Der grüne Raum

  • Seit dem Wochenende habe ich einen Traum im Schlepptau, der mich noch beschäftigt. Ich war irgendwie nicht sicher, ob ich den hier reinstellen soll, keine Ahnung warum - werde es eventuell ja sehen...


    Ein Erlebnispark mit vielen Attraktionen, aber irgendwie alles geordnet. Eltern sind mit ihrem ca. 5 jährigen Sohn dort. Zunächst nehme ich aus Elternperspektive wahr: der Junge ist weggelaufen und wird von seinen Eltern besorgt gesucht. Mein Traum-Ich hat allerdings den Wissensvorsprung, dass das Kind sich nicht mehr im Park aufhält, sondern sich in der verwilderten Grünzone versteckt, die den Park umringt...


    Perspektivenwechsel: jetzt bin ich der Junge, der sich in diesem Grünstreifen (paradoxerweise?) in einem penibel angelegten Pflanzenlabyrinth versteckt. Ich weiß, meine Verfolger sind nah und egal, in welche Richtung ich los laufe, ich werde jetzt gleich aufgegriffen...


    Jetzt sehe ich den Jungen eingesperrt in einem Keller. Kein Verlies, eher hell und öde wie eine kühle Einliegerwohnung in einem Neubau. Er fühlt sich dort nicht wohl...


    Wieder Perspektivenwechsel: Ich bin ein etwa gleichaltriges Mädchen und weiß, dass der Junge Hilfe braucht. Zunächst sammele ich ein paar Erdbeeren für ihn und stecke sie in eine Jacken- oder Hosentasche, obwohl mir klar ist dass das nicht so optimal ist. Dann finde ich das Haus, weiß, dass es verboten ist, den Jungen zu besuchen und schleiche mich heimlich zu ihm.


    Dann fehlt mir ein Stück Traumerinnerung. Er konnte auf jeden Fall fliehen. Wahrscheinlich war mein Mädchen-Ich, dass ich bis zum Traumende beibehalte, daran beteiligt.


    Ich bin in einem grünen Raum, dessen Wände aus Bäumen und Blättern sind. Der Blick zum Himmel ist offen und es fließt Licht von oben hinein. Dieser Raum liegt irgendwie etwas erhöht. Der Junge flüchtet sich dorthin. Es scheint eine ungewohnte Umgebung für ihn zu sein. Er kompensiert seine Unsicherheit, benimmt sich wie ein kleiner Professor und möchte von dem Mädchen gesiezt werden! Es/ich entgegnet ganz gelassen mit Blick etwas nach oben zu dem einströmenden Licht, dass es "hier" Regeln und Absprachen gibt, die das Sie nicht vorsehen. Keine Widerrede mehr.


    Dann erscheinen die Eltern, wollen den Jungen abholen. Sie stehen etwas niedriger auf einem Weg und können nicht in den grünen Raum. Der Junge ist dort geschützt und die Eltern werden von Wächtern weggeführt. Ich habe noch dumpf eine Botschaft in Erinnerung, dass der Junge durch die Liebe (zu dem Mädchen?) geschützt ist.



    Nach dem Aufwachen fiel mir auf, dass das Mädchen mit seinem blonden Pferdeschwanz genau aussah wie ich auf einem Foto, das in unserem Wohnzimmer hängt. Außerdem kam mir einiges zu den Perspektivenwechseln. Ich BIN alle diese Personen: die Eltern, die alles in geordnetem Rahmen haben wollen, der Junge, der dem entflieht und das Mädchen, dass mit offensichtlich heilkundigem Wissen ausgestattet ist und Ebenen wechseln kann, sowie - trotz des jugendlichen Alters - unterscheidet, versorgt und Führung übernimmt. Eigentlich ein ermutigender Traum. Durch die Perspektivenwechsel gab es auch nur Wahrnehmen der unterschiedlichen Akteure, Verständnis für deren Sicht und deren Ängste und kein Urteilen. Und doch gibt es klare Trennlinien und einen Raum, in dem anscheinend Liebe die höchste und heilsamste Maxime ist und in den manche eintreten können, andere (noch) nicht.


    Freue mich über eure Gedanken dazu


    Herzlich :heart:
    Erdherz

  • Jo, eben dämmert's. :ohmann:
    Jetzt weiß ich, was mich an dem Traum "stört". Ich finde das "Problem", das "Aber", den "Haken", die "Lernaufgabe" nicht! Der Traum fühlt sich gut an. Hindernisse, aber keine Probleme. Ich bin wohl auch zu leidensorientiert! Ich komme lieber mit einem "brauche dringend Hilfe" daher als mit etwas, das einfach akzeptabel ist. Vielleicht steckt auch Angst dahinter, dass man für gute Geschichten eher als weniger tiefgründig eingeschätzt wird, oder Neid weckt oder es als Angeberei gewertet werden könnte. Alles Quatsch! Genauso Ego, wie dauernd Jammern, um Aufmerksamkeit zu bekommen - und genauso menschlich. Das war wohl die Lernaufgabe. Immer raus damit und nicht nachdenken, wie andere es bewerten und reagieren. Gut ist gut. Mies ist mies. Beides ist okay.


    Mir ist bei Birkenfraus Frage an anderer Stelle, ob man auch, wenn's gut läuft, nachhakt, warum, wieso, weshalb, spontan beim Lesen ein "Yap, mache ich täglich!" in den Sinn geschossen. Danke sagen, mich freuen über die Geschenke des Lebens und höchstens fragen, wie kann ich das für die eigenen noch offenen Wunden besser nutzen und wie kann ich es weiter schenken (manchmal noch suboptimal).


    Erdherz, schon wieder am traben... :laufen:

  • Der Traum ist der Gegenpol zur Frau im Blumentopf, meiner Meinung nach.
    Das Thema " Schutz vor Manipulation" aber auch "selbst manipulieren" liegt m.E. in beidem offen da.


    :winke:

    Sachen gehen in Scherben, wenn die Scherben das Wirkliche besser treffen als das Heile. (Susanne Riedel)