Innere Zerrissenheit

  • Hallo,

    Ich möchte euch um eure Gedanken und Eingebungen bitten.

    Ich trage eine Last mit mir, die ich nicht benennen kann. Ich kenne deren Ursache nicht. Ich wache sehr oft mit dem Gefühl auf, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich fühle mich schuldig, obwohl ich immer so lebe, dass ich jederzeit mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen kann.

    Das zur Vorgeschichte. Das eigentliche Thema ist meine Freundin, die ich seit der Schulzeit kenne. Wir haben viel gemeinsam erlebt und unternommen, waren verreist und haben uns alles erzählt. Dann bekam ich Kinder und unser Kontakt wurde etwas unregelmäßig. Sie hat weder Kinder , Geschwister noch einen Partner, die Eltern sind gestorben und sie fühlt sich allein.

    Ich versuche für sie dazusein.

    Vor einigen Wochen hatte sie einen Suizidversuch. Ich war nicht mal erschrocken, vielleicht hatte ich es geahnt weil sie so mies drauf war. Natürlich habe ich mich gekümmert. Aber ich fühle mich auch überfordert. Ich habe mit mir und meiner Psyche, meiner Kranken Mutter und meiner Arbeit zu tun.

    Ich weiß, dass ich für die da sein muss. Aber letztens habe ich richtig gemerkt wie mich Ihre Gegenwart runterzieht. Es fühlt sich so schwer an. Ich brauche Leichtigkeit und Lebensfreude.

    Auf der anderen Seite darf ich nicht so egoistisch sein.

    Was sagt ihr dazu??(

  • Liebe Linde!

    Der Schlüsselsatz in deinem Posting ist für mich:

    Ich weiß, dass ich für die da sein muss.

    Das ist die mich reine Ideologie und soziale Prägung.

    Dein Inneres Selbst weiß:

    Ich weiß, dass ich für mich, meine seelische und körperliche Gesundheit und Ganzheit verantwortlich bin.

    Aus der Spannung zwischen deinem nicht erlaubten inneren Wissen und der Ideologie des Selbst-losen Sorgen müssens für deine Freundin entsteht die Schwere, die sich wie eine dunkle Decke über deine Lebendigkeit und Lebensfreude legt.

    Dir für deinen Weg alles Gute!

    LG

    Advaita

  • Das ist die mich reine Ideologie und soziale Prägung.

    Dein Inneres Selbst weiß:

    Ich weiß, dass ich für mich, meine seelische und körperliche Gesundheit und Ganzheit verantwortlich bin.

    Aus der Spannung zwischen deinem nicht erlaubten inneren Wissen und der Ideologie des Selbst-losen Sorgen müssens für deine Freundin entsteht die Schwere, die sich wie eine dunkle Decke über deine Lebendigkeit und Lebensfreude legt.

    Ja, ich glaube an die Nächstenliebe und ich stelle mir vor, wie ich mich fühlen würde, so allein.

  • Ich glaube auch, du solltest jetzt für sie da sein, in guten Zeiten hat man immer gute Freunde in schlechten Zeiten zieht man immer alle runter, die Schwingung zieht mich dann runter oder kranke Menschen rauben die Energie. Da wollen sie umgeben sein von lustigen Menschen und fun haben.

    Von diesen Freunden habe ich mich getrennt. Und rate mal, wer mich hin und wieder anruft, wenn es mal wieder brennt?


    Leider ist nicht jeder auf die Butterseite gefallen. Vielleicht ist das jetzt gerade deine Aufgabe und dein Sinn im Leben ihr jetzt zu helfen. Man wird nicht geboren um immer nur Spaß zu haben und die Leichtigkeit im Leben zu genießen, aber man wird geboren um anderen zu helfen und hin und wieder Engerl zu spielen und nachdem was sie schon alles durchgemacht hat, braucht sie dich jetzt dringend.

    Ich glaube schon, dass du die Power hast, sonst hättest du jetzt nicht diese Aufgabe bekommen.

    Man bekommt immer soviele Aufgaben, wie man auch tragen kann.

    Gibt es dir nicht Kraft, wenn du weißt, dass du jemanden helfen kannst?


    Aber deine Freundin braucht jetzt auch unbedingt eine zusätzliche professionelle Unterstützung, damit sowas nicht nochmal vorkommt.

    Und ein soziales Netzwerk in deinem Bekanntenkreis, dass sie auch jemanden Anderen hat, falls du mal nicht erreichbar bist.

    Hat sie die?


    Nimm dir auch die Zeit für dich und die du brauchst, aber lasse sie nicht hängen.


    Viel Kraft Power und Energy für die nächste Zeit

    Luna :sun:

  • Ich glaube, wenn du ihr helfen könntest, hättest du das längst getan.

    Nächstenliebe ist nur dann wirklich möglich, wenn sie in gesunder Selbstliebe Nahrung findet.


    Und die schönste, stärkste Nächstenliebe kann nicht etwas tun, was nicht in ihrer Macht steht und nicht ihre Aufgabe ist.

    Was deiner Freundin wirklich hilft, das findet sie nur in ihrem Innern.

    Das scheint vielleicht grausam, doch es gilt für uns alle.


    Du findet ja auch etwas in deinem Innern: Dass du Leichtigkeit und Lebensfreude brauchst. Wenn es dir schlecht geht, geht es ihr nicht besser.

    Und noch mal: Wenn du ihr helfen könntest, dann hättest du es ganz sicher getan.


    Alles Gute dir - und ihr.


    :palm1:

    :twl: Die Wahrheit kommt nicht ans Licht. Sie IST Licht. :twr:

  • Ich schließe mich Vetch an. Du warst und bist ganz bestimmt immer eine gute Freundin. Trotzdem hat Deine Bekannte einen Suizidversuch unternommen. Das heißt, dass es in ihrem Leben Dinge gibt, die Du nicht für sie lösen kannst.


    Depressive Menschen kosten enorm viel Kraft, und ganz oft kann man ihnen nicht helfen. Das von sich zu erwarten, wäre auch eine glatte Überforderung. Ein Mensch, der den Versuch unternimmt, seinem Leben ein Ende zu setzen, gehört in professionelle Hände.


    Das heißt nicht, dass Du nicht für Deine Freundin da sein kannst oder sollst. Aber eben nicht Du alleine. Und auch nur so weit, wie es Deine eigene Kraft zulässt. Deine Freundin hat nichts von Dir, wenn sie spürt, dass Du Dich unwohl fühlst, weil sie Dich runterzieht.


    Du schreibst, dass Du selbst genug mit Deiner Psyche, Deiner kranken Mutter und Deiner Arbeit zu tun hast. Das ist ja auch schon ganz schön viel, auch wenn ich nicht weiß, wie sehr Dich das alles belastet. Bitte geh' gut mit Dir um und sorge zunächst mal dafür, dass es Dir gut geht. Man kann nichts geben, wenn man nicht in seiner Mitte ist.

  • Liebe Linde,


    ich habe auch eine Freundin, die 12 Jahre älter ist (71) als ich und die alleine lebt. Sie hat diese Entscheidung bewusst und für sich getroffen. Sie ist fröhlich, gesellig, verabredet sich mit Freunden, wann immer sie möchte, ohne sich von irgendjemand "Huckepack" nehmen zu lassen. Sie engagiert sich sozial, ist sehr kreativ, malt, bastelt, geht in die Natur. Sie genießt ihr Leben allein, fühlt sich frei, alles zu tun und zu lassen, je nach ihren Bedürfnissen. Wenn wir uns treffen, wird viel gelacht. So kann man sich allein lebend auch fühlen, wenn man den richtigen Lebensweg eingeschlagen hat. Ich habe keine Freunde, für die ich mich aufopfern muss, weil ich Nächstenliebe anders verstehe: Selbstliebe leuchtet auch für Andere, heißt, ohne Selbstliebe ist Nächstenliebe wie Advaita es ausdrückt, mehr "soziale Prägung" und das kann verdammt anstrengend werden. Ich bin selbst zufrieden und achte auf die Bedürfnisse meiner Seele, deswegen habe ich eine zufriedene, selbstbewusste Freundin, für die ich auch gerne da bin, wenn sie Hilfe bräuchte. Aber sie würde gar nicht erlauben, dass ich mich in irgendeiner Weise für sie aufopfere!


    Wenn deine Freundin mit dem von ihr gewählten Lebensmodell unglücklich ist, dann muss sie etwas ändern - nicht du! Das ist es glaube ich, was Advaita mit der Eigenverantwortlichkeit ausdrücken wollte. Jeder befindet sich im "Training", um für seine seelische Gesundheit selbst sorgen zu lernen - was bedeuten kann, dass jemand (professionelle) Hilfe braucht, oder Freunde, die vorleben, wie Zufriedenheit funktioniert. Gegenseitige Abhängigkeit ist sicher keine zielführende Hilfe.


    Das hört sich so hart an, ich weiß, aber wir rennen alle mit der ein oder anderen Lebenslüge herum und finden Menschen, die uns das spiegeln. Das kostet Kraft und früher oder später dürfen solche "Deals" auch aufgekündigt werden, wenn die Seele sich Gehör verschafft hat.


    Alles Liebe für dich und deine Freundin :herz:

    Erdherz :<3:

    Ich weiß, dass ich alles mal gewusst habe, es aber leider wieder vergessen habe :crazy:

  • So wenige Menschen kennen ihren eigenen Seelenplan.

    Wir kennen nicht die Seelenpläne der Menschen, die uns lieb und teuer sind.

    Wir kennen nicht ihre Aufgaben und wenn wir sie kennen würden, dann steht es uns nicht zu, sie für den anderen zu übernehmen.


    Banal gesprochen: wenn eine Mutter ihrem Kind immer die Hausaufgaben macht, wird das Kind leicht durch die Klassenarbeit fallen. Die Mutter kann gute Vorraussetzungen schaffen, ihrem Kind einen ruhigen Arbeitsplatz zum Lernen und für die Hausaufgaben ermöglichen, Fragen beantworten.

    Als Freundin kann ich sagen 'Ich sehe dein Leid.', 'Ich bin hier.' oder 'Du bist nicht allein.'. Ein gemeinsamer Spaziergang, mal für den anderen Kochen, ihn/sie zur Therapie fahren .... das kann hilfreich sein. Gemeinsam in dem Sumpf abzutauchen, ist für niemanden heilsam und noch dazu unglaublich gefährlich.


    ich glaube an die Nächstenliebe

    Nächstenliebe bedeutet nicht, daß man mitleiden muß. Liebe bedeutet auch Vertrauen zu haben. Dem Anderen gegenüber das Vertrauen zu haben, daß er seinen Weg findet, seine Aufgabe annimmt. Das Leid vom Anderen tragen zu wollen, kann heißen, ihm nicht zuzutrauen, daß er/sie es alleine kann.


    Wir wissen auch nicht, durch wieviel Leid jemand gehen muß, bis er/sie endlich die Kurve kriegt.


    Wenn wir unser eigenes Licht entzünden, zeigen wir, dass es möglich ist. Wir leuchten ein bißchen für die Anderen mit und machen ihnen Mut, es auch zu wagen. Aber die Entscheidung leuchten zu wollen, muß aus jedem selbst kommen. Da braucht es ein ganz klares 'Ja, ich will!' Das ist der erste Schritt in die Heilung.


    :<3:

  • Ich glaube auch, du solltest jetzt für sie da sein,

    Ja, das bin ich. Aber nicht so wie sie das am liebsten hätte. Eigentlich möchte sie zu mir ziehen. Ich soll ihre Wäsche waschen weil sie Angst hat, dass die Maschine auslaufen könnte. Als sie im Krankenhaus lag habe ich ihre Wäsche gewaschen.

    Sie sollte von der Notaufnahme in eine andere Klinik überwiesen werden. Das hat sie abgelehnt. Ihr wurde ein Sozialpsych. Service, der täglich kommt bewilligt, den hat sie abgelehnt mit der Begründung: Ich habe Freunde die sich kümmern. :|

    Da war ich erstmal sauer. Ich habe täglich angerufen und immer wieder gebetmühlenartig das selbe gesagt. Sie braucht Hilfe, sie muss die Reha machen die beantragt wurde usw. Sie lehnt alles ab.

    Jetzt hat sie eine Psychotherapeutin gefunden und einen Termin gemacht. Ich bin so froh. Hoffentlich geht sie hin.

  • Eigentlich möchte sie zu mir ziehen.

    Was möchtest Du?

    Da war ich erstmal sauer.

    Das wäre ich auch gewesen!

    Sie lehnt alles ab.

    Das ist ihr gutes Recht. Aber es ist nicht ihr gutes Recht, Dir dann die Verantwortung aufzubürden.

    Hoffentlich geht sie hin.

    Wenn nicht, wäre das für mich ein Grund, mich zurückzuziehen. Ich kenne solche Fälle noch aus meiner Zeit als Psychotherapeutin. Solche Menschen neigen oft dazu, ihre gesamte Umgebung mit ihrem Leid zu terrorisieren, sind aber nicht willens (oder auch nicht in der Lage), etwas zu verändern, solange jemand da ist, der auf ihre Masche anspringt. Das ist ähnlich wie bei Süchtigen. Natürlich weiß ich auch, dass Depression eine schwere Erkrankung ist, aber trotzdem liegt es in der Verantwortung der Patienten, sinnvolle Hilfsangebote anzunehmen.

  • Wunderbar, liebe Mona , ich unterschreibe jeden Satz! :]


    Niemand sollte die Verantwortung für das eigene Leben einem anderen auf die Schultern legen. Das ist nicht ok.


    Ich soll ihre Wäsche waschen weil sie Angst hat, dass die Maschine auslaufen könnte.

    Das ist für Euch beide eine gute Übung. Du kannst reinspüren, wie sich ein 'Nein.' anfühlt und sie kann sich ihren Ängsten zu stellen.

    und immer wieder gebetmühlenartig das selbe gesagt

    Das ist etwas, das viel, viel Kraft kostet und keinem von beiden hilft.


    Deine Freundin hat entschieden, was sie nicht will und sie kann klar aussprechen, was sie will.

    Das darfst Du auch! :knuddeln:

  • Ich danke für die vielen guten Gedanken! Das hilft mir sehr mich selbst zu sortieren.

    Ich bin Jemand der sich wohlfühlt wenn er was geschafft hat. Und in diesem Fall merke ich meine Hilflosigkeit und Überforderung.

    Ich glaube das ist das Schlimmste.

    Wahrscheinlich werde ich getriggert. Es gab schon oft Situationen bei meiner Tochter, in denen ich auch so hilflos war und einfach nichts tun konnte.

  • Und in diesem Fall merke ich meine Hilflosigkeit und Überforderung.

    Ich kenne das Gefühl nur zu gut und immer mal wieder neu.

    Es ist doch unser großer Wunsch, daß es allen Wesen gut geht und, daß sie glücklich sein dürfen.

    In solchen Momenten versuche ich mich wieder daran zu erinnern, daß jeder das Recht hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Und es ist nicht leicht, zu zuschauen, wenn jemand, der einem nahe steht, sich einen schweren Weg aussucht.

    Vielleicht ist es ein Akt der Nächstenliebe, ihm innerlich zu erlauben, die Erfahrungen zu machen, auf die er/sie mit seiner Entscheidung zusteuert ....und seinen eigenen Frieden damit machen.

    :knuddeln:

  • Und es ist nicht leicht, zu zuschauen, wenn jemand, der einem nahe steht, sich einen schweren Weg aussucht.

    Vielleicht ist es ein Akt der Nächstenliebe, ihm innerlich zu erlauben, die Erfahrungen zu machen, auf die er/sie mit seiner Entscheidung zusteuert ....und seinen eigenen Frieden damit machen.

    Da kann ich auch jedes Wort unterschreiben, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sehr schwer ist, bei sich zu bleiben und nicht immer wieder in die Verantwortungs- und Schuldfalle zu tappen. Und auch, wie schwer es ist, sich nicht immer und immer wieder Energie rauben zu lassen.

  • Ich glaube auch, du solltest jetzt für sie da sein,

    Ja, das bin ich. Aber nicht so wie sie das am liebsten hätte. Eigentlich möchte sie zu mir ziehen. Ich soll ihre Wäsche waschen weil sie Angst hat, dass die Maschine auslaufen könnte. Als sie im Krankenhaus lag habe ich ihre Wäsche gewaschen.

    Sie sollte von der Notaufnahme in eine andere Klinik überwiesen werden. Das hat sie abgelehnt. Ihr wurde ein Sozialpsych. Service, der täglich kommt bewilligt, den hat sie abgelehnt mit der Begründung: Ich habe Freunde die sich kümmern. :|

    Da war ich erstmal sauer. Ich habe täglich angerufen und immer wieder gebetmühlenartig das selbe gesagt. Sie braucht Hilfe, sie muss die Reha machen die beantragt wurde usw. Sie lehnt alles ab.

    Jetzt hat sie eine Psychotherapeutin gefunden und einen Termin gemacht. Ich bin so froh. Hoffentlich geht sie hin.

    Um sie kümmern als Freundin ist ok, aber du brauchst nicht ihre Mutter spielen, das geht wirklich zu weit.

    Man gibt einen Finger und sie wollen die ganze Hand.


    Wasch mit ihr, bei ihr zu Hause gemeinsam die Wäsche und versichere ihr, dass da nichts passieren und auslaufen kann.

    Und mach ihr irgendwie klar, dass die Reha etwas Gutes ist, wie Urlaub, dass sie dort relaxen kann,

    baden kann... anderen wird es nicht bewilligt oder müssen einiges dafür bezahlen.. sie soll es irgendwie als Chance für einen Neuanfang sehen und man lernt wieder neue Leute kennen mit ähnlichen Schicksalen, kann sich austauschen usw.


    Zumindest hat sie jetzt diese Psychotherapeutin, bring sie hin, dann kommt sie nicht aus. 😉

    Hoffentlich kann diese ein Vertrauen zu ihr aufbauen.


    Alles Liebe

    Luna :sun:

  • Zumindest hat sie jetzt diese Psychotherapeutin, bring sie hin, dann kommt sie nicht aus. 😉

    Hoffentlich kann diese ein Vertrauen zu ihr aufbauen.


    Alles Liebe

    Luna :sun:

    Ich gehe arbeiten und werde sie nicht hinbringen. Das muss sie allein tun.

  • Meine Freundin isst und trinkt nicht mehr. Ihre Hausärztin hat ihr Psychophamakum verschrieben. Bei einer Psychologin war sie. Aber sie hat kaum noch Kraft hinzugehen.

    Sie möchte nicht mehr leben, aus Angst wie es weitergehen soll. Ich rede mit ihr, stundenlang immer dasselbe. =O

  • Liebe Linde,


    eines unserer großen Themen ist Sein-Lassen. Jeder Mensch hat seinen Weg, seinen Willen, seine Wünsche und das, was er leben und aus-halten kann und möchte.


    Wie alt ist sie? Habe ich das überlesen?

    Hat sie Kinder?

    Wie lebte sie, welche Job übte sie aus?


    Gebetsmühlenartiges Reden ist schwierig, wenn es auf taube Ohren fällt, und je mehr Du redest, kann es zu verschiedenen Effekten führen:
    - Übersättigung, das heißt, es geht rechts rein und links raus

    - es kann Druck aufbauen in einem Moment, in dem man nicht mehr weiter weiss

    - es ist eine Zuwendung, und wird aufgesogen – aber es entsteht kein Änderungsimpuls.


    Wenn sie nichts mehr isst und trinkt, und das Psychopharmacum ihr nicht wieder in den Alltag hilft, dann sehe ich eigentlich keine andere Möglichkeit als eine psychiatrische Klinik. Das ist dann eine Behandlung, keine Reha.

    Es wäre ein Weg, wenn Du sie zu ihrer Hausärztin begleitest (wenn sie das möchte) und mit ihr Möglichkeiten durchsprichst.


    Oder, wenn es ihr schon zu schlecht geht durch Entkräftung einen Notarzt rufst.


    Es ist eine schwere Situation, und ich sende Dir Kraft, Liebe und Langmut.


    Sun

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    ^^ Wir sind die Lösung. :crazy:

  • Ich bin vollzeitbeschäftigt und habe nicht die Zeit sie zum Arzt zu begleiten. Sie hat gerade wieder angerufen, dass es ihr nicht besser geht und sie seit Freitag nichts getrunken hat. Aber Klinik lehnt sie ab. Fremde Will sie auch nicht in der Wohnung haben. Sie will sterben, ruft mich aber an. Ich kann sie doch nicht so lassen.

    Sie ist 51 und kinderlos.

  • Ich kann sie doch nicht so lassen.

    Nahrungsaufnahme oder Klinik. Da gibt es nicht viel zu entscheiden.

    Nahrungsverweigerung und Todeswunsch kann als Suizid interpretiert werden. Wenn Du die Hausärztin anrufst und das so schilderst, wird sie eingreifen müssen.


    Egal wie sehr Du das möchtest, aber Du kannst Dir unmöglich die Verantwortung für das Leben eines anderen aufbürden, schon erst recht nicht, wenn dieser jegliche Hilfe ablehnt.


    Viel Kraft und Klarheit Dir! :luck: