Gibt es ein Gegenteil von Liebe?

  • Hallo Ihr Lieben,


    in einem sehr schönen Gespräch mit einer Bekannten, kam die Frage auf, was das Gegenteil von Liebe sei.

    Sie sagte, viele denken spontan an Hass, sie vermute aber, es sei Angst.

    Ich denke seit Tagen darüber nach und mir kommt immer wieder nur, daß für mein Empfinden, das Gegenteil von Liebe, ihr Fehlen ist.

    (Und für diesen Zustand finde ich keinen passenden Namen/Begriff.)

    So ist für mich Dunkelheit auch nur ein Fehlen von Licht oder anders ausgedrückt, die Abwesenheit von Licht.


    Mir geht es jetzt gar nicht darum, eine endgültige oder gar wissenschaftliche Antwort auf meine Frage zu bekommen.

    Aber es würde mich interessieren: was ist für Euch das Gegenteil von Liebe?


    Ich bin schon sehr neugierig auf Eure Antworten :].

    Herzliche Grüße, Czerion :<3:

  • in einem sehr schönen Gespräch mit einer Bekannten, kam die Frage auf, was das Gegenteil von Liebe sei.

    Sie sagte, viele denken spontan an Hass, sie vermute aber, es sei Angst.

    Darf ich zuerst fragen, wie sie ausgerechnet auf Angst als Gegenteil von Liebe kommt? Das erscheint mir in keiner Weise logisch oder stimmig. Angst um jemanden in der Not tendiert doch eher in Liebe als Grund, wenn man schon nur an die mütterliche Angst einer Frau kennt, wenn ihr Kind in Gefahr ist.


    Ich erlebte einmal etwas Ähnliches bei einem christlich fundamentalistischen Arzt. Als ich ihm als Jugendliche erzählte, dass mein jähzorniger Vater mir Angst mache, gab er MIR die Schuld, denn Angst sei eine Sünde! Der Mann hat mich echt auf die Palme gebracht.

  • Darf ich zuerst fragen, wie sie ausgerechnet auf Angst als Gegenteil von Liebe kommt?

    Ich meine mich zu erinnern, daß sie sagte, Angst läßt keinen Raum für Liebe, während im Hass durchaus Liebe drinsteckt, was der Begriff 'Hassliebe' ausdrücken kann.

    Sie erzählte auch, daß sie nachdem sie zu ihrer persönlichen Erkenntnis kam, ein Buch gelesen hat, das sie bestätigte.

    Sie war übrigens nicht die Einzigste, die mir in der letzten Woche auf mein Nachfragen Angst als Gegenteil von Liebe nannte.


    Angst um jemanden in der Not


    würde ich für mich persönlich jetzt mit fehlendem Vertrauen als Ursache in Verbindung bringen. Das Vertrauen, daß alles gut werden kann, daß jede Herausforderung im Leben einen Sinn hat und nichts anderes ist als eine Aufgabe, bei der wir aber himmlische Unterstützung und Führung bekommen.

    Daß uns akute Not eines Kindes oder eines anderen Menschen berührt, hat für mich etwas damit zu tun, daß wir fühlende Wesen sind.

    Wenn uns die Sorge um einen nahestehenden Menschen größer erscheint als um einen Fremden, dann hat das für mich nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Anhaftung. Anhaftung ist kein heilsamer Zustand. Da spielt Kontrolle, Besitzanspruch und fehlendes Loslassenwollen/-können mit rein. Vermutlich stellt sich jetzt die Frage, wo fängt Liebe an, wo hört sie auf und was ist überhaupt Liebe.


    Kein Wunder, daß ich keine einfache Antwort finde =).

  • Kein Wunder, daß ich keine einfache Antwort finde =) .

    Dort liegt der Wurm drin. Ich muss sagen, dass ich es ganz anders wahrnehme. Wahr-nehmen ist nicht unbedingt eine verstandesmäßige Definition. Ich habe eher den Eindruck, dass der Verstand der Liebe niemals gerecht werden kann. Deshalb lasse ich es lieber. Das Thema ist mir zu wertvoll, um es zu zersetzen. Ich zerstückle nur Gefühle, die mir nicht viel bedeuten. Aber Liebe ist für mich heilig.

  • Deshalb lasse ich es lieber.


    Ich danke Dir ganz herzlich für Deine Impulse auf meine Frage. Dadurch kam mir jetzt ein neuer Gedanke, den ich mir noch eine Weile anschauen bzw. in den ich hineinspüren möchte:


    die Momente in meinem Leben, in denen ich bedingungslose Liebe empfunden habe (immer ganz plötzlich, unerwartet und überwältigend) hatten immer mit Kindern, Tieren oder der Natur zu tun. Vielleicht sind sie der Schlüssel, oder ein möglicher Schlüssel, unsere Herzen zu öffnen, damit wir bedingungslose Liebe spüren/wahrnehmen können. Und weil sie so unbeschreiblich ist, so heilig, möchten wir diese 'Schlüssel' niemals gefährdet sehen, aus Angst, daß wir den Zugang verlieren. :hrz:

  • Liebe Czerion,


    zuerst kam mir der "Zweifel" in den Sinn,

    doch auch Liebe kann zweifeln.

    Anhaftung ist kein heilsamer Zustand. Da spielt Kontrolle, Besitzanspruch und fehlendes Loslassenwollen/-können mit rein.

    Die Gier könnte von der Liebe abgespaltet sein.


    Die Anhaftung hat etwas von Zwang, anders die Gewöhnung,

    bei alten Paaren denke ich manchmal, dass sie sich an einander so viele Jahre gewöhnt haben,

    dass wenn einer stirbt, dem anderen fast so ist, als fehlte ihm/ihr ein Bein.


    Liebe Grüße
    Kerstin

  • zuerst kam mir der "Zweifel" in den Sinn


    Das ist auch interessant! :top2:

    Auch, die Überlegung, ob Liebe zweifeln kann. Da würde ich jetzt Nein sagen, weil nach meinem Verständnis die Liebe keinen Grund zum Zweifeln hat.

    Zweifel als Gegenteil von Liebe wäre mir auf jeden Fall schlüssiger als der Hass.


    bei alten Paaren denke ich manchmal, dass sie sich an einander so viele Jahre gewöhnt haben


    In der Praxis habe ich es sehr oft erlebt, daß, wenn einer der beiden zB. Knieschmerzen hatte, spätestens die nächste Woche der andere es auch hatte und umgekehrt. Manchmal dachte ich, sie verschmelzen so ineinander, daß sie die gleichen Symptome entwickeln.

  • Liebe czerion ,


    die für mich stimmigste Aussage habe ich von einer schamanisch praktizierenden Aufstellungstherapeutin gehört .


    Sie sagte : es gibt nur Liebe . Liebe , die fließt , das ist die Liebe die uns beglückt . Und Liebe , die nicht fließt oder fließen kann , das ist die Liebe , die uns schmerzt .


    Da gibt es wohl viele Gesichter der Liebe .


    Die Liebe die nicht fließen konnte , bekommt wahrscheinlich solche Gesichter wie Hass oder Angst .....


    liebe Grüße , toshka


    * i believe there's a magic .... *

  • Herzlichsten Dank toshka :herz: Das ist eine ganz wundervolle Aussage! :hüpfen:


    Und je nach 'Flußstärke' empfinden wir sie anders und würden dem jeweiligen Moment bzw. der Intensität einen anderen Namen geben.


    :herz1:

  • Ich hatte ganz spontan den Gedanken, dass das Gegenteil von Liebe mangelnde Selbstliebe sein könnte. Denn wer sich nicht selbst lieben kann, kann auch niemand anders lieben.


    Vielleicht ist aber auch Gleichgültigkeit das Gegenteil von Liebe?


    Das Thema verwirrt mich gerade, aber ich kann heute sowieso nicht klar denken, weil sich in meinem Kopf alles um meinen Hund dreht.

  • Für mich hat Liebe mit dem Bewusstsein um das Einssein mit der göttlichen Quelle zu tun. Sie ist bedingungslos und Raum und Zeit überschreitend. Überall, wo uns im irdischen Leben die Er-inner-ung an diese ursprüngliche Einheit mit allem Sein gespiegelt wird, empfangen wir einen Lichtstrahl der Ewigkeit und nennen es Liebe. Der Blick eines Tieres, die Wiese im morgendlichen Dunst, das Lächeln eines lieben Menschen ... überall kann sie plötzlich aufleuchten.:hrz::sun::hrz:


    Deswegen sind für mich Zweifel - zwei-Fälle - das Gegenteil von Liebe, weil sie den Fall aus dem Einssein bedeuten. Das macht Angst: der Fall aus dem Licht der einen Quelle, die Erfahrung von Dunkelheit und Getrenntsein sind der Seele wesensfremd...und doch lässt sie sich darauf ein, wenn sie in einem Körper inkarniert. Die Mystikerin Shunyata Mahat schreibt über diese Urangst der Seele (das war z. T. das, was ich meinte, mit "die Seele fügt sich" im 'Homöopathie sparen' Thread), ich schaue mal, ob ich es finde...


    Liebe Grüße

    Erdherz :<3:

    Ich weiß, dass ich alles mal gewusst habe, es aber leider wieder vergessen habe :crazy:

  • Vielleicht ist die eigentliche Frage eher was Liebe ist.


    ...aus meiner Sicht gibt es so etwas wie vollkommenes Einsein mit dem was ist... etwas spontan vollkommenes und bedingungsloses... und damit auch vollkommenes Mitgefühl, weil es etwas mit (sich selbst zu) Erkennen zu tun hat.

    Die Wurzel dafür ist in uns selbst... also in jedem selbst... und dort ist auch die Kraftquelle...



    Was die Menschen und Wesen in die Verblendungen wie Hass, Anhaftung, Abneigung, Gier, Stolz, Eifersucht, etc. führt (und damit wegführt von Ihrer wahren Natur) ist die Unwissenheit, also Nicht-Erkennen - daraus resultieren die Geistesgifte.



    Vielleicht findest Du beim Lesen von buddhistischen Texten und Literatur eine Antwort die Dir hilft :-)



    Ich finde das Zitat von toshka sehr schön!


    Und auch was Du gerade geschrieben hast Erdherz



    Lieben Gruß an Euch!


    Daniel



    p.s. Wir könnten auch hier im Forum einen kleinen Bereich dem Buddhismus widmen, falls Kerstin damit einverstanden ist. Ich sah schon Themen wie Wiedergeburt etc.

    Wäre vielleicht eine gute Idee... was meint Ihr?

    :twr: Das Buch des Lebens ist das Leben selbst :twl:


    ...allzeit gute Reise... :flieg:

  • Ist es überhaupt nötig, ein Gegenteil für ein bestimmtes Gefühl zu finden?

    Für mich ist das Gegenteil von Liebe (wenn man es auf diese Weise sehen will) auch ganz klar Angst. Keine Zweifel, keine leisen, nagenden Gedanken, sondern wirkliche Angst. Panik, Todesangst - eine Angst, die einen gar nicht groß zum Denken kommen lässt, weil sie den Körper komplett flutet.

    Vor einigen Jahren hatte ich eine schwere Angststörung und die konnte ich nur Stück für Stück ablegen, weil ich gelernt habe Liebe zu empfinden und ich dieses Gefühl in schwierigen Situationen, die mir Angst machen, abrufen kann.

    Denn was soll sonst das Gegenteil von Angst sein? Mut? Das macht für mich wenig Sinn, denn mutig kann ja nur der sein, der Angst empfindet.

    Angst und Liebe sind zwei uralte, animalische Gefühle, die uns am Leben halten, beziehungsweise hält uns die Angst am Leben (jedenfalls war das ihre ursprüngliche Aufgabe) und die Liebe gibt uns einen (oder sehr viele ;) ) Grund zu leben.

    Wenn ein gesundes Gleichgewicht zwischen Liebe und Angst entsteht, gibt es kein Gegenteil mehr, sondern nur ein tiefes, durchdringendes Ganzes: Vertrauen

  • Liebe toshka,


    das ist so eine vermeintlich einfache und gleichzeitig so tiefe Aussage dieser Aufstellungstherapeutin! <3


    Wie oft faselt man als möchte-gerne-Spirituelle/r davon, dass ALLES Liebe ist! Und hadert dann doch mit den Unwegsamkeiten des eigenen Daseins und mit allen Anderen.


    Mir fiel noch dieses alte Bild aus den Upanishaden ein: Die Kutsche (Körper), der Kutscher (Geist/Verstand), die Pferde (Sinne und Kraft) und dann der Fahrgast (Seele)


    Ein klarer Geist achtet auf das Zusammenspiel - den Fluss - von Körper, Geist und Seele , indem er die Zügel und das Geschirr weise zu nutzen versteht (Yoga) und verhilft somit der Individualseele, sich wieder mit der Allseele zu verbinden.


    Aber diesem Kutscher wurde auch ein Geschenk Gottes mitgegeben, für das er lange üben muss, um es klar und zielgerichtet einzusetzen, damit Kutsche und Fahrgast keinen Schaden erleiden: der freie Wille. So oft ist er die Bremse, die die Fahrt ins Stocken bringt - dann wird die Liebe schmerzhaft.


    Herzliche Grüße

    Erdherz :<3:

    Ich weiß, dass ich alles mal gewusst habe, es aber leider wieder vergessen habe :crazy:

  • ...


    Wenn ein gesundes Gleichgewicht zwischen Liebe und Angst entsteht, gibt es kein Gegenteil mehr, sondern nur ein tiefes, durchdringendes Ganzes: Vertrauen

    ...Urvertrauen...


    Und aus Angst kann Achtsamkeit (mit sich selbst und dem was ist) werden, dann verliert die Angst sozusagen ihren "lähmenden Charakter".

    :twr: Das Buch des Lebens ist das Leben selbst :twl:


    ...allzeit gute Reise... :flieg:

  • Angst kann auf jeden Fall wegweisend sein, was diese Kutschfahrt anbelangt. Der Schmerz bewirkt ja auch, dass man sich mit besseren Optionen beschäftigt.


    Angst ist aber nicht gleich Angst. Genau wie bei der Unterscheidung von Vertrauen und Urvertrauen, auf die Daniel sicher hinweisen wollte, gilt es auch bei den Ängsten den Blick auf die Ursachen zu lenken. Bei den Urängsten geht es um tiefste seelische Belange. Das würde ich auch von Panik unterscheiden, die auch andere psychische oder eventuell körperliche Auslöser haben kann.

    Darunter fällt auch die Angst der grenzenlosen Seele vor dem Eintritt in einen begrenzten und endlichen Körper. Auch die tiefe (gegenteilige) Angst des Individuums, grenzenlose Seele zu sein, fällt sicher darunter.

    Die Zweifel, als Ausdruck für die Seelenvergessenheit eines Menschen, der noch in einer Welt von Subjekt und Objekt lebt und die Trennung zwischen Ich und Welt als Wirklichkeit erlebt, sind wiederum ursächlich für Schmerz bzw. Angst. Man erlebt sich nicht als fließende Liebe.


    Sicher gehört die Todesangst auch zu den Urängsten (da trifft Panik vielleicht am meisten zu). Wenn man sich erst mal mit dem Körper identifiziert hat, ist es natürlich völlig normal, Angst vorm Verlust dieser "Kutsche" zu empfinden.


    Liebe Grüße

    Erdherz :<3:

    Ich weiß, dass ich alles mal gewusst habe, es aber leider wieder vergessen habe :crazy:

  • Danke für Deine Worte, Erdherz :-) :]


    "Seelenvergessenheit"...


    Ja, ich glaube im Grunde geht es nur um das Erinnern... daran wer wir wirklich sind...



    Ich wollte vorhin noch etwas ergänzend schreiben, dass "Angst" gewiss sehr viele verschiedenen Formen hat und wie diese sich ausdrücken (...Panik, Entsetzen, etc. ...)

    Essenziell betrachtet führen allerdings alle zur "Urangst" zurück und die bedeutet stets Konfrontation mit dem Tod.


    Urvertrauen ist aus meiner Sicht sowas wie "in jedem Moment vollkommen Loslassen können" (sich ins Urvertrauen fallen lassen können) - ohne sich dabei gehen zu lassen.

    Dabei hilft wiederrum die Achtsamkeit - Gewahrsein trifft es glaub ich noch besser.

    :twr: Das Buch des Lebens ist das Leben selbst :twl:


    ...allzeit gute Reise... :flieg:

  • Ich würde als Gegenteil von "Liebe" auch "Angst" sagen, wobei -für mich-beides ganz viele Gesichter hat. Im Grunde könnt ich sagen, dass alle Gefühle mehr oder weniger Liebe oder mehr oder weniger Angst sind.

    Wobei zum Bsp. Mitleid aus der Angst käme und Mitgefühl aus der Liebe.

    Oder Gier aus der Angst käme und "Teilen, was ich habe" aus der Liebe.

    Also, ich glaube, es gibt da ganz viele Abstufungen - aber die Wurzel ist entweder Angst oder Liebe. Wie ein Plus -und Minuspol. Und Menschsei braucht beides und hat beides.

    Aber das Ganze, was aus Plus und Minus gebildet wird, ist auch wieder Plus. Was ein Paradoxon ist, aber so empfinde ich es.

    Menschen sind konstruktiv und destruktiv - aber als Ganzes doch wieder konstruktiv. (Über die Zeit hin gesehen entwickeln wir uns dahin...)

    ... und wenn ich's nicht wieder tu'!