Tägliche Praxis: Die Vierzig Knightly Rules von Hazrat Inayat Khan

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    • Tägliche Praxis: Die Vierzig Knightly Rules von Hazrat Inayat Khan

      Mein Freund und ich gehen - fast immer - donnerstags in Mannheim ins Sufi-Zentrum zum Zik'r. Da machen wir Meditation mit Musik. Sehr schlicht gesagt.

      google.com/url?sa=t&rct=j&q=&e…Vaw2QgLwWtZpeC-peXK9HG_q8
      Besseren Link hab ich nicht hinbekommen, hoffe er funktioniert; da wird das Mannheimer Sufi-Zentrum bisschen vorgestellt.


      Hazrat Inayat Khan, der Begründer des Sufi-Ordens, zu dem auch das Zentrum in Mannheim gehört, hat 40 "Knightly Rules" - ritterliche Regeln - formuliert. Mein Freund hat mir neulich ein hübsches Reinschreibebuch geschenkt, in dem diese Regeln drinstehen, und wir haben beschlossen, sie zu befolgen. und zwar jede Regel 40 Tage lang. Bis wir mit allen durch sind, werden fast viereinhalb Jahre vergehen... :)

      Und wenn 40 Tage vergangen sind und die nächste Regel drankommt, wirken die Regeln davor natürlich immer noch weiter. Also, davon gehe ich aus. Das ist der Plan.

      Hier&jetzt sind wir bei der Regel N°1, Tag 12. Hehe.
      Diese Regeln N°1 lautet: Stelle keine falschen Behauptungen auf.
      Was das im Alltag bedeutet, wird mir erst langsam bewusster. Zum Beispiel:
      Um sie zu befolgen, kann ich Wörter wie "immer" und "nie" aus meinem Vokabular streichen.
      Und mir fällt auf, wie oft ich negative, pauschale Bewertungen abgebe. Und ich übe also, das zu lassen. Sehr gesund!

      Ich poste das hier, weil ich vielleicht ab und zu was zu erzählen habe aus dieser Praxis, in den nächsten vier Jahren.
      Und vor allem möchte ich es mit-teilen. Vielleicht hat ja die eine oder der andere auch Lust und macht mit. HIer ist ein Link zu den Regeln. Die sind eingeteilt in je zehn Eiserne, Kupferne, Silberne und Goldene Regeln.
      sufiorden.de/index.php/publikationen/eiserne-regeln


      [Ich wurde andernorts hier im Forum schon mal gefragt, was Sufismus eigentlich genau ist. Und ich konnte es damals nicht wirklich beantworten. Kann ich auch jetzt nicht. A Sufi is a Sufi. In der Wikipedia steht, es sei islamische Mystik, doch da scheiden sich schon die Geister. Der Orden, der auf Inayat Khan zurückgeht, versteht sich z.B. als eine überkonfessionelle Religion. Oder so verstehe ich das... I
      Ich kann nur sagen, was es für mich ist. Was ich von Sufis wie Idries Shah und Rumi - und von Murshids (Lehrer) und Murids (MitschülerInnen) bei uns in der Gruppe lerne, schwingt in Harmonie mit Erkenntnissen und Praxis, die ich im Zen-Buddhismus finde, im Stoizismus nach Epiktet, im Taoismus nach LaoTse, in Voträgen und Büchern des katholischen Franziskanerpaters Richard Rohr und in den Büchern von Arthur Deikmann - um die zu nennen, die mir sofort einfallen.]

      :sonne:
    • Vetch schrieb:

      Ich poste das hier, weil ich vielleicht ab und zu was zu erzählen habe aus dieser Praxis
      Ich bin sehr gespannt auf das, was du berichten kannst. Etwas über spirituelle Erfahrungen zu lesen, die ein anderer Mensch gemacht hat, ist für mich immer ein ganz besonderes Highlight.

      Die 1. Regel >>Stelle keine falschen Behauptungen auf<< finde ich sehr gut, da sie zu einem bewussten Umgang mit Sprache herausfordert. Durchgängig bewusst mit Sprache umzugehen, finde ich manchmal mühsam und schwierig. Dennoch versuche ich es, es klappt aber längst nicht immer.
      Realität ist eine Illusion, die nach dem Träumen entsteht.
    • Nur kurz. Seit einer Woche ungefähr sind wir bei der zweiten Regel
      "Sprich nicht schlecht über Andere in ihrer Abwesenheit."

      Ohje, mehr sach ich erst ma nich... Auch wenn ich schlecht über mich schreiben dürfte, ich bin ja anwesend... (Aber nicht mehr, wenn ihr das hier lest, also - gilt das dann?)

      Ich frage mich auch - was bedeutet 'schlecht sprechen über' genau? Darf ich gar nichts Negatives aussprechen, auch wenns die Wahrheit ist?

      Dass wir nicht lästern sollen und nicht unnötig über andere herziehen und Negatives anhäufen, weils ja so Spaß macht - das ist klar.

      Im Englischen heißt die Regel "Do not speak against others in their absence." Sprich nicht gegen andere in ihrer Abwesenheit.


      Was genau bedeutet 'gegen' jemanden zu sprechen?


      Alle diese Fragen sind Denkanstöße, die mir willkommen sind. Wir üben weiter.

      Meist ist uns eh sehr schnell klar und bewusst, was gemeint ist.

      Ich habe schon vorher, wenn ich mich beobachtet habe, festgestellt, dass ich die Neigung habe, alles, was ich von anderen Leute aufschnappe, negativ einzuordnen. Ich mag da gar nicht weiter beschreibend drauf eingehen - vielleicht, weils mir peinlich ist.
      Ich behaupte, weil ichs nicht weiter durch Aufmerksamkeit und In-Worte-fassen stärken möchte.
      Jedenfalls hab ich guten Grund, mir die aktuelle Regel zu Herzen zu nehmen und zu üben. Einüben und Ausüben.


      Auch das mit den Behauptungen aufstellen haben wir nach 40 Tagen noch nicht vollkommen verinnerlicht... wer hätte das gedacht :P :D

      Weiter, weiter! :heart: Ich find dieses Üben heilsam und bereichernd und wirklich Not-wendig.


      :)
    • Liebe Vetch,

      ich glaube, es hat etwas mit deinem anderen Thread "Magie der Sprache" zu tun. Worte sind nicht nur schöpferisch, sondern können auch wie "Waffen" wirken (wie spitze Nadeln, dünne Pfeile, dicke Pfeile...).
      Wenn die betroffene Person abwesend ist, kann sie sich "energetisch" nicht so schnell zur Wehr setzen.
      Das eigene "Abwehrsystem" wirkt zwar trotzdem bei den meisten, aber einerseits gibt es da sicher Ausnahmen (z.B. bei Menschen mit "löchrigen" Energiesystemem" und anderseits kann das Bewusstsein solche "Angriffe" schneller abwehren.

      Allerdings glaube ich auch, dass Menschen immer über sich selbst sprechen, wenn sie über andere Menschen irgendwelche Aussagen machen, ganz gleich ob die Worte positive Inhalt haben oder einen negativen.
      Im Grunde spricht derjenige also über seine eigenen Mängel.
      Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass man sich schwerer tut, sich selbst positiv zu veränderen, wenn man laufend über andere schlecht spricht (weil die Magie der Sprache auch da Wirkung zeigt).


      LG
      Simurgh
      "Willst du den Körper heilen, musst du zuerst die Seele heilen".
      Platon
    • :heart: Liebe Menschen dieses Board,
      liebe Vetch, :heart:


      Vetch schrieb:

      "Sprich nicht schlecht über Andere in ihrer Abwesenheit."
      :denk: was ist dieses "schlecht"?

      Ja, natürlich fallen mir Hetztiraden gegen andere ein und Mobbing ist auch böse ...

      Aber wenn in Stationen von Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen die Schicht übergeben wird,
      wird auch über die Menschen gesprochen.
      Man meint in sachlicher Weise ...

      Nun habe ich die Wohnung meines Bruders mit Hilfe meines Mannes aufgeräumt,
      wenn ich nun sage sie sei vermüllt gewesen, entspricht das der Tatsache von 10 großen Müllsäcken.
      Über den Inhalt des Kühlschrankes möchte ich hier nicht schreiben,
      denn mein Bruder hat sich scheinbar auch in der Masse des Mülls um ihn herum noch mehr verwirrt.

      Als ich ihn gestern besuchte war er auch innerlich aufgeräumt.
      Doch den Überblick über die Medikamente hat er nicht.

      So engagiere ich nun die einen Pflegedienst, der sich darum kümmert.
      Die Menschen im Haus haben ... "Schwierigkeiten?" mit dieser Situation,
      weil der Betroffene einerseits der Sohn des ehemaligen Vermieters ist,
      und andererseits schon immer komisch war.

      Er ist also das richtige Opfer für eine "Wollen wir nicht haben" Kampagne.
      Dabei werden mir aber nur Dinge erzählt, die passiert sind ... ... ...
      Denn noch wird er ausgegrenzt ... ... ...

      Beim Besuch eines Pflegeheims in dieser Woche,
      lernte ich,
      dass die im Wesen veränderten Menschen heute behutsamer behandelt werden.
      Diese Menschen dürfen mit entscheiden was sie tun wollen,
      auch wenn das die Angehörigen sehr seltsam bis unerhört finden.

      Auch lernt ich, dass mein Bruder mit seinen 64 Jahren zu jung ist für ein Pflegeheim,
      und dafür bedarf es weiterer Gutachten.

      Über meinen Bruder wird geredet.
      Er ist ein Thema hier in meinem Umkreis.

      Meist fragen mich die Geschäftsleute, die aber einen Konsens mit ihm fanden,
      zum Metzger darf er erst um 12 Uhr 45 wenn nur noch wenige Kunden im Laden sind und

      die Zeitschriftenhändlerin sieht ihn am Morgen mit dem Rad parken
      und greift zu der Zeitung, egal wie lange die Schlange an ihrem Tresen ist,
      denn er hat keine Geduld und wird laut wenn er warten muss.
      Wenn er sie erreicht, hat er die Münzen in der warmen Männerhand schon parat.
      Sie tauschen Zeitung gegen Münzen und er ist wieder weg.

      Meisten legen die Menschen, die von meinem Bruder reden,
      den Kopf so ein wenig schief und zeigen ein trauriges oder entsetztes Gesicht.

      Wütend sind im Grunde nur die, die Schuld suchen.
      Schuld beim Arzt ... der auch schon bei Mutter und Vater die Veränderung nicht sehen wollte
      Schuld bei den Eltern ... so etwas lieg ja immer in der Kindheit ...
      Schuld bei ihm selbst ... weil der Alkohol noch immer sein bester Freund ist ...
      Die Liste ist weiter fortsetzbar

      Was ist "schlecht"?

      Wir sollten auch mit dem Menschen gut reden, der vor uns steht,
      sie wenigstens neutral ansprechen,
      egal wie hoch unsere Galle kocht ... denn wir wissen nie,
      woher das Verhalten kommt,
      :kitzeln: das uns gerade so sehr berührt oder gar schlägt.


      :heart: Herzliche Grüße
      kerstin
      ... alles hat seine Zeit ...
    • Für mich bedeutet "schlecht" in dem Fall einfach nur, in Abwesenheit nix über eine Person zu sagen, was ich nicht auch in ihrer Anwesenheit sagen würde.
      Ansonsten war und bin ich kein Fan davon, bestimmte Dinge nicht zu denken oder zu sagen, weil "man das nicht tut". War ich nie, werde ich, schätze ich, in diesem Leben auch nicht mehr werden.
      Von daher: Nein, nicht jede Aussage, die ich über andere treffe, ist eine über mich. Und nicht jede Aussage, die jemand über mich trifft, ist eine über sich.
      Nur eine über Wahrnehmungen. Meine oder die der anderen Person. Da ich aber nicht jemand anders bin und niemand anderes ich ist, sind die Aussagen die Wahrnehmung dessen, der oder die sie macht.
      Da aber gleichzeitig auch jeder Wahrnehmungen hat, ohne diese Wahrnehmung zu sein, ist das im Endeffekt ein Nullsummenspiel.
      Sachen gehen in Scherben, wenn die Scherben das Wirkliche besser treffen als das Heile. (Susanne Riedel)
    • Die Frage, was schlecht über jemanden reden bedeutet, ist kaum pauschal zu klären. Am konkreten Beispiel dagegen wird oft klarer, wie diffizil das im Einzelfall ist.
      Natürlich gibt es die notorischen Lästermäuler, die eigentlich mit sich selbst unzufrieden sind. Ist diese Aussage jetzt schon pauschales schlecht reden anderer oder ist es eine Feststellung aufgrund immer wiederkehrendem zu beobachtendem derartigen Verhalten? Ich kann z. B. nichts gutes sagen, wenn ich über Menschen rede, die "Ausländer raus" auf den Straßen brüllen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass ich in jedem Einzelnen, könnte ich in ihn hineinschauen, die Wunden erkennen würde, die zu solch einem Verhalten führen. Das habe ich dabei immer zumindest im Hinterkopf, auch wenn ich offensichtliches Verhalten kritisiere. Macht das schon den Unterschied?

      Heute Mittag sind mein Mann und ich, meine Schwägerin und meine Nichte anlässlich des 90. Geburtstags meiner Mutter zu einer Gaststätte gefahren. Mein Bruder war schon unterwegs, um unsere Eltern abzuholen und ebenfalls zum vereinbarten Treffpunkt zu kommen.

      Ich teilte den anderen mit, ich habe erfahren, dass meine Mutter den Kontakt zu ihrer zwei Jahre jüngeren, schwer kranken Schwester abgebrochen hatte. Ohne konkrete Anhaltspunkte hatte sie die Schwester verdächtigt, irgendwie das Testament des vor einem Jahr verstorbenen letzten Onkels der beiden - keine Ahnung - aufgefressen zu haben oder weiß der Geier was damit gedreht zu haben. Geredet hat sie mit ihr darüber nicht. Verdacht genügt - abgesägt. Ich teilte den anderen mit, dass ich das traurig fände und nicht gewillt bin, da mitzuspielen. Ich werde mich regelmäßig bei meiner Tante, die darüber auch sehr betrübt ist, melden. Selbstverständlich haben wir bei diesem Geburtstagsessen darüber nicht gesprochen.

      Ist das schlecht reden? Mir tun meine Eltern leid, die ständig schlecht und sehr urteilend über andere sprechen. Sie sind selbst nicht wirklich glücklich, können ihr Verhalten aber anscheinend nicht reflektieren. Die Familie ist seit vielen Jahren völlig zerstritten. Wir wurden immer wieder eingenordet, auf keinen Fall mit dem "bösen" Teil der Familie (zwei weitere Schwestern) zu reden. Dadurch habe ich vom Tod der jüngsten Schwester, die mit Ende Sechzig starb und dem meiner Cousine, die nur 49 Jahre alt wurde erst Monate später erfahren. Offensichtlich wollten unsere Eltern verhindern, dass wir zur Beerdigung gehen. Sie lesen noch die Mainzer Zeitung und hatten von den Todesfällen erfahren. Das passiert mir nicht noch einmal!

      Es gibt für mich inakzeptables Verhalten. Darüber zu sprechen, ist für mich gefühlt noch kein schlecht reden. Emotionsgeladenes Verurteilen Anderer dagegen schon. Dieses für mein Empfinden sehr negative Verhalten meiner Eltern den anderen Familienmitgliedern mitzuteilen (damit sie selbst entscheiden können, ob und wie sie Kontakt halten), hatte etwas Klärendes. Meine Schwägerin warf ein, dass gerade die jüngste Schwester ihre Mutter doch ziemlich abgezockt hätte. Nicht einmal mein Bruder wusste, dass unsere Mutter ihr Erbteil schon in den 70ern zwecks Bauvorhaben erhalten hatte. Niemand hatte die Sicht der anderen Seite jemals erfahren - war ja verboten, die zu kontaktieren! Aber diese Fakten machten alle nachdenklich, ob es tatsächlich so abgelaufen war, wie meine Eltern es wieder und wieder alle glauben machen wollten...

      Meine Cousine war ein sehr liebes freundliches Wesen. Ich hatte sie vor etwa 28 Jahren ein letztes Mal gesehen, als wir ihr ein Kinderbettchen unseres Sohnes brachten. Sie wurde sehr jung Mutter, hat ihren Sohn allein groß gezogen und ihre Eltern beide wenige Jahre vor dem eigenen Tod verloren. Offenbar war niemand aus der ganzen Verwandtschaft mehr für sie da. Die einzigste Traueranzeige, die ich von 2016 fand, lautete knapp:

      Wir trauern um unsere langjährige Mitarbeiterin M.

      - aufgegeben von der radiologischen Praxis, in der sie wohl gearbeitet hatte. Keine Familienanzeige! Nichts!

      Ich kritisiere das Verhalten meiner Eltern. Ja. Sie haben mir den Tod meiner Cousine ohne Gefühlsregung mitgeteilt. Was konnte sie denn für die Streitigkeiten? Oder gar ihr Sohn, der vermutlich bereits mit Mitte 20 keine Familie mehr hatte? Die Versäumnisse meiner Eltern zu benennen hat jetzt dazu geführt, dass ich versuche M's Sohn zu finden, um ihm anzubieten, mit uns in Kontakt zu treten, wenn er das mag. Ich würde mich gerne um ihn kümmern, falls er mal wie meine Kinder so oft, Rat oder Unterstützung sucht. Kann das aus "schlecht über jemanden reden" resultieren? Ich glaube nicht.

      Nachdenklich
      Erdherz
      "Denke nicht nur mit deinem Kopf, denke mit deinem ganzen Körper."
      Eckhart Tolle
    • Auch wieder nur ganz kurz, da ich grad sehr müde bin und nur eben hier reingeguckt habe - Routine (ich war jetzt lange offline, drum 'darf' ich.. :) )

      Ich bin fasziniert, wie diese scheinbar so schlichte Regel so viele Überlegungen anstößt. So soll das sein, finde ich, das ist ein Sinn dieses Ausübens der Vierzig Ehrenvollen Regeln (meine sehr freie Übersetzung von knightly).

      Was das 'schlecht reden über andere in deren Abwesenheit' angeht: Was mir auf den ersten Blick aufgefallen ist und gefallen hat: 'schlecht reden' in Anwesenheit der betreffenden Person scheint erlaubt zu sein. Das verstehe ich so: Wenn du eine Person betreffend was Negatives zu bemerken hast, dann sag es der Person ins Gesicht.
      Das heißt nicht, dass es oke wär, Leute direkt zu beschimpfen - das ist bestimmt nicht gemeint. Ich verstehe das so, dass wir die Dinge da aussprechen und klären sollen, wo es hingehört, nützen kann und angemessen ist.
      Das erfordert u.U. Mut und schützt uns selbst vor ungesundem Lästern und Tratschen.

      Und ich denke und spüre darüber nach, wie das ist, wenn es Dinge zu besprechen gibt, bei denen ich einfach erzähle, was IST. Erdherz hat sowas bechrieben. Ich bespreche etwas, das auch Personen betrifft, die grad nicht anwesend sind. Ich beschreibe, was ich erlebt habe. Wenn das nun mal nichts Schönes ist, dann rede ich doch trotzdem nicht 'schlecht über' die Betreffenden, finde ich. 'Schlecht reden über' wird es erst, finde ich (hier&jetzt zumindest), wenn ich manipulativ erzähle, um Stimmung zu machen, wenn ich beurteile und verdamme, wenn ich bewerte.


      Brainstorm. Ich breche hier ab, ich bin nämlich richtg müde. Ich freue mich über, hm, wie nenn ich das ... über eure (An)Teilnahme. Und noch immer fast viereinhalb Jahre to go. :D

      :)
    • Soooo. Die Vierzig Tage von "Sprich nicht schlecht über Andere in ihrer Abwesenheit." sind schon lange vorbei, und wir haben einstimmig beschlossen, sie zu wiederholen.
      Also noch mal 40 Tage für Regel Nr. 2.
      Wir haben nämlich feststellen müssen, bzw. können und dürfen, dass wir die Regel in den ersten 40 Tagen hauptsächlich ignoriert haben.

      Ich bin erschrocken und beschämt -- und grad deswegen schreibe ich hier darüber, damit LICHT drankommt -- wie viel Zeit und Aufmerksamkeit ich aufgebracht habe, um Negatives bei andern Leuten zu analysieren und zu besprechen.

      Diesmal, in der zweiten Runde, nehmen wir die Regeln angemessen ernst und üben sie so gut ein und aus (wie Atmen :) heh, nur noch nicht so einfach) wie wirs eben können. Und wir werden auf diese Weise natürlich besser damit.

      Einige Dinge habe ich inzwischen begriffen - gewusst hab ichs vorher schon, doch wissen ist nicht tun und nicht sein.
      Z.B. haben mein Gefährte und ich, seit wir zusammen sind, schon so unglaublich krasse Kräche gehabt... In letzter Zeit nicht mehr, das hat auch interessante Gründe, u.A. weil wir eben was MACHEN; weil wir Dinge ein- und ausüben und dadurch begreifen, was wiederum umwälzende Auswirkungen auf alles in unserem Leben hat. Vielleicht erzähle ich das ein andermal.

      Jedenfalls, in den Jahren der krassen Kräche wars interessant zu erfahren, wie wir, wenn wir einig gegen andere waren, sofort wieder Harmonie zwischen uns hatten.
      Es gab paar echt unmögliche Leute, von denen wir uns zu recht abgegrenzt und entfernt haben, nur ist es nicht nötig, diese Leute und deren Verhalten mehr als Not-wendend zu analysieren und zu bewerten.
      Sowas bekommt schnell eine Eigendynamik, und dann wird analysiert und bewertet und erinnert und Beispiele für Fehlverhalten und Schlimmeres werden gesammelt, und wir sind ja so viel weiter und toller, und das geht dann fröhlich lange weiter, weils Spaß macht. Und wir sind zusammengeschweißt, einig im Negativen, und wir sind ja sooo viel besser... :irre:

      Komisch, grad muss ich an die AfD denken...

      Eya.

      Unlängst hab ich diese Dynamik auch bei jemand anders bemerkt, - und das, finde ich, ist jetzt nicht 'schlecht geredet', sondern was erzählt und analysiert -- so weit, wie es erhellend ist. Und nicht weiter.
      Also, wir haben jemand im Umkreis, eine Person, die wir sehr mögen und die in einer unguten Situation verstrickt ist. Unlängst hat die angerufen, um ihr Herz auszuschütten, und das besteht darin, dass sie erzählt, wie blöd die andern in ihrem Leben machen.
      Diese Geschichten kennen wir alle schon, wir haben uns das alles vor einiger Zeit mitfühlend und teilnehmend angehört. Das war die m.E. notwendige Analyse. Nach der Analyse kommt dann das ÄNDERN der eigenen Situation. Auch dazu haben wir gesprochen, Ideen gesammelt und -- argh, auch was, das wir uns abgewöhnen möchten, doch eins nachm andern -- viele gute Ratschläge erteilt.
      Doch die andern ändern wir nicht, und es zu versuchen ist, schlicht und wahr ausgedrückt, unheilsam.
      Wir ändern nicht diese uns liebe Person, und sie ändert nicht die Leute, die ihr das Leben schwer machen.
      Der Gefährte, der mit ihr telefonierte, hat sich also ihr Jammern über die andern ne zeitlang (Dreiviertelstunde c.a.) angehört, und dann hat er gefragt, was sie denn ändert, was sie anders macht, was sie tun möchte. Und was sie genau von ihm braucht. Und dass er jetzt keine alten Geschichten mehr hören möchte, weil das sie und ihn nur schwächt und auslaugt. Das führte zu einem Eklat mit Weinen und entrüstet Auflegen.

      Jo, und auch da: Wenns gegen andere geht, haben wir Harmonie und Freude, und wenns an uns selbst geht, haben wir Disharmonie.

      Und das kann nicht sein, dass wir nur im Negativen vereint, harmonisch und einig sind. Ich möchte im Schönen, heh, im Schönen, Guten und Wahren harmonisch mit den Menschen in meinem Leben schwingen.
      Im Guten, Schönen und Wahren. Das ist nicht abgedroschen oder schwülstig, sondern das fasst sehr gut zusammen, was mir wichtig ist.


      Und noch ein Begreifen:. Gestern kam der Gefährte mit einem tollen Text einer Pianistin (aus einem Reklamekatalog für CDs!), in dem sie Musik mit Erinnern vergleicht. Er las mir den Text vor, und das erste, was er danach sagte war. "Wenn du das mit dem Geseiere von andern vergleichst--" Ich unterbrach ihn sofort mit "Nicht schlecht über andere!"
      Das hätte genausogut umgekehrt laufen können, es ist oft so, dass ich meckere und er erinnert mich, das nicht zu tun. Gut, dass wir einander haben.
      Was uns da klar wurde:

      ENERGIE FOLGT DER AUFMERKSAMKEIT

      und wenn etwas Tolles und Schönes bei uns auslöst, dass wir unsere Aufmerksamkeit sofort wieder davon abziehen, um uns mit schlechten, minderwertigen Gegenbeispielen zu beschäftigen, dann füttern wir mit unserer Aufmerksamkeit das Schlechte und Unheilsame, statt dem Schönen die Ehre und Würdigung zukommen zu lassen -- unsere Aufmerksamkeit -- die íhm zusteht.

      Ich spüre, dass das tiefe, viel tiefere Auswirkungen hat, als meine Worte hier rüberbringen. Viele von euch wissen eh und schon lange, was ich meine.


      Tscha, die zweite Regel. :) Das wird dauern mit den 40 Regeln, und ich bin jetzt schon sehr dankbar und froh, dass wir damit angefangen haben. Sehr sehr heilsam und erhellend, finde ich.

      :heart:


    • Hi Vetch,
      ich trainiere auch schon länger, meine Autobahn, welche ich mir selbst im
      Gehirn durch Negatives über die Jahre zugelegt habe, zum Trampelpfad zu
      schrumpfen, indem ich bewußt keine Aufmerksamkeit mehr darauf verwende
      und mir durch (ich schreib jetzt einfach mal) Positives neue Autobahnen
      zu schaffen. Dem Gehirn bleibt dann nichts anderes übrig, als "mitzumachen".
      Funktioniert in allen Bereichen, ob jetzt bei Unarten, Depris & vllt. auch in
      deiner/eurer Praxis.
      ate vllt. offTopic
      ~~~> "pure awareness" <~~~
    • In Zeiten in denen Menschen sich durch Lärm äußern, um wahr genommen zu werden, X(
      in der Menschen sich wieder auf Podeste stellen, um besser gesehen zu werden, :kopfhau:
      in der Menschen jammern und klagen, um die Schuld von sich zu weisen, :marionette:
      In der Menschen alles besser wissen, um zu manipulieren :hospital: :eiei:

      :heart: ist es gut bei sich zu bleiben, durch zu atmen, die Energie in die Schönheit der Umgebung zu investieren
      und den Moment wahrzunehmen ... leise den Herbst zu schnuppern und die Buntheit der Bäume zu bewundern. :herbst:

      ich denke echt, es gibt Zeiten in denen es leichter fällt zu jeder Gelegenheit des Tages :heart: freundlich zu bleiben.

      Momentan fällt mir Deine Dir auferlegte Aufgabe sehr schwer :kaktus: :heart:

      Liebe Grüße
      ... alles hat seine Zeit ...
    • Ich weiß nicht ob das so gut hier her passt, was ich dazu zu sagen habe/möchte :pardon:

      aber meinem Mann und mir ist aufgefallen, dass wir sehr ruppig miteinander umgegangen sind die letzten Monate. Wir nicht so genau wissen wo dies herkommt, vermuten wir aber dass es uns zu gut geht :kopfhau: (ich will es gar nicht laut aussprechen). Wir haben eine Art Blaupause, also nichts an uns zu tun. Alles was wir geleistet haben sollte sich im gegenseitigem Einverständnis setzen können. Wir nehmen uns eine Pause, atmen ein und aus, genießen, leben in den Alltag und nehmen uns Zeit für ganz persönliche Vorhaben ectr.

      Der O-Ton miteinander hat uns nun gar nicht zu diesem wohligen Zustand gefallen. Wir hatten einen langen Abend darüber gesprochen und waren uns einig, dass weder er noch ich so einen Ton verdient haben. Wir ganz großartige Menschen für einander sind und von jetzt auf gleich damit aufhören werden. Bewusster liebevoller Umgang wird nun geübt und ausgeführt. Gelingt zu 95 % ganz gut. Kleine Ausrutscher sind da ;)

      Durch Vetch Bericht fühle ich mich gerade bestätigt. Danke

      Gruß Sahne :sonne:
    • Grundsätzlich zu diesem Faden:

      Ich persönlich freue mich über alle Beiträge hier. Ich finde es schön und genau richtig, dass die Texte, die ich zu unserer Praxis mit den 40 Knightly Rules schreibe, andere anregen -- zu ganz verschiedenen Ideen.
      Eigene Erfahrungen teilen, Tips geben, Überlegungen, Erkenntnisse, Assoziationen mit teilen -- ich finde, das ist ein weiterer Sinn dieser 40 Regeln:
      Zum Beobachten, Erkennen, Austauschen, Teilen anzuregen.

      Also danke euch allen!

      :heart:


      Achso, P.S., ich persönlich übe auch, Dinge stehen und wirken zu lassen, drum kommentiere ich hier nicht viel. :)
    • Hi Vetch und alle,

      bin immer schon ganz gespannt auf deinen Rule-Report, auch wenn ich in letzter Zeit nur zum Lesen und nicht zum aktiven Beteiligen gekommen bin.

      Was du über das Verhalten von dir und deinem Partner schreibst, ist sehr interessant. Gemeinsam über andere sich zu muckieren verbindet wohl tatsächlich. Aber wenn gerade keine anderen da sind, dann muss der Partner wieder für die eigenen Defizite als Projektionsfläche herhalten. Da könnte ich mir selbst oft genug in den Allerwertesten beißen.

      Ich bin überzeugt, dass man gerade mit nahestehenden Menschen in der Hinsicht nicht bewusste Abkommen geschlossen hat. Wie ate schreibt, bilden sich emotional gesteuerte Autobahnen, die immer wieder gerne befahren werden, sobald einer das Schild 'Hier geht's am schnellsten zu deinem Muster' einem vor die Optik stellt.

      Bei uns (wir haben ein wirklich harmonisches Verhältnis und das schon bald 40 Jahre lang) funktioniert das antriggern vorzüglich, wenn es um die Versorgung der Tiere geht. Mein Mann scheint zwanghaft Fehler zu machen (tatsächliche, die für Mensch und Tier auch sicherheitsrelevant sind). Immer nur, wenn wir zusammen im Stall sind. Ich gehe dann jedes mal hoch wie eine Granate und wiederhole 1000 mal, dass ich das schon 10.000 mal erklärt habe, was er auch zugibt, aber weder er noch ich können Auslöser und emotionale Reaktion stoppen. Mir ist völlig klar, dass er mich damit auf etwas aufmerksam machen will - nicht willentlich, sondern von einer tieferen Ebene her gesteuert. Inzwischen ziehen die Rauchwolken auch schneller ab - ates Trampelpfad - aber wie ein Trampel fühle ich mich trotzdem noch. Ich versuche immer mehr MEIN Verhalten NICHT zu beurteilen. Wenn ich es in dem Moment besser hinkriegen würde, würde ich es ja tun. Heißt, egal wie blöd ich reagiere, es ist das Beste, was ich in der Situation gerade zu bieten habe. Dadurch nehme ich mir selbst viel an emotionaler Ladung aus dem Segel und komme schneller wieder aus der Nummer raus.

      Herziehen über andere ist für mich immer an negative (also auch die eigene Energie raubende) Emotionen gekoppelt. Sachliche, derweilen auch massive Maßnahmen bei offensichtlichem Fehlverhalten kann dagegen hilfreich sein und man schadet sich auch selbst nicht dabei.

      Liebe Grüße
      Erdherz
      "Denke nicht nur mit deinem Kopf, denke mit deinem ganzen Körper."
      Eckhart Tolle
    • Heh. Wenn ich das lese, kommt mir der Verdacht, dass bei mir grad die retrograde Venus und die Praxis der zweiten Regel zusammenwirken.

      Ich hatte gestern Abend ein Erlebnis... Ich möcht nicht viel erzählen wg. Diskretion der andern Person gegenüber, u.A. war es genau das Muster, das du beschreibst, Erdherz: Altbekannte Situation, altbekannte heftige Trigger. Trigger pathologischer Natur wie ich weiß, doch, naja, krass, und ich nicht in der Lage, mich nicht triggern zu lassen. (Oh nein, nicht mein Gefährte. Älter, und viel krasser.)
      Hinterher war ich, anders als früher, nicht traurig und wütend und außer mir, sondern hauptsächlich ratlos. Und irritiert darüber, dass ich zwar im Vegleich zu früher länger ruhiger geblieben bin, mich letztendlich aber doch so sehr geärgert habe, dass meine Wut das Krasse noch weiter eskalieren ließ.
      Als die Person endlich abzog - das übliche Ende - bin ich erst mal duschen gegangen und hab dabei sacken lassen und überlegt. Statt, wie früher, zu analysieren und mir Konsequenzen vorzunehmen (eine wäre, diese Person zu meinem Schutz nie mehr zu sehen), kam ich zu einem Punkt, den ich von den A-Gruppen kenne, die ich dereinst besucht habe: Kapitulation (der erste der 12 Schritte). Ich weiß nicht, was tun. Meine Reaktionen und Strategien helfen nicht. Ich BIN ratlos, und ich gebs ab, an eine höhere Macht.

      Jo, kurz drauf rief die Person hier an (ich bin grad bei naher Verwandtschaft zu Besuch), und mir wurde ausgerichtet, es habe der Person schon beim die Treppe Runtergehen leid getan und sie richte mir eine Entschuldigung aus.
      Das ist noch nie, noch NIE vorher vorgekommen. Eine Bitte um Entschuldigung kam bis dato selten vor. Wenn überhaupt, dann bestenfalls Wochen später. Meistens gar nicht.

      Das ist ein neues Muster. Ich finde es passt zur retrograden Venus - alte Muster in Beziehungen leben noch mal auf - und können sich verandern.

      Work in progress. Ich hätte das hier gar nicht erzählt, doch als ich vom Streiten im Stall las... Alte Muster und kleine, sachte Veränderungen. Ich bin zuversichtlich!

      :)
    • Es ist manchmal so verblüffend, wie sich Dinge gleichzeitig bei verschiedenen Personen entwickeln, ähnlich und doch ganz individuell - vielleicht auch, weil man gerade im Schreiben miteinander verbunden ist.

      Wir saßen gestern Abend gegen 23.00 noch zusammen und plötzlich fiel mir ein, dass ich heute nicht am Briefkasten war. Also schnell hin und tatsächlich lag im Zeitungsrohr ein winziges Päckchen mit Auslandsaufkleber. Das konnte nur der Stein sein, den ich bei einem Händler aus Jaipur direkt vom Fundort als Anhänger bestellt hatte. Ich WUSSTE, das dieser Stein für mich eine besondere Bedeutung hatte und packte ihn aus. Er zog mich sofort in seinen Bann und ich fragte in einer Meditation, wie er heißen möchte, da er eine sehr nüchterne Bezeichnung hat, die eine Abkürzung seiner chem. Zusammensetzung ist.

      ANGEL OF DE-LIGHT, so wollte er ab jetzt heißen.

      Ich reinigte ihn über Weihrauch - auch das eine spontane Eingebung und segnete den Ort, die Erde, wo er entstanden war, Energien gesammelt und in herrlicher kristalliner Form entwickelt hatte....um irgendwann in meinen Händen zu landen. Dann ging ich mit dem Stein am Hals schlafen....

      ....und hatte einen erstaunlichen Traum, der wacher und klarer war als Vieles, das im sog. Wachbewusstsein stattfindet:

      Ich befand mich mit einem unsichtbaren freundlichen Begleiter auf einem herrschaftlichen Grundstück, das Millionären gehören musste. Ich spürte klar die Energie von "goldenem Käfig". Mit dem Handy machte ich heimlich Beweisfotos, denn ich wusste, auf diesem Anwesen wird ein Kind gefangen gehalten. Doch dann kamen die Besitzer und fühlten sich durch mich bedroht. Jetzt wird es gruselig: die "Pflegemutter" entschied, dem Kind die Beine bis zur Hüfte abzuschneiden und ich sollte dabei helfen. Sie gab mir in einem Raum, der ebenso groß und prachtvoll eingerichtet war, eine Betäubungsspritze, die ich dem Kind verabreichen sollte. Ohne zu zögern, ohne jegliche emotionale Abwehr gegen sie, ohne urteilen, spritzte ich den Inhalt in die Luft. Sie wurde wütend, hatte ein Messer in der Hand und wollte ohne Betäubung säbeln. Im selben Moment hatte ich einen großen Dolch mit königsblauen Griff, der mich an das Schwert von Erzengel Michael erinnerte, in meiner Hand. Den setzte ich ihr wieder ohne Nachdenken, Gefühlsregung auf die Brust, um sie zu stoppen.

      Alles geschah absolut im Jetzt, ohne Strategie und Schock oder auch nur der Frage, gütiger Himmel, was soll ich bloß machen - leicht und ohne Anstrengung, trotz der brenzligen Situation.
      Ich wusste auch, die Gefahr war noch nicht gebannt. Dann blickte ich auf die riesige Fensterbank vor einem Panoramafenster. Sie war lückenlos zugestellt mit wertvollen Gefäßen, edlen Pflanzen und dergleichen. Ganz ruhig fuhr ich mit dem Arm über die Fensterbank, warf alles herunter und der ganze "wertvolle" Plunder ging in die Brüche. Und damit war sie handlungsunfähig. Das Kind war gerettet.

      Wie üblich in den letzten Monaten bekam ich die Traumdeutung unmittelbar mitgeliefert.
      Fotos machen ist Quatsch. Sie sind nicht wirklich, bilden nur Vergangenes ab und man hilft damit niemandem.
      Das im Wachzustand oft fehlende Urvertrauen, dass ich mich nicht bemühen muss, um mich, andere, irgendwas "zu retten" und immer die richtigen Mittel parat habe, wenn ich mich führen lasse (hat mit dem unsichtbaren Begleiter zu tun), war völlig verinnerlicht. Die Frau, mein wütender Anteil (auf mich selbst und in Projektion auch auf andere), hatte sich eine Ego-Welt aus Scheinsicherheiten aufgebaut - üblicher Trick des sog. Egos: lass mich alles kontrollieren, dann....Belohnung, Schnickschnack....alles was man so erworben, geschenkt, vererbt bekommen hatte, simuliert Sicherheit und ist glzg. ein Gefängnis....
      Das Kind, mein vertrauensvoller, kreativer, freudvoller und geheilter Aspekt, mein ANGEL OF DE-LIGHT sollte verstümmelt werden. Nur nicht dieses unkontrollierbare Wirken zulassen!

      Ja, es gab Zerstörung - notwendigerweise. Vielleicht war es dieser Stein aus Indien, der mich dabei sofort an Shiva oder Kali denken ließ, aber es gab nicht eine Sekunde des Urteilens! Mit dieser Aktion wurde aber ein "Panoramablick" wieder freigelegt. Das kann verunsichern. Aber ich empfinde es als Geschenk.

      Heute morgen habe ich direkt die Antennen ausgefahren, ob es im Alltag etwas zu tun gilt. Die Antwort war "Nein!" - der Traum hatte das übernommen. Ich hatte mich in den letzten Monaten schon viel zu sehr angestrengt. Lediglich der Impuls, meinen Kleiderschrank auszumisten, kam hoch, so als symbolische Aktion, als "Ja, hab's verstanden. Altes darf mit Leichtigkeit gehen, wenn seine Zeit abgelaufen ist".

      :knuddeln: Erdherz
      "Denke nicht nur mit deinem Kopf, denke mit deinem ganzen Körper."
      Eckhart Tolle
    • Puh. Sind mir schöne Schauer übergelaufen, als ich das jetzt gelesen habe.
      Gestern vor dem Krach hab ich mit der Person noch über Gewalt gesprochen, dass die nie Regel und Gesetz sein darf und dass es doch oft - mein Wissen - Momente gibt, da sind klares Abschneiden, klares Beenden, klares Hemmen und Zerstören Not-wendend, harmonisch, organisch und heilsam.

      Inzwischen hab ich mit dem Gefährten telefoniert, der gestern auch eine... seltsame, emotionsgeladene Situation erlebt hat. Er hat sich dann einfach an den Rand gesetzt und beobachtet. Er ist auch erschrocken, wie sehr wir alle die meiste Zeit unseres Lebens auf Autopilot durch die Welt steuern. Wie wenig wirkliche Kommunikation stattfindet.

      Was für klare, starke Bilder dein Traum uns schenkt -- danke fürs Teilen! Die wichtigste Kommunikation und der wichtigeste Ort zum klaren Beenden ist in uns selbst. Wenn wirs da können, dann kommts auch im 'Außen' zum Einsatz -- aus der Mitte.

      Hachja. Grad wieder ne besonders spannende Phase in unseren interessanten Zeiten, finde ich,


      :heart:

    • Hallo Vetch,

      weißt du, was für mich das Schönste an diesem Traum war?

      Ich war DAS ALLES! Bis auf die Blumen, den Plunder, aber auch das Panorama, die Weite und jede Person, die darin vorkam.
      Aber: Hätte ich nur aus der Perspektive des Kindes, seiner bedrohlichen Wirklichkeit, geschaut, wäre es ein Albtraum gewesen. Wäre ich nur die Pflegemutter gewesen, wäre es ein sehr stressiger Traum gewesen, weil ich dann geglaubt hätte, etwas Schlimmes tun zu müssen, um meine "Wirklichkeit" zu retten - und hätte letztendlich frustriert und selbst existenziell bedroht vor einem Scherbenhaufen gestanden.

      Wenn ich mir eingestehe, dass ich mit meinem alltäglichen Bewusstsein immer nur einen Ausschnitt von etwas viel Umfassenderem sehe, hört das Urteilen und schlecht reden zwar nicht einfach auf, aber ich kann mir und anderen in meiner bruchstückhaften Selbst- bzw. Wahrnehmung des anderen mehr Mitgefühl entgegenbringen, da ich um meine Teilblindheit weiß. Das ermöglicht mir zumindest leichter Vergebung mir selbst und anderen gegenüber und ich komme schneller aus destruktiven Emotionen heraus. Zumindest mental bin ich dadurch nämlich in Verbindung mit einer umfassenderen Wirklichkeit meines Seins und auch mit den Anderen. In seltenen Momenten auch gefühlt....

      Schwafel, schwafel...ich hoffe das ist halbwegs verständlich :denk:
      :heart: Erdherz
      "Denke nicht nur mit deinem Kopf, denke mit deinem ganzen Körper."
      Eckhart Tolle