Insektenweiden und Neophyten

  • edit 4. Juni 2019:

    Im Faden Tierwohl hat sich eine Unterhaltung zu diesem interessanten Thema entwickelt, die ich hierher verschoben habe.



    Tja, bei mir hier in der Stadt reichts derweil nur für Bienenblumen auf dem Balkon und Seedballs.

    Und Petitionen. Und viel viel weniger Plastikmüll seit ein paar Jahren. Und Veganismus.

    Letzten Winter haben wirs nicht mal übers Herz gebracht, diese Stinkwanzen in die Kälte rauszuschmeißen. Viele haben bei uns überwintert.


    Kleine und große und alberne und wichtige Dinge tun und LASSEN.


    Wir sind nicht hier auf der Erde, um perfekt zu sein. Und wir sind auch nicht hier, um uns gehen zu lassen und alles zu verschlingen.


    seufz


    :stzktz::palm1:

  • aufklärende PDF damit ma weiß, dass das a Schaas is.

    Dann werd ich alles wieder ausreißen, was hier durch meine Schuld an einigen Orten in der Stadt und aufm Balkon wächst. lol



    In meinen Seedballs sind Kornrade, so Wicken, Ringelblume, Klee und andere Samen, die ich von Wildblumen gesammelt habe, deren Samen ich vor Jahren mal bei ner bio- und alte Sorten-Gärtnerrei bestellt habe. Leider hab ich den Namen vergessen.

    Wenn ich den noch finde, reiche ich den Link nach.


    :gb:

  • Das ist doch super. Steht ja auch in der PDF, wenn ich mich recht erinnere, dass sowas sinnvoll ist.

    Dort geht es ja in erster Linie um das gekaufte Zeugs.

    Nicht jede/r ist so verantwortungsvoll wie du.


    :winke:

    Lucia

    ***
    Pretty words are not always true; true words are not always pretty.

  • Ich konnte nirgendwo in der pdf lesen,

    dass das a Schaas is

    sondern das hier:

    "Abgesehen von den vorherrschenden Verwirrungen und der Kommerzialisierung eines ernsten Problems, ist es zunächst erfreulich, dass überhaupt ein Naturschutzthema breite Aufmerksamkeit erlangt. Insbesondere aus dem Grund darf nun auf keinen Fall seitens desNaturschutzes das Gefühl vermittelt werden, dass spontane und eigenständige Aktionen grundsätzlich falsch oder „unprofessionell“ seien. Vielmehr sollte auf breiter Basis eine Anlei-tung stattfinden und weitere Aufklärung betrieben werden, zumal sich gerade dadurch die Chance bietet, neue, junge Mitstreiter für den Naturschutz zu gewinnen, den Nachwuchs zu fördern und Umweltbildung zu betreiben."


    Trotzdem ne gute Zusammenfassung des Themas in dieser pdf, wieder was gelernt ;)


    Dass deine Variante, Vetch, um einiges naturnäher und sinnvoller ist als eine Saattüte mit fraglichem Inhalt, ist natürlich löblich :top2:


    Liebe Grüße

    Birkenfrau

  • Ich konnte nirgendwo in der pdf lesen,

    dass das a Schaas is

    Tja, dass das Ausbringen von Neophyten nicht gut ist, steht schon in der PDF.

    Und mein Conclusio in Form von "dass das a Schaas is" ist natürlich mein private Form des Ausdrucks darüber, dass es Mist ist, sowas zu tun.


    :winke:

    Lucia

    ***
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  • Tja, dass das Ausbringen von Neophyten nicht gut ist

    Ob man das wirklich so pauschal sagen kann, darüber könnte man auch mal diskutieren (ich bin z.B. recht froh über die strahlenlose Kamille und die große Goldrute bei uns, einfach weil ihre heimischen Vertreter wahrscheinlich weniger durch die Neuansiedler - ist jetzt nicht politisch gemeint - denn durch die hiesige Landwirtschaft verdrängt wurden und nunmehr sehr selten zu finden sind), aber das ist hier offtopic...


    Zurück zum Tierwohl :winke:

  • Tja, dass das Ausbringen von Neophyten nicht gut ist

    Ob man das wirklich so pauschal sagen kann, darüber könnte man auch mal diskutieren (ich bin z.B. recht froh über die strahlenlose Kamille und die große Goldrute bei uns, einfach weil ihre heimischen Vertreter wahrscheinlich weniger durch die Neuansiedler - ist jetzt nicht politisch gemeint - denn durch die hiesige Landwirtschaft verdrängt wurden und nunmehr sehr selten zu finden sind), aber das ist hier offtopic...


    Zurück zum Tierwohl :winke:

    Das gehört zum Tierwohl. Flora und Fauna hängen nämlich eng zusammen.

    Neophyten -egal ob pflanzliche oder tierische- verdrängen einheimische Arten. Dadurch wird die Nahrungskette ebenfalls empfindlich gestört.


    :winke:

    Lucia

    ***
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  • Eben hat eine Freundin auf FB einen Link zum Nabu gesetzt, mit einer Liste von Bezugsadressen für Samen und Pflanzen.

    Unter anderem ist da auch eine Gärtnerei mit Wildblumen und Wildgräsern.

    Hier lang zum Nabu! Fürs Tierwohl wärs.


    :winke:

    Lucia

    ***
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  • Mahlzeit,

    Neophyten -egal ob pflanzliche oder tierische-

    Wegen der Korrektheit - Neophyten sind definitiv immer pflanzlich . Neu eingewanderte Tiere heißen Neozoen.

    Wenn beides bezeichnet wird sind es Neobiota

    verdrängen einheimische Arten.

    Nicht immer. Bei vielen ist uns schon nicht mehr bewusst, das es Neophyten sind ( z.B. Tomaten, Kartoffeln, Mais, Essigbaum u.s.w. )


    :winke:

    If Nothing goes right,
    Square Up!
    and
    Circle left!

  • verdrängen einheimische Arten.

    Nicht immer. Bei vielen ist uns schon nicht mehr bewusst, das es Neophyten sind ( z.B. Tomaten, Kartoffeln, Mais, Essigbaum u.s.w. )


    :winke:

    Ich meinte auch keine Kulturpflanzen o. Kulturtiere.


    Ansonsten danke fürs Ausbessern.


    :winke:

    Lucia

    ***
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  • Sich gemäß des Tierwohls zu verhalten, ist manchmal eine Gradwanderung. Wir opfern z. B. jetzt gerade eine komplette Weide, nachdem viele Frühblüher schon ausgesämt haben und sich Insekten wie Pferde davon ernähren konnten. Aber da eine Subventionswiese, die erst im Spätsommer gemäht werden darf, genau nebenan ist, hat sich auch ein lästiger und für Weidetiere giftiger Neophyt, das Jakobskreuzkraut, bei uns ausgebreitet und das blüht jetzt im Juni. Einzigste Chance diese Plage einzudämmen und die Tiere davor zu schützen: mähen, bevor es blüht.


    Es ist oft nicht leicht, zu entscheiden, wie weit man der Natur die Regie und Selbstregulierung überlässt und gleichzeitig das Tierwohl im Auge behält. Wie man an dem Beispiel sieht, ist es auch mit den in guter Absicht verhängten Subventionsregelungen sehr zweischneidig. :/


    :winke:Erdherz

  • Danke für den Hinweis :)

    Korrekt wäre gewesen, dass es sich seit ca. 2008 verstärkt ausgebreitet hat. Vorher hatten wir damit keine Probleme. Die Stilllegungsflächen spielen bei der Ausbreitung eine Rolle und der Rückgang der Kaninchenpopulation. Die ernähren sich nämlich bevorzugt von den Wurzeln dieses Krauts und können das Gift im Verdauungstrakt unschädlich machen.


    Jetzt haben wir tatsächlich wieder mehr Kaninchen - dadurch aber auch vermehrt gefährliche Löcher auf den Weiden :ohmann: Des einen Freud (Nahrung für Kaninchen; weniger Jakobsgreiskraut für die Pferde) ist mal wieder des anderen Leid (Stolperfallen) oder aus Sicht der Pferde: "Pest oder Cholera" - Kraut oder Kanickel :/

    Für mich zeigt sich da auch wieder, wie schwer es ist, sich wirklich verantwortungsbewusst zu verhalten, gerade, wenn man die Natur auch durch Landwirtschaft oder Tierhaltung nutzt. Letztendlich macht man immer Kompromisse und Schadensbegrenzung - so oder so....?(

  • In dem Ort, in dem ich mich erhole (Bregenzerwald) wird gern Gülle geführt,

    wie die Bergbauern dort sagen, das gelb der Löwenzahn-Pflanzen zeigt im Frühling die Sättigung der Wiesen (Fettwiese) an.


    Im Sommer streckt sich der kleine Bärenklau oder Wiesenbärenklau seine Dolden gegen den Himmel,

    und die Bauern schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, holen die Giftspritze und spritzen die einzelnen Pflanzen ab.

    Einer dieser Landwirte geht seit Jahren einen anderen Weg.

    Er lässt in Dornbirn eine Bodenanalyse herstellen, die ihm sagt was seinem Boden fehlt und was seine Wiese braucht, damit das Heu reichhaltig ist.
    Danach lässt er einen Dünger mischen, ob da auch der Mist seiner Kühe darin verarbeitet wurde, weiß ich nicht.


    Auf jeden Fall hat er eine richtig bunte Wiese und die vereinzelten Bären-Klau sticht er per Hand heraus.


    Die Biodynamischen-Bauern brauchen das nicht, sie bringen den Mist nicht auf die Weide aus.

    Sie füllen einen Teil in ein Rinder-Hörner und vergraben diese an bestimmten Orten im Herbst.

    An Christihimmelfahrt war auf dem mir bekannten Hof das Fest an dem diese Hörner ausgegraben werden,

    und in einem großen Wasserfass dynamisiert werden, in dem das Fass stundenlang nach einem bestimmten Rhythmus gerührt wird.


    Dieses Wasser spritzen sie auf die Felder.
    Ob nun die Landwirte, die Dir liebe Erdherz und mir in Deiner Nähe bekannt sind, auch Kreuzkraut auf den Wiesen haben weiß ich nicht,

    aber Du bist ja näher, vielleicht kannst Du mal fragen, was sie mit dem Kraut machen, oder dagegen.


    Aus dem Saatkalender "Maria Thun Aussaattage" werden auch ver-aschungen beschrieben.

    Was man oder auch frau da beachten sollte, dass auf diese Weise alle ähnlichen Pflanzen mit im Wachstum verhindert werden.


    Also verbrenne Löwenzahn-Pflanzen und bringe die Asche auf den Rasen,

    jetzt könnte alles, was mit dem Löwenzahn verwandt ist auch wegbleiben, also auch im Blumenbeet daneben ...
    Mit einer Flut an der RotenWegschnecke wandte ich einen Sud an, und rottete fast alle Schnecken (auch die mit Haus) in dem Garten aus.


    Da ist Vorsicht geboten.

    Alles hängt eben mit allem zusammen und wenn etwas zuviel wird, ist es ein Zeichen,

    dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, nur ist das heute gar nicht mehr so einfach herauszufinden.


    Liebe Grüße Kerstin

  • Liebe Kerstin,


    gegen Bärenklau, Kreuzkraut, Schierling und dergleichen ziehen wir auch nur mit Handschuhen und Muskelkraft zu Felde. Solange es nur einzelne Pflanzen sind, geht das. Bei der einen Wiese, auf der sich das Kreuzkraut stärker ausgebreitet hat weil der Samen von nebenan rüber weht, sind wir dazu übergegangen zweimal pro Jahr zu mähen - halt so, dass möglichst viel von der Artenvielfalt erhalten bleibt.

    Die andere Wiese liegt diesbezüglich geschützter, hat einen wunderschönen Bachlauf und dadurch noch zusätzliche Arten am Wasser, die auch für zahlreiche Insekten Nahrung bieten. Sogar wilder Frauenmantel wächst dort, den man sonst nicht so häufig findet.

    Dort wird erst im Spätherbst gemäht, damit die Brombeerranken nicht alles zuwuchern. Die Pferde sind nur tagsüber auf der Weide und lassen genug Pflanzen zum aussähen stehen, außerdem sind die wählerisch und gehen nicht an alles. Um das Mähen ganz zu vermeiden, müssten noch Schafe oder Kühe mit auf die Wiese, die fressen auch das, was die Pferde stehen lassen - dann ist aber auch schnell überweidet und Schluss mit Artenvielfalt. Außerdem teilen wir die Wiesen auch gerne mit den Rehen, die nachts dort zu Besuch sind und für die so auch genug Grünzeug bleibt.

    Es gibt einen Schäfer und mehrere Hobby-Schafhalter hier, die dafür sorgen, dass die Flächen nicht verbuschen. Früher gab es viel Obstanbau - da wurde auch heftig Gift gespritzt. Jetzt wandelt es sich wieder. Vielleicht sind deswegen auch die Kaninchen wieder zurückgekehrt.


    Wir sind ja auch nur Hobbytierhalter und keine Landwirte und können uns daher auch ohne Druck alternativen, ökologischen Methoden der Weidewirtschaft widmen, zumal wir gar keine Maschinen besitzen. Die Erwerbslandwirte denken aber auch nach und nach um - dauert halt. Dafür muss man ebenfalls Verständnis haben. Die sind über Jahrzehnte so auf Chemie und Monokultur eingenordet worden, dass sich das Umdenken leider oft sehr schleppend vollzieht. Viele hier arbeiten auch hauptberuflich bei der BASF, die die Landwirte ja besonders umgarnt:


    https://www.wichtigster-beruf.de


    Aber auch ökologischer Wandel, wie z. B. der, hin zur Windkraft hat seine Tücken: nicht nur die Greifvögel sind dort häufig Opfer, auch die Fledermäuse leiden sehr darunter:


    https://www.nabu.de/tiere-und-…rmaeuse/wissen/15018.html


    :hrz::rtklchn: Erdherz

  • Ihr Lieben,


    wir haben hier einen Kleinbauern am Ort, der für Maschinen kein Geld hat und nur einen klapprigen alten und somit leichten Traktor besitzt. Dieser mäht unsere Wiesen ausschließlich mit der Sense, kein Mist und keine Gülle darf er austragen. Dafür muss er keine Pacht bezahlen und er muss darauf achten, dass die Wiese geblüht hatte. Seit wir das so beschlossen haben, ist die Artenvielfalt erschlagend geworden. Und jedes Jahr sehen die Wiesen völlig anders aus.


    Warum wir das so beschlossen hatten ist, dass wir einen deutlichen Unterschied zu jeglichen Wiesen aller Bauern hier hatten, im Vergleich zu seinen. Sein Heu duftet atemberauben über etliche Wiesen und Kurven bis zu uns ins Haus hinein, wenn er Heu macht. Ein Traum.


    Wenn die Katzen von ihrer Mäusejagt heim kommen und duften, wissen wir sofort sie waren beim Heini auf der Wies jagen.


    Sahne :sonne:

  • Es sollen ja seit einiger Zeit auch zugewanderte Zeckenarten hier heimisch sein - auf die ich gerne verzichtet hätte! Dieses Jahr ist es so schlimm wie noch nie. Wir entfernen an manchen Tagen dutzende Zecken von Victor und den Pferden. Die zu dieser Jahreszeit noch sehr saftigen Wiesen (bei uns ist es auch ausreichend feucht bis jetzt) mit vielen Blühpflanzen und Gräsersorten scheinen nicht nur Biene und Co. zu gefallen.


    Die "Neuen" verursachen angeblich besonders schwere Infektionen (da habe ich mich aber noch nicht näher eingelesen, weil wir bisher verschont blieben) und können eine Fleischallergie auslösen!!! Zum Schmunzeln trotz all des Ärgers mit den neuen und alten Zecken finde ich einen darauf fußenden Beitrag eines Journalisten (weiß leider nicht mehr, wo der drin stand), der aufgrund der bekannten Tatsache, dass die CO2-Ausstöße durch die Massentierhaltung zu den wesentlichen Klimakillern zählen und in Verbindung mit der Fleischallergie zu dem Schluss kommt: 'Wer hätte wohl gedacht, dass es eine Zecke sein wird, die das Klima rettet!' 8o