Resilienz, die psychische Widerstandskraft

  • Liebe Menschen dieses Board,


    wenn ich von meinem Bruder angebrüllt werde,
    oder er mir vorwirft, dass ich die Sache, die er will weggeworfen habe,
    dann falle ich in ein altes Muster. :streit::umfall:
    Hilflos, Ohnmächtig ... gegenüber dieser Kraft, denn er ist ja krank.
    Statt zu erwidern :attacke: "Bist Du doof? Das Ding ist in Deiner Chaoswohnung unauffindbar."
    Schlucke ich die "SchreiKröte" und ihr Gift lähmt mich, läßt den Atem oberflächlich werden und der Stoffwechsel scheint mich herunter zu fahren.


    Nachdem ich dies erkannte, suchte ich nach einer Möglichkeit diesem alten Muster entgegen zu treten.
    :aikido: meine Resilienz zu üben.


    Resilienz ist die Widerstandskraft schwierige Situationen im Leben zu bestehen.


    Mein Bruder ist nur ein Beispiel,
    weil seine Situation eine ganze Bandbreite an alten Mustern in mir auslöst.


    Also da ist ein vertrauter, kranker Mensch, der brüllt wie ein Kind in der Trotzphase.
    "Zurück brüllen" hilft mir nichts, weil mein Gefühl sagt : " Das kommt nicht an, das begreift/versteht er nicht."


    Da fällt mir die "professionelle Distanz" ein.
    Also:
    Als Therapeutin in einem Krankenzimmer kann ich beruhigend auf den Patienten einwirken,
    oder ihn sogar trösten, weil mich sein Verhalten nicht triggert.


    Im Vergleich zu Verwandten, besonders zum Geschwister-Menschen ist diese professionelle Distanz nicht in dieser Weise möglich,
    da auch die Beschwichtigungsreaktionen von einer urvertrauten Person kommen, wird das mit den alten Mustern beantwortet.
    Er schreit weiter, weil ihn auch früher keiner wahrnahm, ja, er ließ es zu das andere ihren Willen ihm aufdrückten.
    So fordert er nun Dinge ... nur um sie zu haben.


    :aikido: Sein Aufmerksamkeitsdefizit aufnehmen und klare Anweisungen oder Fragen in andere Richtungen zu setzten.
    wie auch ein Kämpfer dem Angriff ausweicht und den Angreifer ins Leere fallen lässt.


    Also der Bruder schreit, dass er einen Kugelschreiber will :heul:
    "komm mit!" zu sagen und mit ihm zum Pflegepersonal zu gehen und einen Kulli zu erfragen. :eiei:


    Wenn er nun aufstampft und durch andere "Will haben" ersetzt, die es nicht gibt ...
    ihn ihn zu fragen: "Wozu brauchst Du das?" - er wird ruhiger, sucht nach einer Antwort
    wenn er sie gefunden hat, zu fragen: "Warum ist das so wichtig für Dich?"


    gerade wenn ich einen Menschen so gut kenne, ist diese Distanz ganz wichtig,
    und auch, dass ich bei mir bleibe, meinen eigenen Atem zu vertiefen und so die eigene Kraft zu stärken.


    Die Schwester-Rolle ablege, um den Mitmenschen auszupellen.
    Damit schließe ich die "Familien-Schmerz-Tür" und wahre meine Kraft in der Resilienz.



    Herzliche Grüße
    Kerstin

  • Liebe Kerstin :knuddeln:


    ich habe so viel Achtung vor dir und der Situation zu deinem Bruder. Es fehlen mir die Worte, aber ich möchte sagen, dass du als Mensch für mich sehr beeindruckend bist.
    Ich wünsche dir ein 2019 so ruhig als es möglich ist und kraftvolle Menschen, welche dich bei deiner Arbeit mit deinem Bruder tatkräftig unterstützen.


    ... ziehe meinen Hut.


    Sahne

  • Herzlichen Dank :heart: liebe Sandra für Deine lieben Worte :herz:


    Nun geht es weiter mit einem Beitrag von "Planet Wissen" Resilienz - Was sie Seele stark macht (Doku 2018)
    Und dieser recht neuen Fernsehdokumentation kommen
    der Psychiater Christian Peter Dogs und die Stressforscherin Jana Strahler zu Wort.


    In diesem Film wird auch betont,

    • dass Zuspruch und Lob ein ganz wichtiges Werkzeug ist, um miteinander zu leben oder zu arbeiten.
    • Das Gefühle zeigen essentiell ist, und diese auch so zu lassen wie sie sind.
    • Besonders "stolz zu sein" auf eine errungene Leistung ist für uns enorm wichtig.

    Wir hier im Deutschsprachigen Raum kommen selten so fröhlich herüber, oder dürfen weinen, wenn uns danach ist.
    :gemein: Eigenlob stinkt und Stolz ist böse. X(


    :hüpfen: Machen wir aus unserem Herz statt der Mördergrube ... ein lichtes Spielzimmer :heart:


    Ein kleines Beispiel aus meinem Leben:


    im Sommer waren wir (Familie) wieder im BregenzerWald.
    (Dort in der Bewegung und Ruhe schlug mein Herz auch wieder gleichmäßig)
    Auf dem Bild (Selfi) sitze ich oben auf der Spitze des Didamkopfes
    und keine 2m vor mir geht es einige hundert Meter steil abwärts. :haare:


    Ja, ich hatte Angst, doch ich ließ sie zu.


    Da ließ sich ein kleiner Marienkäfer auf meiner weißen Jacke nieder,
    krabbelte vor auf den Bund, dann die Hand und
    an der Spitze des Zeigefingers spreizte er die Flügel und flog über den Abgrund.
    Kerstin-2018-09-20 unter dem Gipfelkreuz .jpg


    Mir wurde schwindelig ... aber er hatte doch in echt Flügel, menno ...


    Als ich mir das bewusst machte, war die Angst, um den Käfer auch dahin ...
    und die Menschen, die um mich dort auf der Spitze herumtanzten
    gingen mich plötzlich auch nichts mehr an.


    Lockerer als vorher hinauf, ging ich vorsichtig den Weg zurück hinunter.


    Herzliche Grüße
    Kerstin