Homöopathie bei Schwalbe

  • Hallo allerseits,


    ich bin im Moment etwas am Schwanken bei einer Mittelwahl.


    Vielleicht kann mir hier jemand Rat geben, der/die tiefer in der Homöopathie steckt, als ich.


    Ich habe dieses Jahr zwei junge Rauchschwalben, die bei mir wegen Gefiederschäden überwintern müssen, um ihre erste Mauser im Frühjahr abzuwarten. Eine der beiden hat aufgrund einer Microverletzung im Gaumen (Einschuss), die wir als Ursache für die Symptomatik allerdings erst nach einigen Tagen entdeckt haben, einen satten Abszess im Schnabel entwickelt.


    Die Anfangssymptomatik zeigte sich in Form heftiger Schnabelatmung mit Klickgeräuschen. Außerdem tränte das linke Auge leicht. Da gerade Schwalben zu den Wildvögeln gehören, die sehr empfindlich sind und bei derartiger Symptomatik sowohl Luftsackparasiten, als auch Pilz oder aber Infektionen zu Grunde liegen und ggf. sehr schnell zum Tod führen können, bin ich direkt zum TA.


    Dieser schloss Pilz fast völlig aus und hielt Parasiten für unwahrscheinlich, sondern einen bakteriellen Infekt für wahrscheinlich. Er riet zur Antibiose, worauf ich mich einließ, da ich mit diesen Krankheitsbildern bei Wildvögeln überhaupt keine Erfahrung habe.


    Es ging der Schwalbe bereits am nächsten Tag besser. Schnabelatmung wurde weniger, Klickgeräusche nahmen ab, lediglich das Auge sah etwas schlechter aus.


    Ach ja, parallel gab (und gebe ich immer noch) Pulmo/Vivianit von Wala oral.


    Am nächsten Tag verabreichte ich die 3. Antibiotikagabe (in ein Heimchen gespritzt). In der Sekunde, in der das Heimchen abgeschluckt war, "explodierte" quasi eine Schwellung am Gaumen - kirschkerngross - der Schnabel ging nicht mehr zu, die Schwalbe bekam Luftnot und Panik.


    Ich gab sofort Apis und die Schwellung kam fast sofort in Folge der Gabe zum Stillstand und baute sich innerhalb der nächsten 30 Minuten etwa um die Hälfte wieder ab.


    Da Apis so schnell wirkte, hielt ich es für eine Reaktion auf das Antibiotikum.


    Mein TA hielt das für unwahrscheinlich und riet davon ab, die ANtibiose abzubrechen. Für Schwalben gibt es kaum Antibiotika, die sie vertragen und wenn wir doch noch ein Antibiotikum in der Zukunft brauchen sollten, hätten wir dieses "verbrannt". Zu diesem Zeitpunkt konnten wir auf der Schwellung erstmals den kleinen roten Punkt (Einschuss) erkennen und wussten also nun genau, dass es ein Abszess ist.


    Die Antibiose habe ich also fortgeführt.


    Am nächsten Morgen gab ich der Schwalbe Belladonna in einer Potenz mit 2 Nullen. Ca innerhalb von 15 Minuten schwoll das Ei im Gaumen wieder an und gleichzeitig bildete sich unter dem AUge ebenfalls eine leichte Schwellung.


    Ca eine Stunde später war die Schwellung im Schnabel bis auf Gerstenkorngröße zurück gegangen und dafür in Erbsengröße unter dem Auge.


    Innerhalb eines Tages bildete sich diese zurück.


    Heute war die letzte Antibiotikagabe.


    Bis gestern hat es kontinuierlich Veränderungen in Richtung Besserung gegeben.
    Mittlerweile geht es der Schwalbe wieder gut. Sie fliegt viel, redet, frisst, badet, putzt sich etc.


    Das Auge ist wieder offen, tränt nicht mehr, sieht noch etwas "feuchter" aus, als das andere, keine Schwellung mehr (am Auge).


    Im Schnabel ist noch die etwa gerstenkorngroße Schwellung zu sehen, gelegentlich macht die Kleine "schmatzende" Geräusche und "kaut" quasi, die Schleimhäute sind nicht mehr gerötet.


    Es sieht für mich aus, als ob jetzt eine Art Stagnation mit dem Prozess eintritt und das Folgemittel fällig wird.


    Ich schwanke ein wenig zwischen zwei Mitteln, die ich jetzt aber noch nicht nennen möchte, um hier niemanden vorab zu beeinflussen. Woran würden die Homöopathen unter Euch bei dieser Geschichte so spontan denken?


    Vielen Dank schon mal
    Kirstin

    ...sage niemals nie, denn nichts ist unmöglich...

    Einmal editiert, zuletzt von Sunny ()

  • mmmh ich antworte weil Deine Geschichte
    und die der Schwalbe so eine schöne ist...!


    und Dein Einfühlungsvermögen/Empathie für die Vögel!


    spontan fiel mir als
    Nicht-fundierte-Homöopathin
    aber als "Anwendenede" bei mir
    und meinem Kind


    Augentrost - Euphrasia fürs Auge ein


    und Hepar Sulfuris
    für die "eitrigen Geschichten"
    die auch wandern....


    ein....


    jetzt kam noch Kalium bichromicum


    warum?


    zäsch wg Auge
    und dann noch wg dem 3. Auge....(zwinker)


    das aber alles nur so dahergeströmt... ausm Bauch...


    vll ist was dabei, aber Du wirst hier sicher noch fundiertere Äusserungen erhalten!


    liebst gegrüsst
    die Lichtfee

  • Liebe Lichtfee,


    :) vielen Dank für Deine Antwort :)



    Augentrost - Euphrasia fürs Auge ein


    ....ups.....das hätte ich wirklich mit erwähnen müssen :( Euphrasia-Augentropfen habe ich sofort gegeben beim allerersten Anzeichen von Problemen mit dem Auge. Die Tropfen gehören bei mir schon so zum Standard als "Erste Hilfe" bei Problemen rund ums Auge, dass ich gerne mal vergesse, sie zu erwähnen - sorry dafür...........

    und Hepar Sulfuris
    für die "eitrigen Geschichten"
    die auch wandern....

    jetzt kam noch Kalium bichromicum


    Hepar Sulfuris hatte ich auch "spontan im Kopf", nachdem ich mir aber das Mittel dann noch mal genau durchgelesen habe, kam ich zu dem Schluss, dass es nicht passt. Kalium Bichronicum hatte ich in dem Zusammenhang dann als Vergleichsmittel auch gleich nachgeschaut.
    Aber bei beiden habe ich, außer, dass sie eitrige Prozesse mit im Bild haben eigentlich weder im symptomatischen Geschehen, noch bei den Verhaltenssymptome irgendwelche hervorstechenden Übereinstimmungen gesehen, dafür aber viele Gegensätze.


    Wobei es mir besonders schwer fällt, weil ich eben bei einer Schwalbe hier kaum Symptome als solche ausmachen kann, da ich bei vielen Verhaltensweisen gar nicht weiss, ob sie "auffällig" sind. Über Schwalben habe ich diesbezüglich bisher keine einzige, belastbare Dokumentation gefunden und selbst habe ich keine Erfahrung mit erwachsenen Überwinterungsgästen, die derartige Problme entwickeln.


    Normalerweise habe ich es mit verletzten Wildtieren oder verwaisten Jungtieren zu tun - das sind ganz andere Erfahrungen, als die, die ich jetzt gerade sammel.


    Das gepaart mit der Tatsache, dass ich kein Homöopath bin (mein Schwerpunkt liegt mehr in den Bereichen Gemmo-, Oligo und Lithotherapie sowie Phytotherapie) macht es nicht gerade leichter.


    Gemmotherapeutisch hätte ich Alnus Glutinose und Ribes Nigrum gegeben - aber da es sich da um Mazerate handelt und Vögel allgemein Alkohol nicht vertragen, Schwalben vermutlich noch empfindlicher, als die meisten Vögel reagieren werden, fallen diese Therapiearten für mich weg.

    das aber alles nur so dahergeströmt... ausm Bauch...


    :) danke dafür :) genau das war meine Intention, als ich diesen Beitrag schrieb. Ich suche einfach Anregungen, in welche Richtung ich noch schauen kann, da ich bisher kein einziges Mittel gefunden habe, wo "mein Bauch" praktisch spontan sagt "ja! DAS ist es" (wie bei dem Belladonna - da war das so).


    Dass mir hier niemand per Ferndiagnose das passende Mittel empfehlen kann, ist mir natürlich klar.


    Also vielen lieben Dank schon mal, dass Du mir Deine spontanen Gedanken zur Frage mitgeteilt hast :)


    Liebe Grüße
    Kirstin

    ...sage niemals nie, denn nichts ist unmöglich...

    Einmal editiert, zuletzt von Sunny ()

  • Hi Sunny-


    ja die Gemüts-zu-stände
    der Schwalbe wären natürlich
    schon wichtig zu wissen...


    weiss hier an Board einige erfahrene HomöopathInnen....
    heisst vielleicht rührt sich auch noch Schwertfee oder
    Panther-Adler hierzu....


    die wissen da mehr...


    an Schnalzer an deine Schwalbe....


    ;)

  • Hallo allerseits,


    vielen Dank noch mal Lichtfee, dass Du Dir mit Gedanken gemacht hast :)


    Ich wollte mal kurz berichten, denn das ist wirklich absolut faszinierend gewesen:
    Also, Winnie hatte ja besagte Problematik.


    Die Schwellung im Gaumen blieb in ca Weizenkorngröße bestehen, schien aber inaktiv zu sein.
    Die Schleimhäute waren normal, keine Rötungen mehr.


    Nach wie vor hatte Winnie heftigste Schnabelatmung mit lauten, rythmischen Klickgeräuschen
    und der gesamte Körper atmete mit.


    Ungewöhnlich daran war, dass sie absolut keine Einschränkungen im Flug- und Fressverhalten zeigte und
    die Problematik in Ruhe eher auftrat, als während oder direkt nach ANstrengung. Außerdem Abends heftiger als Morgens.


    Mein Tierarzt konnte keine Pilzerkrankung der Atemwege feststellen und auch Parasiten waren nicht nachweisbar.
    Für ihn sprachen die Symptome aber eben auch nicht eindeutig für Parasiten.


    Teile der Symptome hätten zu Luftsackmilben gepasst, andere Teile aber eben nicht.
    Luftsackmilben lassen sich zudem nicht in jedem Fall zuverlässig beim lebenden Vogel nachweisen.


    Im Prinzip waren wir beide nach wie vor ratlos und Verdachtstherapien bei Schwalben ist wie russisches Roulett.


    Also verblieben wir so, dass ich beobachte und solange Winnie so gut drauf ist und im sonstigen Verhalten unauffällig,
    dass wir nichts machen.


    Sonderlich beruhigt hat mich das alles nicht und ihre Klickgeräusche den ganzen Tag im Ohr haben mich vor Sorge schon etwas "wahnsinnig" werden lassen.


    Homöopathisch habe ich letztendlich nichts mehr gemacht. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Repertorisieren befasst - aber irgendwie hatte ich bei keinem Mittel so dieses "JA, DAS ist es!!!!" (so ging es mir bei dem Belladonna) und so war es mir zu riskant.


    Dienstag war Winnies Schnabelatmung und Geräuschkulisse so heftig (dabei war sie total fröhlich und aktiv drauf), dass ich ANgst um ihr Leben bekam. Dann kam mir der Gedanke, dass ja auch Schwalben vermutlich instinktiv die "Medizin" zu sich nehmen, die sie brauchen. Das machen ja alle anderen Lebewesen auch, wenn sie Zugang zu den richtigen Pflanzen haben.


    Meinem Pferd und meinem Hund biete ich immer alles mögliche einfach an und sie nehmen sich, was sie brauchen, wenn sie was haben. Bei einer Schwalbe bin ich gar nicht auf die Idee gekommen - immerhin sind sie zu 100% Insektenfresser und gehen gar nicht an pflanzliche Nahrung.


    Andererseits: auch Schwalben in der Natur werden mal krank und werden sich mit irgendetwas helfen......


    Ich bin also raus und habe gesammelt: Zweige mit Blättern und teilw. Samenständen bzw Früchten von Weissdorn, Vogelkirsche, Weide, Birke, Sanddorn und Blätter von den Brombeeren. Außerdem (weil sie hier noch bzw. besser wieder blühen) Schafgabe, Löwenzahn mit Blatt und Blüte sowie Beifuss (Samenstände) und Wermut (Blatt und Blüte, teilw. Samenstand).


    Winnie hat sich alles angeschaut und dann zunächst recht lange und intensiv auf einem Sanddornblatt geknabbert (nicht die Früchte, nur das Blatt) und anschließend hat sie sich begeistert über die Samen des Beifuss gelegentlich abgewechselt mit den Blüten des Wermut hergemacht! Alles andere war uninteressant.


    Dabei hat sie nichts davon gefressen, sondern lediglich drauf gekaut - also quasi Presssaftkur ;)


    Was ich dann am nächsten Morgen erlebte, konnte ich gar nicht glauben: Winnie hatte absolut NULL Schnabelatmung, keine Geräusche, keine Körperatmung - alles war, als wäre es niemals da gewesen - auch die Restschwellung im Schnabel ist verschwunden.


    Und das ist bis heute so geblieben - ihr geht es blendend.


    Aufgrund der Pflanzenauswahl, die sie getroffen hat, würde ich auf eine Mischinfektion tippen.
    Nach wie vor denke ich, dass Parasiten beteiligt waren - das würde die Begeisterung für den Wermut erklären.
    Was mich allerdings besonders überraschte ist, dass sie an die SanddornBLÄTTER geht. Die wirken antimikrobiell
    und können Bakterien, Viren, p.Hefen und Pilze im Wachstum einschränken oder sogar komplett inaktivieren.


    Was immer es war, was Winnie hatte - ich glaube, sie hat die perfekte Auswahl getroffen, um das los zu werden :)


    LG
    Sunny

    ...sage niemals nie, denn nichts ist unmöglich...

  • Ich hab das von Anfang an verfolgt - hab null Check von Homöopathie, drum nichts geschrieben, doch hat mich das sehr bewegt, und jetzt hab ich grad Gänsehaut und feuchte Augen. Bin froh, dass du weitererzählt hast, wie es der Schwalbe geht, und ich bin glücklich, dass es ihr gut geht!
    Und wie toll du das gemacht hast! Du, und die Natur und die Schwalbe.


    :heart: Danke!

  • liebe sunny,


    was für eine tolle intuition von dir ...und der schwalbe !
    es ist inspirierend zu lesen, mit wieviel geduld und besonnenheit du den richtigen weg gefunden hast !
    vielen dank für's erzählen :heart: , toshka


    * i believe there's a magic .... *