Das Dorf der Dana

  • Die Entstehung


    Eine Geschichte, die schon lange in mir schlummert und nun durch einen jungen Mann aus dem Netz geweckt wurde.
    Wir spielen gemeinsam auf einem Minecraft Server und dort ist ein Gebäude entstanden,
    welches mich an meine Chartres Reise im Mai letzten Jahres erinnerte.


    Als ich ihm von der Kathedrale erzählte und von ihrer Architektur schwärmte wusste ich noch nichts von den späteren Figuren.
    Doch in der Nacht oder besser am nächsten morgen hatte mein Geist einen Plan geheckt.


    Minecraft schien mir nicht das richtige Bausystem zu erlauben,
    daher stellte ich ein kleines Ankündigungsvideo in dem Spiel "Rising World" auf meinen kleinen Kanal
    mit der Bitte mir alte Namen zu nennen, deren Besitzer zu Heldinnen dieser Geschichte werden können.


    Es kamen einige Namen zusammen.
    Die sich teilweise ins keltisch/germanische oder Mittelhochdeutsche wandeln ließen.
    So wurde aus der Ursula die Artula und so weiter.


    Inzwischen hat sich nun das Spiel "Rising World" so verändert,
    dass meine Versuche dort die Geschichte spielen zu lassen kläglich scheiterten.


    Spielen wird auch zuviel gesagt sein, weil diese Figuren und Helden nicht auftauchen werden,
    nur die Bauwerke werden zu sehen sein (natürlich in meinem liebsten Spiel: Minecraft)


    Im Moment da mein lieber Sohn meinen Windows PC in Beschlag hat,
    können meine lieben Freunde auf Youtube weder in den Genuss dieser Geschichte noch von sonstigen Filmchen.
    Hier stelle ich nun immer etwa 5 Minuten des Textes ein und wenn 20 Minuten erreicht sind werde ich das Filmchen am Ende zeigen.
    Auch werde ich hier auf die Bildchen verzichten.



    Doch nun zu der Geschichte:


    Das Dorf der Dana


    1. Kapitel
    Das Leben in einem Dorf


    Wie lange ist das her ... ?
    Wie viel Zeit ist auf der großen Uhr der Welt verflossen?


    Wie war das wohl als unsere Ahnen …
    uns noch nicht ahnten … mit welchen Dingen wir uns in der Gegenwart beschäftigen?


    Sie lebten einfach mit der Natur.
    Kannten das Metall, das der Schmied mit seinem Gesell aus dem Berg schlug
    und in heißen Öfen zu Waffen und Schmuck verwandelte.


    Der Sonnenwagen machte sich morgens auf den Weg
    und erreichte am Abend die andere Seite der Welt,
    um dort, wie die Menschen und Tiere schlafen zu gehen.


    Manchmal sah er die Mondin, die blass am Tage am Himmel stand, meist als Sichel.


    Wenn die Sichel nach oben offen stand, war es für die Menschen das Zeichen zu sähen und ernten.


    Wenn die Mondin voll am Himmel strahlte,
    war es die rechte Zeit dies ausgelassen mit Freudenfeuern zu feiern.


    Während die Neumondin mit ihren sehr dunklen Nächten, die Leute in den Hütten beließ.
    Oder sie saßen im Langhaus bei der Muhme, die in ihrem großen Topf feine Kräuter siedete,
    um den Trank an die Dabeisitzenden zu verteilen.


    Manchmal wollten die Männer wissen, wie die Wisentherde in diesem Jahr zieht,


    oder die Frauen wie die Ernte wohl ausfallen werde,


    dann nahm die Muhme ihren Lederbeutel vom Hals und schüttete aus ihm 7 Kieselsteine
    von unterschiedlichen Farben, Form und Größe auf ihre Hand


    umschloss diese Steine mit beiden Händen
    und schloss die Augen


    sie murmelte und schüttelte die Hände, Arme, Schulter … ja die ganze Frau schüttelte sich murmelnd,
    bis sie die Steine losließ und sie auf den gut gefegten Lehmboden fielen.


    wenn sich der Staub zwischen den Steinchen gelegt hatte öffnete sie die Augen.


    Meist sahen die Stammesmitglieder schon im Ausdruck ihrer Augen, wie es stand.
    Wenn ihre Stirnfalten sich tief über die Augen legten, war ein Unglück zu befürchten.
    Befanden die Brauen sich so weit wie möglich von den Augen entfernt ... ja fast im Himmel ...
    ja dann ... war alles gut.


    Jeder Stein stand für etwas anderes,
    einer für den Fragesteller,
    die anderen für Hindernisse oder Prüfungen,
    für Himmelsrichtungen oder Niederschläge
    für den Sonnenwagen und die Mondin …


    Keiner im Dorf kannte die Bedeutung,
    das war auch nicht ihre Aufgabe,
    sie verließen sich ganz auf die Muhme.


    Wenn einer krank geworden war, kam sie und beschwor die Geister des Dorfes,
    befragte diese nach dem Leiden und manchmal war es ein garstiger schwarzer Wurm,
    oder ein Dämon der den Kranken in die Geisterwelt schauen lies und ihn so verrückt machte.
    Das war ihre Aufgabe diese elementaren Wesen zu vertreiben und wenn sie es geschafft hatte,
    war sie meist für einige Zeit,


    ja einmal sogar mehrere Monde in ihrer Hütte im tiefen Sumpf verschwunden.


    Die Menschen kannten den Ort, doch dort war es gefährlich.
    Wenn sie sie aufsuchten konnten Sumpfgeister dichte Nebel schicken und
    der Suchende wurde dann nie wieder gefunden.


    Diese Flussauen waren dicht bewachsen,
    als Feuerholz waren die Bäume nicht zu gebrauchen, sie waren zu feucht und brauchten lange zum Trocknen.
    Auch war es viel zu schwer diese aus dem Auwald zu bergen.


    Denn die Geister dieses Ortes liebten keine Veränderung.
    Sie stürzten sich unsichtbar auf die Holzfäller und schickten Egel und Mücken,
    die die Arbeit zur Hölle werden ließen.


    Wenn das nichts half, stürzten sie sich auf diese Menschen und zwickten und zwackten,
    rissen an den Haaren und bohrten sich in ihre Schädel …


    dass die Fäller schließlich panikartig den Auenwald verliessen.


    Der Muhme schienen diese Geister nichts anhaben zu können.
    Sie sammelte dort besondere Kräuter, Wurzeln, Knollen und auch manches Tier …


    :heart:

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

    Einmal editiert, zuletzt von kerstin ()

  • 2. Kapitel
    a. Die Muhme

    Der Welt eines Kindes



    Die Muhme stammte nicht aus dieser Gegend.


    Ihr Heimatdorf lag weit, sehr weit im Süden,
    hinter den riesigen Bergen über denen der Sonnenwagen
    viel höher stand und die Haut der Menschen auch etwas dunkler war.


    Ihr Dorf lag auf der warmen Seite in den Ausläufern dieses Gebirges
    und war das letzte vor einem Pass in den Bergen.



    Viele Menschen kamen durch diesen kleinen Weiler.
    Sie handelten mit den Leuten, die in der warmen Zeit durch ihr Dorf kamen.


    Aus dem Norden kamen die Händler, um Amphoren des gegorenen Traubensaft und Früchte,
    die nur dort wuchsen, weil die Winter dort viel milder waren,
    zu kaufen und im Norden den Fürsten für viel Gold wieder zu verkaufen.


    Diese Händler fuhren mit kleinen Wagen, die von Eseln oder kleinen starken Pferden gezogen wurden durch die Berge.


    In diesem Dorf wurde Mann und Tier vor dem anstrengenden Anstieg bis ins nächste Tal versorgt,
    natürlich für Gold, denn die Händler waren ja nicht arm und
    häufig auch über die Pässe geführt für noch mehr Gut.


    Wo mit Gold gehandelt wird, wird auch gern um Gold gespielt.
    Auch damals gab es Frauen, wie Männer, die dem Geist des Spiels verfallen waren.


    Sie spielten meist, um alles was sie besaßen.
    Oft floss der Traubenwein in Massen in Becher und Kehlen.
    Die Frauen hatten es meist leichter, denn wenn sie kein Gut mehr hatten, gaben sie sich.
    Doch die Männer verspielten häufig ihren ganzen Besitz und die Familie.



    So auch der Vater der Muhme.
    Die Mutter hatte die Göttin, kurz nach ihrer Niederkunft geholt.


    So wurde sie von der Schwester des Vaters genährt,
    die gerade einen Einjährigen stillte und hatte die Chance zu überleben.



    Da der Vater seiner Tochter die Schuld am Tod seiner Frau gab
    und auch seine Schwestern dieses wilde Kind eher ablehnten.
    Nahm sich ihrer sobald sie laufen konnte die Krusa des Dorfes an.


    Tagsüber lebte sie bei ihr lernte Kräuter unterscheiden und ihren Sanftmut finden,
    lernte Salben rühren und den Duft der Bäume unterscheiden.


    Und Nachts schlief sie im Haus ihrer Sippe.




    Als sie etwa 6 Lenze alt war, kam in der Zeit als der Sonnenwagen im Jahr am höchsten stand,
    ein Händler ins Dorf, den bisher noch niemand gesehen hatte und der sich Bernward nannte.


    Sein Wagen war voller Amphoren und Kisten mit Irdenem Geschirr.
    Er sprach einen nordischen Dialekt, doch konnte sich gut verständlich machen.


    Er hatte gehört, dass der Weg über den Pass kürzer und ungefährlicher,
    sei als der, den er zur Reise in den Süden gewählt hatte.


    Es war Mittag als er in der Dorfmitte am Brunnen Rast machte,
    seinen Esel mit Wasser versorgte und sich umsah.


    Er hatte Hunger und es war schon zu spät am Tag, um sich weiter auf den Weg über den Pass zu machen.
    Ein Junge lief mit einem leeren Korb an ihm vorbei.


    „Hey, wo kann ich hier heute Nacht schlafen.“


    Der Junge blieb stehen und zeigte auf das größte Haus am Platz.


    „Da!“ und fragte den Fremden „Dein Esel braucht Futter, soll ich ihn auf die Weide, dort unten führen?“


    „Ja, gerne.“ erwiderte der Fremde, „wenn ich den Wagen, dort hinter dem Haus abstellen kann?“


    „Ja, das ist kein Problem, da stellen die Händler immer ihre Wagen hin,
    bis sie am nächsten Morgen über den Pass oder weiter nach Süden ziehen.“


    So führten sie beide den Esel hinter das Langhaus und befreiten ihn von den Seilen.


    Der Junge wollte schon mit dem Esel los auf die Weide gehen,
    da hielt ihn der Fremde zurück:


    „Wo kann ich etwas zu essen bekommen?“


    Der Duft von Kräutern und gekochtem Getreide war ihm in die Nase gestiegen.


    „Warte, ich komme gleich wieder, dann frage ich meine Mutter ob Du mitessen kannst.“


    Trotz seines jungen Alters, wusste er, dass diese Fremden für ein Essen gut bezahlten.
    Das feine Tuch seiner Kleider stammte von solchen Geschäften.
    Nun war seine Mutter die Tante der Muhme, zu der der Fremde ins Haus kam und mit aß.


    Die Männer bis auf den alten Vater waren auf dem Feld und kamen einige Stunden später ins Dorf zurück.


    In dessen hatte sich der Fremde umgesehen gesättigt und müde suchte er das Langhaus auf,
    welches völlig leer war, legte sich auf einen Strohballen und schlief so gleich ein



    Er erwachte als ein Huhn auf seine Brust sprang und an seinem Tuch pickte.
    Mit einem Handschlag verscheuchte er es und zischte ihm nach.


    Es reckte und streckte sich … wie lange mochte er geschlafen haben?
    Der Sonnenwagen stand schon tief, als er das Langhaus verließ.


    Vor einem Haus des Weilers hockten Männer und Frauen und lachten.
    Dort zog es ihn hin.


    Die Würfel flogen gerade wieder durch den sandigen Boden und blieben mit einer geringen Augenzahl liegen.
    Der Mann, der sie geworfen hatte schimpfte und brüllte vor Wut und gab seinem Kontrahenten Silberstücke, stand auf und verschwand.


    „Nun ist ein Platz frei.“ dachte sich der Fremde und laut fragte er
    „Darf ich mitspielen?“


    Durch seine Gestalt und sein Tuch war er als Händler leicht zu erkennen.
    Die Gruppe nahm ihn gern als potentiellen Geldgeber auf.


    Sie würfelten um Silberstücke, jeder gewann einmal und auch mit dem Verlieren war jeder mal dran.
    Die Gruppe wurde immer kleiner und der Sonnenwagen war schon vom Himmel verschwunden,
    als der Fremde eine wahre Glückssträhne hatte.
    Sie waren nur noch zu Dritt, die beiden anderen Männer hatten schon viel des Weines genossen
    und der fiel bald zur Weite um in einen tiefen Schlummer.


    Nun waren sie nur noch zu zweit, der Fremde und der Vater der Muhme.


    Der Vater vertrug viel Wein und war süchtig nach dem Würfelglück.
    Als er kein Silberstück mehr hatte und der Fremde auch nichts aus seinem restlichen Besitz wollte,


    kam er auf die Idee … seine Tochter zu setzten.


    Der Fremde nahm an ..................... und gewann.
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    Das Kapitel geht noch weiter und entschuldige bitte (der auch nicht :D den cliffhanger)
    :heart: Gruß
    Kerstin

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Die Muhme
    Fortsetzung b

    Am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wurde das Kind,
    welches gewohnt war zur Krusa zu gehen,
    abgefangen und schreiend und zappelnd zum Fremden gebracht.


    Das Schreinen war bis zu Krusa zu hören und sie eilte herbei, um zu sehen was mit dem Kind war.


    Sie nahm das von Schluchzen und Zittern gebeutelte Kind in ihre tröstende Arme und
    murmelte ihr,
    nachdem sie gehört hatte, was am Abend vorgefallen war:


    "Hör gut zu,
    Du darfst jetzt mit diesem Menschen gehen und das Dorf verlassen.
    Du wirst neue Gegenden erkunden und Kräuter finden,
    Dich werden die alten Ahnen begleiten und neue werden dazu stoßen,
    sie werden Dich weiter schützen ... hab Vertrauen.
    Hier in diesem Dorf ist nichts was Dich hält."



    Sie holte aus ihrer Ledertasche einen kleinen Beutel,
    den sie vor Tagen gemacht und gefüllt hatte, nach dem ihr die Ahnen vermittelt hatten,
    dass das Kind mit einem Menschen in den Norden ziehen wird.


    Nun gab sie Muhma aus ihren Armen frei und das Kind stand stolz gerade
    und wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht.
    Dann schob sie ihre kleine Hand in die große des Fremden und schaute zu ihm hoch.
    Er schaute herunter und lächelte herzlich.


    Das Kind war erst sechs Jahre alt, als sie mit dem Fremden über den Pass nach Norden ging.



    Das Glück war, dass das Kind den Weg gut kannte, oft war sie mit Krusa hier hoch gelaufen
    und hat besondere Kräuter gesucht.
    So lief sie vor und und zeigte Mann und Esel den Weg.


    Sie marschierten den ganzen Tag über Höhen und durch Täler
    und erreichten am Abend eine Hütte in der Heu gelagert wurde.


    Der Esel wurde vom Wagen befreit und die kleine Muhma hatte sich schon
    mit beiden ein wenig angefreundet.


    Der Esel und der Mann hatten eine gewisse Ähnlichkeit,
    wobei der Mann weniger redete als der Esel schrie.


    Sie wusste, dass Bernward eine Frau im Norden hatte und eine Tochter in ihrem Alter.
    Er hatte ihr erzählt, dass er mit seiner Familie an einem großen Wasser lebt
    und dass es nach den Bergen nicht mehr weit ist bis zu ihm nach Hause.


    Er teilte das Essen gern mit ihr, denn sie hatte ein quirliges Gemüt,
    welches ihn von seinen Sorgen ablenkte, ob es seiner Familie gut gehe
    oder ob sie Räubern zum Opfer fallen würden.


    Kurz nachdem der Sonnenwagen die Bergkuppen überwunden hatte,
    schlief das Kind schon selig im Heu.


    Sein Anblick war so beruhigend für Bernward,
    dass er alle Sorgen vergaß, die Augen schloss und tiefer als sonst schlief,
    er fühlte sich sonderbar beschützt.



    _________________


    Am nächsten Morgen lagen dichte Nebel in dem kleinen Tal.
    Die Kleiderstoffe waren klamm und feucht und die Fladen schmeckten anders,
    so kannte es das Kind nicht. Doch war es froh um diese Kleinigkeit.


    Er hatte das Feuer vor der Hütte wieder entfacht,
    was etwas mühevoll gewesen war, da seit den Stunden vor Sonnenaufgang
    feine Tröpfchen aus den Wolken alles genässt hatten.


    Ein kleiner irdener Topf erwärmte das Wasser, welches das Kind aus dem Bach geschöpft hatte
    und als sie es trank spürte sie die Stärke und Freude wieder in sich,
    als würde der Sonnenwagen hoch über dem Tal stehen.


    Als er das Feuer löschte, knotete sie die letzten Schlingen am Wagen fest.
    Während er den Esel verzurrte, schob sie das kleine Hölzchen in die Schlaufe,
    die die Tür-Bretter über der Öffnung zur Hütte fest hielten.


    Die Nebelstreifen wurden von leichten Windböen gelichtet und sie zogen los.


    Das Kind führte den kleinen Trupp sicher in Richtung Norden.
    Für sie war das die Richtung Holla.


    Jede Richtung in der Landschaft, so hatte die Krusa ihr gelehrt,
    kam sie einem Ahn immer näher.


    So war der Norden die Richtung der Herrscherin der Unterwelt Holla,
    der Osten die Richtung der Fralla, der Göttin der Fruchtbarkeit,
    im Süden herrschte Sunna, welche Rot wie die Schwestern Wut und Liebe war
    und im Westen die Hüterin der Anderswelt Dora.


    Das waren die großen Richtungen,
    die Zwischenrichtungen waren den Kindern oder Müttern der Ahninnen zugeordnet.


    Da die Krusa nur in dieser Weise von den Richtungen gesprochen hatte,
    war das Wissen, wie Muttermilch in das Kind geflossen.


    Sie konnte an jedem Baum, Strauch, großen Stein oder der Landschaft erkennen,
    wo sie sich befand.
    So wanderten ein Mann und ein Esel geführt von einem Kind durch die Berge,
    wie auf einem für uns unsichtbaren Pfad.


    Nach 4 Tagen und einem steilen Anstieg öffnete sich die Welt nach unten.


    Vor ihnen lag eine riesen große Ebene mit einem Wasser
    Wäldern und Wiesen die nicht enden wollte.


    „Da siehst Du diese Lichtung, am Anfang des Wassers?
    Da liegt Flindau, da lebt meine Frau und mein Kind.“


    Bernwart freute sich richtig und Muhma hatte noch nie ein solch großes Weit gesehen.
    Sie war wirklich überwältigt, fiel auf die Knie und dankte Sunna, der sie sich besonders nah fühlte.


    Sie suchten sich einen Pfad in die Niederung und hatten als der Sonnenwagen mit seinem Licht in allen Rottönen das Land verzauberte, die Palisaden von Flindau erreicht.


    :heart: bald geht es weiter

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Die Muhme
    III



    Der Mann und sein Gespann wurden freudig von der Dorfgemeinschaft begrüßt.
    Das Kind wurde von den Männern argwöhnisch betrachtet und auch einige Frauen stand die Abneigung in das Gesicht geschrieben, doch als aus dem Langhaus Rosa den Platz betrat, das Gespann lächelnd begrüßte und den Neuankömmling herzte, war das Eis gebrochen und alle Feindlichkeit abgelegt.


    Bernwarts Kind bemerkte die Ähnlichkeit von Rosa und Muhma und fragte:
    „Rosa, hat Dir Paps Dein Kind gebracht?“
    Nun fiel es auch den anderen auf.
    Die Hautfarbe hatte die gleiche dunklere Färbung und auch das Gesicht, war etwas länger geschnitten, so wie die Augen dunkler.


    Rosa lachte ihr lautes, von Herzen kommendes Lachen:
    „Ja, kleine Bettjy, vielleicht ist das mein Kind, welches mir Bernt gebracht hat.“


    Bernwart hatte nie darüber nachgedacht, wie es zuhause sein könnte, wenn er ein fremdes Kind mitbringt.
    Nun schaute er erstaunt um sich nachdem er seine Frau Burga herzlich begrüßt hatten
    und hatte die Feindseligkeit in den Augen und Haltungen bemerkt,
    und war von ganzer Seele froh, dass sich nun auch Rosa dem Kind annahm.


    Er verteilte unter den Männern 3 Amphoren mit Traubenwein und Rosa rief die Frauen ins Langhaus die gesunde Ankunft von Bernwart und seiner Begleiterin mit einem besonderen Trunk aus ihrem Kessel zu feiern.


    Das Dorf fand sich bald vollzählig um das große Feuer versammelt, währen die Kinder sich wie junge Hunde irgendwo zusammengekringelt schlafen gelegt hatten, denn die Mondin
    hatte schon eine Weile den Sonnenwagen abgelöst.


    Bernwart und seine Frau waren am nächsten Morgen erstaunt, dass sie Bettjy und Muhma Arm in Arm schlafend vorfanden.
    Die beiden wurden ein unzertrennliches Paar.
    Muhma ging mit Bettjy und den anderen Frauen und Kindern auf die Felder,
    und später streiften sie durch die Umgebung rund um das Dorf und fingen manches kleine Tier.
    Oder sie planschten am Morgen fröhlich im seichten Teil des großen Wassers,
    welches die Bewohner Bodemse nannten.


    Das Dorf lebte von den Fischen aus dem Wasser, welche die Männer und Frauen in geflochtenen Netzen, die aus geschlagenen und gesponnenen Pflanzenfasern bestanden, fingen und von den Früchten der Mutter-Erde, die reichlich für ihre Kinder sorgte.



    Die Zeit verging ... als Muhma ins Dorf kam war es Sommer, der Sonnenwagen stand prall und lange am Himmel und wärmte die Erde.
    Das war auch die Zeit des Früchte Suchens, des Trocknen und Einlegen der Früchte in den Gefäßen aus Ton, Säcken aus Leder oder gewobenem Tuch.


    Die Kräuter hingen in den Hütten, so wie bestimmte Wurzeln und Früchte der Erde.
    Der Sommer war die Fülle. Von allem war reichlich vorhanden.
    Wenn der Sonnenwagen sich über die Berge neigte und die Bäume ihr Kleid wechselten,
    kam auch das Wild wieder in die Niederungen und maches Wisent, manches Schwein wurde erjagt.



    Sie brauchten alles vom Tier, die Knochen für Werkzeuge, Schmuck und Flöten.
    Das Leder als Kleidung, Waffe, Gefäße und Trommeln
    Die Sehnen als Nähmaterial, für den Bogen oder eine Saite des Zupfbrummels.
    Das Fleisch wurde auf vielerlei Weise genossen.
    Frisch auf dem Feuer an Spießen oder einem großen Spieß.
    In Streifen geschnitten und getrocknet.
    Im Rauch der Hütte langsam als ganzes Stück getrocknet.
    Fein im Mörser geschnitten und zerdrückt mit Kräutern und Früchten gemischt,
    dann in den gesäuberten Magen oder Darm gefüllt und über dem Feuer oder dem Rauch zu haltbaren Speisen bereitet.


    Natürlich spendeten jetzt im Herbst die Bäume Nüsse und andere Früchte,
    die in Erdbunkern oder in Netzen in den Hütten hingen.


    Der Winter war hart, wenn Holla den Schnee schickte, doch war es für die Kinder auch eine Freude in der weißen Pracht herumzutollen oder wenn der See durch Hollas Bruder zu Eis wurde tobten sie sich dort aus.


    Die Fischer schlugen Löcher ins Eis und fischten mit Speeren im seichten Wasser,
    an den Widerhaken wurde mancher Fisch durchbohrt
    und gab roh oder gebraten eine gute wärmende Winterspeise ab.
    Einerseits mussten sie Menschen Vorräte haben, um über den Winter zu kommen,
    aber manchmal schenkte er den Leuten am See auch das eine oder andere tote Tier.


    Wenn er sehr lang und Schneereich war, wurde es gefährlich mit der Jagd.
    Die Wölfe und groß Katzen waren auch hungrig
    und ein unvorsichtiger jungen Jäger war ihnen lieber
    als die behände springende Wildsau mit ihren scharfen Hauern.


    So gingen in dieser Zeit die Jäger nur in Gruppen und mit den Hunden hinaus auf die Jagd.
    Die Winterzeit war auch die Zeit der Dunkelheit und der großen Feuer.
    Auch der Hand- und Waldarbeit, Wenn die Bäume schliefen, wurden sie gefällt.
    Über den gefrorenen Boden waren sie leichter zu ziehen.
    Das gab gute Boote, langlebiges Bau- und Werkholz.



    Alles war froh, wenn die Bäche wieder fröhlich glucksten und die ersten grünen Pflanzen die Blätter aus dem Graubraun des Winters streckten.
    Dort wo die Rinder ihren Dung fielen ließen, wuchs die grüne Pracht schneller, so sammelten die Menschen die Hinterlassenschaften zu einem Haufen zusammen, in dem sich das Grün tummelte.
    Die Felder wurden wieder bestellt und die Frauen und Männer gingen fischen oder auf die Jagd.


    Der Sonnenwagen blieb immer länger am Himmel, sein Weg wurde immer weiter,
    bis es wieder Sommer war.


    So vergingen einige Sommer und Bernwart war einige Male zum Waren handeln unterwegs.
    Bevor er losfuhr fragte er seine Frau und die Töchter und die Dorfgemeinschaft
    was er mitbringen sollte aus dem Süden.


    Seine Frau mochte ein besonders feines Tuch aus dem Süden, welches sie zu kostbaren Gewändern nähte. Ihr Ruf war schon bis zu den Ohren der Fürsten Kadora im Westen gedrungen und sie hatte den Auftrag einen Umhang für die Fürstin zu nähen, wenn Bernwart zurück war.
    So beschrieb sie ihm genau das Tuch und er merkte es sich.
    Bettjy hatte gern Schmuck, vielleicht ein schönes Band für die Haare oder den Hals.
    Für Muhma sollte er die Brote ihrer Heimat mitbringen.
    Die anderen hatten ähnliche Wünsche.


    Er zog los und behielt alles im Herzen.
    :heart:

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Die Muhme IV
    Hildas Wiedergeburt


    Zwei Tage später stürzte Hilda bei ihrer täglichen Wanderung um das Dorf.
    Sie war schon alt, half nur noch Kleinigkeiten auf dem Feld und war Burgas Mutter, Bettjys Großmutter.


    Ihre Zähne waren schon sehr klein geworden,
    denn durch die Steinchen im Mehl, die sich beim Mahlen dazu mischten,
    wurden die Zähne beim Brotessen sehr beansprucht und abgeschliffen,
    aber für diese Generation war das ganz normal.


    Hilda wusste gar nicht warum sie gestürzt war, nur dass sie nun nicht mehr aufstehen konnte.
    Da ihr Geist schon mehr bei den Ahnen zuhause war,
    als im Dorfleben, dankte sie allen für dieses reiche Leben und schloss mit ihm ab.


    So fanden die Mädchen sie unweit im Wald.
    Sie liefen zu ihr hin.
    „Omhild, warum schläfst Du hier?“ fragte Bettjy
    Hildas Atem war flach und sie brummte nur wie ein alter Bär.


    Muhma, die einen schnellen Geist hatte sagte zu Bettjy:
    „Bleib Du hier bei ihr, ich hole Rosa, setze Dich an ihren Kopf und streiche ihr über die Stirn,
    das wird sie hier behalten.“


    Bettjy tat wie Muhma gesagt hatte und erinnerte sich wie Hilda ihren Kopf hielt,
    wenn sie mit Fieber in ihrem Lager gelegen hatte.
    Sie setzte sich an ihren Kopf und sang das Lied welches Hilda auch immer sang.


    Muhma suchte nach Rosa.
    In ihrer Hütte war sie nicht, … vielleicht dort wo sie immer die Mittagskräuter sammelte …
    Ja, ganz weit in der Wiese zwischen den Kühen stand sie gebeugt und steckte Pflanzenteile in ihren Beutel am Rock.
    Das Kind hatte keine Mühe durch die Weide zu springen.


    Sie wusste, dass es die Geister der Wiese nicht mögen, wenn sie nach Rosa laut rief.
    So begann Muhma erst zu sprechen, als sie Rosa erreicht hatte.


    „Rosa!, Omhild liegt zwischen den Bäumen am großen Stein und brummt wie ein Bär. Ich glaube, sie kann nicht mehr aufstehen.“


    „So, so.“ richtete sich Rosa auf und nahm ihre Hand ins Kreuz,
    auch sie war nicht mehr die jüngste und zuweilen spürte sie die Last des Alters im Rücken.



    Die Menschen dieses Ortes gingen behutsam mit einander um.
    Außer natürlich wenn Gefahr in Verzug war und sofort alle zusammen kommen mussten,
    um jemanden aus einer gefährlichen Lage zu holen,
    aber das war ein anderer Fall.



    Hier ging das Leben seinen Lauf.
    Es war nicht außergewöhnlich, wenn ein alter Mensch in den Wald ging und sich dort nieder legte.
    Meist hatte er sich von alle verabschiedet
    und den Ruf seiner Ahnen schon in einer vergangenen Stunde im Langhaus berichtet.




    Andere, meist die Frauen, blieben in der Hütte.
    Sie glitten meist im Schlaf hinüber in die andere Welt.



    Die Kräuterfrauen wussten, wo der Geist sich vom Körper gelöst hatte und
    so war es auch für Rosa kein Wunder, dass Hilda nun am großen Stein lag.
    Doch hatte Hilda sich noch nicht verabschiedet und auch Rosa hatte noch keine Nachricht aus der geistigen Welt,
    so raffte sie ihren langen SommerRock und eilte mit Muhma zu der Alten.



    Als die beiden zu Hilda und Bettjy kamen,
    hatte Hilda die Augen offen, sie sang,
    den Kopf auf dem Schoß des Kindes zusammen mit ihr und betrachtete sie liebevoll.



    Nein, es war noch nicht die Zeit zu gehen.



    Rosa stimmte in den Gesang ein und trat auf die beiden zu.
    Sie sah gleich, dass der eine Fuss seltsam verdreht auf dem Moos lag.



    So setzte sie sich an die Seite des verletzten Fußes und sang weiter,
    sie nahm das Knie über eines ihrer eigenen Beine und den Unterschenkel auf das andere,
    Singend nahm sie den Fuß und strich mit den Fingern vom Fuß zum Knie.
    Immer wieder und wieder.



    Während sie sang, nahm sie aus ihrem Rockbeutel ein großes Blatt,
    riss es mit den Zähnen in kleine Stücke und kaute es lange und intensiv
    während sie weiter diese Melodie summte.



    Nach einer Weile gab sie den Blattbrei in beide Hände und formte zwei grüne Eier daraus,
    legte diese innen und Außen an den Knöchel.
    Alle vier sangen das Lied und freuten sich über den Schatten der Bäume am großen Stein.



    Als der Sonnenwagen schon nahe der Berge im Westen war,
    kamen Brunn, Wann und Wosch singend vom See.
    In dem Lied der jungen Männer lobte sie den guten Fang und dankten den Göttern in den höchsten Tönen.



    Sie hingen die Fische zum Trocknen auf und die Netze daneben
    und weil die jungen Burschen den ganzen Tag im Boot gestanden hatten,
    waren sie über die feste Erde unter den Füßen so glücklich,
    dass sie aus den Palisaden rannten.
    „Wer als Erster beim großen Stein ist!“ rief Wann und rannte auch sogleich los.



    Die beiden anderen hinterdrein.
    Es war das Spiel der unverheirateten Männer,
    was schon zum Ritual geworden war.
    Wer das Startkommando gab war ganz verschieden und manchmal
    wenn die See rau gewesen war, fiel die Hatz auch aus.
    Doch wie erstaunt waren sie, als sie die vier Frauen erblickten.




    Wosch sah gleich, dass da etwas nicht stimmte:
    „Hilda, gehst Du jetzt zu den Deinen.“ fragte er ein wenig einfältig.
    „Nein“ erwiderte Rosa für sie,
    „das tut sie nicht, aber Ihr starken Männer könnt Ihr helfen, in ihre Hütte zu kommen.“


    Dazu waren die drei gleich bereit.
    Rosa ließ Hilda langsam aufstehen, die Mädchen stützten die Alte an den Armen.



    Als diese ihren verletzten Fuß auf die Erde setzte,
    fielen die grünen Kräuter-Eier flach und halbgetrocknet auf den Sandboden.
    Sie stand nun gerade auf beiden Beinen und der Fuß,
    der noch vor Stunden verdreht wirkte, sah ganz normal aus,
    als wäre nie etwas gewesen.



    Hilda lächelte und schaute in die Runde.
    Die Mädchen brauchten sie nicht mehr zu unterstützen,
    sie standen an ihren Seiten.
    Jede bekam ein Lächeln von ewiger Güte geschenkt.
    Rosa stand vor ihr, beide Frauen streckten sich die Hände entgegen.
    Hildas Schritte zu Rosa waren sicher, so umarmte die Ältere die Jüngere,
    in dem Wissen, dass dieses nur ihr Verdienst war.



    Die Frauen lösten sich von einander und Hilda wandte sich den Männern zu:
    „Dass ich von Euch einmal nachhause geleitet werde, das hätte ich nie gedacht.“
    und lachte ihnen freundlich ins Gesicht.



    So näherte sich kurze Zeit danach diese kleine Gruppe von Menschen den Palisaden.



    Die Frauen, die noch vor kurzem auf den Feldern gewesen waren,
    wunderten sich ein wenig, dass Hilda in der Mitte dieser jungen Menschen ging.
    Rosa war für sie nicht zu sehen, sie hatte sich gleich in ihre Hütte außerhalb des Dorfes begeben.



    Auch hatten sie Hilda noch nie so strahlen gesehen.



    Hilda nahm die Frauen als ihre Töchter wahr und begann laut zu singen.
    Ein Lied welches bei den Freudenfesten ertönte,
    wenn das Feuer prasselte und alle satt waren.



    Die Jungen um sie herum, stimmten sogleich ein,
    denn sie fühlten die Besonderheit dieses Augenblickes,
    und bald kam das ganze Dorf in der Mitte zusammen und sang …



    und alle hörten die Geschichte der Alten Hilda,
    wie sie glaubte zu den Ahnen zu gehen,
    doch noch war es Zeit zu leben, zu atmen und zu essen, sich zu freuen und zu tanzen …
    sie pries die Ahnen, die ihr diese Zeit schenkten und die Lebenden,
    die das möglich gemacht hatten.
    Sie lobte die Mädchen, die Buben und Rosa,
    sie lobte und segnete das Dorf,
    das diese Kinder der Sonne hervorgebracht hatte.



    und alle stimmten ein, brachten Holz für das Feuer,
    Speisen aus allen Häusern kamen zu dem Fest des Lebens,
    nicht nur der Alten Hilda, sondern auch der Kinder,
    die im nächsten Frühjahr in das Leben kommen sollten.


    :heart:

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Die Muhme V


    Muhmas Erlebnis mit der Schlange



    Nach einigen Wochen sah man schon von Weitem
    Bernwart und seinen Wagen mit dem Esel den schmalen BergPfad herunter kommen.


    Alle jungen Menschen des Dorfes liefen ihm entgegen,
    denn er hatte immer für jedes eine Kleinigkeit dabei.
    Auch Bettjy und Muhma stürmten mit den anderen in seine Richtung.


    Inzwischen waren die Mädchen 9 Sommer,
    hatten einen stolzen Gang und viel Unternehmergeist,
    wenn sie nicht mit fischten oder ernteten waren sie im Dorf nirgends zu finden.


    So kam es, dass sie viel schneller bei Mann und Esel ankamen als die anderen.


    Sie liefen gleich zu Esel und halfen ihm die Last des Wagens zu bremsen,
    denn das steilste Stück Wegs war noch nicht beendet.


    Sie lehnten sich mit den Rücken an den Wagen
    und der Esel ging viel leichter den Berg hinab.


    Doch plötzlich strauchelte Muhma.


    Sie hatte einen Stein übersehen und rutschte auf diesem aus,
    so dass sie schmerzhaft auf das Gesäß fiel,
    schnell rollte sie sich zur Seite,
    damit das Rad des Wagens sie nicht überrollte,
    dabei kullerte sie in einen Ginster.


    In diesem Busch lag eine Schlange, die erschreckt ihre Giftzähne in den linken Oberarm des Kindes schlug.


    Rosa hatte immer betont,
    sich vor dieser Ottern fern zu halten,
    da ihr Gift bösen Dämonen in den Menschen rufen.


    Muhma schrie auf,
    packte das Tier und schlug es auf den Boden bis es sich nicht mehr rührte.


    Bettjy kam zu ihr gerannt und
    da Muhma selbst nicht an den Biss der Schlang mit dem Mund heran kam,
    nahm sie Muhmas Arm in beide Hände und saugte an dem Biss,
    wobei sie zwischendurch das bittere Dämonengift ausspie.


    Bernwart hatte den Esel durch Steine unter den Rädern geparkt
    und brachte Spitzwegerich, den er auf dem Weg fand mit.
    Muhma zerkaute die heilenden Blätter und schmierte sie sich auf die Wunde.


    Nun waren auch alle anderen Kinder da.
    Sie übernahmen Bettjys und Muhmas Stelle am Wagen
    und die beiden Mädchen konnten es sich oben auf Sitz gemütlich machen.



    Als sie im Dorf ankamen lief,
    wie immer der Ort zusammen und die Leute redeten auf Bernwart ein,
    jeder war froh ihn gesund und munter wieder zu sehen.


    Für jeden hatte er etwas dabei, und während Rosa sich um Muhma kümmerte,
    verteilte er kleine Amphoren, Bänder, besondere Kräuter, Mehl, Brote und auch Stoffe an die Menschen.


    Die Traubenweinamphoren, die er in den nächsten Tagen beim Fürsten verkaufen wollte,
    legte er in seine Hütte, die inzwischen etwas größer war, als alle anderen,
    denn er hatte die Dinge zum Tauschen immer gern bei sich.



    Muhma lag in Rosas kleiner Hütte auf der Matte auf der sie ab und zu auch schlief.
    Die Heilerin hatte dem Kind gleich einen Sud aus Kräutern und Salben gekocht
    und ihr zu trinken gegeben.


    Auf den Biss legte sie die Dinge, die sich am Grund des Tontopfes angereichert hatten.
    Zum Schluss umwickelte sie den Arm des Kindes mit Ranken.
    Der Biss war nahe des Herzens sehr gefährlich, deshalb legte sie Muhma in tiefen Schlaf.


    Die alte Frau saß neben ihr und bewegte die Haselnussrassel.
    Rhythmisch in einem immer kehrenden Takt begleitete sie das Kind in die Unterwelt.


    Als Muhma erwachte war es der frühe, nächste Morgen. Sie fühlte sich frisch und munter,
    streifte die Ranken ab und legte sie in den Topf, in dem Rosa sie Reste des Suds aufbewahrte.


    Und lief aus der Hütte hinaus.


    Draußen fand sie Rosa an ihrem großen Baumstumpf werkelnd.


    Sie hatte noch am letzten Abend die Schlange gehäutet und
    die nun getrocknete Schlangenhaut in feine Streifen geschnitten.


    Gerade war sie dabei die Streifen zu rollen, als Muhma sich zu ihr setzte.


    Beide schwiegen.
    Das Kind wusste, wenn Rosa diesen nach innen gekehrten Gesichtsausdruck hatte,
    konnte die Göttin aus ihr sprechen, und das war zuweilen sehr heftig.


    So schaute sie ihr zu.
    Auf dem Holzstamm lagen kleine Stöcke mit verschiedenen Enden.
    Einige zum Stechen, sie waren angespitzt, andere zum Schaben bei ihnen war das Ende abgeflacht und rund.
    Sie waren verschieden groß und wurden durch Knochennadeln und Muschelschalenmesser ergänzt.


    Als Rosa den Kopf der Schlange, an der aus Sehnen eines Fuchswelpen
    mit den Teilen der Schlangenhautröllchen verknotet hatte sah sie auf
    und Muhma direkt in die Augen:


    „Das war ein großer Schlangengeist, der Dich küsste.
    Du wirst Dich jetzt nicht an den Weg, den wir beide in der Dunkelheit beschritten erinnern."
    Jetzt lächelte sie


    "Doch geh Dich erst mal im See waschen und dann komm wieder,
    ich muss Dir noch etwas erzählen.“

    Muhma strahlte Rosa an und schaute an sich herunter.


    Ja, tatsächlich überall waren die Zeichen aus Russ und Pflanzenfarbe noch auf ihrer Haut zu sehen.
    Normalerweise wusch Rosa den Kranken am Morgen,
    denn nach so einem Biss erholten sich die Menschen nur sehr langsam,
    doch dieses Kind war anders,
    es war stark und gleichzeitig zart,
    überwand jedes Problem wie eine Aufgabe und ging stärker daraus hervor.


    Was Rosa in der Unterwelt mit dem Kind erlebte,
    würde sie später nicht genau erzählen,
    denn was in der Unterwelt passiert, sollte nicht nach oben getragen werden,
    weil es die Menschen vom täglichen Sein und Tun abhält.


    Das Kind kam vom nahen Wasser schnell zurück gerannt
    und schüttelte die Haare beim Laufen,
    so dass viele tausend Wassertröpfchen in der Luft
    durch das Licht des Sonnenwagens zu glitzernden Edelsteinen wurden.


    Die Frauen und anderen Kinder waren auf dem nahen Feld damit beschäftigt Korn zu schneiden
    und banden die Ähren zu Bündeln,
    die sie aufstellten, damit es trocknen konnte, denn der Morgen war feucht und
    die ersten Nebel des Spätjahres waren auf dem See zusehen gewesen.


    Muhma setzte sich zu Rosa an den großen Baumstamm und
    betrachtete diese große Kette, die nun darauf lag,
    wrang ihre langen Haare aus und legte sie sich um den Hals.


    Der Schlangenkopf zeigte zu ihr,
    während die Schlangenhaut - Röllchen und Schuppen eines großen Großmaul-Fisch des Sees die Kettenglieder bildeten.


    Die Schlange war in ihrer Erinnerung schwarz gewesen,
    nun sah das Kind, dass die Unterseite des Kopfes die Farbe des zur Ruhe gehenden Sonnenwagens war.


    Manche Blumen hatten auch so ein intensives Rot, genauso wie Blut …
    und das wußte Muhma schon lange, dass der Saft des Körpers auch das des Lebens war.


    Für sie leuchtete diese Kette und strahlte,
    und es war ihr als würden dies Strahlen ihr Herz erreichen
    und es vor Freude hüpfen ließ.


    Plötzlich bemerkte sie, dass die alte Rosa sie durchdringend betrachtete,
    das Kind sah auf.



    „Muhma!“ begann Rosa langsam und sie suchte nach den richtigen Worten


    „Diese Schlange wartete auf Dich.“ fuhr sie fort


    „Sie ist eine Meisterin der Bewegung, Ausdauer und Stärke,
    sie ist eine gute Jägerin, die mit der List ihrer Zähne das Opfer lähmt.“


    Muhma legte den Kopf schief,
    so hat sie die schuppigen Gesellen im Unterholz noch nie gesehen,
    auch hatte sie anders gefärbte Schlangen beobachtet, die sich um die Maus wickelten.
    Ihre Gedanken wanderten fort.


    Rosa klatschte in die Hände, das Kind schaute verdutzt.
    „Liebes hör mir zu, es ist wichtig!“ s
    agte sie in strengerem Ton und die Fältchen auf der Stirn zogen siech tief zusammen.


    „Diese Meisterin ist nun in Dir und wird Dich in der nächsten Zeit ihre Kunst lehren.“


    Muhma legte den Kopf schief, sie erwiederte:


    „Wie kann das sein, Du und Ihr anderen lehrt mich Dinge.
    Auf dem Feld in Flur und Wasser habe ich sähen, ernten, fischen, jagen und feiern gelernt,
    ich habe in den Monden von Euch allen gelernt , wie Ihr Menschen hier lebt,
    und es gefällt mir sehr gut hier bei Euch.“


    Muhma war immer leiser geworden,
    da sie die dunklen Falten auf Rosas Stirn wachsen sah.


    „Kind ich weiß nicht genau, was demnächst passiert ...
    auf jeden Fall wird Vieles ganz anders
    und scheinbar brauchst Du dann den starken Verbündeten Meister,
    der Dir diese Zähigkeit und Ausdauer gibt.“


    Die gute Rosa, die in dieser Nacht so Schreckliches hatte sehen müssen, atmete tief durch.
    „Nimm diese Kette in Deinen Beutel, sie soll Dich erinnern auf wen Du vertrauen kannst.“


    Inzwischen hatte Muhma einen eigenen Kräuterbeutel am Gürtel.
    Er war aus zartem Hirschkalbleder gefertigt
    und durch Felle mehrerer Mauswiesel,
    die sie selbst gefangen hatte verziert.
    Dort hinein bettete sie die Kette auf duftenden Pfefferminz.
    Der kleine Halsbeutel den sie von Krusa beim Abschied erhalten hatte,
    war immer mit neuen und besonderen Kräutern gefüllt worden
    und lag ganz unten unter den getrockneten Wiesenpflanzen.


    „So und nun geh’ zu den Anderen, sie habe Dich schon vermisst.“
    forderte sie die nun sehr alt aussehende Rosa auf.


    Und tatsächlich als währe sie wochenlang fort gewesen
    freuten sich die Frauen und Kinder,
    als Muhma auf das Feld gelaufen kam,
    sie umringten sie und wollten die Kette sehen,
    die die gute, weise Rosa gefertigt hatte.


    Muhma grinste in die Runde und nahm sie so heraus,
    dass der Schlangenkopf zuerst die Öffnung verließ,
    als würde die Schlange leben und nun aus der Tasche kriechen.


    Die jungen Frauen, deren kleine Kinder am Feldrand schliefen oder krabbelten …
    sprangen mit Panik in den Augen nach hinten.


    Da lachte das Kind ihr fröhliches Lachen,
    welches die anderen ansteckte und alles standen da lachten und bewunderten die Schönheit der Kette.


    „Ja!“ sagte Burga „Rosa hat Dir wirklich eine wunderschönen Schmuck in dieser kurzen Zeit hergestellt.“

    Burga hatte anders geredet als sonst.
    Muhma war es als hätte noch etwas anderes aus ihr gesprochen,

    doch sie liebte diese Frau, dass sie den Gedanken gleich wieder verwarf.



    Am Abend als der Sonnenwagen tief am Himmel stand wurde vor Freude über
    die gute Ernte, den reichen Fang an Fischen und Mumahs schnelle Genesung
    vor dem Langhaus ein großes Feuer entfacht auf dem die letzt erbeutete Wildsau gedreht wurde.


    Mit und ohne Berwarts Traubenwein, mit und ohne Rosas frischgebrautes Bier
    feierten sie bis spät in der Nacht, als sei das ihr letztes großes gemeinsames Fest.


    ****************

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Muhma VI


    Die wilden Reiter der Tunnas


    Einige Tage waren vergangen.
    Bernwart war nun gut ausgeruht,
    um in den Westen zu den Fürsten Kadora zu fahren und
    seine Traubenwein anzupreisen und
    die bei seiner Burga bestellten Roben der Fürstin zu bringen.


    Er richtete seinen Wagen zurrte den Esel davor und alle,
    die gerade da waren halfen die Amphoren,
    die Hemden, Röcke, Umhänge und Tücher auf den Wagen zu laden.
    Alle winkten ihm nach und gaben gute Wünsche mit auf die Reise.




    Am nächsten Tag waren die jungen Männer Wosch und Wann auf der Pirsch.
    Sie waren einer kranken Hirschkuh auf der Fährte,
    die sich im Westen am Ufer des großen Sees sich im Dickicht verbarg.


    Der Weg ins Dorf führte direkt dort vorbei an dieser Stelle.


    Plötzlich erregte etwas ganz anderes ihre Aufmerksamkeit.


    Sie rochen aus der Windrichtung "Untergehende Sonne"
    eine Priese Pferdeschweiß und ängstlicher Männeratem.


    Es dauerte nicht lange, dann sahen sie den Reiter,
    der auf einem kleinen Pferd schnell in ihre Richtung preschte.


    Auch dem Reiter wurde die Jäger gewahr
    und so rief er ihnen von weiten schon zu:


    „Schnell lauft ins Dorf und ruft alle zusammen große Gefahr droht in meinem Rücken!“


    Den Reiter kannten sie gut, das war Bernwart.
    Der immer freundlich und ruhig jede Aufgabe meisterte
    und leckere Speisen von seinen Reisen über die Berge mit brachte
    und nun wie von einem Drachen gejagt, viel Angst in der Stimme hatte.


    Das trieb sie so schnell wie sie ihre Beine liefen konnten in das Dorf,
    das rundum von einer Eichenstammpalisade umkränzt war.


    Und riefen:


    „He, Ho … hier her auf den Festplatz!“
    Die paar Alten kamen sogleich aus den Hütten.


    Wosch lief auf die Felder, wo er einige Frauen traf und ihnen zurief:
    „Schnell hinter den Wall, irgendwas schreckliches kommt hinter Bernwart her:“


    Wann lief ans Ufer, wo die Fischer ihre Netze richteten:
    „Schell in den Wall … Bernwart hat einen Drachen im Rücken“



    Beide kamen gerade mit entsetzten Männer und Frauen zurück
    als Bernwart durch das westliche Palisadentor ritt.
    Sein Pferd war nass vor Schweiß und
    seine Kleidung hing staubig und verschwitzt schwer auf seinem Körper.
    Als er in dem Haufen von schrecklicher Erwartung vollen Menschen
    zum Stehen kam schrie es aus ihm heraus:


    „Hee, holla, alles herkommen, Gefahr ist im Anmarsch!
    Ich konnte gerade noch auf diesem Pferd durch das Ost-Tor fliehen,
    als die Tunnas von Westen schon nah bei den Fürsten waren,
    dass ich sie fast riechen konnte und
    die schweren Tore gerade geschlossen wurden.“


    Den Umstehenden standen noch größeres Entsetzen im Gesicht.


    Die Tunnas waren ein räuberisches Reitervolk aus den Weiten des Westens,
    das von Zeit zu Zeit brandschatzend die Dörfer der Region in Schutt und Asche legte.
    Frauen und Kinder raubte, um sie im Süden zu verkaufen.
    Nichts war vor ihnen sicher.
    Nichts blieb nach ihrem Überfall, wie es war.


    Zwei der Alten hatten vor vielen Sommern den letzten Überfall überlebt.
    Nun dachten sie darüber nach, wie sie das geschafft hatten.


    Bernwart sprang vom Pferd, er war völlig außer Atem:


    „Die Späher der Fürsten berichteten,
    dass die Tunnas ihr Lager am Großen Fluß aufgeschalgen haben
    und schwer bewaffnet sind, sie kommen erst mit den Schlächtern
    und erschlagen alles was keinen Wert auf dem Markt im Südenden hat.“



    Rosa trat vor und reichte ihm ruhig einen Schlauch Wasser,
    er trank gierig einige schnelle Schlucke.


    Sie berührte ihn am Arm und fragte :
    „Wie weit ist die Horde entfernt?“


    „Etwa eine Tagesreise." keuchte er


    "Ich hatte gerade den Beutel Bezahlung in meinen Händen,
    als ein Reiter mit dieser Nachricht bei den Fürsten Kadora eintraf.
    Die Fürstin gab sofort Anweisung die Festung zu sichern. ...


    Ich floh auf diesem Pony, der Esel und der Wagen sind noch dort.“


    Er nahm noch einen Schluck und kam langsam wieder zu sich.
    Bernwart gab Rosa den Beutel mit den der Bezahlung der letzten Lieferung.
    Diesem wog sie in ihrer Hand und steckte ihn in ihren Kräuterbeutel, dort war er sicher.


    Der Mann hub wieder zum Reden an:
    „... dann durch das Ost-Tor und von dort auf der nächsten Anhöhe zurück geschaut.
    Das war kein schöner Anblick, große Rauchsäulen standen in Richtung Westen
    und die stammten bestimmt von keinen Freudenfeuern.“


    Rosa bahnte sich schnell und doch gelassen einen Weg durch
    die vor Schecken starren Menschen
    zum großen Baum am Rande des Dorfplatzes,
    den sie immer bestieg wenn ein Irgendetwas in der Luft lag.
    Schnell wie eine Katze kletterte sie an seinen Ästen empor
    und schaute Richtung Westen.


    Ja, nun roch sie auch noch ganz leise den Duft des Todes,
    den die Luft aus dem Westen ihr in die Nase trieb.


    Behänd war sie gleich wieder unter den anderen:


    „Männer nehmt Eure Frauen, Kinder und die Alten in die Boote und fahrt hinaus auf den Bodemse,
    er wird Euch schützen.


    Jonna, Klara und Fraya Ihr holt alle Vorräte aus den Häusern.
    Schlagt die Losen Güter in die großen Laken und
    bring sie in die Erdbunker unter den Birken.


    Auch löscht Ihr die Feuer und treibt das Vieh in den Sumpf zu den Eichen,
    Brunn, Wann und Wosch werden Euch helfen.


    Dann bleibt Ihr im Sumpf auf den Bäumen und habt hoffentlich Eure Waffen dabei.


    Das Dorf hat keine Chance es wird brennen
    und ein Warnzeichen für die anderen Dörfer in der Umgebung sein. "


    Sie fuhr fort:


    "Bernwart Du wirst die schreckliche Kunde weiter
    in die Dörfer Zangrund, Bilsenau und Trosenehm tragen.
    Burga Du reitest mit ihm und schützt ihn mit Deinem Bogen und Schwert.


    Die Kinder … ?!?!????“


    Rosa sah sich um und fand die Gesuchten nirgends ... stockte:


    „Wo sind Bettjy und Muhma? ...
    Egal, sie werden ein Versteck finden …


    Ihr anderen tut was ich Euch sage,
    die Angreifer sind auf leichte Beute aus
    und das sind Menschen und Gold und gut transportierbare Vorräte,
    alles andere geht in Rauch und Blut auf.“


    „Und was ist mit Dir Rosa?“
    Wand Burga ein, die schon ihrem Mann und sich
    die zwei großen Pferde aus dem Haus geholt hatte.


    „ Ich werde in den Sumpf gehen, nachdem ich die Göttinnen, um Hilfe gebeten habe.“


    Die Menschen kannten und vertrauten Ihrer Rosa,
    die immer wusste was gerade zu tun war.


    Die Fischer vergruben rasch im Sand am Ufer ihre Netze,
    brachten ihre Werkzeuge zum Strand und machten die Boote bereit,
    während ihre Frauen die Vorräte aus den Häusern auf die groben Tücher legten,
    die Jonna und Klara zusammenknotete und in die Bunker vor dem Dorf trugen,
    die Fraya aufgedeckt hatte.


    Mit Beifuß wurde die mannshohen Bunker ausgekehrt und kurz geräuchert,
    damit die Geister der Erde, wussten, dass das keine Gaben waren.


    Die Tontöpfe mit Beeren, Kräutern, Erdgemüse und Sämereien kamen an den Boden
    und die Tücher mit Allerlei wurden darauf gelegt,
    darauf Zweige der Eiche, Birke und Esche, darüber Äste,
    und Bretter und dann zum Schluss viel Erde,
    so dass auch der Kundige Schwierigkeiten hatte dort etwas zu vermuten,
    dass da etwas zu finden war.


    Die Fischer waren schon weit auf dem See und sollten 2 Tage dort ausharren,
    als sich im Sumpf und dem dichten Auwald die Jäger und starken Frauen versteckten,
    dort wechselten sie sich mit der Wache
    auf einer hohen Eiche hohen Sumpfeiche regelmäßig ab.


    Die offenen Tore sollten das Dorf vor der Wucht
    der Angreifer schützen, die Feuer waren gelöscht und die Glut sicher in den
    am Gürtel befestigten Rinderhörnern verstaut in der Hoffnung,
    die Reiter hatten kein eigenes Feuer dabei.




    ********




    Doch wo waren Bettjy und Muhma?


    In diesem Dorf gab es nur diese beiden Kinder dieses Alters,
    die älteren Brunn, Wann und Wosch spielten ganz andere Spiele,
    genauso wie die viel jüngeren,
    deshalb saßen die beiden immer zusammen
    oder streiften durch die Gegend.


    Dabei entfernten sie sich manchmal recht weit vom Dorf,
    und fanden immer wieder zurück.


    An diesem Tag waren sie einem Biber gefolgt,
    die Spur führte zum Bau des Bibers,
    wo seine Jungen im Hoch des Sommers leichte Beute waren.
    Doch heute hatte sie die Spur weit weg in Richtung Nord gelockt
    und ein leichtes Hungergefühl trieb sie auf den Heimweg.


    Der Sonnenwagen war schon am Abstieg und die Dämmerung nicht mehr fern,
    als sie sich auf den Rückweg machten.



    *****


    Als sie Zuhause ankamen war der Ort verlassen,
    die Häuser leer, die Feuer aus.


    Die Kinder wunderten sich sehr … doch
    als sie das Zittern des Bodens spürten und eine Gefahr witterten,
    die durch das Beben der Erde ausging,
    kamen sie schell wider in Gang.


    „Schnell Bettjy wir müssen hier weg und uns verstecken.“ flüsterte Muhma laut.
    Sie brauchte keine Handzeichen, um Bettjy zu zeigen wohin sie wollte.
    Wenn sie unterwegs waren, waren sie wie eine Person.


    Sie rannten zum Wasser an dessen Ufer zu dieser Zeit normalerweise einige Boote trockneten.
    Doch nur der kleine Einbaum lag einsam da, als würde er auf sie warten.
    Schnell schoben sie diesen ins Wasser,
    als auch schon wilde Reiter schreiend das Dorf erreichten.


    So schell die Kinder auch mit den Stecken stocherten,
    wurden sie doch von den ankommenden Reitern entdeckt,
    die den Ort umkreisten.


    Noch war das Wasser in diesem Bereich seicht,
    so dass einer der Wilden leicht in ihre Richtung gelangen konnten.


    Mit dem fiesen Grinsen auf dem bärtigen Gesicht
    einen guten Fang leicht erbeuten zu können,
    steuerte er sein Pferd ins Wasser.

    Obwohl sein Pferd Mühe hatte Fuß in diesem Morast zu finden
    und immer langsamer wurde,
    kam er den Mädchen immer näher und näher.


    „Ich schiebe noch! Dann geht es schneller!“
    schrie Muhma und sprang aus dem Boot,
    denn bald war die sichere Tiefe erreicht
    und schob mit aller Kraft und Schnelligkeit, die sie hatte.


    Der Verfolger verringerte immer weiter die Distanz …
    Muhma spürte schon den Atem des Pferdes in ihrem Nacken,
    während Bettjy mit allen ihren Kräften
    mit dem langen Stecken ihren Teil zum schnelleren
    Entkommen beitrug.


    … als Muhma strauchelte …


    mit dem letzten Schub erreichte das Boot die sichere Tiefe
    und schwamm in momentan unerreichbare Weite.


    Während das Kind untergetaucht war entfuhr Bettjy ein Schreckensschrei,
    denn sie wusste, nun war ihre Schwester verloren.


    Muhma tauchte unter und tauchte eine Weile.
    Als ihr die Luft ausging musste sie wieder hoch,
    doch das Wasser war so trüb,
    das keine Hand vor Augen zu sehen war,
    und der Schlick ließ sie brennen,


    So hatte sie keine Ahnung wo sie nach oben kam
    als eine grobe Hand sie zappelnd an ihrer Kleidung
    aus dem Wasser zog
    und sie quer über das Pferd legte.



    „Muhma!“ schrie Bettjy, der Wilde versuchte das Pferd auch zu ihr zu treiben,
    doch das Pferd versank einerseits immer weiter im Wasser und Schlamm
    und andererseits zappelte Muhma so sehr, dass Ross und Reiter es schwer hatten
    sich überhaupt über Wasser zu halten.


    So schlug der Mann einen ledernen Knauf über den Schädel des Kindes,
    so dass sie reglos auf dem Pferd zu liegen kam und ritt zurück ans Ufer.
    Während Bettjy schluchzend im Boot zusammenbrach.


    *******


    Der Reiter hatte genug vom feuchten Nass gehabt und kehrte ans Ufer zurück.


    „Schaut mal! Was ich hier für einen Fisch gefangen habe!“
    rief er seinen Kumpanen zu während er Muhmas Kopf an den Haaren ein wenig hochzog,
    als gerade die Leiterin dieses Feldzugs auf ihrem Rappen den Dorfplatz erreichte.


    „Ist das alles?“ Herrschte Gitthild in die wilde Runde.


    „Die Häuser sind leer.“
    sagte der eine,
    „Keine Waffen und Werkzeuge und kein Gut!“
    rief ein anderer.

    „Was?!?! Sie wurden gewarnt, also zünden wir hier alles an?“

    raune Gitthild gefährlich leise,
    wendete ihr Pferd und ritt mit hoch erhobenem Kopf aus dem Dorf.


    Davon bekam Muhma nichts mit, sie lag bewusstlos vor dem Krieger auf dem Pferd.


    Rosa, die das Treiben von einer hohen Buche im sumpfiger Ufernähe beobachtete,
    wusste, dass das Kind noch lebte
    und sich nun die Prophezeiung der Schlange bewahrheitete,
    die aus den Flammen des Feuers in jener Nacht zu ihr gesprochen hatte.


    Sie hatte auch die weiße Reiterin gesehen,
    in deren Klauen sich das Kind nun erweisen musste.


    Die Reiter suchten lange nach der Glut des Feuers,
    aber sie fanden einfach nichts,
    so machten sie sich weiter auf den Weg zu den nördlichen Dörfern,
    die schon von Burga und Bernwart gewarnt wurden waren.


    So wußte Rosa wieder dankbar,
    dass die große Göttin schützend ihre Hand über das Dorf gelegt hatte,
    und hoffte dass Muhmas Leben genauso behütet war.


    **********************

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Muhma VII



    Fürstin Gitthild der Tunnas (Seite1/2)


    Muhma erwacht in einem hölzernem Käfig der rüttelnd und schüttelnd von
    einem Esel gezogen mitten in einem Tross von reitenden Menschen und Fußvolk fuhr.
    Sie bekam keine Luft, weil eine Frau halb auf ihrem Leib saß.
    Doch sie war zäh und stark für ihr Alter und wand sich unter der schluchzenden Frau heraus.


    „Ja, Du lebst ? Ich dachte Du seist schon zur Holla übergewechselt.“
    schaute die Frau verdutzt.
    Sie waren zu fünft auf diesem kleinen Wagen unterwegs,
    und eine Gruppe gefesselter Frauen und Kinder liefen dahinter.
    Auf dem Wagen kauerten zwei Frauen mit Kleinkindern und Muhma,
    die auf dem großen Herbstmarkt im Süden gutes Gold bringen konnten,
    und da das Fußvolk langsam unterwegs war, konnte Gitthild auch die Langsamkeit des Wagens ertragen.


    Die jungen Frauen jammerten in einem fort, während die kleinen Kinder friedlich schliefen.


    Muhma hatte das Rütteln satt und setzte sich auf ganz nach vorn,
    hielt sich mit den Händen an den Holzstäben fest und ließ die Füße heraus baumeln.


    Nun beobachtete sie die Steine und Wellen des Bodens,
    so dass sie darauf reagieren konnte.


    Bald hatte sie es heraus, den Takt der Erde sitzend zu tanzen und lud die anderen dazu ein,
    Die beiden anderen Frauen betrachteten sie nur kopfschüttelnd.


    Gegen Abend, der Himmel bedeckte sich und ließ kleine Tropfen fallen,
    wurde ein Rund aus Zelten errichtet.
    In der Mitte entfachten die Männer bald ein großes Feuer aus trockenem Holz,
    auf dem bald Wild und andere Speisen in Töpfen aufgebracht wurden.
    Das stattliche Zelt der Gitthild ragte über alle anderen heraus,
    die Stoffe waren mit vielerlei Zeichen verziert, die Muhma nicht kannte.


    Die Frau selbst sprang nach der Ankunft behänd vom Rappen
    und überwachte den Aufbau des Lagers.


    Muhmas Blick klebte nun an dieser Frau.
    Sie fürchtete sich einerseits vor ihrem Blick spürte allerdings
    eine unbekannte Stärke, das reizte das Kind enorm.


    Gitthilds Kleidung, so entdeckte sie erst jetzt, es war teilweise aus Fellen gefertigt.


    Der wilde Kopfputz aus schwarzem Fell wurde von einem weißen Streifen
    aus Winterhermelin geschmückt, der von der Stirn nach hinten in den Nacken floss,
    um dort in ein graumeliertes Wolsfell überzugehen, welches weit über den Rücken hing.


    Im schwarzen Bereich der Kopfhaube entsprossen gedrehte Hörner,
    die die Frau noch gefährlicher wirken ließen.


    Der Leib war mit einer Rüstung aus kleinen Eisenplatten gefertigt,
    die entweder Zeichen von vergangenen Kämpfen trugen
    oder Zeichen trugen, die Kraft verheißen sollen,
    wie Muhma sie schon bei anderen Kriegern gesehen hatte.


    Der Rock darunter war aus grünem Stoff,
    die Riemen an den Beinen waren stramm geschlungen
    und auch hier entdeckte das Kind
    feine Felle von Mäusen und Mardern,
    die die Beinkleider fein schmückten.


    Gitthild war groß, größer als jede Frau,
    die Muhma in ihrem Leben je gesehen hatte.
    Auch war sie sehr stolz in ihrer Haltung.
    Breitbeinig mit den Armen in die Seite gestützt stand sie da
    und gab den Männern Anweisungen.


    Die Laute in denen die starke Frau ihre Befehle gab, hörten sich ganz anders an,
    wie die Sprachen die das Kind bisher gehört hatte.
    Diese schien viel tiefer im Schlund zu entstehen und klang sehr grob.
    Eher wie das heißere Bellen der Füchse im Winter.


    Nachdem Gitthild den Männern gesagt hatte was sie zu tun hatten,
    ließ sie ihren Blick über den Gitterwagen schweifen
    und entdeckte das Kind,
    welches ihrem Blick stand hielt.


    Mit mächtigen Schritten kam sie auf den Wagen zu.
    Die anderen Frauen begannen zu jammern und flehten zu ihren Göttern,
    doch das Kind blieb ganz ruhig und schaute dieser fremden Frau weiter in die Augen.


    Zwei große Seelen schienen sich in diesem Augenblick wieder zu treffen.


    Nun stand Gitthild vor Muhma, die immer noch ihrem Blick erwiderte.
    Gitthild raunte
    „Wie heißt Du?“
    in der Sprache, die hier am See gesprochen wurde
    Muhma immer noch die Augen im Blick der Frau:
    „Muhma!“


    Gitthild wendete sich ab und befahl in ihrer Sprache zu dem am nächst stehenden Mann,
    die Leute heraus zu lassen.
    Der Mann gehorchte, öffnete sofort den Mechanismus des Gitters und das Tor am hinteren Ende des Wagens.
    Das Kind, das ganz vorn gesessen hatte kletterte als Letzte behände hinaus.


    Muhma musste nun den Kopf weit nach hinten neigen,
    um Gitthild wieder in die Augen zu schauen.


    Diese wies das Kind mit einer Kopfbewegung ihr zu folgen und
    ging mit der Haltung einer Fürstin in Richtung des großen, geschmückten Zeltes.


    Muhma war froh sich bewegen zu dürfen und kam der Frau schnell nach.
    Die Teppiche an der Seite schlug die Frau auf und das Kind schlüpfte hurtig hinein.
    Im Zelt war alles mit weichen Fellen ausgelegt und
    in der Mitte brannte ein kleines Feuer im bloßen Boden, dessen Rauch nach oben durch den lustigen Zipfel abzog.


    Als diese Hütte vor einiger Zeit dort aufgebaut worden war,
    hatte sich Muhma gewunderte warum in der Mitte des Daches,
    erst ein Loch war und dann eine Zipfelmütze, darauf gesteckt wurde.
    Jetzt verstand sie das dadurch der Rauch abziehen konnte,
    und der jetzt gerade einsetzende Regen nicht in das Zelt gelangen würde.


    Gitthild setzte sich auf eine Art erhöhtes Kissen und schaute der Frau,
    die schon vorher im Zelt war, zu wie sie bestimmte Kräuter in das Wasser gab,
    welches auf in einem Ledersack auf dem Feuer kochte.


    Gitthild warf andere Kräuter, die sie aus einer Tasche unter dem Sitzfell holte
    ins Feuer und der penetrante Geruch aus Dung der Pferde und Menschen
    verwandelte sich in einen kräftigen Dampf von bittersüßem Holz
    und Muhma war es als wollte dieser sie an etwas erinnern,
    doch sie kam nicht dahinter was es war.


    Die andere Frau hieß Alra, sie gab erst Gitthild ein
    mit Gold und Silber geschmücktes, reich verziertes Trinkhorn.
    Muhma erhielt ein ungeschmücktes Horn in das von dem Tee geschenkt worden war.


    Der Regen trommelte indes auf die Zeltplane und spielte so die Musik dazu.


    Muhma, die sich frei gegenüber von Gitthild gesetzt hatte,
    betrachtete, wie sich Arla von dem Sud in einen Becher gab,
    um sich dann neben der Fürstin elegant nieder zu lassen.


    Alra war gleichberechtigt, sie war keine Dienerin.
    Das hatte das Kind an ihrer Haltung und ihren Bewegungen bemerkt.
    Muhma wusste wann es besser war zu schweigen und dieser Moment war so einer.


    Es war wie bei der Jagd.
    „Du siehst die frische Fährte,
    weißt der Biber ist sehr nah,
    mach die Schlinge bereit am Stock
    werde wie der Busch
    wiege Dich im Wind,
    auf seine Wiederkehr,
    wenn er sich jagen lässt
    kommt er wieder an diesen Ort.“


    So war es auch mit den Worten.
    Sie kamen durch Lieder, wenn man die Götter pries,
    das Tier zerlegte und lobte,
    wenn man die Beeren pflückte und den Strauch liebte.


    Sonst wurden Worte nur gesprochen um zu berichten,
    wer wo was erlebt hatte,
    wer wie was überlebte,
    wer wo was zu tun hatte.


    Die Stille in diesem Zelt war groß und weit.


    Gitthild erhob ihre Stimme und sprach in Muhmas Sprache mild:


    „Woher kommst Du?“


    Ihr Ton war freundlich, ja, wirklich interessiert.
    So war es dem Kind eine echte Freude zu antworten:


    „ Mein Volk lebt hinter den großen Bergen,
    ein Händler gewann mich beim Spiel
    und machte mich zu seiner Tochter hier am Bodemsee."


    Gitthild lächelte,
    nun wußte sie woher das Kind die dunklen Augen und Haare hatte
    aber sie wollte noch mehr wissen:
    „Deine Augen erzählen noch mehr,
    Kind wie ist Dein Name und was macht diese Schlange über Deinem Kopf?“


    Von Rosa hatte Muhma erfahren,
    dass der Geist der schwarzen Schlange sie schützen wird,
    dass sie aber auch diese Schlage zu hegen hat
    und egal was passiert, niemals von diesem Geheimnis erzählen dürfe.


    Aber ihr ging auch durch den Kopf, was sie zu verlieren hätte,
    wenn sie dieser Frau von ihrem Schutzgeist, erzählen würde,
    da sie ihn ja, scheinbar selbst sah.


    Und war voller Vertrauen,
    sie hatte keine Ahnung vom Taktieren oder politisieren,
    ja sie war überrascht einer weiteren Lehrerin begegnet zu sein,
    die zwar völlig anders zu sein schien, aber der sie vertrauen konnte:


    „ Könnt Ihr tatsächlich meine Meisterin über meinem Kopf sehen?“


    Gitthild die Strenge zeigte ein Lächeln der Güte,
    welches Muhma von dieser stolzen Frau nicht erwartet hatte.


    „Kind Deine Meisterin hat Dich zu mir geführt, Du fixiertest mich wie sie,
    wenn sie eine Beute erblickt.
    Noch nie sah ich in einem so jungen Gesicht solche zaubernden Augen.
    Aber wie nennen sie Dich in dem Dorf in dem Du lebtest?“
    „Sie riefen mich: Muhma!“


    Gitthild sah nun zu Arla und diese erwiderte ihren Blick:
    „Dieses Kind ist ein Geschenk der Götter,
    es hat einen starken Schutzgeist, deshalb darf sie heute Nacht hier schlafen.“


    Doch Arlas Gesicht verfinsterte sich:


    „Gitthilt denkt an meinen Traum letzte Nacht,
    das Kind dort brachte uns großes Unglück,
    wir sollten sie zurück zu den anderen bringen.“


    Erwiderte Arla ängstlich.
    Gitthild schüttelte den Kopf und strich Arla zart über die Haare.
    „Es wird uns nichts geschehen, wenn wir dieses Kind wohl behandeln.
    Im Gegenteil ihr Schutzgeist wird sich mit unseren verbünden,
    wenn wir ihren Wünschen entgegen kommen.
    Habe keine Angst Arla, wir werden gesund ins Blühendeland zurückkehren.“


    Und zu Muhma gewandt:
    „Hast Du einen Wunsch, den wir Dir erfüllen können?“


    „Ja, bitte gebt den anderen Frauen und Kindern auch ein Zelt,
    es regnet immer mehr, sie werden immer nässer und ihnen ist bestimmt kalt."


    „Das sind doch nur Sklavinnen, die wir auf dem Markt in Moorlain verkaufen.“
    erwiderte Gitthild.
    Muhma wußte nicht was Sklavinnen waren, ihr Geist war immer frei gewesen,
    ihr taten die Menschen leid, egal was Sklavinnen waren.


    Arla wandte sich Gitthild und berührte sie am Arm :


    "Die Leute werden nur von den Dämonen befallen, wenn sie dem Regen so ausgesetzt sind.
    Lasst sie in das Pferdezelt bringen, da haben sie es warm und trocken.
    Schläuche mit Wasser und Kornbrei aus dem großen Topf wird sie gesund erhalten,
    so dass sie einen guten Preis erzielen."


    "Naja" erwidere Gitthild
    "Was man alles macht damit üble Vorhersagen ausbleiben."


    Sie stand auf, ging zum Eingang, schlug den Teppich zur Seite und gab Anweisungen.

    (Der Text war zu lang, so folg ein 2. Teil sobald das möglich ist)

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Muhma VII



    Fürstin Gitthild der Tunnas (Seite 2 von 2)



    Muhma wusste nun wieder woran sie dieser Geruch aus dem Feuer erinnerte.
    Das war in ihrem Bergdorf,
    wenn die Krusa bei der sie die Kräuter kennenlernte, sie in den Schlaf wiegte.
    Da legte sie diese Kräuter ins Feuer und hatte dabei immer ein Lied angestimmt.


    Hmm, wie ging das nochmal … Muhma war ganz in Erinnerung,
    als Gitthild wieder herein kam,
    um wieder auf ihrem Platz zu sitzen.


    „Wie ist es im Blühendenland? Kommt Ihr dort her?“
    Fragte das Kind ganz unschuldig.


    Arla lächelte:
    „Oh, ja, da ist es sehr schön.
    Wir sind schon viel zu lange auf der Reise in dieser Baum- und Seegegend,
    dort ist alles offen, die Bäume sind so licht und Du kannst so weit schauen … bis an das Ende der Welt.


    Im Sommer duften die Blüten ein Konzert aus Farben und die Essenzen,
    die ich von zuhause mitnahm, die reichen wohl nicht mehr lange … möchtest Du einmal riechen?“


    Wie aus einem Tagtraum gerissen stand sie auf
    und griff unter eines der langhaarigen Fellen.
    Holte eine Tasche hervor aus der sie 2 kleine, ja winzige Tongefäße zog.


    Nun setzte Arla sich zu Muhma auf das Fell
    und nahm den mit lederbezogenen Korken aus der Öffnung
    und gab diesen dem Kind, um daran zu riechen.


    Muhma schlug ein schwerer Duft in die Nase, der sie an schwüle Tage des Sommers
    erinnerte, dann wenn die Gewitter an den Bergen stehen, um sich an den Hängen zu leeren.


    Wenn die Luft so dick ist, dass das Atmen schwer wird.
    Auch ein wenig an an das Leder oder Fleisch, wenn es im Winter zu feucht geworden war.


    Arla nahm den Korken wieder und steckte ihn auf das Gefäß.
    Jetzt nahm sie das Zweite und gab wieder den Kork Muhma zum riechen.


    Muhma sog den Duft ein, und eine Erinnerung schälte sich in ihr Bewusstsein.


    Ein heißer Sommertag … den ganzen Tag mit Krusa in den Kräutern,
    am Abend kehren sie nicht zurück ins Dorf,
    die Alte breitet ein großes Winterfell eines roten Ponys aus,
    legt sich darauf und Muhma kuschelt sich an sie.


    Das war der Duft aus Berg, Kräuter, Körper, Fell, Abendluft in den Bergen.


    Plötzlich sieht sie noch anderes:


    Das Bergdorf wie sie es in Erinnerung hatte, ist bedeckt mit Steinen.
    Die Menschen räumen Felsen von den Häusern einige Frauen stehen daneben und klagen.
    Ihr Vetter … ja da sah sie den Sohn ihres Vaters Schwester,
    er stand auf einem Großen Haufen aus Steinen und Geröll
    und schleuderte mit Tränen im Gesicht Sand mit den bloßen Händen bei Seite.


    Jetzt erkannte sie auch dass es das Langhaus war, welches die Steinlawine quer getroffen hatte.
    Plötzlich sah sie das Gesicht Krusas wie einen Geist vor allem Geschehen.


    Die alte Frau sprach leise und beruhigend auf das Kind ein:
    „Hab’ keine Angst, das ist das Leben in den Bergen,
    es ist nur der Körper der geht, der Geist bleibt oder geht zu den Ahnen.
    Wandere weiter lerne neue Sippen und Gebräuche kennen.
    Dein letzter Platz ist ist auch zerstört und Du kannst auch dort nicht helfen.“


    In dem Augenblick hörte Muhma, wie Gitthild hustete.


    Das Gesicht Arlas verfinsterte ein wenig und das Kind gab ihr den Kork zurück,
    sie verschloss das Fläschchen und steckte es zurück in die Tasche.


    Einer der Männer betrat das Zelt:
    "Herrin das Wasser des Baches steig stetig an, es scheint in den Bergen stark geregnet zu haben.
    Wir sollten Morgen in der Frühe rasch aufbrechen, damit wir noch gut über den großen Fluss kommen."


    Gitthilds Stirnfalten zogen sich tief ins Gesicht.


    Es war die Sorge und auch ein wenig Zorn,
    denn dieser Mann hatte wirklich Ahnung von dem Wetter und
    schon vor Tagen geraten zurück zu kehren gen Westen,
    und die Seedörfer erst im nächsten Frühjahr aufzusuchen.


    Sie schaute auf das Kind und wies es an, nach draußen zu gehen.


    Nichts tat Muhma lieber.
    Nach den schrecklichen Bildern war es ihr nach laufen und rennen,
    wie es ihr gerade so in den Sinn kam.
    Schnell war sie aufgestanden und hinaus gelaufen.


    Am Feuer saß keiner mehr, der Boden war weich und morastig,
    so hielt sie nach dem Zelt mit den Pferden Ausschau und fand es etwas am Rand.


    Mensch und Tier war wohl auf.
    Scheinbar waren auch die Knappen des Tross bei den Pferden untergebracht,
    so dass dort eine gelöste Spannung zu spüren war.
    Die Knappen waren etwa so alt wie Muhma und die jungen Frauen kümmerten sich mütterlich um sie.
    Hier fraß ein Pferd aus seinem ledernen Heusack und dort stillte die Mutter ihr Kind.
    Da kämmte eine Frau dem Knappen das Haar und sammelte dabei das Geziefer ab.


    Hier schienen sich Menschen getroffen zu haben, die sich gegenseitig brauchten.
    Muhma war zufrieden und schlenderte weiter.
    Der Bach war wirklich seit ihrer Ankunft sehr schnell angeschwollen.
    Schon leckte er am Ufer, er holte immer mehr Erde vom Rand,
    was das Grau des Bergwassers immer bräunlicher werden ließ.


    Die Kühle des Regens ließ sie zurückkehren.
    Angekommen am Zelt der Gitthild, schob die Stoffe beiseite und trat in den Raum.
    Die Fürstin lag unbekleidet bäuchlings auf einem großen Fell,
    Arla kniete neben ihr und massierte ihren Rücken.
    Da lag ein süßer Duft, der von den Frauen ausging in der Luft.
    Muhma erkannte an Alrlas Handbewegungen, dass sie auch eine weise Frau war,
    die mit heilbringenden Händen, die Sorgen und Nöte des Menschen verjagt.


    So setzte sie sich dicht neben dem Zelteingang auf ein weiches Fell
    und legte sich nieder, kringelte sich zusammen, schloss die Augen
    und und genoss den Duft der Massage-Essenz.


    Krusa wie Rosa hatten Blüten in Wasser gekocht
    und den aufsteigenden Dampf in darüber gespannten Fellen sammeln lassen und
    das duftende Wasser in Ledersäckchen gesammelt.
    So duftete es aus den Säckchen wunderbar.


    Diese Flüssigkeit vermischten die beiden Frauen mit Honig und aus Blüten gepressten Ölen,
    bis eine schmiegsame Essenz entstanden war,
    die sie beide bei Frauen, Männern und Kindern mit Sorgen einsetzten.


    An Ihre mütterlichen Lehrerinnen denkend, schlief sie ein.

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Muhma VIII
    Der Morgen im Zeltlager



    Muhma erwachte am frühen Morgen.
    ein Trommeln auf dem Dach des Zeltes ließ sie aufschrecken.
    Das musste ein starker Regen sein, der dieses Geräusch verursachte,
    gleich darauf hörte sich auch den mächtigen Donner der Götter.



    Sie fand sich am gleichen Platz wieder, nur bedeckte sie nun eine Wolldecke.



    Als sie sich umschaute lagen die beiden Frauen an der anderen Seite des Zeltes eng beieinander.
    Sie machten auf das Kind den Eindruck einer langen Partnerschaft.
    Das kannte sie und war nichts Außergewöhnliches ;
    denn meist kannten die Menschen der Sippen sich gut,
    auch wenn sie über Berge oder Wasser getrennt waren.



    Frauen kamen scheinbar besser mit einander um,
    gerade wenn sie älter waren und die Kinder selbst wiederum Kinder hatten,
    da zog es die Frauen zu den Frauen und die Männer zu den Männern,
    denn sie hatten sich ganz andere Dinge zu erzählen.



    Der Donner rollte Lange über die nahen Berge.
    Muhma wusste, dass wenn es in den Bergen heftig regnete,
    die Bäche außergewöhnlich anschwellen konnten,
    ja und bei besonderem Zorn der Götter,
    zeigten sie dem Wasser sogar neue Wege



    und schwemmten große Steine und manches Mal den ganzen Hang durch die Siedlungen.



    Ihr schauderte wieder, denn sie dachte an die Traumbilder aus ihrem alten Dorf.



    Sie schlüpfte aus der Kuhle von den übereinander liegen den Fellen,
    rollte die Decke zusammen, wie es bei ihr Sitte war, stand auf
    und schob leicht die schweren Tücher am Eingang auseinander.



    Der Morgen war noch nicht geboren und
    tiefe Wolken der zu Ende gehenden Sonnenzeit lagen auf den Bäumen die das Lager umgrenzten.



    Das Zelt der Gitthild lag in der Mitte auf einer kleinen Anhöhe,
    so dass die Wasser hier von der Behausung weg liefen.
    Das konnte Muhma in dem Dämmerlicht gut erkennen.



    Nun wurde das Lager von einem hellen Blitz erhell
    und krachend schickte der Donnergott das Grollen hinterher.



    „Hui, das war verdammt nah“ , dachte sich das Kind und
    dachte auch daran, wie schön es gerade jetzt wäre,
    ihre Tunika abzulegen und hinaus in den strömenden Regen sich alles Leid und Veränderung einfach von der Haut ab zu waschen.



    Sie fühlte gerade jetzt, was sie verloren hatte,
    Bettjy würde sie nie wieder sehen und auch die anderen des Dorfes der Freude.



    Also rannte sich hinaus auf die niedergetretene Wiese und drehte sich im Regen,
    ihre Tränen vermischten sich mit dem Himmelswasser
    zusammen flossen sie hinab zu Mutter Erde,
    auf dass mit diesem Salz der Tränen besondere Blüten im nächsten Frühjahr blühen würden.



    Ihre Tunika aus dem feinen Leinen, welches Burga ihr genäht
    und sie mit allen Frauen, Männer und Kinder gemeinsam bestickt hatten,
    hielt sie über sich, als könnte sie damit den Zorn der Götter besänftigen,
    dass dadurch das Kleidungsstück wieder viel heller und schöner wurde,
    sich der Schmutz des letzten Tages herauswusch, war ihr nicht bewusst.



    Nach einer ganzen Weile laufen und tanzen im Regen
    spürte sie, dass sie nun gereinigt war von aller Vergangenheit
    und rollte die Tunika zusammen und drückte das Wasser heraus
    bevor sie wieder das sichere Zelt betrat.



    Nacktheit war kein Thema,
    so schlüpfte sie durch die Zelteingangsfelle,
    die auch sehr nass waren hängte die Tunika auf
    und setzte sich an das noch schwelende Feuer.
    Arla bewegte sich im Schlaf, so als wollte sie bald erwachen,
    doch es musste ein heftiger Traum sein, der sie umfing.



    Muhma hatte ihre Tunika über ein Holzgestell nahe des Feuers gelegt
    an dem auch ihr Lederbeutel hing.
    als die beiden Frauen gemeinsam erwachten.
    das Kleidungsstück war fast trocken,



    Arla freute sich über das lodernde Feuer welches Muhma wieder entfacht hatte,
    auch die Steine zum erhitzen des Wassers hatte das Kind Mitten hinein gelegt,
    sodass sie glühten.



    Behände holte die Frau diese mit einem nassen Holzlöffel heraus,
    nachdem die den Lederschlauch auf dem Gestell mit dem Wasser
    aus dem Holzeimer in der Nähe ihres Schlafplatzes gefüllt hatte,
    liess sie zischend in den Ledertopf fallen.



    Sogleich brodelte das Wasser, Alra
    schüttete einige Kräuter hinein, welche gleich einer Welle
    aromatischen, warmen Duft im ganzen Zelt verteilen.



    Muhma fragte sie: „Das dufte jetzt sehr gut, welche Kräuter sind das?“



    Lächelnd antwortete Arla:
    „Da wir heute bei diesem Schietwetter weiter reisen müssen, habe ich wärmenden Geister des Sommers gewählt.
    Vom Frühsommer die Lindenblüte, die Rose vom Sommer und den Apfel aus der Zeit des Nebels.



    Ich habe gestern viele Apfelbäume auf dem Weg gefunden,
    sie geerntet und ihre kleine Früchte in feine Stücke geteilt,
    sie werden uns nähren auf dem heutigen Teil der Heimreise.“



    „Wie weit ist dieser Weg, in Deine Heimstatt?“ wollte Mumah wissen.



    „Wenn uns die Göttin gewogen ist, und uns bei Trockenheit reisen lässt,
    müssten wir bei der nächsten Vollmondfeier daheim sein.“



    und nach einigen Handgriffen, um den Sud in die drei Tonbecher zu füllen:
    „Aber heute müssen wir wohl noch ein wenig bleiben.“ und lächelte dabei.



    Muhma spürte, dass ihr die Rast wichtiger war als die Reise.



    Sie überlegte, ob sie Arla in der Gruppe auf einem Pferd hat sitzen gesehen,
    doch sie erinnerte sich nur an die Männer und Gitthild auf Pferden gesehen zu haben.
    Waren da noch andere Wagen gewesen?



    Gitthild hatte sich inzwischen ihre Prachtkleidung angelegt,
    war hinaus zu den Männern getreten,
    hatte nach den Frauen gesehen
    und war eine Runde um das Lager herum gelaufen.



    Das Gewitter hatte sich inzwischen verzogen,
    sodass Gitthilds Robe fast trocken geblieben war.
    Einige Tropfen von den Zelten und von den Bäumen glänzten in den Fellen als sie zurück kam.



    „Diese Nacht ist eines der Kinder zu den Göttern gegangen.“



    Sie nahm ihre Haube mit den Hörnern ab,
    schüttelte die Haare und setzte sich zu den anderen ans Feuer.
    Muhma hatte den Eindruck, dass Gitthild unterwegs die Totesgeister gesehen hatte.



    Während Gitthild den Becher aus Arlas Hand nahm, sprach sie weiter



    „Die Schorg und Schann sind in der Nacht nicht zurückgekehrt.
    Wenn sie bis zum Aufbruch nicht da sind, müssen wir sie verloren geben.“



    So sachlich die Fürstin auch über diese Männer sprach,
    war in ihrer Stimme doch die Sorge zu hören,
    doch wem diese galt,
    ob den Männern oder der Gruppe weil zwei Männer fehlten,
    wusste das Kind nicht einzuschätzen.



    Inzwischen hatte Alrla einen Kornbrei, den sie schon am gestrigen Abend angesetzt hatte,
    mit Beeren und Früchten und Honig und Kräutern verfeinert,
    reichte Gitthild eine Schüssel mit Löffel
    und mit einer Kopfbewegung wies sie das Kind an sich auch eine Portion zu holen.



    So saßen sie schweigend am langsam verlöschenden Feuer
    und labten sich für die kommende Reise.

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

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  • Muhmas Reise geht weiter


    Als Muhma wieder aus dem Zelt trat, waren einige der Zelte abgebrochen
    und wurden in Bündeln auf die Pferde geladen. Die Männer achteten sehr genau darauf,
    dass nichts durch den Morast oder über den noch nassen Boden gezogen wurde.



    Schnell ging sie wieder hinein, um Arla zu helfen die Felle zusammen zu legen und Küchenutensilien zu verstauen.
    Über ihnen wurden die Dachfelle von den Stangen gezogen und
    durch den Schein der Morgensonne es wurde anders hell und warm.


    Es ging alles Hand in Hand und recht schnell bis die Zelte auf den Packtieren
    verstaut waren und tatsächlich gab es noch einen zusätzlichen Wagen
    auf dem Arla saß und ihn steuerte.


    Diese lud Muhma ein mit in diesem Wagen zu fahren,


    doch einer der älteren Knappen lud sie ein hinter ihm auf seinem Ross zu sitzen,
    welches mit einer gewobenen rot gelben Decke überworfen war,
    und einen breiten Rücken hatte und
    auch noch einen einfachen Wagen auf dem die Stangen vieler Zelte gebündelt lagen zog.



    Er war ein junger drahtiger Pferdehirt, der noch nicht zu den Raubzügen durfte.



    Hinter dem Jungen, der auf den Namen Gorsch hörte,
    nahm Muhma ihren neuen Platz ein und freute sich über diese neue Gesellschaft.



    Bei Arla wäre es zwar bequemer gewesen, doch der Rücken des Pferdes zog sie magisch an.



    Gorsch erzählt ihr wie die Pferde in seiner Sprache hießen
    und dass diese Reise nach Hause gehen sollte,
    denn er war der Sohn des Bruders von Arla und
    sein erster Raubzug in das Land in der „der Sonnen Wagen seinen Tageslauf“ beginnt.



    Er erzählte von den Weiten und dem großen Wasser in dem nach dem Winter viel größere Fische zu fangen seien …. als in der Sonnenzeit wenn die Tage am längsten waren.



    Er prahlte von Fischen die größer gewesen seien als er selbst und für diese, vier gestandene Männer nötig gewesen waren, um sie aus dem Wasser zu ziehen.
    So ein Fisch machte für Monde die ganze Sippe satt.



    Er erzählte noch vieles, aber mit der Zeit wurde Muhma seiner Angeberei müde,
    und hing seinen eigenen Gedanken und Beobachtungen nach.



    Den Frauen in den Gitterkäfigen schien es besser zu gehen.
    Muhma sah, dass sie eine Art gebackenes Brot in Tüchern bekommen hatten,
    sowie Schläuche mit Wasser, die von den Holzdecken hingen.



    Die scheinbar älteste Frau kümmerte sich um die anderen, wie eine Mutter für ihre Töchter.



    Vorn ritt Gitthild mit zwei Reitern rechts und links von sich,
    die spitz zulaufende Tücher in den Farben gelb und rot an Stangen trugen.
    Diese Stangen waren vor dem Zelt der Fürstin gestanden und schienen ihre Farben zu sein.





    Als die Sonne am höchsten stand und Muhmas Blick immer wieder zu den Bergen gegangen war,
    die links von ihr lagen mit dem großen See im Vordergrund in dem sie sich spiegelten und
    an dem sie nun 3 Sommer gelebt hatte, hörte sie Gitthild vorn irgendetwas rufen.



    Diese hob einen Arm und blieb mit ihrem Pferd stehen.
    Die anderen Reiter kamen neben sie nur die Packpferde und Wagen blieben weiter hinten.
    Trotz der kleinen Gruppe konnte Muhma nicht verstehen,
    was vorn gesprochen wurde und glitt vom Pferd.



    Die Bewegung auf den eigenen Füssen war nach den Stunden des ungewohnten reiten seltsam,
    doch behände lief sie zwischen den Pferden bis zu Gitthild durch.



    Jeder wusste inzwischen, dass das Kind von der Fürstin geschützt wurde, daher war kein Murren zu hören.


    So hörte Muhma, dass der Weg über diesen großen Fluss zu gefährlich war,
    einer meinte sie seien zu spät dran,
    ein anderer hieß diesen Dummkopf und sagte, dass das Wetter von den vergangenen Tagen gewesen sei.


    Gitthild mahnte laut zur Ruhe, sie wüsste noch einen Übergang weiter oben am Flusslauf.



    Muhma schaute in dieses große Wasser, in dem ein großer Geist leben musste,
    der war stark und Baumstämme mit sich schob und
    der einen Teil des Weges an seinem Rand einfach abgebissen hatte.

    Sein Wasser war erdig, also musste auch die große Mutter mit diesem Wassergottheit ringen.


    Muhma war erstaunt und verwirrt einen so großen Fluss zu sehn.
    So viel fließendes Wasser … auf dem Land würde sie viele Schritte machen müssen,
    um die gleiche Strecke zu überwinden.



    Gitthild wandte sich ihr zu und befahl ihr barsch sich wieder auf den Wagen zu begeben,
    sie wusste nicht dass das Kind mit dem Jungen ritt.



    Muhma rannte schnell wieder zu Gorsch und er zog sie hinter sich auf das Pferd.



    Der Tross zog nun am wütenden Fluss entlang in die Richtung in der der Sonnenwagen nie zu sehen war.



    Ab und zu schaute das Kind nach hinten, zu den Bergen die ihre Heimat waren
    und von denen sie sich immer weiter entfernte.



    „Wurde nun auch der Einfluss von Mutter Erde immer kleiner?“
    Fragte sie sich während sie nach ihrer Tasche mit der Schlangenkette tastete;
    denn für sie waren die Berge immer das Bild ihrer Mütter gewesen.



    Viele Schritte später hielt der Tross wieder.
    Auch hier tosten die Götter,
    doch scheinbar war das der Übergang, den Gitthild meinte, dass er günstiger war als der Erste.



    Sie schickte einen Reiter ihrer Seite hinein in das Wasser und
    tatsächlich ging es ihm nur bis an den Bauch des Pferdes.
    Allerdings war hier der Fluss noch breiter,
    als an der ersten Stelle und der Reiter brauchte eine ganze Weile bis er drüben war.


    Gitthild hatte ihm einen Nessel-Strick mitgegeben,
    den er an einer großen Eiche am anderen Ufer festzurren sollte.





    Das andere Ende des Taus wurde auf der hiesigen Seite um eine Weide erst dann befestigt,
    als der Reiter auf der anderen Seite seine Tätigkeit vollbracht hatte.



    Hier zogen nun 4 Mann und brachten den Strick in eine gute Spannung über dem Fluss,
    an der sich das Fussvolk und die Insassen der Wägen fest machen konnten.



    Die Frauen in den Gitterwägen waren froh ihrem Gefängnis für einige Zeit entkommen zu können.
    Alle waren aus den Siedlungen am großen See, und hatten Erfahrung mit dem Element Wasser.
    Jede nahm das Haarband vom Kopf und sie flochten sich gegenseitig hurtig die Haare.
    Dann schlangen sie die Bänder um den gespannten Strick und um ihr Handgelenk.



    Nacheinander stiegen sie ins Wasser und spürten sofort die Gewalt der Götter.
    Sie brauchten Kraft um sich festzuhalten und mussten auch Mund und Nase über dem Wasser lassen.



    Die Frauen, die schon immer die schweren Netze und Boote aus den Wellen holten,
    hatten hier zu kämpfen und gewannen.
    Drei junge Frauen im zarten Erwachen der Fraulichkeit,
    verließen die Kräfte vor dem sicheren Ufer und der Fluss riss sie mit.


    Gitthild stand immer noch am Ufer und betrachtete mit Groll im Gesicht das Geschehen.



    Nun folgen die Wagen.



    Zuerst sollte Arlas Wagen durch die Flut gesteuert werden.



    Das war ihr nicht Recht, sie gibt die Wertsachen den Reitern auf die Rücken ihrer Pferde
    und diese brachten das Gut am sicheren Ufer heil an,
    dann spannten sie vier Pferde vor den kleinen, leeren Wagen und Arla kletterte mit auf ein Pferd.
    So kam auch sie und der Wagen gut drüben an, jetzt waren die Gitterwagen an der Reihe.



    Auch sie wurden durch 4 Pferde stabilisiert und im Fluss von Schmutz und Kot gereinigt.



    Dafür verfingen sich Zweige und Treibgut in den Stangen
    und ein Stein zerschlug kurz vor dem Erreichen der sicheren Seite ein Rad.
    Die Pferde hatten es schwer das sperrige Gut an das Land zu bringen.



    Die drüben Angekommenen machten sich gleich daran,
    alles zu trocknen und zu reparieren, denn es soll heute ja noch ein ganzes Stück weiter gehen.



    Gitthild und Arla wiesen die Leute an noch weiter zu gehen und
    dicht bei einander zu bleiben, und das Reparieren aufzuschieben bis alle über den Fluss seien.



    Keiner von ihnen merkte, dass der Strom leise stieg, eine Flutwelle aus den Bergen kündigte sich mit Macht an.
    Es waren noch vier Pferde und fünf Reiter am rechten Ufer und
    da die älteren Reiter ein Vorrecht genossen gingen diese als Erste voran.


    Sie hatten schwer zu kämpfen, mussten in der Mitte den Pferderücken verlassen,
    sie unterstützten sich gegenseitig und kamen geschunden aber gesund auf der anderen Seite an,


    während ihre Pferde vom Fluß stark abgetrieben wurden.




    Nun waren es nur noch Gorsch, das Pferd und Muhma, die hinüber mussten,
    aber das Seil wurde schon eine Weile vom Wasser überspült.


    Gitthild und Alra mahnten zu Eile,
    doch bei den jungen Leuten war kein Erwachsener mehr,
    der mit Rat und Tat zu Seite stehen konnte.



    Das Pferd bockte
    so stiegen die jungen Menschen schon frühzeitig von ihm ab
    und klammerten sich fest an das noch gut gespannte Seil.



    Das Pferdeseil hatte sich der Junge um den Leib geschlungen,
    so dass er beide Hände zum Festhalten und Fortbewegen hatte.



    Muhma hatte beide Hände und hatte schon viel Erfahrung am See gesammelt,
    und bewegte sich vor dem Jungen behände vorwärts.



    Ungefähr in der Mitte gab das Seil plötzlich schlagartig nach,
    das Wasser musste es über diese lange Zeit aufgeweicht und die Spannung zum Reißen gebracht haben.



    Gitthild sprang schnell zu dem Baum und wollte das Seil straffen,
    doch zog sie nur das lose Ende heraus während Muhma und
    der Neffe Arlas mit seinem Pferd von der Flut rasch mitgerissen wurde.



    Muhma schwamm vorn, als das Unglück geschah … sie ließ das Seil sofort los, die Flut riss sie nach unten.



    Unter dem Wasser zu sehen, machte ihr nichts aus,
    doch hier war Erde und Schlamm aufgewühlt welche furchtbar in den Augen brannte.



    Sie arbeitete schwer mit Händen und Beinen, um aufzutauchen
    und schaffte es schließlich bevor ihr der Atem ausging.



    Nun öffnete sie die Augen,
    sah aber nur Wasser und Bäume in einer unerreichbaren Ferne um sich herum.



    Das Wasser was sie trug schien still zu stehen
    und die Bäume und Sträucher, die schnell an ihr vorbei zu huschten.



    Von den Anderen war sie schnell davon getragen worden
    und von dem Jungen und dem Pferd hörte und sah sie nichts.



    Auch den Strudel, der sie packte und nach unten zog sah sie nicht kommen,
    doch weil sie noch außer Atem war und rechtzeitig vorher noch die Luft einsog,
    spürte sie nur den Zug nach unten … etwas stieß an ihren Kopf,
    ihr wurde flau, doch sie spürte keine Angst,
    denn sie wusste irgend wo, dass das Leben im Kampf nie gewonnen wird.





    Sie erwacht in den Zweigen eines Baumes, der vom Fluss getragen wurde.



    Durch die Äste lagt der Baum gut im Wasser und dem Kind gelang es auf den Stamm zu klettern.
    Hier saß sie nun rittlings, wie auf dem Pferd vorher und dachte darüber nach, was eben noch war.



    Doch die Bäume und Landschaften, die an ihr so schnell vorüber eilen, holen sie in die Gegenwart.
    Der Fluss ist zu schnell, sie kann es nicht wagen von ihrem Floss zum Ufer zu wollen.
    Was will sie auch dort, alles ist so fremd.



    Sie läßt geschehen was geschehen will.



    Im Fluss gefangen und durch die vorbeifliegenden Wälder beginnt Muhma zu träumen:



    "Das Pferd zieht den jungen Grosch nach unten,
    er kann sich aus der Leine um die Schultern nicht befreien,
    das Pferd versucht immer wieder hoch zu kommen,
    doch der Fluss meint es mit beiden gut.



    Ein vom Fluss mit geschleppter Stein trifft Georsch am Hinterkopf,
    so dass er sofort das Bewusstsein verliert und nicht bemerkt, wie das Wasser in seinen Körper dringt.
    Das schöne Pferd hat bald keine Kraft mehr und über gibt sich seinem Schicksal, auch es wir zu WassersBraut.



    Am Ufer steht Gitthild und peitscht die Männer mit Worten aus, während Arla daneben steht und leise weint.



    Ein wenig entfernt von dem großen Fluss schlagen sie ein kleines Nachtlager auf und trocknen ihre Sachen."









    Muhma erwachte nach einiger Zeit
    und bemerkte, dass der Fluss sich noch mehr verbreitert hatte
    und dadurch an Geschwindigkeit verlor,
    von der linken Seite kam ein anderer Fluss und ließ Muhmas Floß nach rechts triften,
    sie meinte schon die Zweige am Ufer greifen zu können doch die Arme waren zu kurz,
    ihr Floß glitt weiter und weiter im scheinbar endlosen Fluss der Zeit.



    Der Abend kündigte die Nacht an,
    der Himmelssonnenwagen stand im Westen und das Kind schaukelte immer noch auf der großen Welle.
    Die Nacht wurde dunkel und Muhma war es kalt.



    Sie hatte die Füße schon eine Weile aus dem Wasser auf sie Zweige gestellt und wurde immer müder.
    Es meldeten sich Hunger und Durst.



    Egal wo sie bisher gelebt hatte, wurde sie gut versorgt,
    doch hier konnte sie noch nicht einmal für sich sorgen.



    Die Mondin mit ihrem kalten Licht zeigte sich zwischen den Bäumen in Form einer Sichel.



    Eine Gruppe von Wölfen sah sie, wie sie gemeinsam einen toten Hirsch aus der Flut zogen.
    „Für sie sorgt der Fluss, was hat er für mich?“ fragte sie sich traurig.



    Sie legte sich auf die dichten Zweige über dem Wasser und schlief ein.







    Am frühen Morgen erwachte sie und war nicht mehr auf dem Fluss.
    Der Baum, der sie getragen hatte liegt neben ihr im sandigen Ufer.



    "Hier fließt er wieder ruhig."
    denkt Muhma und betrachtet das Wasser liebevoll,
    denn sie darf ihre Reise fortsetzen.



    Als sie einen Schluck Wasser mit ihren Händen aufnimmt und trinkt,
    schmeckt es noch sehr erdig und knistert zwischen den Zähnen,
    aber der Durst ist weg und am Strand liegt ein Zweig mit vielen kleinen Äpfeln,
    die Art die Arla in den Getreidebrei gemischt hatte, so war ihr auch ein kleines Frühstück gewährt.



    :heart::heart::heart:

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Lang, lang ist es her und vieles geschehen, seit diese Geschichte nicht mehr weiter erzählt wurde.
    Heute hatte ich geschaut, wo ich stehen geblieben bin und bemerkt, dass das Konzept noch gar nicht weiter gegangen war. So begann ich mit dem weben, mit dem Kapitel :

    Muhma IX



    Der Wald, der an den Strand anschloss, war dicht und sumpfig.

    Muhma machte sich am Anfang ein Spiel daraus und hüpfte über die querliegenden Baumstämme oder kletterte mal auf einen Baum, doch ein Ende des Waldes sah sie nicht.


    Pflückte hier Beeren und dort grub sie mit einem Stock, den sie gefunden hatte Wurzeln aus, stopfe diese in den Beerenbeutel, der an ihrem Gürtel hing, und legte so immer wieder ein Päuschen auf ihrem Weg ein.


    Gegen Mittag kam sie auf einer kleinen Lichtung, an eine kleine hölzerne Burg von Bibern, die ein Rinnsal zu einem kleinen See stauten.

    Jetzt kam ihr die Erinnerung an Betje und das Dorf der Rosa in den Sinn.


    Bilder folgten, wie sie zu zweit mit Speer und kleinen Keulen bewaffnet im Frühjahr, wenn die jungen Biber noch im Schutz der Höhle lagen, eine Burg mit dem Speer so lange abgetragen bis sie sich die Jungtiere einfach heraus nehmen konnten.


    Wenn dann ein Alttier kam, schlugen sie mit den Keulen nach ihm, so dass es entweder gleich die Flucht ergriff oder so lange mit ihm kämpften, bis es auch zur leichten Beute wurde.

    Manchmal hatten sie sich auch schon im Dorf aus Nesseln Schnüre für Schlingen gefertigt.

    Mit diesen bewaffnet waren die Mädchen zu den Bauten der Biber gezogen,

    legten die Schlingen an einen Ein- oder Ausgang, befestigten das Ende an einem angrenzenden Baum und überließen es der großen Mutter, ob ein Biber sich darin verfing.


    Ihre Beute brachten sie, wenn diese groß war ins Dorf, wenn die beiden nur ein oder zwei Jungen gefangen hatten, brieten sie diese an einem eigenen Feuer und erzählten sich Geschichten dabei.


    Auch der Rauch des Feuers kam plötzlich in ihre Nase, dass sie sich erschrocken umschaute.

    Jetzt hatte sie nur den Stock und einen Stein und war allein und spürte diese Einsamkeit wieder, wie sie ihr ins Herz stieg.


    Um dieser Angst, Herr zu werden, ging sie weiter, atmete sie tief ein und aus, wie sie es bei Krusa gelernt hatte, und umfasste mit einer Hand den Schlangenhautbeutel an ihrem Hals, während sie mit der anderen Hand, mit dem Stock nach festem Halt in dem sumpfigen Untergrund suchte und fand.


    Nach einer geraumen Zeit, als der Sonnenwagen im Zenit stand, hörte sie das leise Fließen eines Wassers, konnte aber nicht abschätzen, wo das Geräusch herkam.


    Der Sumpf wurde matschiger und sie hatte Schwierigkeiten vorwärtszukommen.

    Immer wieder klebten Egel an ihr, die sie ab sammelte, und in weitem Bogen weit wegwarf.

    Doch vor ihr lag ein felsiges Ufer, auf dass sie zustrebte.

    Über diese Felsen, die ein Riese dorthin geworfen haben musste, kletterte sie eine kleine Anhöhe empor.


    Nun lag ein mächtiges Wasser vor ihr und musste sich entscheiden, ob sie es überqueren wollte, oder doch lieber am Ufer weiter entlang ging.


    Sie sah nach links, dort ging der Sumpf weiter, dieser Teil sah sehr tief aus, so dass sie nicht auf den Grund sehen konnte. Auf der rechten Seite war es felsig, hier müsste sie gut aufpassen, dass sie auf den Steinen bliebe, doch sie war auch müde und für eine Klettertour auch zu hungrig.

    Auf der anderen Seite des Flusses war eine schöne Lichtung, die sie magisch anzog.

    Noch einmal sah sie nach links und rechts und bemerkte eine Bewegung im Dickicht, auf der linken Seite im Sumpf.


    Sie wartete und hielt die Luft an.

    Ein mächtiger Hirsch trat auf den Fluss zu und blieb stehen.

    Eine, zwei, nein drei oder vier Hirschkühe traten an seine Seite und schnupperten in Richtung Fluss.

    Der Hirsch ging vor und seine Frauen kamen hinterher, in ihrem Tross waren auch noch ein paar Kälber und überschritten den Fluss, ohne tief einzusinken.


    Muhma staunte, aus ihrer Perspektive war das Wasser viel tiefer.

    Da könnte sie es auch versuchen.

    Sie wartete noch ab, bis die großen Tiere im Wald auf der anderen Seite verschwunden waren und machte sich auf ihren Weg.


    Sie kletterte von den Felsen in den scheinbar tiefen Sumpf, der mit seinem trüben Wasser die Steine versteckte, auf denen das Kind gut laufen konnte, so über querte sie den Fluss, der an dieser Stelle sehr langsam und breit floss und seine Kraft und Wässer im Auwald verteilte.


    Die Lichtung war begrenz von Sträuchern, die leckere ihr gut bekannte Beeren trugen, so konnte sie ihren Hunger ein wenig stillen. Das Gelände stieg an und sie wählte diesen Weg.

    Wie erstaunt war sie, wie es hinter der Anhöhe wieder genauso herunter ging und ein neues Wasser auf seine Überquerung wartete.


    Auch hier fand sie einen Weg, relativ trocken herüber zu kommen. Das Kind feststellte fest, dass das auch nicht der letzte Fluss war, über den sie kommen wollte und dessen Fische vor ihr wegschwammen, dieser Sumpf hatte viele Wässer und ganz trocken wurde sie den ganzen Tag nicht.


    Doch ihren Weg kreuzten Büsche mit leckeren Früchten und Beeren, die sie teilweise vorher noch nie gesehen hatte. Bei den weisen Frauen hatte sie von klein auf gelernt, dass sie immer erst eine kleine Portion probieren sollte, und bei dieser Fülle an Speisen konnte sie das auch.



    Der Tag wurde müde, der Sonnenwagen war am Abstieg, so dass das Kind sich einen Platz für die Nacht suchte. Einen an dem sie sicher war und der noch von dem Sonnenwagen so beleuchtet war, dass ihr Kleid trocknete.


    Auf einer weiteren großen Lichtung fand sie einen mächtigen Baum.

    Der war hoch und bot Schutz vor kletterndem Raubtier.

    Mit ihrem Gürtel umschlang sie einen der herunterhängenden Äste und schwang sich empor.


    Hier konnten nur kleine und leichte Wesen den Baum erklimmen.

    An anderen Stellen waren die Äste nach unten so dick, dass kein großer Bär leise hinauf käme, ohne mächtig Lärm zu machen oder sich wegen diesem kleinen Menschen die Mühe zu machen, hunderte kleine Äste wegzubeißen.


    Muhma kletterte ganz in die Spitze hoch und machte es sich aus Zweigen und Ästen eine Art Nest.

    Mit Betje hatten sie häufiger in den Bäumen genächtigt, wenn sie abends zu weit vom Dorf entfernt waren. Das waren die besten Schlafplätze.


    Auf einer Gabelung von sieben starken Ästen verteilte sie gleichmäßig kleine Zweige,

    die sie miteinander verflocht. Es entstand eine kleine Höhle, in der sie schlafen konnte, ihr Kleid legte sie zum Trocknen darauf.


    Das dauerte eine ganze Weile, bis sie zufrieden war.

    Auf die Seite, wo der Sonnenwagen seine Reise in die Unterwelt begann, legte sie ihr Kleid, so dass die Wärme der letzten Strahlen den Stoff trocknete und aufwärmte.

    Sie war eine geschickte, junge Baumweberin, zum Schluss zog sie ihr trockenes Wams durch die Ästchen in den Koben.



    Auf dem Rücken liegend, durch die Zweigchen den langsam dunkel werdenden Himmel betrachtend, griff sie in ihre Beerentasche und leckte sich selig die Hand und Finger ab.


    Müde fiel sie in einen tiefen Schlaf.


    :zzz:

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.

  • Muhma X

    Eine Schicksal behaftete Begegnung



    Am Morgen erwachte Muhma durch den Gesang des kleinen, schwarzen Vogels, der sich gern die höchsten Stellen in Wald und Flur aussucht, um den Morgen zu begrüßen.

    Sie hatte gut geschlafen und der Gesang, wie die ersten Strahlen des Sonnenwagens kitzelten sie aus Ihrem Schlaf.


    Während sie sich ausgiebig räkelte, hörte sie von unten Geraschel und Grunzen.

    Eine Horde Schweine suchte im Unterholz nach Nahrung. Muhma sah einen dicken Eber Wache am Rande der Lichtung halten.


    Plötzlich kamen mit wildem Geschrei junge Menschen aus dem Dickicht gelaufen. Bewaffnet mit Speeren, Knüppeln und zwei hatten Bögen mit Pfeilen im Anschlag und gingen von allen Seiten auf den dicken Eber los.

    Er schrie, als ihn die ersten Pfeile trafen, doch der Speer eines großen Mannes beendete das Leben des Schweines.


    Er hatte keine Chance gehabt, der Überfall war von allen Seiten dieser kleinen Lichtung am Waldrand, die anderen waren schon beim ersten Schrei, auf und davon gerannt.


    Die Menschen freuten sich laut über diese errungene Beute und begannen zu singen, während, sie dem Tier mit Seilen die Beine zusammen schnürten.

    Eine junge Frau ging währenddessen in das Unterholz und schlug mit ihrem Werkzeug einen langen, dünnen, biegsamen Baum, der durch die zusammengebundenen Beine, des toten Tieres geschoben wurde, und zwei Personen nahmen jedes Ende der Stange auf die Schultern.


    Der eine Mensch stieß einen lauten Schrei aus, als er die Stange auf die nackte Schuter setzte und sprang zu Seite. Die anderen lachten, ein anderer übernahm die Fracht und sie marschierten singend in den Wald.


    Inzwischen war der Wald voller Vogelgesang und dem leiser werdenden Menschen Stimmen.


    Muhma erinnerte sich, an die Jagten, bei der sie zugegen war, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.


    Betje und die anderen, was war wohl mit ihnen geschehen.

    Die Erinnerungen, der letzten Tage und Stunden überschlugen sich in ihrem Kopf.


    Die Tränen flossen als kleine Rinnsale über ihr Gesicht,

    während sie an die Feiern dachte, wenn die Jäger mit einer großen Beute ins Dorf kamen.



    Das waren so schöne Feste.

    Rosa und die anderen Frauen legten den Jägern bunte Kränze auf den Kopf, während auf dem Feuer das Wildbret röstete.


    Die kleine Muhma spürte den großen Klos der Angst wieder im Hals, immer wieder war es, als warf der Vater sie hoch in die die Luft und der Aufprall mit seinen Händen, war ungewiss.

    Manchmal griff er sie gerade noch, aber auch sehr hart, bevor sie auf dem Boden aufprallte und lachte über ihr angstvolles Gesicht.


    Dem Kind auf dem Baum standen bar dieser Erinnerung das Entsetzen in den Augen.

    Doch dann sah sie Krusa in ihrem Geist. Diese sprach sanft mit ihrem Vater, und nahm sie izu sich.


    Diese starken Frauenhände gaben ihr Schutz, Muhma schlang die Kinderarme um den Hals ihrer Retterin und klammerte sich fest an die Robe, wenn diese als die Hüterin des Feuers das Kind sich auf die Hüfte setzte.


    Wenn der Vater Muhma wieder als sein Eigentum begehrte, wehrte Krusa ihn mit sanften Worten ab.

    Mit welchen Worten die weise Frau das tat, wusste die Muhma auf dem Baum nicht mehr, aber ab diesem Zeitpunkt lebte sie bei Krusa.



    Der Sonnenwagen war noch unter den Wipfeln der Bäume, Muhma trocknete ihre Tränen und machte sich bereit hinunter zu klettern.


    Das Licht beleuchtete die grünen Früchte des Baumes. Die leckeren Eicheln schienen Muhma zu rufen, und sie pflückte sich einige in ihren Beutel.

    Zwischendurch steckte sie sich die eine Frucht in den Mund, zerbiss die bittere Schale, sortierte mit der Zunge die Nuss von den Schalenstücken, spuckte diese aus, während der nährende Inhalt sie erquickte.


    So stieg sie langsam und behutsam von diesem großen Schlafplatz, immer sichernd nach allen Seiten.


    Als sie unten war, zog sie ihre Robe, Beutel und Tasche zurecht und suchte einen guten Durchschlupf durch die dicht stehenden Büsche am Rand.

    „Dort vorn könnte es gehen!“ Dachte sie noch,

    bevor ihr gewahr wurde, dass da eine kleine Gestalt kauerte.


    Muhma erschrak fürchterlich, das Herz rutschte ihr tief in den Bauch und pochte sehr laut.

    Sie hatte das Bedürfnis, ganz schnell wegzulaufen, da diese Gestalt sie aber nur freundlich anblickte, blieb sie nur wie angewurzelt stehen und starrte zurück.


    Das Kind betrachtete die Gestalt, und erkannte grüne Blätter die sie in den Haaren trug und ihr Wams war ebenso grün, eine Frau, die sie liebevoll anlächelte.


    Doch das Kind war unsicher, Muhma schaute sich immer noch, wie ein Tier um, jeder Zeit bereit die rettende Flucht anzutreten, doch die Frau saß immer noch am Boden und lächelte sie nur an.


    Nun nahm die Gestalt eine Hand aus der Tasche und hielt die Hand offen vor sich, während der Ellenbogen sich auf das Knie aufstützte, auf der Hand lagen drei große, leckere, rotleuchtende Früchte.

    Die Früchte kannte das Kind sehr gut, aus ihnen hatte Burga im Herbst leckeren Brei gekocht, der in Schalen gefüllt wurde und bis zum Frühjahr in den Getreidebrei oder in schmackhaften, getrockneten Fruchtschnitten kamen.


    Muhma lief die Spucke um Mund zusammen. Angetrieben von dem kargen Frühstück, dem Durst und dem hungrig knurrenden Magen, ging sie ganz langsam auf die Frau zu.


    Sie erkannte nun, dass ihr Gesicht viel heller war, als die Gesichter, die sie kannte, und wunderte sich.

    Blieb stehen.

    Die Früchte zogen sie zwar an, aber die Furcht steckte ihr sehr in den Knochen, drei Armlängen blieb sie vor der in der Hocke Sitzenden stehen.


    Diese holte mit der anderen Hand ein riesiges, knittriges Sumpf-Pflanzen-Blatt aus ihrer Robe und legte dieses, indem sie sich weit vor beugte näher zum Kind. Darauf platzierte sie die Früchte und zog sich wieder zurück auf ihren Platz.


    Muhma zog die Stirn kraus, so ein Verhalten kannte sie nicht, oder doch?

    Die Erinnerung führte sie in Rosas Dorf, wo sie von Betje zur Begrüßung eine Frucht und Wasser bekommen hatte. Hier war aber die reine Wildnis und gerade war ein Schwein gejagt worden.

    Ihre Skepsis wurde von den Geräuschen aus ihrem Bauch übertönt und sie trat einen Schritt nach vorn, ging in die Hocke, dass sie jede Bewegung der Frau sehen konnte, und beugte sich vor zu dem Blatt am Boden.


    Schnell griff sie die Früchte und kehrte auf ihre Position rückwärts zurück.

    Immer die Frau beobachtend, aß sie langsam Bissen für Bissen von den Früchten, bis sie ihre Hände leer waren.

    Gleichzeitig stand die Frau auf und lächelte Muhma immer noch ins Gesicht.


    Das Kind war erstaunt, dass die Frau kaum größer war als sie selbst, oder war das der Zauber, der sie umgab, doch als die Frau ihre flache Hand auf ihre Brust legte und sprach:


    „Gundel!“ Mit so einer tiefen, rauen Stimme sagte, schaute sie noch erstaunter, neigte den Kopf etwas zu Seite, bis sie begriff, dass das der Name war, legte ihrerseits ihre Hand auf ihre Brust und versuchte auch, mit ganz tiefen Stimme zu sprechen: „Muhma!“


    Gundel strahlte, kam die paar kleine Schritte auf Muhma zu, nahm ihre Hände in Ihre und tanze lachend, fröhlich im Kreis herum, sobald das Kind begriff, dass ein neuer Abschnitt ihres Lebens begann, tanze sie diesen Reigen aus ganzem Herzen mit.


    Beide sangen in ihrer eigenen Sprache und lachten, bis sie sich in den Armen lagen.

    Gundel fragte von oben :“Muhma?“

    Das Kind schaute aufwärts in das milde, faltige Gesicht ihrer neuen Freundin und antwortete „ja!“


    Gundel löste sich aus der Umarmung, nahm Muhmas Hand in die ihre und mit der anderen Hand, zeigte auf einen Weg im Wald und sprach „komm, komm mit!“ Und winkte mit der Hand. Die Zeichen verstand das Kind, doch die Sprache klang lustig neu.


    Sie wiederholte „komm, komm mit?“ Und Gundel lachte wieder hell auf, freute sich wie ein Kind, dass Muhma so schnell begriff und sie machten sich auf den Weg zu Gundels Hütte.

    Daran wird jedermann/frau erkennen,

    Dass Ihr meine Jünger seid, wenn Ihr Liebe untereinander habt.

    Johannes 13.35


    Das könnte auch bei Buddha stehen.