wie ein wunder. mutti hat einen defekten durchlauferhitzer in der küche der die dusche mitversorgt. da starkstrom, sollte der nur von einem elektriker repariert werden. dieser wurde zwar mobilisiert, glänzte aber mit desinteresse und abwesenheit seit mehreren wochen. aua... das ist ein fall für mich. sowas liebe ich wie bauchweh. wenn er kein geld verdienen will, gut aber nicht annehmen und dann abwesend bleiben. wir also zu dem typ hingefahren und er war nicht zuhause. hab seiner frau erklärt, dass das so ein unding ist. mutti kann nur noch die badewann nutzen und mit ihrem bein kommt sie da schlecht rüber. so geht das nicht!!!
    wir waren alle dermaßen perplex, denn als wir zurückkamen und später geschirr spülen wollten kam warmes wasser in der küche. ich lüge nicht. der boiler ist kaputt. auch das kontrolllicht ist dunkel. das ding ist platt wie flunder aber es gibt auf einmal warmes wasser. nachhaltig.
    jedesmal wenn ich heute mit mutti telefoniere frage ich sie und sie sagt sie hat warmes wasser. monatelang lief das ding nicht. (hab mich bei seinem papa bedankt) :heart:


    so nun muss ich kurz weg. vielen danke nochmals. ich kann grad nicht auf alles eingehen. ihr könnt euch aber sicher sein, dass ich alles aufmerksam gelesen habe!!!


    gruß petra