Peta-Reaktion auf Brand im Krefelder Zoo

  • Nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo und dem grausamen Tod vieler Affen und einiger anderer Tiere hat mein Mitgefühl vor allem den Pflegern, die die Tiere teils mit der Flasche großgezogen und jahrzehntelang betreut hatten, gegolten. 'Massa' war z. B. der älteste Gorilla-Mann mit seinen 48 Jahren, von denen er 45 dort im Affenhaus verbrachte. Seine Pfleger*innen müssen seinen Tod mit dem gleichen Schmerz empfunden haben, den der Tod eines geliebten Familienmitgliedes ausgelöst hätte.


    Auch die drei Frauen, die völlig verzweifelt sind, dass sie diese Tragödie ausgelöst haben und die sich gleich selbst und ohne Anwalt der Polizei gestellt haben, tun mir unglaublich leid. Als bekanntlich große Tierfreundin weiß ich, dass man es sich sein Leben lang nur schwer verzeihen kann, wenn ein Tier durch Unachtsamkeit zu schaden kommt. Vielleicht wollten sie gerade mit den Himmelslaternen laute Böller vermeiden, die für Tiere so angsteinflößend sind. Wer hätte denn gewusst, dass die verboten sind oder bedacht, dass es zu so einem Unglück kommen kann? Trotz Verbots wurden diese Himmelslaternen z. B. von real-online verkauft. Hier sollte man eher wissen, was in Deutschland verkauft werden darf und was nicht! Über eine Mitschuld deutscher online-Anbieter sollte man ruhig mal nachdenken. Und über generelle Verbote von Feuerwerk jeglicher Art oder zumindest Schutzzonen auch.


    Es gibt sicher in einigen Zoos Haltungsbedingungen und Praktiken, die zu kritisieren sind (z. B. Tierbabies, die ausschließlich als Zuschauermagnet gezogen werden und die geschlachtet werden, wenn sie diesen Zweck nicht mehr erfüllen), aber:


    Die Tierschutzorganisation Peta, die viel Gutes in Sachen Tierschutz erkämpft, verhält sich für mein Empfinden mit ihrer aktuellen Petition gegen die Haltung von Affen in Zoos und der Argumentationsweise sehr schäbig. Das Affenhaus war 2000 qm groß. Es gab Kletter- und Spielmöglichkeiten, die alten Gorillas hatten bereits ein Freigehege, für die anderen sollte es dieses Jahr entstehen. Die Tiere wurden offensichtlich gut versorgt (sonst würden sie nicht so alt wie z. B. das Gorilla-Paar (46 und 48 J.) und die tiefe Verzweiflung ihrer Pfleger zeigt, sie wurden geliebt! Peta schreibt von "katastrophalen Zuständen" in der Haltung, von "Beton-Bunker" usw.

    Man kann zu Zoos stehen wie man will, aber dieses Ereignis sofort in dieser Weise für die eigene Meinungspropaganda zu benutzen und mit so rücksichtslosen Behauptungen zu spicken, die die trauernden Pfleger ins Mark treffen müssen, halte ich für absolut verächtlich. Wer sich Menschen gegenüber so gefühllos zeigt, kann in meinen Augen kein wahrer Tierfreund sein... In den sozialen Medien gab es bereits Morddrohungen gegen die drei Frauen! Auch wenn Peta sich nicht negativ über die Frauen äußert, gießt die einseitige, undifferenzierte und den Menschen stets als Bösewicht propagierende Weise von Peta solchen aggressiven Zeitgenossen eher noch Öl auf's Feuer.


    Vielleicht sollte man bei Peta nochmal über "katastrophale Zustände" nachdenken: Kinder in Slums, auf Müllhalden, in Steinbrüchen, in industriellen Anlagen, unter Tage, als Kindersoldaten, Prostituierte ... da könnte man endlos fortfahren. DAS sind katastrophale Zustände! Dagegen hatten die Affen in Krefeld ein paradiesisches Leben! Katastrophal ist auch, dass der Lebensraum der Wildtiere aus purer Gier und Konsumwahnsinn vernichtet wird. Laut Peta sollte man anstatt Zoos zu unterhalten die Steuergelder in die Erhaltung der Lebensräume investieren. Schön und gut - aber deutsche Steuergelder werden kaum einen Orang-Utan auf Borneo retten und die letzten Nashörner in Afrika auch nicht. Der Mensch zerstört. Der Mensch ist aber auch das Wesen, das die Schäden, die es anrichtet, hier und da wieder beheben kann. Kann die Natur normalerweise auch, aber es dauert und wir pfuschen ihr ja auch gewaltig dazwischen. Ob Zoos hier einen Beitrag leisten können, kann ich als Laie nicht beurteilen.


    Was mir als ehemaliges Fördermitglied von Peta so völlig fehlt, ist das Gespür für Verhältnismäßigkeit.

    Gekündigt hatte ich vor Jahren als Peta Firmen wie Esprit für ihre "veganen" Plastik-Pumps auszeichnete, während Firmen wie z. B. Hessnatur wegen der Vermarktung von Kleidung aus Wolle (aus teils regionaler, nachhaltiger, artgerechter Tierhaltung oder z. B. Yak-Wolle von mongolischen Nomadenfamilien) zu den Geächteten zählt. So nicht, bitte!!!


    Erdherz, aufgewühlt! :meh:

  • wow über deinen Beitrag kann ich jetzt nur den Hut ziehen, Erdherz...... sehr schön geschrieben

    manchmal wünsche ich mir die Gelassenheit eines Stuhles
    den der muss auch mit jedem Arsch klar kommen


    Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, ich habe noch mehr davon