Angst in Mut wandeln

  • Licht und Schatten begegnen
    ob psychologisch oder esoterisch


    vor Jahren sah ich dieses Video, das Mut machen kann,
    seiner eigenen Angst entgegen zu gehen:



    Angst kann lähmen,


    aber wenn sie nur ein kleiner Hund auf Deiner Schulter ist ... ???
    ... der pienst und winselt und kläfft, so dass es durch Dich durch geht ... ???


    Dann könntest Du diesen vlt auch von der Schulter herunter nehmen und trösten,
    wie Du das mit einem ängslichen Kind tun würdest.


    Was wäre noch möglich?

    ... alles hat seine Zeit ...

  • Liebe Kerstin,


    Was wäre noch möglich?

    Behutsamkeit.


    Egal, ob die Angst ein kleiner Winselhund auf deiner Schulter ist oder ein dickes Monster, das dir im Nacken sitzt.


    Behutsamkeit ist die Kraft, die dich in so kleinen Schritten wie nötig dennoch vorwärts gehen lässt. Voraussetzung ist natürlich deine absolute Bereitschaft, vielleicht, weil der Leidensdruck mittlerweile zu hoch ist, oder weil dein Leben so eng und vielleicht auch langweilig geworden ist.


    Ein Beispiel von mir mit einer dicken Monsterangst:
    Ich hatte mit 18 einen Autounfall, bei dem ich 'ne Vollbremsung machen musste, mir aber dennoch ein weiteres Auto von hinten draufbretterte. Ich hatte diese Verlangsamung im Zeitempfinden, wenn du in diesen Millisekunden eine halbe Ewigkeit denkst "Bitte nicht". Auto total Schrott, meine Freundin und ich kamen mit Gehirnerschütterung davon.


    Ich bin dann zwar noch mal ein zwei Mal gefahren, weil man ja nach nem Sturz vom Pferd auch gleich wieder rauf soll. Hat aber nichts genützt, denn in den Gliedern saß die Angst, der Schreck, und ließ mich zittern und unsicher fahren. Ich bin dann nicht mehr gefahren, und es war auch nicht nötig, da ich in den Folgejahren in der Stadt lebte und alles mit Rad oder Öffentlichen erreichbar war.


    Nach ca. 10 Jahren ohne selber Autofahren wollte ich so langsam wieder. Aber jedesmal, wenn ich die Gelegenheit hatte, hab ich lieber gekniffen. Nur beim Gedanken daran wurde ich schon fahrig. Ich hab mich ein oder zweimal kurz hinters Lenkrad getraut, bin aber nach einer Minute Tunnelblickfahrerei schnell wieder auf den Beifahrersitz.
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    Wieder ein paar Jahre später: Wir ziehen aufs Land. Ich hab nicht mehr ein, sondern 3 Kinder. Bin erschöpft von den weiten Wegen, zu Fuß, mit Kinderwagen, mit Rad und Kind hinten drauf. Endlich packt's mich und mein Freund unterstützt das. Ich nehme, da ich meine Panik kenne, erst mal eine Fahrstunde, die sehr kurios ist: Der Fahrlehrer, dem ich von meinem Erlebnis erzähle, lässt mich fahren, eine abgelegene Strecke, und nur im ersten Gang! Mein Ego war ziemlich empört, meine Panik ließ mich aber immer wieder fahrig werden und der Fahrlehrer hielt mich weiterhin an zu Langsamkeit und Behutsamkeit. Alles Schritt für Schritt, noch mal neu, totale Zeitlupe. Am Ende der Stunde musste ich dann aber ganz normal schon durch enge Großstadtstraßen durch, wobei ich wieder nen Tunnelblick hatte.


    Aber die Erfahrung zeigte: Ok, mach wirklich wirklich langsam. Dann fuhr ich mit unserem Auto, abgelegene Straßen, ohne Berufsverkehr. Ich war jedesmal kladdernass, aber glücklich danach. So ging das über ein Jahr. Dann holten wir den Zweitwagen und es wurde Ernst: Das erste Mal hier in der Kleinstadt. Das erste Mal Land- und Bundesstraßen. Das erste Mal alleine fahren. Und so weiter. Bei jedem schritt hatte ich Angst, aber sie war nun kein Hindernis mehr.


    Ich hab viel gelernt: Die vielen Schritte über einen langen Zeitraum, von Angst begleitet, weil ja eine reale Angst dahinter stand, die ja auch nützlich war, weil sie mich, mein Leben beschützen wollte. Die mich dann aber einengte. Dem Stress der Angst in Minischritten begegnen. Wenn ich heute an die Anfänge zurückdenke, glaub ich, dass es in nochmal kleineren, dafür regelmäßigeren Happen noch besser gewesen wäre. Z.B. das erste Mal nur hinterm Lenkrad sitzen. Nichts dort tun, nicht fahren. Das nächste Mal vielleicht nur zünden, nichts weiter tun, nur dem Motor lauschen und das Lenkrad festhalten.


    Aber dennoch, ich hab's geschafft, und habe sogar wieder Freude daran! Ich habe eine neue Freiheit gewonnen, ich habe eine Herausforderung bewältigt, die mir weit über 15 Jahre zu groß war.


    Wichtig ist: Du musst total bereit sein. Und dann die kleinen Schritte, die nicht minder wert sind, sondern vielleicht sogar mehr. Weil, wenn sie zu groß sind, ist der Stress zu groß, du machst Fehler, oder traust dich eben nicht.


    Liebe Grüße
    Birkenfrau

    Einmal editiert, zuletzt von Birkenfrau ()

  • @kerstin die Küken sind ja zum fressen - und das meine ich NICHT wörtlich! ;)


    Tolles Video. Habe mir das Buch 'Die Wolfsfrau' von Clarissa Pinkola-Estes gerade geholt (Empfehlung aus dem anderen Thread) - passt!


    Was wäre noch möglich?


    Im Sportstudium bei der Vorbereitung auf die Turnprüfung habe ich einen Kasten beim sog. Diebsprung (Füße voraus, dann erst stützen) umgeworfen und bin mit dem Rücken auf der Kante des untersten feststehenden Kastenteils aufgeknallt. 2. LW gebrochen, bei der geringsten Bewegung Nerven zwischen abgebrochenen Wirbelteilen immer wieder eingeklemmt. Schmerzen, bei denen ich in der darauffolgenden Zeit nur noch meinen Schrei gehört habe und dann kurz bewusstlos wurde.


    Als ich viele Monate später die Prüfung nachholen wollte, ging nichts mehr. Schweißausbruch, wenn ich am Ende des Schwebebalkens auf 10 cm Holz stand und einen Kopfüberabgang machen sollte. Habe es mit ein paar Semestern Theorie versucht, um dann wieder an die Praxis zu gehen, musste letztenendes aber aufgeben. Es war schon der zweite Unfall dieser Art. Beim ersten saß ich nach einem Reitunfall einige Zeit im Rollstuhl.


    Das hat mich über Umwege zu dem gebracht, was ich jetzt mache (Yoga, Shiatsu und Kinesiologie) und dafür bin ich dankbar. Auch wenn es erstmal aufgeben und Kursänderung bedeutet hat, was mir nicht leicht gefallen ist.


    Birkenfraus behutsame kleine Schritte sind für mich auch eine gute Lernaufgabe gewesen. Ist nämlich gar nicht so mein Ding. Lieber alles sofort, auf einmal und bitte ohne Umwege!
    Bis ich endlich mal soweit war, dass ich im Wald zum ersten Mal wieder auf einem Sperrgitter mich abgestützt habe und drüber gehopst bin, hat es fast 20 Jahre gedauert.


    Die Angst kann hemmen, das zu tun, was trotzdem getan werden soll. Da hilft der Wolf.


    Die Angst kann aber auch zwingen, es anders zu tun, als man gedacht hat, es sollte so sein. Da hilft die Einsicht: nimm es an, wie es ist und suche neue Wege.


    Die Angst kann auch die Ungeduld in sanfte, rücksichtsvolle Beharrlichkeit verwandeln und die Achtung vor den kleinen Erfolgen stärken.


    Die Angst kann helfen, sich selbst immer wieder zu prüfen. Nichts von vornherein auszuschließen. Sich immer wieder unbequeme Fragen zu stellen. Was sollte ich tun, lassen, annehmen - und wie unterscheide ich das.


    Liebe Grüße
    Erdherz :heart: