Heilige Clowns

  • [sbox=blau]@wirbelwind
    Ausgekoppelt aus den Gedankenfunken, da es dort offtopic ist.
    :winke: Ilaya
    [/sbox]


    Heilige Clowns


    Gestern wieder in einer Satireshow Trump-Gags gesehen und ich denk wieder mal, wow, hat jemals die Welt über einen anderen Politiker mehr gelacht ?
    Ich hab mich echt nie über ihn geärgert weil ich ihn eigentlich nie ernst nehmen konnte.
    Also warum nicht und warum auch nicht die absurden Parolen mancher deutscher Politiker ?


    Weil ich in all diesen extremen Figuren den Till Eulenspiegel und die Hofnarren wiedererkenne.
    Die heiligen Clowns sind ein Konzept, welches sich über die Jahrhunderte durch alle Kulturen gezogen hat.


    Sie sind der verzerrte Vergrösserungsspiegel der Missstände einer jeweiligen Zeit.
    Sie sind das notwendige Ventil am Hochdruckkessel.


    Also lasst uns in diesen Spiegel schauen und erkennen was hinter der verzerrten Maske ist.
    Lasst uns den Druck rausnehmen aus der Situation.


    Nein, es ist nicht unsere Aufgabe sie mit Tomaten zu bewerfen, es ist unsere Aufgabe zu erkennen dass auch diese Menschen einen Sinn zu erfüllen und eine Verantwortung haben.
    Wenn sie doch nur wüssten dass sie heilige Clowns sind.
    Jetzt sind sie doch nur traurige Figuren mit einem übergrossen Ego, die ihre eigenen Possen zu ernst und für bare Münze nehmen.


    Mit Tomaten kann man auch einfach Ketchup machen.


    Guten Appetit.

  • Clowns oder notorische Lügner sind nicht geeignet zum überbringen ernster Nachrichten ...
    warum, weil sie nicht ernstgenommen werden und das kann gefährlich sein.

    ~~~> "pure awareness" <~~~

  • Liebe ate


    Wenn du magst kann man das in einen eigenen Diskussionsthread auslagern, da das doch etwas komplexer ist.
    Ich mag eigentlich die politischen Diskussionen nicht so sehr weil sich die Gemüter so leicht erhitzen, aber es macht einen schon oft betroffen und es ist nicht immer möglich sich gut genug dagegen abzuschotten.


    Liebe Grüsse

  • Ganz deiner Meinung, ich diskutiere in Foren nicht über Politik.
    Ein Schalk, wer unsere beiden Beiträge im Zusammenhang sieht.


    Grüßle ate :winke:

    ~~~> "pure awareness" <~~~

  • Das ist einer der besten Zusammenfassungen über heilige Narren, die ich je gelesen oder gehört habe, also Danke dafür.


    Zur gleichen Zeit wird dieser Archetyp ein bischen zu sehr glorifiziert.
    Es klingt so wie ein "Job" den jeder gerne machen würde, super lustig, sich über alle Regeln und Tabus hinweg setzen.


    Die Realität davon ist weniger lustig.
    Die Weisheit, die er weitergeben kann, die wird oft durch sehr schwierige Lebensumstände erworben.
    Die innere Stärke muss hart erkämpft werden.
    Sich zu befreien von allen gesellschaftlichen Fallstricken geht auch nicht grad von selbst.


    Ist es ein Privileg, ist es ein Fluch ?
    Immer auch beides.
    Denn wenn dem König die Narrenposse nicht gefällt, dann wird der Narr nicht nur sprichwörtlich einen Kopf kleiner gemacht.
    Wer die grad vorherrschende Macht unbedingt in Frage stellen will, bekommt diese auch ständig zu spüren und nicht nur manchmal.


    Im Grunde genommen hat jeder spirituelle Weg oder Initiationsweg in erster Linie mit Pflichten, Verantwortung, Disziplin und lebenslangem Lernen zu tun.
    Das Beispiel des Heyoka scheint mir das Interessanteste und auch Vielfältigste zu sein und doch gibt es auch hier viele Fehlannahmen.
    Schauen wir uns berühmte Heyoka wie Sitting Bull, Crazy Horse oder Black Elk mal genauer an, dann bestand deren Rolle ganz sicher nicht darin mitten im Winter nackt durch die Gegend zu tanzen, diese einfachen Erklärungsversuche sind absolut lächerlich.


    Und noch weniger ist das gegensätzliche Verhalten freiwillig zu nennen. Also wer nun tatsächlich durch die Geister dazu gezwungen wurde oder beeinflusst wurde, der hat eben gerade nicht die Wahl gehabt. Es ist schwierig zu erklären wie genau das funktioniert.
    Wer tatsächlich ein echter Heyoka war, der hat das innerlich verkörpert oder von Natur aus schon die Anlagen dazu in sich getragen, es ist niemals einfach so eine eigene Entscheidung gewesen, viele Umstände spielen mit.
    Viele fühlen sich heute gerne berufen irgendwas zu sein, echte Berufung ist ein knochenharter Job mit vielen Niederlagen, kein einfacher Karrierepfad.



    Und nur weil dieser Archetyp Clown genannt wird, bedeutet das noch lange nicht dass er tatsächlich in erster Linie künstlerisch auf einer Bühne steht, Satiriker ist oder Krankenhausclown, das ist wahrscheinlich noch der einfache Weg, der am meisten akzeptierte Weg.


    Viele Pioniere, die wirkliche Neuerungen in diese Welt gebracht haben oder auch gesellschaftliche Veränderer sind heilige Clowns.
    Es können also genauso gut Politiker, wie Lehrer, Journalisten, Umweltschützer, Therapeuten oder jedes andere Berufsfeld sein, sie werden überall benötigt.


    Für mich persönlich hat dieser Archeteyp eine sehr kathartische oder transformierende Funktion ohne unbedingt lustig sein zu wollen oder überhaupt etwas sein zu wollen, man könnte ihn auch als einen Katalysator bezeichen.
    Er tut aber das was jetzt grad gebraucht wird, in jeder Situation wieder flexibel feststellbar, er tut auf gar keinen Fall einfach nur das was er will.


    :spiegel1::kitzeln:

  • :D:D:D
    Guten Morgen,

    Zur gleichen Zeit wird dieser Archetyp ein bischen zu sehr glorifiziert.
    Es klingt so wie ein "Job" den jeder gerne machen würde, super lustig, sich über alle Regeln und Tabus hinweg setzen.
    Die Realität davon ist weniger lustig.
    Die Weisheit, die er weitergeben kann, die wird oft durch sehr schwierige Lebensumstände erworben.
    Die innere Stärke muss hart erkämpft werden.

    Wo bitte wird in dem Beitrag oder im dazu gehörigen Podcast auch nur angedeutet, das dies eine leichte Sache wäre, die jeder gern machen würde? Ich höre da eher genau das Gegenteil heraus.
    Sitting Bull - war meines Wissens nach ein Häuptling der Hunkpapa und Medizinmann .... das er ein Heyoka im Sinne der Lakota war, ist mir neu. Doch da gibt´s Leute, die in dieser Richtung kompetenter sind als ich...
    :winke:

    If Nothing goes right,
    Square Up!
    and
    Circle left!

  • Sitting Bull - war meines Wissens nach ein Häuptling der Hunkpapa und Medizinmann .... das er ein Heyoka im Sinne der Lakota war, ist mir neu. Doch da gibt´s Leute, die in dieser Richtung kompetenter sind als ich...

    Ja, war er, lässt sich ganz einfach ergoogeln, hab das auch in Büchern gelesen.



    Wo bitte wird in dem Beitrag oder im dazu gehörigen Podcast auch nur angedeutet, das dies eine leichte Sache wäre, die jeder gern machen würde? Ich höre da eher genau das Gegenteil heraus.

    Nein, ich wollte damit nicht den Beitrag kritisieren, der ist sehr gut zusammengestellt, kann in der Kürze natürlich nicht vollständig sein.
    Kaum jemand kennt sich mit dem Konzept des heiligen Clowns aus, sind wahrscheinlich schon mit dieser halben Stunde überfordert.
    Ich meine wenn man das so hört, dann klingt das vielleicht spannend, es ist logisch genug dargestellt um verständlicb zu sein.


    Im realen Leben wird niemand sich so vorstellen wie hallo, ich bin ein heiliger Clown, deshalb ist das und das was ich tue gerechtfertigt, egal wie schräg das grad rüber kommt.
    Heilige Clowns wissen oft nicht mal dass sie welche sind und ihr Umfeld noch weniger, deshalb bekommen sie für ihre Mühe auch nicht unbedingt Dankbarkeit, die sie aus "höherer Sicht" vielleicht verdienen.


    Ich kannte mal jemanden, der vom Staat in den Freitod getrieben wurde. Die geistige Welt trat Monate vorher an mich heran damit er Unterstützung bekommt und ich habe absolut alles getan was in meiner Macht stand.
    Der Durchschnittsbürger sagt sich: Ist doch nicht mein Problem was gegen Misstände zu tun, wer Ärger hat, der hat den bestimmt verdient.
    Aber ich wusste wenn ich nichts tue und der Mann stirbt, dann wird das schwierig für mich sein keine Schuldgefühle zu haben.
    Also ja ich hatte die Wahl zwischen zwei schwierig lebbaren Situationen und ich bin froh dass ich alles gegeben habe.
    Die Umstände sprechen nun mal oft dagegen den gewünschten Erfolg zu haben, man erlebt sehr schwierige Situationen, Schock, Unverständnis über die Grausamkeit der Menschen, Traurigkeit, Wut, Ohnmacht.
    Warum man hilft ?
    Man weiss ja nie ob man nicht selber mal Hilfe braucht, wenn jeder sein Stück Verantwortung trägt, dann geht das schon.
    Dafür nochh beschimpft zu werden muss nicht sein.
    Oder irgendwer in einem Forum will einem einreden man hätte ein Helfersyndrom oder irgendwelche Egogründe.


    Wer in regelmässigem Kontakt mit der geistigen Welt ist und von ihnen Unterstützung erhält ist auch verpflichtet etwas dafür zu tun.
    Ein Geben und Nehmen.
    Das bedeutet nicht automatisch Marionette irgendwelcher Mächte zu sein, wie mir ständig irgendwer einreden will, man kann natürlich auch ablehnen aber die Konsequenzen der Ablehnung sind nicht immer so dass man gut schlafen oder in den Spiegel schauen kann.



    Ein weiteres Beispiel, was ich hier auch schon ein paar Leuten über PN erzählt habe, das waren die Gesundheitswarnungen für mehrere Menschen. Wenn es einem selber nicht passiert, dann kann man schnell sagen, das darf man nicht tun, das ist übergriffig.
    Aber wenn man vor der Situation steht vielleicht das Leben von nicht nur einer Person, sondern sogar mehreren Personen auf dem Gewissen zu haben, dann ist das sehr schwierig.
    Die erste Person, für die ich diese Art von Warnung bekam ist inzwischen an einer tödlichen Krankheit verstorben.
    Die Frage, die sich letztendlich gestellt hat war weniger ob ich tatsächlich etwas für sie tun kann, sondern egal welche Entscheidung ich treffe ob ich es aus den richtigen Gründen tun kann.
    Was nützt denn die sichere Meinung der Mehrheit, wenn man bei einer Fehlentscheidung die innere Qual nicht mehr los wird ?


    Das ist das reale Leben und nicht Moralvorstellungen, die im Elfenbeinturm ausgearbeitet werden.

  • Zur gleichen Zeit wird dieser Archetyp ein bischen zu sehr glorifiziert.
    Es klingt so wie ein "Job" den jeder gerne machen würde, super lustig, sich über alle Regeln und Tabus hinweg setzen.

    Wer austeilt muss auch einstecken können. Wer wirklich ein heiliger Clown ist weiß das - und beschwert sich nicht über die Prügel, die er einsteckt. Er leckt seine Wunden, steht wieder auf und fährt mit seinen Teachings fort. Die meisten selbsternannten heiligen Clowns, die ich so erlebe, haben allerdings nur die Fähigkeit des Austeilens. Müssen sie einstecken, fangen sie bitterlichst an zu barmen und beklagen die Ungerechtigkeit der Welt..... Ein wahrer Narr tut das nicht.



    Bei vielen Stämmen gibt es heilige Narren, welche man aber nochmals unterteilen muss. Zum einen gibt es die heiligen Clowns, welche nur zu Zeremonien wirken, ansonsten aber ein normales Leben führen. Weiterhin gab es den Krieger-Heyoka. Das war der, der allein angriff, wenn sich die anderen zurückzogen....und der sich zurückzog, wenn die anderen losstürmten. Man sagt, Krieger-Heyokas wären unbewaffnet und rückwärts auf ihrem Pferd sitzend gegen den Feind geritten. Die bekannteste Form des Heyokas verkörpern aber wohl die, welche prinzipiell und jederzeit entgegen jeglicher sonstigen Gepflogenheiten leben. In dieser absoluten Konsequenz gibt es das weltweit nur bei den Stämmen der Great Plains. Dort allerdings bei mehreren Völkern. Heyoka heißen die nur bei den Lakota.


    Folgendes ist ein bissel zu pauschal, aber der Einfachheit halber und dem topic zuliebe schreib ich's jetzt so....
    Ein wicasa wakan ist bei den Lakota das, was wir hier im allgemeinen als Medizinmann bezeichnen und meint einen weisen, einen heiligen Mann. Bevor ein indianischer Heiler von seinen Leuten als wicasa wakan bezeichnet wird, hat er auf traditionellem Wege oft verschiedene Stufen durchlaufen, welche alle mehrere Jahre dauern. Eine Stufe zum wicasa wakan ist der Heyoka, eine andere der Peyuta, (der die Pflanzen und ihre Heilkräfte kennt), eine weitere wäre der Yuwipi, (der die Dinge im Verborgenen kennt) oder ein Wayatan (der sich mit Träumen und Visionen auskennt)..... Insgesamt sind (mindestens) 7 solche Stufen zu leben, bevor einen die eigenen Leute wicasa wakan nennen. Ein wicasa wakan kennt und beherrscht all diese Stufen, doch es findet meist eine Spezialisierung statt. Die wenigsten wicasa wakan leben permanent als Heyoka - können einen aber jederzeit mit Heyoka-Medizin überraschen.


    Durch Nacktheit im Winter und das dicke Bärenfell im Sommer, durch Waschen mit Staub und Abtrockenen mit Wasser, durch das Jammern über den vollen Bauch während einer Hungersnot usw. zeigt sich das Wesen des Heyokas in aller Konsequenz. Heyokas stehen oft außerhalb der Gesellschaft. Ihre Anerkennung als heilige Clowns müssen sie sich lang und hart erarbeiten. Trotzdem bleiben gerade Heyokas naturgemäß immer etwas suspekt....


    Heyokas brüsten sich mit unmoralischem Verhalten, spielen mit Angst und Scham der Menschen, werden so zum Spiegel der Schwächen ihrer Gemeinschaft und somit zum Lehrer. Sie sorgen für Lacher in traurigen oder auswegslos erscheinenden Situationen und werden so zu Heilern emotionaler Verletzungen. Sie führen eitle oder machtbesessene Chiefs vor und stellen ihre Autorität in Frage. Sie brechen während heiliger Zeremonioen jedes Tabu und hinterfragen festgeschriebene spirituelle Regeln.


    Ohne die Berufung durch die Donnergeister des Westens wird keiner zum Heyoka. Heyokas haben eine sehr mächtige Verbindung zu den Thunderbird-Spirits, den Wakinyan. Von diesen empfangen sie ihre Visionen. Und wie ein mächtiger Gewittersturm verbreitet der Auftritt eines Heyokas heilloses Chaos und Durcheinander.....und lehrt somit jedem in der Gemeinschaft, wie wichtig die ethisch-moralischen Grundregeln der Gemeinschaft sind. Der Heyoka versucht also nicht, die Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass es "irgendwie anders" oder nach seinen Regeln besser wäre, sondern festigt mit seinem Verhalten die bestehenden Strukturen und Regeln im Stamm. Er erhält die Balance bzw. er stellt das Gleichgewicht im Stamm wieder her, wenn es gestört ist. Und genau DAS ist die eigentliche Aufgabe eines Heyokas.


    Sitting Bull - war meines Wissens nach ein Häuptling der Hunkpapa und Medizinmann .... das er ein Heyoka im Sinne der Lakota war, ist mir neu. Doch da gibt´s Leute, die in dieser Richtung kompetenter sind als ich...

    Da Sitting Bull ein von seinen Leuten anerkannter "Mediziner" war, wird er auch Heyoka gewesen sein.....denn sonst wäre er wohl nicht ein von seinen Leuten anerkannter wicasa wakan geworden. Tatanka Yotanka war ein spiritueller Krieger und den Geschichten nach ein kämpfender Heyoka.


    Wer Heyokas drüben in den Reservationen bei Zeremonien erlebt, kann lernen, dass es manchmal besser ist, wenn sie weit weg sind. Ich habe von Heyokas vieles gesehen, was mich tief im Herzen berührt hat und ich hab auch schon das eine oder andere Mal herzhaft wegen ihnen oder mit ihnen gelacht. Doch dann, im vergangenem Jahr, hab ich auch so einiges miterlebt, was ich mir gern erspart hätte. Die Jungs können richtig hammerhart. Aber das ist ne andere Story, nichts für zartbesaitete Gemüter und ganz sicher nichts für dieses Forum. Allerdings wünschte ich mir, dass all die sich selbst als Heyoka bezeichnenden Spinner, die mir hierzulande so über den Weg laufen, diese Erfahrungen mal machen würden. Aber Vorsicht! Tut richtig weh und könnte heilsam sein.


    :cowboy:

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