Was macht das mit uns: Soziale Netzwerke und Animationsfilme

  • Liebe Lesende und Schreibende dieses Forum,


    in einem Kurs in der Freizeitschule hier in Mannheim,

    lasen wir gemeinsam das Buch "Allgemeine Menschen Kunde, als Grundlage der Pädagogik"


    darin las ich zum ersten Mal, dass was wir sehen und hören ganz tief in unser Seelenleben verankert wird.


    In den 70er Jahren gab es eine öffentliche Diskussion von Psychologen,

    wie gut/schlecht es wäre die Zeichentrickfilme den Kindern vorzusetzen.

    Damals ging es um "Tom und Jerry" - "Die Familie Feuerstein" und viele andere,

    in denen Gewalt auf lustige Weise gezeigt wurde/wird, in der der Verletzte aber immer wieder aufsteht.


    Die Fachmenschen damals meinten, die Kinder würden denken, das wäre im Leben genauso.

    Das hat sich, so glaube ich, nicht bewahrheitet, aber ich kenne viele Altersgenossen, die von Dinosauriern begeistert sind =).


    Seit einigen Jahren gibt es nun Filme, in denen die Technik Menschen und Tiere plötzlich ganz andere Dinge machen lassen.

    Neustes Beispiel Disneys Neuauflage "Lions King" oder "Der König der Löwen"


    Der Schweizer YouTube Kanal des Senders SRF hat eine 3 Minuten Kritik bereit gestellt,

    aber sieh selbst, was die Bilder mit Dir machen:


    Da wundert es mich nicht, dass Leute in den Safaripark fahren, und mit dem Löwen schmusen möchten ?(

    Ein anderes Beispiel ist Dubrovnik, dort wurde die Serie "Games of Thrones" gedreht.

    Es gibt extra Städtereisen zu den Drehorten und das ist die Altstadt.
    Welche Schattenseiten ein solcher Massenandrang hat zeigt diese Doku des WDR.


    ab Minute 5:30 erzählt die Stadtführerin von einem jungen Mann,

    der glaubte, dass diese Serie wahr wäre. :|


    Auf Instagram und YouTube werden in seit Jahren Menschen mit vielen Followern "Influenzer" genannt ...

    die treffen sich sogar in Tschernobyl am Reaktor zum posten =O

    und locken ander Leute an Plätze, die für so viele Menschen gar nicht ausgelegt sind.


    Dr. Joachim Bauer war wieder zu einem Vortrag Anfang Juli 2019 in Vorarlberg:


    Wie Medien und Soziale Netzwerke uns verändern



    Zum Schluss möchte ich noch betonen,

    dass hier im diesem Forum keine Daten gesammelt,

    die in irgendeiner Weise verkauft werden.


    Auf der einen Seite ist es öffentlich und auf der anderen Seite,

    sind die Sorgen und Nöte im Mitgliederbereich nur von den Menschen zu lesen,

    die eine Vorstellung schrieben und freigeschaltet wurden.


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    Wir älteren Semester haben ja schon einiges in Zeitung, Radio, Fernsehen und am PC erlebt.


    • Was macht das mit Dir?
    • Wie gehst Du mit den Nachrichten um?
    • Wenn Du die Bilder des neuen "König der Löwen" Film siehst, welche Bilder/Ideen entstehen in Dir?
    • Welche Erfahrung hast Du mit Deinen Mitmenschen und dem Konsum der Medien gemacht?
    • Welche Auswirkungen hat diese Veränderung im Leben unserer "Kultur" für Dich?

    Herzliche aber auch bedenkliche Grüße

    Kerstin

  • Ein interessantes Thema. Und ich glaube da kann ich einiges zu beitragen weil ich in Sachen Medien schon so einiges Erlebt habe und nach wie vor erlebe... auch gerade in dem Bezug was es mit mir tut.


    • Was macht das mit Dir?
    • Wie gehst Du mit den Nachrichten um?

    Bis vor ein paar Jahren habe ich noch Nachrichten geschaut und gelesen. Mittlerweile tue ich das nicht mehr. Vielleicht mal Auslandspresse.

    Wenn Du die Bilder des neuen "König der Löwen" Film siehst, welche Bilder/Ideen entstehen in Dir?

    Im englischen (und wahrscheinlich nicht nur dort) gibt es ein Sprichwort "Seeing is believing" was ungefähr so viel heisst: Etwas zu sehen bedeutet auch daran zu glauben.

    Das scheint, nach meiner Beobachtung, eine elementare Eigenschaft der menschlichen Psyche zu sein.

    Das Unterbewusstsein unterscheidet nicht zwischen den Dingen die das Wachbewusstsein als "Fernsehen" oder "Kino" oder auch als "Real erlebt" einordnet. Das Unterbewusstsein sieht Dinge und damit werden diese Dinge, im Unterbewusstsein, auch real.

    Wenn man dann mal überlegt welche Macht das Unterbewusste über uns hat... wirft das ein sehr eigenartiges Licht auf das Wesen unserer Realität.


    Menschen die stark kopforientiert sind können das besser kompensieren/realisieren als Menschen die eher gefühlsorientiert Leben. Und so wundert es mich nicht, wenn etwa jemand nach den Eindringlichen BIldern etwa bei "Games of Thrones" tatsächlich daran glaubt dass diese Dinge so geschehen sind. Wie könnte es auch anders sein? Er hat sie doch mit eigenen Augen gesehen.


    Es gibt Leute die verlieben sich in Showstars/Filmschauspieler/oder Trickfilmfiguren und können dagegen garnichts machen obwohl ihnen doch im Kopf klar ist von welcher Natur das ist was sie da gerade gesehen haben. Aber die Liebe das ist etwas unterbewusstes und interessiert sich nicht für das alberene Geschwätz des Bewusstseins. Und wer einmal geliebt hat der weiss das man sich diesem Ruf nicht entziehen kann.


    Welche Erfahrung hast Du mit Deinen Mitmenschen und dem Konsum der Medien gemacht?

    Das hängt ganz stark von den individuellen Personen ab. Ich habe den Eindruck das die jungen Leute und Kinder da mittlerweile schon sehr stark abgestumpft sind was diese Medieneindrücke angeht, bzw haben weniger scheu diese Dinge ins Leben zu rufen und auszuleben wie etwa die "Cosplayer".

    Viele sind aber auch gleichgültig (geworden?) durch die immer stärker werdende Macht der künstlichen und künstlerischen BIlder und die Grenze zwischen Wahrheit und Realität verschwimmt mehr und mehr in den Köpfen der Menschen. Man könnte, wenn man geneigt ist, sich fragen ob das nicht die "Zeitenwende" ist die uns über lange Zeit hinaufbeschworen wurde. Und was das bedeutet. Bedeutet es das die Realität in Zukunft nicht mehr das was wir erfahren sondern das was was wir in bewusst beeindruckenden Bildern wir... sehen (und hören)?

    Was mir aber immer stärker auffällt ist das die Leute es quasi aufgeben und unterlassen selber kreativ zu sein. Es gibt in der Medienlandschaft so vieles zu sehen und zu erkennen das der wunsch nach eigener Kreativität nicht mehr in der Weise aufzukeimen scheint wie es in meiner Generation noch war. Alles erscheint mir in dieser Beziehung rein industriell geworden zu sein. Selbst Stars und bekannte Künstler sind nur mehr reine Produkte eines Managmentprozesses der sich stets nach dem aktuellen (kurzlebigen) Zeitgeist richtet.


    Welche Auswirkungen hat diese Veränderung im Leben unserer "Kultur" für Dich?

    Für mich sind die Auswirkungen mittlerweile sehr einschneidend und auch einschränkend. Ich bin mit einer äussert lebendigen Innenwelt "geschlagen". Ich sage hierbei bewusst "geschlagen" denn die Art von Empathie die ich empfinde bei -allem- was ich "sehe" und was von meiner Art ist (bzw mich "berührt") mich in tiefe Krisen stürzen kann. Das bedeutet das mir... tatsächlich "Graue Haare wachsen" wenn ich gewisse mediale Inhalte sehe weil sie mir näher gehen als es die Dinge in der hiesigen Realität vermögen.


    In den siebzigern (da wurde ich geboren) und den achzigern etwa da waren diese Dinge/Trickfilme/etc noch sehr Krude und hässlich und unnatürlich. Kaum etwas davon hat mich im Inneren berührt. Doch mittlerweile ist das anders.

    Diese Dinge werden in allen Medien omnipräsent, und sind aufgrund der Menschen (Zuschauer) die daran teilhaben mit (für mich) ungeheuren Energien einhergehend. Und diese Dinge werden, so ich sie sehe, in mir tatsächlich lebendig. Und das ist fürchterlich weil es ist als ob mir das Herz aus dem Leibe gerissen wird bei lebendigem Leibe. Weil ich nicht unterscheiden kann das das was ich da "sehe" (was auch immer es auch gerade ist, was mich da berührt) ein Teil dieser Realität ist oder nicht (also ein Illusion)... und auf diese Weise werden diese Dinge für mich Real. Nicht so das ich auf einmal die Heinzelmännchen auf der Straße sehe. Aber meine Empfindungen... sind real und ich kann mich diesen Empfindungen nicht entziehen.


    Das ist auch einer der Gründe warum ich überhaupt so stark künstlerisch unterwegs bin. Das ich gelernt habe zu zeichnen, zu malen, zu modellieren schreiben, Animieren und all diese Dinge. Ich habe immer wieder versucht meinem Unterbewusstsein so erfahrbar zu machen wo die Grenze verläuft zwischen dem was "hier" ist und dem was "drüben" (bzw kreativ) ist.

    Ich wollte meinem Unterbewusstsein die Natur der Bilder und Komposition erfahrbar machen. Die Natur und Gesetzlichkeiten des Schreibens. Des Geschichtenerzählens, von Form und Farbe- Das ist mir bis heute nicht gelungen -

    Und darum muss ich sehr aufpassen was ich wann wie und wo sehe. Und ich darf auf keinen Fall irgendwelche Fernsehserien schauen in denen gewisse Dinge vorkommen oder zu "sehen" sind. Denn wenn ich so etwas sehe dann werde ich damit eins und empathisch und alles was dann diesem Wesen geschieht, das geschieht in gleichem Maß auch mir. Und das geht meistens mit den fürchterlichsten Empfindungen einher weil meist nichts in den Medien friedlich ist und es eigentlich immer nur um Krieg und Tod und Zerstörung geht.... und ich daher immer nur schmerz und Trauer und Verzweiflung empfinde und dem auch meisstens nichts entgegensetzen kann bis genügend "Grass über die Sache" gewachsen ist.


    Aber meinem Unterbewussten ist das egal ob ich graue Haare bekomme. Es "sieht" und es lässt das gesehene in mir emotionell -real- werden. Und darum bin ich mittlerweile schon so ein halber Einsiedler und es gibt Dinge aus dem Bereich der "Fiktion" die mich verfolgen als seien es Geschehnisse aus meinem hiesigen Leben. Und das sind nicht die angenehmen Dinge die mich verfolgen, dass kann ich sagen. Und ich habe mir eigentlich schon oft gewünscht auf einer einsamen Insel zu Leben mit einem Baseball den ich Wilson nenne. Und das ich mit der Zeit dann wieder Dinge vergessen kann und zur Ruhe komme.


    Na das ist ja ein tolles Pamphlet geworden :)

    LG

    kyo

  • Was macht es ...?

    Und darum muss ich sehr aufpassen was ich wann wie und wo sehe. Und ich darf auf keinen Fall irgendwelche Fernsehserien schauen in denen gewisse Dinge vorkommen oder zu "sehen" sind. Denn wenn ich so etwas sehe dann ...

    kyo beschreibt sehr genau, was passiert!

    (Ich fühlte mich beim Lesen durchaus auch gespiegelt.)


    Das "Mitfühlen", "Miterleben" der dargestellten "Quasi-Realität" kann für mich sehr heftig sein.


    Früher galt ja:

    schau dir an, was in der Welt geschieht, damit du informiert bist ...

    oder

    ein Film am Abend vor dem Einschlafen macht so schön müde, da kannst du gut entspannen ...

    Inzwischen,

    so ganz ohne Testbild :D, dafür mit Rundum-Berieselung,

    fällt die Unterscheidung zwischen Information und Manipulation schwer,

    und die nächtlichen Filme und Serien verfolgen mich und erzeugen heftige Träume.

    Also bleibt das Fernsehen aus.


    Bei Büchern ist das ein wenig anders:

    :buch:

    Es gibt - neben viel TV-Vergleichbarem - auch noch andere Inhalte.

    Und: ein Buch kann ich mir aussuchen, es anlesen, ob Sprache und Inhalt mir zusagen.

    Welche Buch-Bilderwelt sich in mir entwickelt.

    Und es gegebenenfalls rechtzeitig beiseite legen :zzz:

    Für mich gibt es den Rückzug in eigene Welten,

    das sorgfältige Auswählen dessen, was ich tun, lesen oder sehen will,

    die gründliche Vorbereitung (das wäre ideal :D...), wenn eine Auswahl mal nicht möglich ist.


    ****************

    Allen einen wundervollen Sommertag wünscht


    AlteEule (°V°)

    Ich habe von tausend neuen Wegen geträumt. Ich bin aufgewacht und meinen weitergegangen.
    (Chinesisches Sprichwort)


    Ich bin der wichtigste Mensch für mich, denn: Ohne mich kann ich nicht leben!

  • Hmmm, um zuerst mal auf die Überschrift einzugehen weil das Thema sehr komplex ist.


    Ich habe gemerkt dass mein Charakter dadurch härter geworden ist über die Jahre mit all der Forengewalt konfrontiert gewesen zu sein.

    Und ich kann es nicht rückgängig machen.


    Sich ganz zurückzuziehen würde bedeuten sich von zu viel positiven und auch konstruktiven Impulsen abzuschliessen, also das Kind mit dem Bade auszuschütten.


    Also bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann die notwendige gesellschaftliche und individuelle Reinigung all dieser negativen Energien stattgefunden hat und wir gelernt haben bessere Wege zu finden, also das Internet eher als einen Platz des gemeinsamen Lernens zu nutzen, zur Inspiration, zur verbindenden Kommunikation.


    Zur Zeit hat man oft den Eindruck sich auf einem virtuellen Kriegsschauplatz zu befinden, wo jeder nur seinen Seelenmüll ablädt und seine persönlichen Powergames spielt.

    Aber es gibt ja selbst in den seriösen Medien immer weniger Werte, früher hat ein Journalist Informationen rausgegeben, heute ist vieles mit Propaganda durchwachsen.

    Und die technischen Möglichkeiten zur Verfälschung steigen an, die Manipulation des Massenbewusstseins vor Wahlen wird als normal akzpetiert und kann erkauft werden.


    Ich kann mich heute besser abgrenzen, aber Horrorfilme oder primitive Reality-Shows tu ich mir nicht an.


    Man wird durch diese Inhalte verändert, ob man es will oder nicht, allerdings oft schleichend und anfangs unbemerkt.


    Wir haben bei uns zu Hause eine gute Diskussionskultur, eines der wichtigsten Dinge, die ich meinen Kindern beigebracht habe ist zu lernen unabhängig zu denken und zu hinterfragen.


    Wenn wir was anschauen, dann eher Streams, weil man dann selber entscheiden kann was und wann man sich reinzieht.

    Und wir sind grosse Leseratten, wobei es auch in Büchern viele Botschaften gibt, die eher bedenklich sind, was eben grad im gesellschaftlichen Trend liegt.

    Besser als die Wahrheit kennen, ist die Wahrheit lieben. Konfuzius :heilig:

  • Zur Zeit hat man oft den Eindruck sich auf einem virtuellen Kriegsschauplatz zu befinden, wo jeder nur seinen Seelenmüll ablädt und seine persönlichen Powergames spielt.

    empfinde ich aktuell genau so.


    Ich merke, dass ich süchtig bin nach Internet, nach Filmen, nach Kommentaren, etc. Das macht es mit mir.

    ~ Loslassen ist die beste Medizin ~

  • Wir haben vor ein paar Jahren angefangen Nachrichten einfach in Form politischer Comedy anzuschauen, es gibt da ein paar ganz gute Sendungen, auch wenn wir inhaltlich nicht mit jedem übereinstimmen, denn manches ist auch zu einseitig...wenigestens kann man über manches noch lachen, anstelle über den Zustand der Welt zu weinen oder wüten zu müssen.

    Besser als die Wahrheit kennen, ist die Wahrheit lieben. Konfuzius :heilig: